Weitere Nematodeninfektionen

Schwein

Nematoden stellen die wichtigste Gruppe der Helminthen des Schweines dar. Die in Mitteleuropa bedeutsamen Rundwürmer des Schweines entwickeln sich alle direkt, ohne Zwischenwirt. Dadurch ist die Gefahr der schnellen Ausbreitung innerhalb der ganzen Herde gegeben. Eine Infektion mit Rundwürmern ist somit immer ein Herdenproblem und auch Bekämpfungsmaßnahmen sind immer auf die gesamte Herde abzustimmen. Durch gut durchdachte Bekämpfungsstrategien können beträchtliche wirtschaftliche Verluste als Folge von Nematodeninfektionen bedeutend gemildert werden. Aus der Klasse der Nematoden spielen neben den Spulwürmern vor allem Magen-Darm-Strongyliden, Infektionen mit Strongyloides und Metastrongylus eine große Rolle.

Magen-Darm-Strongyloiden

Erreger

Bei den Magen-Darm-Strongyloiden kann eine Gruppe von Parasiten zusammengefasst werden, deren Eier sich mikroskopisch kaum voneinander unterscheiden. Sie zählen zu den bedeutendsten Endoparasiten der Sauenhaltung, treten aber unter modernen Haltungsbedingungen nur noch selten auf. Betroffen sind vor allem Zuchtschweine, wobei der Befallsgrad mit dem Alter der Tiere zunimmt.

Zur Gruppe der Magen-Darm-Strongyloiden zählt der 4 – 11 mm lange fadenförmige rote Magenwurm Hyostrongylus rubidus und die 10 – 15 mm langen weißlichen Knötchenwürmer Oesophagostomum spp.. Die Eier sind farblos, fassförmig, haben eine dünne Eischale und keine Polkappen.

Entwicklungszyklus

Aus den mit dem Kot ausgeschiedenen Eiern schlüpfen Larven, die dann oral, i. d. R. beim Wühlen in der Einstreu aufgenommen werden. Diese Larven parasitieren zunächst in der Schleimhaut des Verdauungstraktes und bilden bei wiederholten Infektionen ein Ruhestadium, das zu einem späteren Zeitpunkt reaktiviert werden kann.

Larven und adulte Stadien des roten Magenwurms parasitieren im Magen, Knötchenwürmer im Dickdarm der Schweine, wo sie erbsengroße Knötchen und auffällige Schleimhautfalten bilden. Nach dem Aufbrechen der Knötchen wandern die Oesophagostomum-Larven in das Darmlumen und heften sich an der Darmschleimhaut an, ernähren sich von Gewebe und Körpersäften und bleiben mindestens 200 Tage lang aktiv. Der Entwicklungszyklus von der Infektion bis zur Geschlechtsreife der Würmer dauert bei beiden Magen-Darm-Strongyloiden etwa 17 – 40 Tage. Eine befallene Sau kann mehrere Millionen Eier täglich ausscheiden, wobei dies i. d. R. um den Zeitraum der Geburt erfolgt.

Klinische Erscheinungen

Die Entwicklungsphase der Magen-Darm-Strongyloiden geht mit schleimig-blutigen Durchfällen, Appetitlosigkeit, starken Gewichtsverlusten einher und führt mitunter sogar zum Tod. Im Gegensatz zu Ferkeln und Läufern verläuft die Magen-Darm-Strongyloidose bei erwachsenen Schweinen mehr chronisch-schleichend mit Fruchtbarkeitsstörungen, vermehrten Totgeburten und verringerten Wurfzahlen, wobei die Ferkel zudem durch Mindergewicht auffallen.

Diagnose

Zur Diagnose können Kotproben entnommen und mittels Flotation nachgewiesen werden, wobei eine Differenzierung der Wurmeier sehr anspruchsvoll und aufgrund der einheitlichen Therapie auch nicht unbedingt notwendig ist.

Prophylaxe und Therapie

Prophylaktisch bedeutsam ist ein modernes Haltungsmanagement, da unter modernen Haltungsbedingungen Magen-Darm-Strongyloiden kaum mehr zu finden sind.

Medikamentös kann bei nachgewiesener Infektion mit Anthelmintika behandelt werden. Geeignete Wirkstoffe für diese Indikation sind beispielsweise Febantel und Levamisol. Wichtig ist eine genaue Dosierung, die den nötigen Wirkstoffspiegel über einen ausreichend langen Zeitraum gewährleistet.

Strongyloides ransomi

Erreger

Die Strongyloidose verursacht durch Strongyloides ransomi ist eine nur noch selten auftretende Parasitose, die hauptsächlich bei jungen Ferkeln vorkommt, die sich galaktogen über das Kolostrum oder perkutan infizieren. In intensiven Haltungssystemen kann es auch zu einer chronischen Bestandserkrankung kommen.

Der Zergfadenwurm Strongyloides ransomi ist ein haarfeiner, etwa 3 bis 5 mm langer Wurm, der im Darm junger Ferkel parasitiert. Die Eier sind glatt, ellipsenförmig mit dünner Eischale und haben keine Polkappen.

Entwicklungszyklus

Eine Infektion mit Strongyloides ransomi kann sowohl perkutan, also durch die Haut der Ferkel, als auch galaktogen durch die Aufnahme von Kolostrum erfolgen.

Bei der perkutanen Infektion schlüpfen aus den Wurmeiern im Freien Larven, die sich durch die Haut der Ferkel bohren und danach über Blut- und Lympfgefäße zur Lunge gelangen. Dort setzen sie einen Reiz, sodass die Larven von den Ferkeln hochgehustet und abgeschluckt werden um sich schließlich im Dünndarm anzusiedeln. Dort bohren sie sich in die Schleimhaut ein und werden nach zwei weiteren Häutungen innerhalb von etwa 6 Tagen geschlechtsreif.

Bei Sauen siedeln sich die Parasiten hämatogen im Bauch- und Milchdrüsenfettgewebe an und legen bis zum Beginn der Säugeperiode eine Ruhephase ein. Beim Einsetzen der Laktation wandern sie in die Milchgänge und werden bereits mit dem Kolostrum auf die Ferkel übertragen, gelangen dort direkt in den Dünndarm, entwickeln sich weiter und bereits nach 6 Tagen kann die Ausscheidung beginnen. Eine Übertragung durch die Milch kann über mehrere Trächtigkeiten erfolgen.

Klinische Erscheinungen

Die perkutane Infektion ruft bei starkem Befall Quaddeln und Hautrötungen bevorzugt an Brust, Bauch und Innenschenkeln hervor. Durch die Wanderung der Larven zur Lunge kann es zu leichten Lungenblutungen und Husten kommen, sowie zur Verstärkung von Lungenentzündungen, da die hervorgerufenen Läsionen Infektionen durch andere Erreger begünstigen.

Die im Darm parasitierenden adulten Würmer lösen das Leitsymptom der Erkrankung, den Durchfall aus, der ab der 2. Lebenswoche beginnt und zu blasser Haut durch Anämie, Abmagerung und Appetitlosigkeit führen kann. Der Kot erkrankter Tiere ist gelblich-pastös bis dünnflüssig rötlich.

Diagnose

Die Diagnose kann optisch durch die auffälligen Hautveränderungen der Ferkel gestellt werden, oder anhand einer Kotuntersuchung. Die Eier lassen sich aufgrund ihres typischen Aussehens leicht zuordnen.

Immunität, Prophylaxe und Therapie

Eine perkutane Infektion hat eine bleibende Immunität zur Folge, die auch vor erneuter Infektion über die Haut schützt.

Eine galaktogene Infektion führt meist zu keiner ausreichenden Immunität.

Zu den Porphylaxemaßnahmen zählen in erster Linie die ordentliche Reinigung und Desinfektion der Abferkelbuchten vor der Neubesetzung, um einer perkutanen Infektion vorzubeugen.

Medikamentös können die Ferkel zwischen dem 3. und 15. Lebenstag mit Anthelmintika behandelt werden. Auch tragende Sauen können zur Vermeidung einer galaktogenen Infektion mit Anthelmintika mindestens 14 Tage vor dem Abferkeltermin behandelt werden. Geeignete Medikamente für diese Indikation sind beispielsweise Präparate mit dem Wirkstoff Levamisol. Wichtig ist eine genaue Dosierung, die den nötigen Wirkstoffspiegel über einen ausreichend langen Zeitraum gewährleistet.

Metastrongylus spp.

Erreger

Metastrongylus spp. sind Lungenwürmer, gehören zu den Nematoden und kommen sowohl beim Wildschwein, als auch bei Hausschweinen in Freilandhaltung vor. Die Wurmeier sind sehr widerstandsfähig und können auch bei Temperaturen von -20°C bis zu einem Jahr im Boden überleben. Zwischenwirt sind Regenwürmer, in denen die Larven bis zu 4 Jahre infektiös bleiben können. Die häufigsten Arten beim Schwein sind M. salmi, M. apri und M. pudendotectus.

Entwicklungszyklus

Der Entwicklungszyklus erfolgt indirekt. Die Eier, die bereits eine Larve enthalten werden von den erwachsenen Würmern in den Bronchien der Schweine gelegt, hochgehustet, abgeschluckt und schließlich über den Kot ausscheiden. In der Außenwelt werden die Eier von Regenwürmern, in denen sie sich über drei larvale Stadien zu infektiösen Larven entwickeln, aufgenommen. Der Zyklus wird fortgesetzt, wenn die Schweine beim Wühlen die infizierten Regenwürmer fressen. Infektionen können somit nur dort auftreten, wo Schweine Kontakt zu Regenwürmern haben. Die Larven verlassen über die Darmwand den Darm der Schweine und gelangen über die Lymphbahnen zu den Mesenteriallymphknoten von dort gelangen sie nach einer Häutung über den Ductus thoracicus ins rechte Herz und anschließend in die Lunge. In den Bronchien und der Trachea beginnen sie nach Erreichen der Geschlechtsreife mit der Eiablage. Die Präpatenz beträgt 3-4 Wochen.

Klinische Erscheinungen

Zu den typischen Symptomen einer Infektion mit Metastrongylus spp. zählen Bronchitiden und Pneumonien, die durch die Wanderung der Larven ausgelöst werden. Außerdem kommt es zur Verstopfung der feinen Bronchien durch die Larven, sodass die Tiere schwer atmen, abmagern und kümmern. Zusätzlich kommt es häufig zu Sekundärinfektionen.

Schwere Krankheitsverläufe treten meist nur bei sehr jungen Tieren oder bei Tieren mit geschwächter Widerstandskraft auf.

Diagnose

Der Nachweis erfolgt durch eine Kotuntersuchung oder wird bei der Schlachtung durch den Anschnitt der Bronchien erbracht.

Prophylaxe und Therapie

Im Vordergrund der Prophylaxemaßnahmen steht ein gut geführtes Weidemanagement. Nachweislich verseuchte Weiden sollten für mehrere Jahre gemieden und danach nur für entwurmte Tiere zugelassen werden. Vorteilhaft sind planbefestigte Ausläufe, da sich diese über längere Zeiträume lungenwurmfrei halten lassen.

Medikamentös kann bei Lungenwurmnachweis mit Anthelmintika behandelt werden. Geeignete Anthelmintika für diese Indikation sind beispielsweise Präparate mit dem Wirkstoff Levamisol. Wichtig ist eine genaue Dosierung, die den nötigen Wirkstoffspiegel über einen ausreichend langen Zeitraum gewährleistet.