Trichinella spiralis

Schwein

Die Trichinellose ist eine durch Trichinella spiralis ausgelöste, weltweit vorkommende Parasitose, die außer beim Schwein auch bei verschiedenen anderen Säugetieren und auch beim Menschen auftreten kann. Die Trichinellose gehört somit zu den Zoonosen. Aufgrund des breiten Wirtsspektrums besteht in vielen Ländern einschließlich Deutschland die Pflicht zur Durchführung einer Trichinenuntersuchung bei geschlachteten Schweinen, deren Fleisch in Verkehr gebracht werden soll. Aus diesem Grund konnte Trichinella spiralis aus dem deutschen Hausschweinebestand fast vollständig eliminiert werden.

Erreger und Epidemiologie

Trichinella spiralis ist ein 1,5 – 4 mm langer Fadenwurm (= Nematode) mit einem Durchmesser von 0,04 – 0,06 mm. Umgangssprachlich wird der Wurm einfach als Trichine bezeichnet.

Beachtenswert bei der Infektion des Schweines ist vor allem der domestische Zyklus von Trichinella spiralis, bei dem sich Schweine durch Füttern von rohen oder ungenügend erhitzten Schlachtabfällen und Speiseresten infizieren. Für den Menschen sind ungekochte oder nicht genügend tiefgefrorene Schweinefleischstücke gefährlich.

Entwicklungszyklus

Nach peroraler Aufnahme von infektiösem Muskelfleisch wird die Kapsel der aufgerollten Larven durch die Verdauungsenzyme im Magen aufgelöst und die Larve freigesetzt. Diese gelangt mit der Peristaltik in den Dünndarm und entwickelt sich innerhalb von 24 – 30 Stunden im Dünndarmepithel zum geschlechtsreifen Wurm, wobei sie sich in dieser Zeit viermal häutet. Nach der Begattung sterben die männlichen Würmer schnell ab und die weiblichen Würmer bohren sich weiter ins Darmepithel ein und gebären nach weiteren 5 Tagen schubweise 1000 bis 1500 lebende Larven, die über Lymph- und Blutbahnen in die Muskulatur gelangen. Dabei werden gutdurchblutete Muskeln, wie Diaphragma, Zungenmuskulatur, M. masseter und Augenmuskeln bevorzugt. Nach 2 – 3 Tagen erreichen die Trichinenlarven ihren endgültigen intrazellulären Sitz in Fasziennähe. Die Muskelzellen werden zu kapselförmigen Ammenzellen der Larven transformiert. Es bilden sich zitronenförmige Kapseln um die Larve, die sich darin spiralenförmig aufrollt. Insgesamt beträgt die enterale Phase etwa 20 Tage. Trichinenlarven erreichen ihre Infektionsfähigkeit für einen neuen Wirt ca. 15 – 21 Tage nach der Infektion.

Nach unterschiedlich langer Zeit beginnt die Verkalkung, zunächst der Parasitenkapsel und erst wesentlich später des Parasiten selbst. Die verkalkten Kapseln haben beim Schwein eine Lebensdauer von bis zu 11 Jahren, beim Menschen sogar bis zu 30 Jahren.

Kochen und Einfrieren des infizierten Muskelfleisches tötet die Larven von Trichinella spiralis. Einzelheiten dazu sind in den Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation (www.euro.who.int) und der World Organisation of Animal Health (= O.I.E., www.oie.int) zu finden.

Klinik und Pathologie

Die natürliche Infektion mit Trichinella spiralis verläuft beim Schwein i. d. R. asymptomatisch. Experimentelle Infektionen führen zu Enteritis, Tachypnoe, Myokarditis, Schluckbeschwerden und steifem Gang. Pathologisch-anatomisch besteht während der intestinalen Phase eine katarrhalische bis hämorrhagische Enteritis. In der Muskulatur kommt es zum Verlust der Querstreifung, entzündlichen Infiltrationen und später zur Abkapselung der Larven.

Der Mensch ist ein Fehlwirt, jedoch hoch empfänglich für diese Parasiten, wobei der Schweregrad der Infektion zum einen von der Anzahl der aufgenommenen Larven und zum anderen von der Wirtsabwehr abhängig ist. Beim Menschen äußert sich die intestinale Phase mit Bauchschmerzen und Durchfall, die Muskelphase mit Fieber, Muskelschmerzen, Lid- und Gesichtsödem und Hautreaktionen. Generell sind auch alle anderen warmblütigen Tiere für eine Infektion mit Trichinen empfänglich.

Diagnose

Die Diagnose wir post mortem bei der Trichinenuntersuchung im Rahmen der Fleischkontrolle gestellt. Der Erregernachweis erfolgt dabei mittels Fleischproben aus jedem der beiden Zwerchfellpfeiler und anschließender Untersuchung. Die Referenzmethoden sind gesetzlich vorgeschrieben, früher nutzte man die Betrachtung im Trichinenkompressorium, heute findet die Untersuchung vor allem mittels des wesentlich genaueren Digestionsverfahrens bzw. Magnetrührverfahrens statt.

Prophylaxe und Therapie

Prophylaktisch steht in Deutschland die amtliche Trichinenuntersuchung im Vordergrund der Maßnahmen. Dabei werden jährlich mehr als 40 Millionen Hausschweine untersucht.

Medikamentöse Behandlungsmaßnahmen sind umso effektiver, je frühzeitiger sie durchgeführt werden, da sie vornehmlich wirksam sind, solange sich die Trichinen im Darm oder sich auf ihrer Wanderung zur Muskulatur befinden. Nach der Abkapselung ist ein Therapieerfolg sehr unsicher. Da der richtige Behandlungszeitpunkt jedoch nicht abgeschätzt werden kann, zumal die Infektion beim Schwein asymptomatisch verläuft, sollte eine Bestandsbehandlung mit Anthelmintika (Albendazol) durchgeführt werden.