Infektion mit Spulwürmern

Ascaris suum ist der wichtigste und mit einer Prävalenz von mehr als 30% der am häufigsten auftretende Endoparasit in der Schweinehaltung. Die Tendenz ist dabei kaum abnehmend und der Erreger ist auch in gut geführten Betrieben oft ein Problem. Eine Infektion kann durch Leistungseinbußen und Leberschädigung, die zur Schlachtwertminderung führt hohe wirtschaftliche Verluste bedingen. Umfassende Bekämpfungsmaßnahmen dieser Infektion sind daher sinnvoll und zahlen sich aus.

Erreger

Ascaris suum ist ein Fadenwurm (= Nematode) aus der Gattung der Spulwürmer. Die adulten Stadien erreichen eine Länge von 15 – 30 cm und einen Durchmesser von 4 – 6 mm, wobei die weiblichen Würmer generell länger als die männlichen sind. Der Körper ist spindelförmig und läuft an beiden Enden spitz zu, ihre Farbe ist gelblich-weiß. Ascaris suum parasitiert im Dünndarm der Schweine, wo die weiblichen Würmer täglich zwischen 100.000 und 1.000.000 Eier produzieren. Die Eier besitzen eine besonders widerstandfähige Schale und sind dadurch gegenüber Umwelteinflüssen relativ resistent, sodass sie zum Teil bis zu 5 Jahre infektiös bleiben können. Die Eier sind goldbraun mit höckeriger Oberfläche. Die Eihülle ist dreischichtig, was eine hohe Widerstandsfähigkeit gegen Umwelteinflüsse und lange Überlebensdauer der Eier zur Folge hat.

Entwicklungszyklus

Nach der Ausscheidung der Eier mit dem Kot entwickelt sich im Ei bei Raumtemperatur nach etwa 17 – 22 Tagen die Larve I, die sich zwischen dem 22. und 27. Tag häutet und sich so zur Larve II entwickelt. Ab dem 27. Tag erfolgt eine zweite Häutung zur infektiösen Larve III. Bei hohen Temperaturen von etwa 30 – 33°C ist diese Embryonierung schon in zwei Wochen abgeschlossen. Nach der oralen Aufnahme der infektiösen Larve III durch den Wirt, durchbrechen sie das Darmepithel und gelangen über die Mesenterialvenen zur Leber, die sie etwa 7 bis 10 Tage lang durchwandern. Danach gelangen die Larven über die Vena cava cranialis zur Lunge. In der Lunge erfolgen zwei weitere Häutungen. Anschließend wandern die Larven zur Trachea und werden von dort durch das Flimmerepithel in den Rachen des Schweines befördert und schließlich abgeschluckt. So gelangen sie wieder in den Dünndarm, wo es nach einer weiteren Häutung zur Reifung zum geschlechtsreifen Spulwurm kommt.

Läsionen und deren wirtschaftliche Folgen

Befallen werden meist junge Mastschweine. Seltener Zuchtsauen, die jedoch als Ausscheider eine bedeutende Infektionsquelle darstellen können. Während der Wanderphase der Larven durch die Leber erzeugen sie Bohrkanäle, die als Reaktion zu Granulomen und bindegewebigen Verhärtungen führen, sodass das typische Bild der „milk spots“ auf der Leberoberfläche entsteht. Das führt dazu, dass betroffene Lebern nach der Schlachtung verworfen werden müssen. Aber nicht nur die Leberschädigung führt zu hohen wirtschaftlichen Verlusten, sondern insbesondere auch die Folgenerscheinungen durch Darmschäden. Der adulte Spulwurm führt beim Schwein zur Schädigung des Dünndarms mit Verdickung und Verkürzung der Zotten, Vertiefung der Krypten, zellulärer Infiltration der Lamina propria und Verdickung der Tunica muscularis, was eine verminderte Futteraufnahme, reduzierte Futterverwertung, insbesondere von Futterfett, und geringere Gewichtszunahme zur Folge hat. Bedeutungsvoll ist dabei auch die Beeinträchtigung der Lactase-Aktivität, die über die resultierende Lactose-Intoleranz zur osmotischen Diarrhoe führt, was sich wiederrum in einer schlechteren Futterverwertung wiederspiegelt.

In der Lunge entstehen Blutungen, Ödeme und eosinophile Infiltrate durch die Passage der Würmer. Pneumonien können somit auch als Symptom einer Ascariden-Infektion in Frage kommen.

Klinische Erscheinungen

Bei starkem Wurmbefall kann es im Dünndarm zur Bildung sogenannter Wurmknäuels kommen, die einen Ilius auslösen können.

Durch die Wanderung der Larven in die Leber, können vereinzelt Larven in die Gallengänge gelangen und dadurch einen Ikterus auslösen.

Die Wanderung der Larven in die Lunge führt in Abhängigkeit von der Befallsstärke zu Dyspnoe, Husten, Fieber und Appetitlosigkeit. Aber auch allergische Reaktionen können auftreten.

Allerdings führt eine Infektion mit Ascaris suum nicht immer zur Ausbildung klinischer Symptome. Je nach Anzahl der Parasiten und Abwehrlage des Schweines kommt es entweder zu keinen Störungen, zu milden Symptomen oder zu schweren Beeinträchtigungen.

Immunität

Nach überstandener Infektion bilden die Schweine eine natürliche Immunität aus, die meist ausreichend ist, um bei einer Reinfektion eine hohe Anzahl von Larven bereits im Darmlumen abzutöten, was in der Folge zu weniger „milk spots“ und weniger Larven in der Lunge führt.

Die Abtötung der Larven durch die natürliche Immunabwehr ist aber grundsätzlich abhängig von der Stärke der vorangegangenen Ascaris suum-Infektion. Je stärker die vorangegangene Infektion war, umso früher und umso heftiger erfolgt die Immunreaktion.

Diagnose

Zum Erregernachweis dient die Kotuntersuchung, wobei die Kotproben möglichst rektal entnommen werden sollten, oder direkt nach dem Kotabsatz, um Verunreinigungen zu vermeiden. Die Kotuntersuchungen sollten in regelmäßigen Abständen erfolgen, um die Parasitenlage des Betriebes genau einschätzen zu können. Von Tieren in Gruppenhaltung, wie etwa Aufzuchtferkeln, können auch Sammelkotproben erstellt werden.

Eine einmalige negative Kotuntersuchung lässt noch nicht auf eine Parasitenfreiheit schließen, da von erkrankten Tieren nicht immer Eier ausgeschieden werden, sodass wiederholte Kotuntersuchungen durchgeführt werden sollten. Größere Parasiten oder Teile davon, die mit dem Kot ausgeschieden werden, sind oft bereits mit bloßem Auge zu erkennen. Ansonsten dient das Flotationsverfahren mit anschließender mikroskopischer Untersuchung dem Parasitennachweis.

Eine weitere Möglichkeit der Diagnose besteht in der Beurteilung der Leber am Schlachthof, mit Hilfe der „milk spots“ auf der Leberoberfläche. Allerdings muss dieser Befund nicht immer vorliegen, sodass von einem unauffälligen Leberbefund nicht auf einen spulwurmfreien Bestand geschlossen werden kann.

Eine andere Möglichkeit der Diagnostik bietet die Sektion. An zur Sektion eingeschickten Tieren lassen sich adulte Würmer und die durch sie hervorgerufenen Läsionen an Magen und Darm und z. T. auch Lunge erkennen und so die Ascaridose nachweisen.

Prophylaxe

Bei der Bekämpfung der Ascaridose sollte das Hauptaugenmerk auf das Herdenmanagement und die Stallhygiene gelegt werden, unterstützt durch eine gezielte medikamentöse Therapie.

Wichtig und nachweislich effektiv ist ein strenges Rein-Raus-Management, sowie eine gründliche Reinigung und Desinfektion der Mastbuchten, mit zum Beispiel Hochdruckreinigern und geeigneten Desinfektionsmitteln (DVG-Liste). Zusätzlich sollten in allen Ställen täglich die Futtertröge und Tränkeeinrichtungen gereinigt werden. Der Zukauf von Schweinen sollte nur aus Beständen erfolgen, die nachweislich Wurmbehandlungen durchgeführt haben oder es sollte eine Behandlung zugekaufter Tiere in einem Isolierstall erfolgen.

Bei Weidehaltung sollte zusätzlich eine Weiderotation im ein- bis zwei Jahresintervall durchgeführt werden, um die Weidekontamination so gering wie möglich zu halten. Aufgrund der hohen Widerstandfähigkeit der Ascaris suum Eier ist aber eine Bekämpfung der Parasiten bei dieser Haltungsform sehr schwierig.

Therapie

Oft erfolgt eine Selbstreinigung durch den Schweineorganismus. Der Einsatz von Anthelmintika ist jedoch trotzdem sinnvoll um die Organschäden möglichst gering zu halten.

Die Behandlung von tragenden Sauen mit Anthelmintika sollte 2 Wochen vor dem Abferkeltermin durchgeführt werden und spätestens 4 Tage vor Umstallung in die Abferkelbox beendet sein. Zusätzlich sollten die Sauen gründlich abgewaschen werden, insbesondere im Bereich der Klauenspalten und am Gesäuge.

Absatzferkel sollten 10 Tage vor der Überführung in den Mastbetrieb mit Anthelmintika behandelt werden, Zuchteber 2 – 4 mal im Jahr und Schweine in ökologischen Betriebsformen mit Freiland- oder Auslaufhaltung vor dem Weideaustrieb. Geeignete Wirkstoffe für diese Indikation sind beispielsweise Febantel und Levamisol. Wichtig ist eine genaue Dosierung, die den nötigen Wirkstoffspiegel über einen ausreichend langen Zeitraum gewährleistet.

Zoonotisches Potential

Eine Infektion des Menschen durch Ascaris suum im infektiösen Stadium der Larve III ist möglich, jedoch erlangen die Würmer nicht die Geschlechtsreife. Auch eine Infektion des Schweines durch Ascaris lumbricoides, den Spulwurm des Menschen, ist experimentell möglich.