Infektion mit Peitschwürmern

Schwein

Erkrankungen durch den Peitschenwurm Trichuris suis spielen vor allem in alternativen Haltungssystemen oder bei mangelnder Stallhygiene eine große Rolle. Bei starkem Befall treten schwerwiegende Krankheitssymptome auf. Häufiger dagegen und auch in gut geführten konventionellen Ställen anzutreffen sind subklinische Infektionen, die jedoch aufgrund ihrer negativen Auswirkungen auf die Leistung der Tiere nicht unterschätzt werden dürfen.

Erreger

Trichuris suis ist ein 3 – 6 cm langer, weltweit vorkommender Peitschenwurm aus dem Stamm der Fadenwürmer. Der Wurm besteht aus einem langen dünnen peitschenartigen Vorderkörper und einem verdickten Hinterende. Er ist wirtspezifisch und besiedelt beim Schwein den Dickdarm. Die Wurmeier sind zitronenförmig, von bräunlicher Farbe, haben eine dicke Eischale und besitzen zwei Polkappen.

Entwicklungszyklus

Der adulte Wurm verankert sich mit seinem langen peitschenartigen Vorderkörper in der Schleimhaut des Dickdarms. Er löst dabei die Schleimhautzellen auf und ernährt sich von deren Inhalt. Im Dickdarm werden auch die Eier ausgeschieden und gelangen über die Faeces ins Freie. Die Eier haben in der Außenwelt eine sehr lange Entwicklungszeit und sind erst nach 3 bis 4 Monaten reif und infektiös. Die Eier sind empfindlich gegen Sonnenlicht und Austrocknung, sodass sie sich am besten in schattigen Erdausläufen und schmutzigen Laufställen entwickeln. Sie werden nach der Reifung vom Schwein wieder oral aufgenommen und gelangen über den Magen in den Darm. Dort schlüpfen schließlich die Larven und verankern sich, wie die adulten Würmer im Dickdarm, wo sie sich nach mehreren Häutungen zum adulten Wurm entwickeln.

Klinische Erscheinungen

Durch die Verankerung des Wurmes im Dickdarm kommt es zur massiven Schädigung der Darmschleimhaut, die in der Folge zu bakteriellen Sekundärinfektionen mit Kolik und Durchfall führt. Bei Jungtieren können außerdem Wachstumsstörungen und Anämien auftreten.

Klinische Erscheinungen treten allerdings nur bei massivem Befall auf, ansonsten verläuft die Infektion subklinisch.

Bedeutung für den Menschen

Obwohl Trichuris suis wirtsgebunden nur das Schwein befällt, laufen derzeit in der Humanmedizin Studien, die untersuchen, ob die Einnahme der Wurmeier von Trichuris suis beim Menschen mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, wie Morbus Chron, einen positiven Effekt auf die Remission oder Rezidivprophylaxe hat. Der Therapieansatz begründet sich auf der Annahme, dass bei Autoimmunerkrankungen ein überschießendes Immunsystem die Darmwand nicht mehr angreifen würde, wenn man ihm eine andere Aufgabe gibt. Ähnliche Studien laufen im Bereich der Hobbytiertiermedizin vor allem an allergischen Hunden. Die Forschungen hierzu dauern noch an.

Prophylaxe und Therapie

Prophylaxemaßnahmen zielen in erster Linie darauf ab, schlechte Entwicklungsmöglichkeiten für die Wurmeier zu schaffen, wobei in erster Linie die Ställe trocken und sauber gehalten werden sollten. Da die Eier empfindlich gegenüber Trockenheit sind ist auf diese Weise einem massiven Befall gut vorzubeugen.

Eine medikamentöse Bekämpfung erfolgt mit Anthelmintika. Geeignete Medikamente für diese Indikation sind beispielsweise Präparate mit dem Wirkstoff Levamisol. Wichtig ist eine genaue Dosierung, die den nötigen Wirkstoffspiegel über einen ausreichend langen Zeitraum gewährleistet.