Läuse

Neben der Räude ist beim Schwein eine Infestation mit Läusen bedeutsam. Die blutsaugenden Parasiten breiten sich schnell im Bestand aus und führen durch Juckreiz zu starker Beeinträchtigung des Wohlbefindens der Tiere. Der Juckreiz und der Blutentzug durch die Läuse bedingen nicht selten bedeutsame wirtschaftliche Verluste durch geringere Futteraufnahme und schlechtere Mastleistung der gestressten Tiere. Ferkel können sogar anämisch werden und kümmern. Schließlich ist nicht unbedeutsam, dass die Läuse wegen ihrer Blut saugenden Aktivität als Überträger der Schweinepest und der Schweinepocken in Betracht kommen.

Erreger

Läuse sind weitestgehend wirtsspezifische Insekten, deren Befall als Pedikulose bezeichnet wird.

Auf Schweinen parasitiert nur eine einzige Lausart: Haematopinus suis. Sie ist etwa 0,5 cm lang, hat einen platten, grau-braunen Körper, einen schmalen Kopf und stechend-saugende Mundwerkzeuge. Sie gehört damit zu den blutsaugenden Parasiten. Haematopinus suis hat eine Lebenserwartung von ca. 4 bis 5 Wochen und parasitiert in der Mikroumgebung der Schweinehaut. Außerhalb des Wirtes kann die Laus nur wenige Tage überleben.

Trotz geringer Größe bedingen Schweineläuse Verluste von weit mehr als einem Cent. Quelle: Prof. Dr. Karl Heinritzi, LMU München

Entwicklungszyklus

Nach der Paarung legen die weiblichen Läuse ca. 50 Eier mit einer Größe von etwa 1 mm, sogenannte Nissen und kleben diese mit einer wasserfesten Kittsubstanz an die Borsten nahe der Hautoberfläche des Schweines. Bevorzugte Stellen sind dafür der Bereich der Ohren, des Nackens und der Flanken. Nach etwa 14 Tagen schlüpfen aus den Eiern die Larven, aus denen durch Verpuppung schließlich die adulten Läuse entstehen. Die Larven saugen bereits Blut. Der Entwicklungszyklus vom Ei zur adulten Laus dauert mindestens 25 Tage.

Nahaufnahme eines Schweines, an dessen Borsten unzählige Läusenissen kleben. Quelle: Prof. Dr. Karl Heinritzi, LMU München

Lokalisation und Erscheinen der Läsionen

Schweineläuse leben auf der Hautoberfläche und stechen zu jeder Nahrungsaufnahme, das heißt mehrmals am Tag, jeweils an einer anderen Hautstelle in die Haut ein. Dies hat zur Folge, dass sich an den Einstichstellen Rötungen bilden und sich zum Teil entzündliche Hautveränderungen entwickeln. Je nach Befallsstärke zeigen betroffene Schweine Unruhe, starken Juckreiz, sowie eine schlechte Futterverwertung und nur geringe Gewichtszunahmen. Stark befallene Ferkel bleiben in der Entwicklung zurück und können bei sehr starkem Befall auch eine Anämie entwickeln.

Übertragung und Bedeutung der Pedikulose

Betroffen sein können Schweine aller Altersklassen. Die Übertragung erfolgt direkt von Tier zu Tier. Die Parasiteneinschleppung erfolgt in der Regel durch zugekaufte infizierte Tiere.

Eine Infestation führt, wie die meisten Parasitosen, zu Leistungseinbußen und dadurch zu wirtschaftlichen Verlusten.

Läuse können als blutsaugende Insekten aber auch andere Krankheiten übertragen, bedeutsam ist vor allem eine mögliche Übertragung von Schweinepest, Schweinepocken und Eperythrozoonose durch diese Parasiten.

Diagnose und Prophylaxe

Läuse sind mit bloßem Auge zu erkennen, sodass es im Falle einer klinischen Symptomatik empfehlenswert ist, die Tiere gegebenenfalls mit einer Lupe zu betrachten. Hilfreich ist es die Tiergruppe in Ruhe zu beobachten um Juckreiz und ähnliche Symptome zu registrieren.

Als Prophylaxemaßnahmen empfiehlt es sich zugekaufte Schweine zuerst separat aufzustallen und auf Läuse und andere Ektoparasiten zu untersuchen und gegebenenfalls zu behandeln. Sauen können prophylaktisch vor dem Abferkeln behandelt werden, da eine zeitgerechte Behandlung der Sauen die Übertragung auf die Ferkel verhindert.

Eine Ansammlung von Läusen nimmt ihre Blutmahlzeit am Ohrgrund eines Schweines ein. Quelle: Prof. Dr. Karl Heinritzi, LMU München

Therapie

Gute therapeutische Erfolge werden durch Injektionspräparate erzielt, die oft gleichzeitig auch gegen Sarcoptesmilben wirksam sind. Auf Grund der hohen Ansteckungswahrscheinlichkeit ist darauf zu achten, dass immer alle Tiere einer Tiergruppe behandelt werden.

Gut eingesetzt werden können auch Bade- und Sprühpräparate mit antiparasitär wirkenden Wirkstoffen, sowie Aufgusspräparate.

Wesentlich ist, dass die Behandlung mindestens einmal nach 7 – 14 Tagen wiederholt wird, um auch die frischgeschlüpften Larven zu erfassen. Geeignete Wirkstoffe sind Phoxim das in verschiedenen Formulierungen zur topischen Anwendung verfügbar ist und Avermectine. Beide wirken gleichzeitig auch gegen Milben, was eine umfassende Ektoparasitenbehandlung ermöglicht.