Magen-Darm-Würmer

Schäfer

Die Magen-Darm-Würmer des Schafes sind Vertreter der Klasse Nematoden (Rundwürmer). Neben den Magen-Darm-Würmern gehören auch die Lungenwürmer in diese Klasse. Die Rundwürmer stellen beim Hauswiederkäuer die nach Artenanzahl, Befallshäufigkeit und Befallsstärke, sowie hinsichtlich ihrer pathogenen Eigenschaften die bedeutsamsten Helminthen dar.

Allen Vertretern der Gruppe der Magen-Darm-Würmer gemeinsam ist eine große wirtschaftliche Bedeutung, da bereits ein subklinischer Befall mit erheblichen Leistungseinbußen verbunden sein kann.

Erregerspektrum und Bedeutung

Zu den Magen-Darm-Parasiten des Schafes gehören die Gattungen Haemonchus, Ostertagia, Cooperia, Nematodirus und Trichostrongylus. In der Regel tritt ein Mischbefall auf, der zu verminderten Zuwachsraten durch Gastritis und Malabsorption im Darm führt. Der weltweit bedeutendste Magen-Darm-Parasit beim Schaf ist der blutsaugende Labmagenwurm Haemonchus contortus oder auch roter Magenwurm genannt. Aber auch Infektionen mit Ostertagia circumcincta sind beim Schaf weit verbreitet und führen zu hohen wirtschaftlichen Verlusten. Insgesamt verweilen die Nematoden sehr lange im Wirt und manifestieren sich sogar als chronische Infektionen mit unerwünschten Begleiterscheinungen des Immunsystems, wie Hypersensitivitätsreaktionen. Ob ein Schaf an einem Parasitenbefall erkrankt oder nicht, hängt von der Pathogenität des Parasiten und der Stärke des Immunsystems ab.

Eigenschaften der Erreger

Der rote oder auch gedrehte Magenwurm Haemonchus contortus gehört zu den Nematoden der Familie Trichostrongylidae. Der Wurm ernährt sich überwiegend vom Blut des Wirtes. Der weibliche Wurm ist etwa 18 – 30 mm lang, der männliche Wurm ist kleiner und weist eine Länge von 10 – 20 mm auf. Haemonchus contortus parasitiert im Labmagen des Schafes, ist hoch pathogen und hat eine Präpatenz von 2 – 4 Wochen.

Ostertagia circumcincta ist ein kleiner, maximal 1,0 cm langer Wurm, der ebenfalls zur Familie der Trichostrongylidae gehört und im Labmagen des Schafes parasitiert. Er ist hochpathogen und hat eine Präpatenz von 2 - 3 Wochen.

Cooperia curticei weist eine maximale Länge von 5 - 6 mm auf. Der Wurm gehört auch zur Familie der Trichostrongylidae, parasitiert aber im Dünndarm des Schafes. Cooperia curticei hat eine nur geringe Pathogenität und ebenfalls eine Präpatenz von 2 – 3 Wochen.

Nematodirus spp. parasitieren im Dünndarm des Schafes. Sie gehören zur Familie der Molineidae. Die Spezies Nematodirus filicollis, Nematodirus battus und Nematodirus spathiger sind mäßig pathogen, bei einer Präpatenz von etwa 3 Wochen.

Trichostrongylus spp. sind nur mäßig pathogen. Ihr Präpatenz liegt bei 3 Wochen. Bei kleinen Wiederkäuern treten die Spezies Trichostrongylus axei, Trichostrongylus colubriformis und Trichostrongylus vitrinus auf. Trichostrongylus axei parasitiert im Labmagen, während die anderen Spezies sich im Dünndarm der Tiere aufhalten.

Als weiterer Nematode des Magen-Darm-Traktes ist Strongyloides papillosus zu erwähnen, ein kleiner Wurm mit einer Länge von unter 1 cm, der zur Gattung der Strongyloiden gehört. Er unterscheidet sich von den anderen Nematoden in seinem Entwicklungszyklus und in der Art der Infektion.

Klinisches Erscheinungsbild

Nach der Infektion mit Magen-Darm-Parasiten zeigen die Schafe Abmagerung, struppige Wolle, Milchrückgang und Durchfall. Allerdings tritt bei einer Infektion mit Haemonchus contortus nicht immer Durchfall auf, sondern durch die blutsaugende Aktivität des Wurms stellt das Leitsymptom hier eine Anämie dar, die bei massivem Befall lebensbedrohend werden kann. Dabei zeigt sich eine deutliche Blässe der Schleimhäute und in chronischen Fällen Ödeme in der Halsregion. Eine Infektion mit Haemonchus contortus kann in allen Altersklassen auftreten. Bei mäßiger Infektion von Jungtieren bleiben diese bereits in der Entwicklung zurück. Ein stärkerer Befall führt dann zu Durchfall und Verklebungen im Bereich der Analregion und der Hinterbeine. Die erkrankten Schafe wirken abgeschlagen und haben oftmals einen schwankenden Gang und einen aufgekrümmten Rücken als Zeichen von Abdominalschmerzen. Sehr starke Infektionen können zum Tod der Tiere führen, davon betroffen sind vor allem unbehandelte Lämmer. Wirtschaftliche Verluste entstehen hauptsächlich durch verminderte Mastzunahmen, verringerte Milchleistungen und Wollmängel, sowohl in Qualität, als auch in Quantität.

Strongyloides papillosus kann nach kutaner Infektion zu Dermatitis, Läsionen und Juckreiz führen, die insbesondere an der Bauchunterseite und im Zwischenklauenspalt auftreten. Bei Wanderungen durch das Lungengewebe kommt es zu Husten, Atembeschwerden und sekundären Pneumonien. Die Schädigung durch Ansiedlung im Darm äußert sich in Leistungsrückgang, Abmagerung, Durchfall, sowie Mattigkeit und Anämie.

Entwicklungszyklus

Trichostrongylidae und Nematodirus

Die Würmer der Familie der Trichostrongylidae und auch der Spezies Nematodirus weisen alle in etwa den gleichen Entwicklungszyklus auf. Die Eier werden mit dem Kot in die Außenwelt abgegeben, wo sich dann im Ei die Larve I entwickelt. Die Larve I entwickelt sich bei ausreichend Feuchtigkeit und warmen Temperaturen in 1 – 2 Wochen zur infektiösen Larve III. Die infektiöse Larve III heftet sich an Gras und wird von den Schafen oral aufgenommen. Danach siedelt sie sich in den Krypten der Schleimhaut oder im Drüsenlumen des Dünndarms oder Labmagens an und wandert aktiv in die Zellen ein. Ein Teil der Larven III fällt in den Zellen oder noch auf der Weide in eine Hypobiose. Auf diese Weise kann die Larve III ungünstige Umweltbedingungen überbrücken. In der Außenwelt sind Temperaturen um den Gefrierpunkt für diese Stadien ideal, es werden allerdings auch Minusgrade gut toleriert. Die nicht hypobiotischen Larven III entwickeln sich in 2 - 4 Wochen Präpatenz über die Larve IV zum präadulten und adulten Wurm weiter und beginnen mit der Eiablage. Die Reproduktionsrate des Erregers und die Immunitätslage des Schafes bestimmen dabei die Anzahl der mit dem Kot ausgeschiedenen Eier.

Strongyloides papillosus

Einen anderen Entwicklungszyklus zeigt Strongyloides papillosus, dessen infektiöse Larven III perkutan in den Wirt eindringen oder über die Milch aufgenommen werden. Nach kutaner oder oral-kutaner Infektion schließt sich eine Körperwanderung an, nach galaktogener Infektion siedelt sich der Parasit direkt im Darm an. Auf trachealem Wanderweg erreichen die Parasiten die Nasenhöhle und den Rachenraum, werden dann vermutlich abgeschluckt und gelangen so in den Dünndarm. Während der Migration häuten sich die Larven III zur Larve IV, die sich anschließend im Dünndarm zum adulten Wurm entwickeln und ca. 4 Tage post infectionem mit der Eiablage beginnen. Auch ein somatischer Wanderweg ist möglich. In diesem Fall verbleibt die Larve III im Gewebe und wandert erst nach hormoneller Reaktivierung während der Trächtigkeit in die Milchdrüse ein um galaktogen übertragen zu werden. Die gesamte Entwicklung zum adulten Wurm kann aber auch in der Außenwelt stattfinden, sodass hier auch eine frei lebende erwachsene Generation angetroffen wird. Bei dieser sogenannten indirekte Entwicklung legen die weiblichen Würmer auf der Weide Eier ab, aus denen sich infektiösen Larven III entwickeln. Diese sind langlebig, relativ unempfindlich gegenüber Umwelteinflüssen.

Saisonale Besonderheiten und Übertragung

Die Ansteckung der Schafe erfolgt vorwiegend auf der Weide. Da die Larve III auf der Weide überwintern kann, resultieren drei saisonale Gipfel mit einer erhöhten Larvenanzahl auf der Weide: Der erste im Mai/Juni verursacht durch überwinterte Larven III, ein zweiter im Juli/August durch Ausscheidung der Eier durch Muttertiere, die besonders um den Zeitpunkt der Geburt viele Eier ausscheiden und ein weiterer im September/Oktober durch die Ansteckung der Tiere untereinander.

Die infektiöse Larve III ist auch in der Lage aktiv aus den Kothaufen auszuwandern, um angeheftet an frisches Gras wieder durch einen Wirt aufgenommen zu werden. Die Empfänglichkeit der Herde für eine Parasitose steigt während der Trächtigkeit und Laktation der Muttertiere, aber auch bei Stress.

Einen weiteren Infektionsherd stellen infizierte zugekaufte Tiere dar.

Immunität

Eine Wurminfektion löst beim Schaf nur eine unvollständige Immunreaktion aus, die individuell sehr verschieden ausgeprägt ist. Die Immunität führt zu einem verlängerten Entwicklungszyklus und geringerer Eiausscheidung.

Ein Haemonchusbefall führt bei Schaflämmern nicht zu einer bleibenden Immunität. Lediglich bei älteren Tieren entwickelt sich eine Präimmunität bei geringem Befall, die sich dann erst nach 1 bis 2 Jahren voll ausbildet. Es besteht jedoch, auch bei immunen Mutterschafen, das Phänomen des „Peri-partuient-rise“, insbesondere bei Infektion mit Haemonchus contortus. Das bedeutet, dass Mutterschafe um den Geburtszeitraum eine reduzierte Parasitenabwehr und fehlende Funktionalität der Mechanismen zur Regulation der Wurmbürde zeigen. Dies äußert sich durch erhöhte Eiausscheidung und langsamere Reduktion der Wurmbürde nach Reinfektion. Eine Beteiligung von Prolaktin, das um den Geburtszeitpunkt ansteigt, an diesem Phänomen wird angenommen.

Diagnose

Die Diagnose eines Parasitenbefalls kann anhand einer parasitologischen Kotuntersuchung erfolgen. Dabei werden frische Kotproben von verdächtigen Tieren genommen und im Labor untersucht. Die Kotproben sollten dabei vor allem ab Mai/Juni, je nach Beginn der Weideperiode genommen werden. Ein negativer Laborbefund ist allerdings unsicher, da es manchmal zu einer verminderten Eiausscheidung kommt und manche Parasiten sich in der Ruhephase befinden könnten und so diagnostisch nicht erfassbar sind. Daher sollten mehrere Kotproben in gleichen Abständen genommen werden.

Die Kotflotation stellt die qualitative Nachweismethode für Strongyliden in Kotproben dar, mit der McMaster Methode können quantitativ die Eier pro Gramm Kot ermittelt werden. Serologische Untersuchungsmethoden zur epidemiologischen Untersuchung sind derzeit noch im Aufbau.

Ein anderes Instrument der Bestandsdiagnose stellt die Sektion dar, da im Magen-Darm-Trakt von verendeten oder geschlachteten Tieren die Würmer zum Vorschein kommen. Bei Todesfällen unbekannter Ursache ist deswegen immer eine parasitologische Sektion sinnvoll.

Prophylaxe und Therapie

Zu den Prophylaxemaßnahmen zählt vor allem ein effizientes Weidemanagement. Dazu gehört wenn möglich ein häufiger Umtrieb, die Weiden sollten häufig gemäht und möglichst trocken gehalten werden. Die Silage muss sachgerecht konserviert und ausreichend lang gelagert werden. Wird Mist und Gülle auf die Weide ausgebracht, sollte eine möglichst lange Wartezeit einkalkuliert werden, bevor die Schafe zum Weiden ausgetrieben werden.

Therapeutisch werden Anthelminthika eingesetzt, wobei auf jeden Fall die Behandlung von Muttertieren und Böcken angezeigt ist. Auch Lämmer und Jungtiere sollten mitbehandelt werden. Maximal 8 Tage vor dem Austrieb auf die Weide bis spätestens zum Zeitpunkt des Austriebes sollten alle Tiere mit Anthelminthika behandelt worden sein.

Im Herbst sollten die Tiere nur auf Weiden gebracht werden, die im Frühjahr nicht von kleinen Wiederkäuern beweidet wurden. Außerdem sollten im Herbst vor dem Aufstallen Kotproben genommen und untersucht werden. Bei positivem Befund ist unbedingt zu entwurmen, die gesamte Einstreu zu wechseln sowie zu reinigen und zu desinfizieren (DVG-Liste!). Vor dem Weideaustrieb sollten die Tiere dann noch einmal entwurmt werden.

Wichtig ist auch, dass keine unbehandelten neu zugekauften Tiere zur Gruppe der entwurmten Muttertiere verbracht werden.

Zum Einsatz kommende Wirkstoffgruppen sind Benzimidazole, Imidazothiazole, Makrozyklische Lactone und Pyrimidine. Aus der Gruppe der Benzimidazole sind Präparate mit dem Wirkstoff Febantel, aus der Gruppe der Imidazothiazole Präparate mit dem Wirkstoff Levamisol verfügbar und zugelassen. Ein Vorteil ist, dass diese Wirkstoffe gleichzeitig eine gute Wirkung gegen andere Endoparasiten des Schafes, wie Lungenwürmer zeigen.