Magen-Darm-Würmer

Rind

Häufig nachgewiesene Endoparasiten beim Rind sind Magen-Darm-Würmer. Die Vertreter der Familie Trichostrongylidae sind die Erreger der Parasitären Gastroenteritis des Rindes, eine der weltweit wirtschaftlich bedeutensten Erkrankungen des Rindes. Der Erkrankungskomplex kann sich in unterschiedlichen Schweregraden manifestieren, ist jedoch immer mit Leistungsrückgang und wirtschaftlichen Verlusten verbunden.

Brauner Magenwurm

Erreger und Entwicklungszyklus

Die Ostertagiose gehört zu den weltweit wirtschaftlich bedeutsamsten parasitären Gastroenteritiden und wird ausgelöst durch den braunen Magenwurm = Ostertagia ostertagi. Dabei handelt es sich um einen bräunlichen, fadenförmigen Rundwurm, der eine Länge von 6 – 8 mm erreicht.

Geschlechtsreife Würmer legen ihre Eier im Labmagen der Rinder ab, die diese mit dem Kot wieder ausscheiden. In der Außenwelt schlüpfen die Larven und entwickeln sich innerhalb von 7 – 10 Tagen zu infektionsfähigen Stadien, die dann von den Rindern beim Grasen aufgenommen werden. Die infektiösen Larven dringen in die Drüsen des Labmagens ein und bilden dabei kleine Knötchen, in denen die Würmer heranreifen. 17 – 21 Tage post infectionem sind die herangereiften Würmer geschlechtsreif.

Läsionen und deren Folgen

Während des Reifungsprozesses kommt es zur Hyperplasie der Submucosa und zu einer gestörten Salzsäurebildung in den Belegzellen der Labmagendrüsen. Der pH-Wert steigt in der Folge von 2 auf 7 an, wodurch die Aktivierung von Pepsinogen zu verdauungsaktivem Pepsin verhindert wird. Die Denaturierung von Nahrungseiweiß unterbleibt. Zusätzlich entfällt der durch die Salzsäure des Magens erzeugte bakteriostatische Effekt.

Klinische Formen

Sommerostertagiose

Insgesamt können zwei Formen der Ostertagiose unterschieden werden: Typ I-Ostertagiose oder auch Sommerostertagiose und Typ II-Ostertagiose oder auch Winterostertagiose genannt.

Die Sommerostertagiose tritt bei Weidehaltung erstsömmriger Rinder auf. Diese infizieren sich i. d. R. durch Larven, die vom Vorjahr auf der Weide überwintert haben. Nachdem die erste Wurmgeneration im Wirt herangereift ist, tritt durch die einsetzende Eiausscheidung, die ihren Höhepunkt im 2. und 3. Weidemonat erreicht, eine starke Weidekontamination auf. Durch die anhaltende Aufnahme infektiöser Larven treten dann im Sommer und Herbst die typischen Krankheitssymptome auf. Die Tiere zeigen struppiges Haarkleid, leiden unter Diarrhoen mit wässrigem, schaumigem und übelriechendem Kotabsatz, zeigen Appetitmangel und einen auffälligen Gewichtsverlust. Es kommt schließlich zum Festliegen und letztlich zum Tod.

Winterostertagiose

Die Winterostertagiose tritt auf, wenn sich unter ungünstigen Außenbedingungen die Parasitenentwicklung um einige Monate verzögert (= Hypobiose). Im Winter, während der Aufstallperiode beginnen die Larven sich dann weiterzuentwickeln, was bei Jungrindern, aber auch älteren Tieren zu den klassischen Ostertagiosesymptomen führt, wie wässrig übelriechendem Durchfall, Gewichtsverlust durch reduzierte Futteraufnahme, struppiges Haarkleid und bei laktierenden Kühen Rückgang der Milchleistung.

Diagnose

Die Diagnose kann bei der Ostertagiose Typ I durch den Nachweis der Eier im Kot leicht gestellt werden. Da bei der Ostertagiose Typ II längere Zeit keine Eier im Kot nachweisbar sind, ist hier die Diagnosestellung schwieriger, d. h. es kann nur ein Verdacht geäußert werden, der dann durch diagnostische Therapie erhärtet werden kann. Auch sollten klinische Symptome, Alter der Tiere und jahreszeitliches Auftreten sollten bei Diagnosestellung berücksichtigt werden.

Therapie und Prophylaxe

Therapeutisch ist in erster Linie der Einsatz moderner Benzimidazole und Imidazothiazole indiziert, die jeweils gegen adulte Würmer und gegen inhibierte Larven wirken, nebenwirkungsfrei sind und über das Futter leicht zu verabreichen. Aber auch Avermectine und Milbemycine können eingesetzt werden.

Mit einer Entwurmung 3 Wochen nach dem Austrieb und einer Wiederholungsbehandlung nach 3 – 5 Wochen kann der Verseuchung der Weiden und damit dem Ausbruch der Ostertagiose vorgebeugt werden. Zusätzlich ist eine Aufstallungsbehandlung empfehlenswert.

Prophylaktisch sollte Überweidung vermieden werden. Daneben sollten erstsömmrige Tiere nicht mit älteren Rindern zusammen weiden und Kälber nicht auf bereits verseuchte Weiden gebracht werden. Da auf gemähten Weiden das Ansteckungsrisiko niedriger ist, sollten Kälber erst nach dem ersten Schnitt ausgetrieben werden.

Cooperiose

Erreger

Die Cooperiose gehört wie die Ostertagiose zu den parasitären Gastroenteritiden und ist auch oft mit dieser vergesellschaftet. Ausgelöst wird die Cooperiose i. d. R. von Cooperia oncophora, wobei sich beim Rind viele verschiedene Cooperia-Arten im Dünndarm finden können.

Entwicklungszyklus und Infektionszeitpunkt

Betroffen sind Jungrinder. Die Infektion erfolgt meist gleich im Frühjahr beim Weideaustrieb durch überwinterte Larven. Der höchste Infektionsdruck liegt jedoch im Juni/Juli.

Die infektiöse Larve III entwickelt sich je nach Temperatur in 9 – 20 Tagen aus den überwinterten Eiern. Sie werden von den weidenden Tieren aufgenommen und wandern in den Dünndarm. Nach 3 – 4 Tagen erfolgt im oberen Dünndarmabschnitt die Häutung zur Larve IV, woraus am 8. – 10. Tag post infectionem die präadulten Stadien hervorgehen. Nach etwa 20 weiteren Tagen sind diese geschlechtsreif und legen Eier, die mit dem Kot wieder ausgeschieden werden.

Klinisches Erscheinungsbild

Die klinischen Symptome stimmen mit denen der Ostertagiose überein. Die Tiere zeigen Diarrhoen, Anorexie und erheblichen Gewichtsverlust.

Im Spätsommer und zu Herbstbeginn kommt es bei infizierten Rindern oftmals zu einer „Selbstreinigung“.

Diagnose, Prophylaxe und Therapie

Die Diagnosestellung erfolgt mittels Flotationsverfahren aus Kotproben muss aber immer in Verbindung mit klinischen Symptomen, Alter der Tiere und jahreszeitlichem Auftreten bewertet werden. Beweisend ist schließlich der Therapieerfolg.

Die Prophylaxe- und Therapiemaßnahmen sind mit denen der Ostertagiose identisch. Auch hier sollte Überweidung vermieden werden, erstsömmrige Rinder nicht mit älteren Tieren zusammen weiden und Kälber nicht auf bereits verseuchte Weiden gebracht werden. Therapeutisch ist wie bei der Ostertagiose in erster Linie der Einsatz moderner Benzimidazole und Imidazolthiazole indiziert, auch Avermectine und Milbemycine können eingesetzt werden.