Großer Lungenwurm

Rind

Der große Lungenwurm ist als Endoparasit weltweit vor allem bei Rindern mit Zugang zu frischem Grünfutter oder in Weidehaltung von Bedeutung. Die Parasitose geht mit verschieden schweren klinischen Erscheinungen einher. Das Resultat sind jedoch immer Leistungsabfall der Tiere und Organschäden, die zur Minderung des Schlachtwertes der Tiere führen und so wirtschaftliche Verluste bedingen.

Erreger und Epidemiologie

Der beim Rind vorkommende große Lungenwurm Dictyocaulus viviparus ist ein weißer dünner Wurm, der eine Länge von bis zu 8 cm erreichen kann.

Die Dictyocaulose tritt gebietsweise gehäuft auf, besonders in feuchten Gegenden und ist oft von einem gleichzeitigen Magen-Darm-Wurmbefall begleitet. Besonders empfänglich sind Kälber und Jungrinder bis zu einem Alter von 1,5 Jahren.

Entwicklungsyklus

Die geschlechtsreifen weiblichen Lungenwürmer legen ihre Eier in der Luftröhre und den Bronchien der Tiere ab, wodurch ein Hustenreiz ausgelöst und die Eier oder bereits geschlüpften Larven I hochgehustet und anschließend abgeschluckt werden. Nach dem Verdauungsvorgang werden sie dann mit dem Kot ausgeschieden. In der Außenwelt entwickeln sich die Larven I über zwei Häutungen zur Larve III, die den Kot aktiv verlässt, oder passiv durch die Sporangiophoren des koprophilen Pilzes Pilobolus auf umliegende Gräser geschleudert wird. Weidende Rinder nehmen die Larven III peroral auf, die schließlich vom Magen in die Dünndarmwand einwandern, von wo aus sie über die Lymphgefäße die Mesenteriallymphknoten erreichen. Anschließend wandern sie über den Ductus thoracicus und die Vena cava cranialis ins rechte Herz und das Kapillargebiet der Lunge, durchbohren dann die Alveolen und gelangen von dort als Larve IV in die Bronchien und Bronchiolen, wo sie zwischen dem 21. und dem 25. Tag post infectionem zu geschlechtsreifen Lungenwürmern heranwachsen.

Infektionsdynamik

Bei günstiger Witterung können die Larven III die Wintermonate im Boden überleben und sich im späten Frühjahr weiterentwickeln. Auch können einzelne Tiere eine geringe Zahl von adulten, eierlegenden Lungenwürmern über den Winter beherbergen, sodass es im Frühjahr zu einer erneuten Kontamination der Weiden kommt.

Die Weiterverbreitung infektionstüchtiger Larven geschieht i. d. R. durch Verschleppung durch Vögel oder andere Vektoren.

Klinische Erscheinung

In den Bronchien infizierter Tiere kommt es zum Zilienverlust, zu Epitheldefekten und zum Ersatz des funktionellen Alveolarepithels durch kubische Zellen. Durch vermehrte Sekretion können Pleuraergüsse entstehen, es kommt zu Husten, erhöhter Atemfrequenz, angestrengter Atmung, Fieber, Anorexie und deutlichen Atemgeräuschen.

Bei Jungrindern tritt häufig ein akutes Krankheitsgeschehen auf, das zum Tod des Tieres führen kann. Überleben die Tiere die akute Phase, treten gesundheitliche Probleme durch adulte Würmer und verstopfte Atemwege auf. Die Kälber bzw. Jungrinder zeigen eine sägebockartige Körperhaltung mit vorgestrecktem Kopf und schaumig-schleimigem Nasenausfluss, Husten, Appetitmangel und Leistungsabfall. Nach Besserung klinischer Symptome bauen die Tiere eine Immunität auf.

Sekundär kann es zu bakteriell bedingten Folgeinfektionen in Form von Lungenentzündungen kommen.

Der größte Infektionsdruck besteht in der zweiten Hälfte der Weideperiode ab Mitte Juli. Bei Einwanderungen der Larven in die Lunge bleiben allerdings die klinischen Symptome aus.

Diagnose

Die Diagnose wird standardmäßig durch das Larvenauswanderungsverfahren aus Kotproben
(= Trichterverfahren nach Baermann-Wetzel) gestellt, auch serologische Verfahren sind möglich.

Bekämpfung

Erregerspezifische Therapie

Gut bewährt hat sich der Einsatz von Breitbandanthelminthika aus der Wirkstoffgruppe der Benzimidazole und Imidazothiazole. Der Wirkstoff Febantel aus der Wirkstoffgruppe der Benzimidazole zeigt eine hohe Wirksamkeit gegen Larven (inkl. inhibierte Formen) und adulte Stadien von Dictyocaulus viviparus und lässt sich auch während der Trächtigkeit und Laktation anwenden. Und auch Levamisol aus der Wirkstoffgruppe der Imidazolthiazole ist hochwirksam gegen reife und unreife Stadien von Dictyocaulus viviparus.

Es existieren je nach Wirkstoff verschidene Behandlungsregime. Bei der sogenannten Austriebsbehandlung mit kurzwirkenden Anthelminthika erfolgt die erste Behandlung kurz vor Weideaustrieb um eine Abtötung der im Tier befindlichen Parasiten zu gewährleisten.

Eine weitere Möglichkeit bietet der Einsatz von Avermectinen, die jeweils 3, 8 und 13 Wochen nach dem Weideaustrieb, oder unmittelbar vor dem Weideaustrieb und anschließend 6 bis 8 Wochen danach appliziert werden sollten. Am besten und einfachsten dürfte sich hierbei die Pour-on-Methode eignen. Die meisten Langzeitanthelmintika verhindern nicht die Entwicklung einer ausreichenden Immunität, sodass eine Behandlung von ausschließlich erstsömmrigen Rindern ausreicht, zumal die Anwendung bei älteren Rindern aufgrund der Rückstandsproblematik ohnehin schwierig ist. Der Kontakt zu einigen wenigen Parasiten während jeder Weidesaison wirkt dann boosternd und ist somit unbedenklich und sogar nötig bei um die einmal entwickelte Immunität aufrecht zu erhalten.

Impfung

Eine weitere Bekämpfungsmöglichkeit ist eine Impfung mit strahlengeschädigten Larven. Jedoch hält die so erzeugte Immunität nur 6 bis 12 Monate. Die Impfung ist somit nur in Gebieten sinnvoll, in denen ein regelmäßiger Befall mit Lungenwürmern vorkommt, da diese dann für den boosternden Effekt sorgen. Die Impfung sollte auch nur in solchen Gebieten eingesetzt werden, da sich vereinzelt auch Larven aus der Vakzine bis zur Geschlechtsreife entwickeln und dadurch infektiös werden können.

Komplikationen

Problematisch sind Lungenwurm-Reinvasionen. Hierbei sind Tiere betroffen, die bereits eine Immunität ausgebildet haben. Diese kann durch einen massiven Neubefall soweit durchbrochen werden, dass einzelne Larven doch noch die Lunge erreichen. Diese lösen schwere klinische Symptome aus, die denen des Weideemphysems ähneln.

Ein getrenntes Weiden von Erstsömmrigen und älteren Tieren hat sich prophylaktisch ganz besonders bewährt.