Großer Leberegel

Rind

Die Infektion mit dem großen Leberegel ist weltweit verbreitet und die bedeutsamste Trematodeninfektion des Rindes. In der Regel betrifft sie Bestände mit Weidehaltung. Nachdem jahrelang strategische Bekämpfungsprogramme durchgeführt wurden ging die Befallsintensität stark zurück, in den letzten Jahren dagegen ist die Infektion wieder auf dem Vormarsch. Durch die vielfältigen gesundheitlichen Auswirkungen einer Fasciolose auf die Rinder entstehen beträchtliche wirtschaftliche Schäden.

Erreger

Der große Leberegel Fasciola hepatica kommt regional auf feuchten Weiden vor und benötigt zur Entwicklung als Zwischenwirt die Zwergschlammschnecke Lymnaea truncatula. Ein Befall mit dem kleinen Leberegel Dicrocoelium dentriticum oder lanceolatum hat i. d. R. keine erkennbaren klinischen oder wirtschaftlichen Folgen und ist somit kaum von Relevanz.

Der große Leberegel ist ein grau bis bräunlich gefärbter, bestachelter lorbeerblattähnlicher Plattwurm mit einem Mund- und einem Bauchsaugnapf. Geschlechtsreife große Leberegel können eine Größe von 5 x 1,3 cm erreichen. Besonders die chronische Verlaufsform ist hier für wirtschaftliche Schäden durch Leistungseinbußen verantwortlich.

Entwicklungszyklus

Die erwachsenen, zweigeschlechtlichen Leberegel legen in den großen Gallengängen der Leber täglich bis zu 20.000 Eier, die mit dem Kot in die Außenwelt abgegeben werden. In der Außenwelt entwickelt sich die sogenannte Wimpernlarve Mirazidium, die in die Zwergschlammschnecke eindringt. In der Zwergschlammschnecke entwickelt sich die Wimpernlarve über Sporozysten, Redien und Tochterredien zur Zerkarie. Die Zerkarien verlassen dann entweder die Schnecke und entzystieren an den Gräsern zur infektionstüchtigen Metazerkarie, oder überwintern in der Schnecke. Die Metazerkarien werden von den Rindern über das Futter aufgenommen und im Duodenum frei, wo sich der Jungegel durch die Darmwand bohrt und in die Bauchwand einwandert. Er dringt bis zur Leber vor und wandert dann ca. 6 – 8 Wochen durch das Leberparenchym, bis er sich nach 61 Tagen post infectionem in den großen Gallengängen ansiedelt und geschlechtsreif wird.

Verlaufsformen und Symptome

Die Fasciolose kann akut, subakut oder chronisch verlaufen, wobei der chronische Verlauf am häufigsten zu beobachten ist. Durch die Jungegel kommt es zu einer Zerstörung der Leberzellen und zur akuten Verlaufsform. Adulte Egel lösen dagegen eine chronische Verlaufsform aus, durch stimulieren einer Abwehrreaktion des Rindes, die zu einer Verkalkung der befallenen Gallengänge führt. Bei der chronischen Verlaufsform zeigen die Tiere Durchfall, Ikterus, Anämie, Abmagerung und Unterhautödeme im Halsbereich (= Flaschenhals, Kehlgangsödem).

Die akute Erkrankung tritt vor allem bei Jungrindern auf und wird durch die Jungegelwanderung im Leberparenchym hervorgerufen. Die Tiere stellen die Futteraufnahme ein, haben Durchfall und sterben oftmals an gehäuft auftretenden Peritonitiden. Auch Leberinsuffizienz, Ikterus und Anämie können beobachtet werden.

Bei der subakuten Verlaufsform sind neben Wanderstadien auch adulte Egel in der Leber zu finden. Die Tiere zeigen verminderte Fresslust, Lecksucht, Abmagerung, zeitweise Durchfall, Fieberanfälle und bei Kühen einen Rückgang der Milchleistung.

Durch die verminderte Fresslust und die Verschlechterung der Futterverwertung kommt es bei Fasciolose zu bedeutsamen wirtschaftlichen Schäden.

Diagnose

Die Diagnosestellung ist schwierig und kann nur als Verdachtsdiagnose gestellt werden. Eine Sicherung der Diagnose erfolgt letztlich durch den Schlacht- oder Sektionsbefund.

Eine Kotuntersuchung mehrerer gleichartig exponierter Rinder mit positivem Ergebnis ist immer als Hinweis für eine Infektion zu werten. Eine Untersuchung der Gallenflüssigkeit ist sicherer, allerdings sehr aufwendig.

Neuerdings sind auch serologische Untersuchungen von Milch oder Blut möglich. Diese sind empflindlicher als der Nachsweis im Kot und fallen schon in der Präpatenz positiv aus.

Therapie und Prophylaxe

Eine Therapie kommt aufgrund der nicht eindeutig zu stellenden Diagnose oft zu spät. Unter Berücksichtigung des Entwicklungszykluses des großen Leberegels stehen jedoch verschiedene Bekämpfungsmaßnahmen zur Verfügung. Da der große Leberegel für seine Entwicklung von der Zwergschlammschnecke als Zwischenwirt abhängig ist, ist eine Schneckenbekämpfung sinnvoll, da so der Entwicklungszyklus unterbrochen werden kann. Optimale Lebensbedingungen finden die Schnecken auf feuchten Weiden, in Tümpeln und Gräben. Durch Trockenlegung der Weiden werden der Schnecke die Lebensbedingungen entzogen.

Es können aber auch Zäune im Umkreis von 2 m um Feuchtstellen und Tümpel errichtet und Kunsttränken angelegt werden, um so die Rinder vom Lebensraum der Schnecke fernzuhalten.

Bei der medikamentösen Bekämpfung ist darauf zu achten, dass Rinder, die älter als 4 Monate sind in ein planmäßiges Bekämpfungsprogramm miteinbezogen werden. Dabei sind während der ersten 3 Jahre 2 Winterbehandlungen durchzuführen, um sicherzustellen, dass die Tiere leberegelfrei sind, wenn sie auf die Weiden getrieben werden. Diese Behandlungen sollten ca. 6 Wochen nach dem Aufstallen und Ende März durchgeführt werden und in den Folgejahren jeweils vor dem Austrieb wiederholt werden. Einzusetzen sind Wirkstoffe wie Triclabendazol, Albendazol, Closantel und Salicylsäureanilide.