Infestation mit Läusen und Haarlingen

Rind

Neben den Milben sind Vertreter der Klasse der Insekten eine häufige Ursache für Ektoparasitosen des Rindes. Wie die Milben gehören auch die Insekten zum Stamm der Arthropoden. Aus der Klasse der Insekten sind es einerseits Fliegen und Mücken, andererseits Haarlinge und Läuse, die für die bedeutsamen Erkrankungen verantwortlich sind. Läuse und Haarlinge treten häufig gemeinsam auf und breiten sich schnell von Tier zu Tier innerhalb der ganzen Herde aus. Während die Läuse Blut saugen, verletzen die Haarlinge die Haut nicht. Beide Arten führen zu starkem Juckreiz und dadurch zur enormen Beeinträchtigung des Wohlbefindens der betroffenen Tiere. Die Folge sind bedeutsame wirtschaftliche Schäden durch reduzierte Mast- und Milchleistung

Läuse

Erregerspektrum

Eine Infestation mit Läusen wird auch als Pedikulose bezeichnet.

Auf Rindern parasitieren drei verschiedene Läusearten: Die kurznasige Rinderlaus (= Haematopinus eurysternus), die langnasige Rinderlaus (= Linognathus vituli) und die kleine blaue Rinderlaus (= Solenopotes capillatus).

Läuse gehören zu den Insekten. Sie unterscheiden sich von den Haarlingen dadurch, dass bei den Läusen der Kopf schmaler ist als das Thoraxsegment.

Die kurznasige Rinderlaus besitzt drei gleichlange Beinpaare und hat einen gedrungenen Kopf. Kopf und Brust sind rot gefärbt, das Bauchsegment gelb. Sie erreicht eine Größe von 2 – 3 mm.

Die langnasige Rinderlaus hat einen grauen Hinterleib, einen bräunlich gefärbten schmalen Kopf und ein breites Brustsegment. Die Vorderbeine sind dünn und die Hinterbeine weisen kräftige Klauen auf. Sie wird etwa 2,5 – 3 mm groß.

Die kleine blaue Rinderlaus besitzt am Hinterleib, an jeder Atemöffnung einen Dorn, an den letzten Segmenten relativ lange Haare, die die Körperoberfläche überragen und lange, spitze Krallen an den Vorderbeinen. Sie erreicht eine Größe von ca. 1,5 mm.

Entwicklungszyklus

Alle drei Lausarten tragen einen Stechrüssel. Nach der Paarung kleben die weiblichen Läuse ihre Eier an die Haare des Rindes. Die aus den Eiern schlüpfenden Larven saugen bereits Blut und entwickeln sich über drei Häutungen zu erwachsenen Läusen. Die Gesamtentwicklungsdauer beträgt bei der langnasigen Laus, bei der kleinen blauen Laus 21 bis 25 Tage und bei der kurznasigen Laus 20 bis 40 Tage. Läuse sind obligat auf ihr Wirtstier angewiesen, abseits des Wirtes sterben sie innerhalb einer Woche ab.

Lokalisation und Erscheinen der Läsionen

Alle Rinderläuse leben an der Hautoberfläche und stechen zu jeder Nahrungsaufnahme, das heißt mehrmals am Tag, jeweils an einer anderen Hautstelle in die Haut ein. Sie befinden sich bevorzugt an dünnhäutigen Körperstellen, wie Kopf, Ohren, Horngrund, Hals, Schultergegend, Brust, Schwanzwurzel, Euterspiegel und Hodensack.

Durch den starken Juckreiz zeigen betroffene Rinder eine erhebliche Unruhe und scheuern sich so stark, dass Scheuerhämatome, Mastdarmvorfälle und auch Krusten- und Borkenbildungen zu beobachten sind.

Prädisponierende Faktoren und Risikogruppen

Ein starker Läusebefall tritt vor allem in Laufstallhaltung und bei feuchtwarmem Stallklima auf. Begünstigend wirken auch Endoparasitosen, Fütterungsmängel und lange Behaarung. Außerhalb des Wirtes können Läuse lediglich eine Woche überleben.

Die langnasige Laus befällt überwiegend Kälber und Rinder bis zu einem Alter von ca. 3 Jahren, während die kurznasige Laus vorwiegend bei älteren Tieren auftritt. Die kleine blaue Rinderlaus kommt seltener vor, befällt aber Rinder aller Altersstufen.

Der Blutentzug durch die Läuse kann bei Kälbern und Jungrindern bei sehr intensivem Befall eine zum Teil tödliche Anämie auslösen und durch die Vielzahl der Hauteinstiche zu einer erheblichen Wertminderung des Leders führen. In Abhängigkeit von der Befallsstärke kommt es auch zur Minderung der Milch- und Fleischleistung, zur Abmagerung und zum Kümmern.

Diagnose

Läuse sind gut mit bloßem Auge zu erkennen, sodass es im Falle einer klinischen Symptomatik empfehlenswert ist, die Tiere genau zu betrachten, gegebenenfalls mit einer Lupe. Hilfreich ist es die Tiergruppe in Ruhe zu beobachten ob Scheuern und ähnliche Symptome auffällig sind.

Prophylaxe

Als Prophylaxemaßnahmen empfiehlt es sich zugekaufte Tiere zuerst separat aufzustallen und auf Läuse und andere Ektoparasiten zu untersuchen und gegebenenfalls zu behandeln. Außerdem ist auf strenge Hygienemaßnahmen und angemessenes Stallklima zu achten.

Therapie

Befallene Tiere können systemisch und lokal behandelt werden. Auf Grund der hohen Ansteckungswahrscheinlichkeit sind immer alle Tiere einer Tiergruppe zu behandeln. Wie bei Räudebefall können auch bei Läusebefall Präparate mit Wirkstoffen aus der Gruppe der synthetischen Pyrethroiden erfolgreich angewendet werden. Synthetische Pyrethroide zählen zu den Insektiziden, deren Toxizität vor allem auf einer Interaktion der Wirkstoffe mit den Natriumkanälen der Zellmembranen beruht, was zur Störung neuraler Funktionen der Läuse führt. Flumethrin ist ein Wirkstoff dieser Gruppe der sich für diese Indikation bewährt hat. Flumethrin wirkt gleichsam auch gegen Haarlinge, Zecken, Milben und Läuse, die häufig in Mischinfestationen mit Läusen auftreten. So ist ein umfassender Ectoparasitenschutz möglich. Eine weitere Möglichkeit ist die Anwendung von Avermectinen und Milbemycinen.

Erfolgt die Anwendung per Injektion, ist die Wirksamkeit gegen Läuse gut, gegen Haarlinge allerdings aufgrund ihrer Ernährungsweise in der Regel eingeschränkt. Einfach in der Anwendung und direkt am Wirkungsort sind Pour-on-Formulierungen. Zu beachten sind auch die Vorschriften für die Behandlung von Milchkühen und die Einhaltung von Wartezeiten.

Haarlinge

Erreger und Verbreitung

Der Haarlingsbefall, auch Trichodektose oder Mallophagidose genannt wird beim Rind hervorgerufen durch Bovicola bovis = Trichodectes scalaris und ist insgesamt sehr weit verbreitet.

Wie die Läuse gehören auch die Haarlinge zu den Insekten, d. h. sie besitzen drei Beinpaare an deren Enden sich bei den Haarlingen kräftige Klauen befinden, mit denen sie sich an den Rinderhaaren festkrallen können.

Im Unterschied zu den Läusen ist der Kopf der Haarlinge deutlich breiter als der Thorax. Sie sind gelblich-braun gefärbt und besitzen beißende Mundwerkzeuge. Männliche Haarlinge erreichen eine Größe von bis zu 1,2 mm, weibliche bis zu 1,5 mm.

Entwicklungszyklus

Die weiblichen Parasiten kleben ihre Eier am Grund der Rinderhaare an, aus denen dann Larven schlüpfen, die sich über drei Larvenstadien zu erwachsenen Haarlingen entwickeln. Die Gesamtentwicklung dauert 30 Tage.

Haarlinge leben auf der Hautoberfläche und im Haarkleid der Rinder und ernähren sich von Hautschuppen und Hautsekreten, sind aber keine Blutsauger wie z. B. Läuse.

Lokalisation, Läsionen und Prädisposition

Bevorzugt finden sich Haarlinge im Bereich der Schwanzwurzel, an der Kruppe, am Hals und am Rücken. Auffällig sind bei befallenen Rindern pappig-verklebte Haare im Bereich der Basis, Haarausfall, Juckreiz mit Scheuern als Folge und mottenfraßähnlichen Haut-Haar-Übergängen.

Bei nur geringer Befallsstärke mit Haarlingen können die klinischen Symptome unbemerkt bleiben oder fälschlicherweise als nicht behandlungsrelevant gedeutet werden. Massiver Haarlingsbefall ist meist. nur bei enger Aufstallung im Winter zu beobachten. Prädisponiert sind geschwächte, immunsupprimierte Tiere.

Diagnose, Prophylaxe und Therapie

Aufgrund ihrer Größe sind Haarlinge mit bloßem Auge relativ gut zu erkennen. Auch hier empfiehlt es sich die Tiere in Ruhe zu beobachten um etwaigen Juckreiz feststellen zu können und so infestierte Rinder in einer Gruppe ausfindig machen zu können. Der Juckreiz kann bei Kälbern so schwerwiegende Ausmaße annehmen, dass er als Scheinkolik fehlgedeutet werden kann.

Als Prophylaxemaßnahme empfiehlt sich auch hier die separate Aufstallung zugekaufter Tiere, bis sichergestellt ist, dass diese frei von Ektoparasiten sind.

Medikamentös können wie bei Räude- und Läusebefall auch bei Haarlingsbefall Präparate mit Wirkstoffen aus der Gruppe der synthetischen Pyrethroiden erfolgreich angewendet werden. Synthetische Pyrethroide zählen zu den Insektiziden, deren Toxizität vor allem auf einer Interaktion der Wirkstoffe mit den Natriumkanälen der Zellmembranen beruht, was zur Störung bzw. Hemmung der neuralen Funktionen der Haarlinge führt. Flumethrin als Vertreter dieser Wirkstoffgruppe beispielsweise ermöglicht einen umfassenden Ectoparasitenschutz durch Wirkung gegen Läuse, Haarlinge, Milben und Zecken, die oft als Mischinfestationen gleichzeitig auftreten.

Auch können Avermectine eingesetzt werden, diese sind jedoch bei systemischer Anwendung nicht ausreichend wirksam. Erfolgt die Anwendung per Injektion, ist die Wirksamkeit gegen Läuse gut, gegen Haarlinge allerdings aufgrund ihrer Ernährungsweise in der Regel eingeschränkt. Läuse und Haarlinge kommen relativ oft gemeinsam bei den Rindern vor, deshalb sollte das Pour-on-Verfahren bevorzugt angewandt werden (siehe Läuse).