Fliegen und Mücken als Krankheitserreger

Rind

Unter den Ektoparasiten des Rindes nehmen die Insekten einen hohen Stellenwert ein. Neben Läusen und Haarlingen entstehen Schäden vor allem durch einen Befall von Dasselfliegen und Kriebelmücken. Diese Vertreter der Ordnung Dipterida sind nicht nur Lästlinge, sondern auch Krankheitserreger und Krankheitsüberträger. Sie können insbesondere in den Sommermonaten schon allein durch die starke Belästigung der Tiere negativen Einfluss auf die Milch- und Mastleistung der Rinder ausüben. Eine weitere Bedeutung kommt den Fliegen und Mücken als Überträger verschiedenster Krankheitserreger zu.

Dasselfliegen

Erreger

Ein sogenannter Dasselbefall = Hypodermose beim Rind wird verursacht durch die große Dasselfliege (= Hypoderma bovis) und die kleine Dasselfliege (= Hypoderma lineatum).

Adulte Dasselfliegen haben eine hummelartige Gestalt, sind beborstet, haben bräunliche Flügel und keine Mundwerkzeuge. Große Dasselfliegen erreichen eine Größe von 13 – 15 mm. Die Hauptschwärmzeit der Dasselfliegen ist etwa von Mai bis September.

Entwicklungszyklus

Da adulte Dasselfliegen aufgrund fehlender Mundwerkzeuge keine Nahrung aufnehmen können, sind sie nur wenige Tage lebensfähig. In dieser Zeit legen die weiblichen Fliegen bis zu 800 Eier, bevorzugt im Bereich der Gliedmaßen und des Unterbauches ab, dort kleben sie die Eier einzeln (große Dasselfliege) oder in Ketten von etwa 6 Stück (kleine Dasselfliege) an die Haare. Nach 4 bis 7 Tagen schlüpfen aus diesen Eiern Larven, die sich durch die Haut der Rinder bohren und durch das Unterhautbindegewebe in Richtung Zwerchfell wandern. Nach etwa 4-5 Monaten haben sie den Ort erreicht, an dem sie überwintern. Für die kleine Dasselfliege ist dies die Submucosa des Oesophagus, die große Dasselfliege bevorzugt den Rückenmarkskanal und das epidurale Fettgewebe, insbesondere den Lendenwirbelsäulenbereich. Hier verbleiben sie als sogenannte Wanderlarven von Anfang Dezember bis Mitte März und wandern anschließend durch die Foramina intervertebralia quer durch die Muskulatur unter die Rückenhaut, dort bilden sie äußerlich gut erkennbare Dasselbeulen. In diesen Beulen entwickeln sie sich in einem Zeitraum von etwa 30 Tagen über zwei Häutungen zu reifen, dunkelbraun bis schwarzen tonnenförmigen, 2 – 3- cm großen Larven mit Deckel und Haken, die über stricknadeldicke Atemöffnungen mit der Außenwelt verbunden sind. Diese Hautlarven verlassen schließlich die Beulen, fallen zu Boden und verpuppen sich. Nach einer Puppenruhe von ca. 45 Tagen schlüpfen die hellgelb- schwarzen, behaarten Fliegen, die nach der Paarung wieder mit der Eiablage beginnen. Die adulten Fliegen haben keine Mundwerkzeuge, sie sterben innerhalb einiger Tage.

Staatliche Maßnahmen

Früher wurde der Dasselfliegenbefall staatlich bekämpft und weitgehend ausgerottet. In letzter Zeit treten jedoch besonders durch importierte Rinder vermehrt Fälle von Dasselbefall auf, wobei vor allem jüngere Rinder während ihrer ersten und zweiten Weideperiode befallen werden. Später entwickeln die Tiere eine befallsbedingte Immunität, die allerdings keinen kompletten Schutz bietet.

Klinische Symptome

Beim Passieren des Spinalkanals durch die Wanderlarven kann es unter Umständen zum Auftreten der langsam fortschreitenden und zum Teil spontan ausheilenden Dassellähmung kommen.

Die Beulen mit Atemlöchern entlang des Rückens führen zu Lederschäden. Zerdrücken dieser Beulen kann zu einer Dasselallergie des Soforttyps führen.

Bei einem Massenbefall mit Hypoderma lineatum können die Tiere Schluckbeschwerden, Wiederkaustörungen und Tympanie zeigen. Zusätzlich können Wanderlarven von Hypoderma lineatum eine Mediastinitis, Myositis, Pleuritis und Pneumonie verursachen.

Insgesamt betrachtet sind beim Dasselbefall die Krankheitserscheinungen im Verhältnis zu den wirtschaftlichen Schäden allerdings von untergeordneter Bedeutung. So erreichen z. B. Jungrinder bei der Weidemast ein wesentlich geringeres Endgewicht, insbesondere nach Massenbefall.

Diagnose

Da die bis zu taubeneigroßen Dasselbeulen am Rücken der Rinder gut zu erkennen sind, ist die Diagnosestellung einfach. Im Fall einer Dassellähmung kann allerdings nur eine Verdachtsdiagnose gestellt werden. Eine serologische Diagnostik ist möglich, aber noch nicht allgemein verfügbar.

Therapie und Bekämpfung

In Deutschland konnte die Bekämpfung bis 1996 in Form einer Aufstallungsbehandlung amtlich angeordnet werden. Danach werden die Tiere medikamentös behandelt.

Therapeutisch ist es wichtig, den Entwicklungszyklus zu unterbinden. Die Behandlung sollte unmittelbar nach dem Weideaustrieb mit Avermectinen durchgeführt werden. Wichtig ist dabei, dass die Behandlung vor Dezember begonnen wird, damit sich keine Wanderlarven im Rückenmarkskanal befinden, deren Absterben zu einer Dassellähmung führen könnte.

Aus bestehenden Beulen können die Larven durch Instillation von 1 ml 3%-iger Wasserstoffperoxid-Lösung entfernt werden. Hierbei ist jedoch unbedingt darauf zu achten, dass die Beulen nicht durchstochen werden.

Kriebelmücken

Erreger

Kriebelmücken = Simuliidae gehören zur Familie der Zweiflügler = Diptera, sind weltweit verbreitet und zählen zu den blutsaugenden Ektoparasiten. Sie können beim Rind durch ihr Speicheltoxin eine Simuliotoxikose auslösen.

Kriebelmücken sind grau bis schwarz gefärbt, haben einen kleinen Kopf und einen buckelförmigen, fast kugeligen Körper. Sie erreichen eine Größe von 2 – 6 mm.

Entwicklungsyklus

Kriebelmücken bevorzugen für ihre Entwicklung kleinere und mittelgroße Fließgewässer,da dort die Eiablage stattfindet. Während sich die männlichen Simulien von Pflanzensäften ernähren, benötigen die weiblichen Kriebelmücken zur Entwicklung der Eier zusätzlich eine Blutmahlzeit. Sie befestigen ihre Eier unter der Wasseroberfläche, an Wasserpflanzen, Ästen, Steinen und anderen Gegenständen. Die aus den Eiern schlüpfenden Larven ernähren sich von den Schwebstoffen im Wasser. Vor der Verpuppung spinnen sie einen Kokon, indem sie sich zur erwachsenen Mücke entwickeln. Die Gesamtentwicklungszeit beträgt 4 – 8 Wochen, wobei die Entwicklung bei Luft- und Wassertemperaturen um 22°C am schnellsten abläuft. Die Schlupfzeit beginnt etwa im April.

Nach dem schlüpfen schwärmen die jungen weiblichen Simulien aus und überfallen Tiere und Menschen, die sich in ihrer Nähe befinden. Sie fliegen dabei entgegen der Windrichtung, da der Anflug überwiegend olfaktorisch und nur gering visuell gesteuert erfolgt.

Art und Lokalisation der Läsionen

Kriebelmücken stechen in die Haut, bis sich ein kleiner Blutsee bildet, den sie schließlich aussaugen. Krankheitserregend ist ein dabei zur Hemmung der Blutgerinnung abgesondertes Toxin im Speichel.

Hauptschwärmzeiten sind der Vormittag und der späte Nachmittag, wobei Kriebelmücken bei schönem, schwülwarmem Wetter besonders aktiv sind.

Befallen werden vor allem Jungtiere an dünnhäutige Körperpartien, wie Ohren, Nasenschleimhaut, Augenlider, Hals, Euter, Hoden, Vulva und Analregion. Die Simulien dringen dabei auch bis in Nase, Kehlkopf und Trachea ein. Gefährlich ist vor allem massenhafter Befall.

Klinische Erscheinungen

Das abgesonderte Toxin verursacht Erythropenie, Leukopenie, sowie ausgeprägte entzündliche Ödeme. Befallene Rinder zeigen entsprechend Atemnot, Tachykardie, Petechien an den Stichstellen, sowie auch Myoglobinurie als Folge der fluchtbedingten Muskelgewebeschädigung. Bei Massenbefall können derart schwerwiegende Herz- und Gefäßschädigungen auftreten, dass es zu Herzversagen und Lähmung des Atemzentrums kommen kann. Ausgewachsene Rinder können innerhalb weniger Stunden verenden.

Bei leichtem Befall kommt es bei Kühen zum Milchrückgang, zusätzlich können auch Sekundärinfektionen im Bereich der Stichwunden auftreten, sodass Kriebelmückenbefall insgesamt von relativ großer wirtschaftlicher Bedeutung ist.

Prophylaxe

Prophylaktisch sollten entsprechend während der Hauptschwärmzeit Weiden, die an klaren, fließenden Gewässern grenzen, gemieden werden.

Da Simulien nur tagsüber schwärmen und Häuser und Stallungen meiden, kann alternativ die Weidezeit auf flussnahen Weiden auf die Zeit von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang beschränkt werden. Auch könnten Weidehütten aufgestellt werden, um den Tieren auf der Weide eine Rückzugsmöglichkeit zu bieten.

Der Einsatz von insektenabweisenden Sprays bietet meist nur einen zeitlich begrenzten Schutz. Die Grünlanddüngung mit Kalkstickstoff kann eine gewisse Erleichterung verschaffen, da der Geruch die Mücken fernhalten soll.

Therapie

Bei Massenbefall ist die sofortige Aufstallung der Tiere anzuraten, da die Mücken im Stall schnell von den Tieren ablassen.

Gegen Fliegen-, Bremsen- und Kriebelmückenbefall bei Rindern einschließlich laktierender Milchkühe wirksam sind Insektizide aus der Wirkstoffgruppe der Pyrethroide, beispielsweise mit Cyfluthrin als Wirkstoff. Laktierende Kühe sollten nach dem Melken behandelt werden und die Behandlung je nach Fliegendruck nach 4 - 6 Wochen wiederholt werden. Pour-on Formulierungen bieten sich für eine einfache Herdenbehandlung an.