Gefahr für den Mensch

Hunde und Katzen haben in unserer Gesellschaft vielfach den Status eines Familienmitgliedes erreicht. Sie haben Zugang zu allen Wohnräumen – bis hin zum Schlafzimmer. Insbesondere für viele Katzen und Zwerghunde ist sogar das Bett nicht tabu! Dieser enge Kontakt kann für den Menschen potentiell gefährlich werden.

Es gibt verschiedene Wege über die sich der Mensch bei seinem Haustier infizieren kann:

Orale Infektion

In der überwiegenden Zahl der Fälle infiziert sich der Mensch durch die orale Aufnahme von Wurmeiern.
Infizierte Hunde und Katzen scheiden mit ihrem Kot Wurmeier oft in großer Anzahl aus und stellen damit eine ständige Infektionsgefahr dar.

Bei engem Kontakt über das Fell, durch Ablecken von Händen, Gesicht und Speisen, durch den Genuss ungewaschener Waldfrüchte, Salat oder Gemüse, durch Kot verunreinigte Sandkästen oder Badestrände können diese Wurmeier in den Mund des Menschen gelangen.

Perkutane Infektion

Beim direkten Hautkontakt mit kontaminierten Sandkästen, an feuchtwarmen Badestränden oder auf Liegewiesen können Hakenwurmlarven aktiv in die menschliche Haut eindringen.

Aerogene Infektion

Es wird vermutet, dass die Eier des kleinen Fuchsbandwurmes auch eingeatmet werden können, insbesondere bei Arbeiten im Garten, auf dem Feld oder im Wald.

Infektion über Stechmücken

Stechmücken können beim Blutsaugen Fadenwürmer auch auf den Menschen übertragen.

Die möglichen Gesundheitsschäden beim Menschen durch zoonotische Wurminfektion sind variabel und z.T. dramatisch.
Zur Veranschaulichung sind hier einige mögliche Zoonoseschäden durch Würmer aufgeführt:

Schäden durch Dipylidium caninum

Dies kommt nur in Ausnahmefällen vor, kann aber passieren, wenn vor allem Babys und Kleinkinder von Hunden oder Katzen beleckt werden, die gerade einen Floh (= Zwischenwirt!!!) zerbissen haben, oder wenn sie durch engen Kontakt versehentlich Flohteile, die im Fell kleben, verschlucken.
Im Dünndarm des Menschen entwickelt sich dann der etwa 50cm lange Bandwurm. Bauchschmerzen, Durchfälle, Gewichtsverlust und Juckreiz am After durch die auswandernden Proglottiden können auftreten.

Schäden durch Echinococcus-Arten

  • Echinococcus granulosus (kleiner Hundebandwurm):

Dieser Bandwurm kommt in Deutschland zwar nicht mehr vor, allerdings treten immer wieder einige Fälle beim Menschen auf. Wahrscheinlich haben sich diese Personen im Urlaub durch die Aufnahme von mit Bandwurmeiern kontaminierten Nahrungsmitteln (Obst, Salat, Gemüse) infiziert. Die sich aus diesen Eiern entwickelnde Finne verursacht mit Flüssigkeit gefüllte Zysten in verschiedenen Körperorganen, die eine operative Entfernung erfordern.
Die Erkrankung wird als „Zystische Echinococcose“ oder „Hydatitose“ bezeichnet.

  • Echinococcus multilocularis (kleiner Fuchsbandwurm)

Die Infektion mit Eiern des Fuchsbandwurms kann zur so genannten „Alveolären Echinococcose“ führen, die als Europa`s gefährlichste Wurmzoonose gilt.

Die Bandwurmfinne verhält sich im Menschen aufgrund ihres ungehemmten, infiltrativen Wachstums wie ein bösartiger Tumor. In ca. 98% ist primär die Leber betroffen, sekundär können aber auch „Metastasen“ besonders in Lunge und Gehirn entstehen.
Der Verlauf ist schleichend, erste Symptome (Übelkeit, Oberbauchschmerzen, Gelbsucht) treten durchschnittlich erst 10 – 15 Jahre nach der Infektion auf.

 

Fortschritte in Diagnostik und Therapie haben im Vergleich zu früher die Prognose für erkrankte Menschen deutlich verbessert. Allerdings ist der Therapieaufwand immer noch hoch und erfordert meist eine lebenslange Medikation.

Schäden durch Toxocara-Arten

Die als „Larva migrans“ bekannte Erkrankung des Menschen wird durch Larven des Hunde- bzw. Katzenspulwurms hervorgerufen.

Nach versehentlichem Abschlucken von Wurmeiern schlüpfen im oberen Teil des Dünndarms Larven, die durch die Darmwand hindurch wandern und ähnlich wie bei Hund und Katze über Blut und Lymphe in Gewebe und Organe geschwemmt werden.

Bei gesunden, erwachsenen Personen reagiert das Immunsystem und stoppt diese Larven, in dem es ein Granulom darum bildet. Die Larve stirbt nach etwa 2-3 Wochen ab.

Bei Kindern, bei denen das Immunsystem noch nicht ausgereift ist oder bei Personen, deren körpereigene Abwehr nicht funktioniert (geschwächte Menschen, HIV – Patienten, Transplantatpatienten, u.a.) können diese Larven zum Beispiel in der Leber oder im ZNS zu erheblichen Schäden mit gravierenden Gesundheitsfolgen führen.

Im Frühjahr 2006 wurde in diversen Fachzeitschriften der Fall eines siebenjährigen Mädchens veröffentlicht, bei dem sich infolge eines Spulwurmbefalls eine tumorartige Geschwulst im Gehirn gebildet hatte. Das Mädchen litt unter epileptiformen Anfällen und Lähmungserscheinungen. Der „Tumor“ musste operativ entfernt werden. In seinem Zentrum befand sich eine Spulwurmlarve.
Zielorgan dieser Larven ist in vielen Fällen auch das Auge „Larva migrans ocularis“. Hier kommt es zu massiven Entzündungen und oft zu einem Verlust der Sehfähigkeit.

 

In jüngster Zeit häufen sich Veröffentlichungen, die eine ursächliche Beteiligung von Spulwurminfektionen bei allergischen und asthmatischen Erkrankungen in Betracht ziehen.

In Europa sind ca. 3 -7% der Bevölkerung auf Toxocara seropositiv(ca. 30% der Beschäftigten in tierärztlichen Praxen!!!).

Schäden durch Hakenwürmer

Bei der „Larva migrans cutanea“ handelt es sich um eine, durch wandernde Nematodenlarven hervorgerufene, Dermatitis (Hautentzündung).

Häufigste Erreger sind in Deutschland die Larven von Uncinaria stenocephala und in den Tropen und Subtropen Larven von Ancylostoma caninum.

Hakenwurmlarven können bei Kontakt auch in die menschliche Haut eindringen.
Häufigste Infektionsquellen sind feuchtwarmer Sand oder Erdböden, die direkt durch Kot infizierter Hunde oder Katzen oder indirekt über Abwasser oder Jauche mit Entwicklungsstadien von Hakenwürmern kontaminiert sind. Besonders infektionsgefährdet sind Kinder, die sich in Sandkästen, Spielplätzen oder auf Rasenflächen aufhalten. Auch Badestrände können eine Infektionsquelle darstellen.
An der Einwanderungsstelle entstehen 2 – 4 Tage nach der Infektion rötliche, stark juckende Hautläsionen. Sekundäre bakterielle Besiedelung kann zu eitrigen Ekzemen führen. Die Larven wandern in der Haut und rufen mit diesen Bohrgängen die typischen Hautveränderungen hervor, die auch als „Hautmaulwurf“ bezeichnet werden.

Schäden durch Filarien

Über infizierte Stechmücken können auch die Larven von Filarien auf den Menschen übertragen werden.
Larven von Dirofilaria immitis verursachen kleine Granulomherde in der Lunge. Die Infektion verläuft generell subklinisch, d.h., es kommt zu keinen Krankheitssymptomen.

Larven von Dirofilaria repens, dem Hautfadenwurm hingegen können zu Hautveränderungen beim Menschen führen. Dokumentiert sind Fälle dieser Fadenwürmer in der Bindehaut des Auges. Die Behandlung ist operativ.