Rundwürmer

Hunde und Katze

Nematoden (griech. nema = Faden) sind fadenförmige Würmer.

Die Länge der adulten (ausgewachsenen) Würmer variiert je nach Spezies zwischen 1 Millimeter und 1 Meter. Nematoden sind getrennt geschlechtlich. Männliche Würmer sind meist etwas kleiner als weibliche Würmer.

Die Entwicklung kann je nach Wurmart direkt, obligat über Zwischenwirte oder fakultativ über paratenische Wirte erfolgen.

 

Wenn wir bisher in Deutschland von „Wurmbefall bei Hunden und Katzen“ gesprochen haben, so bezogen wir uns auf die im Darm lebenden Rund- und Bandwürmer. Neue Studien zeigen: Hier ist ein Umdenken unbedingt erforderlich! Zusätzlich zu den altbekannten Band-, Spul-, Haken- und Peitschenwürmern im Darm müssen neuerdings bei der Diagnose von Erkrankungen auch sogenannte extraintestinale Würmer in Betracht gezogen werden: Fadenwürmer in Herz oder Haut und Lungenwürmer.

Darmrundwürmer

Adulte Toxocara cati im Dünndarm einer Katze

Nematoden (griech. nema = Faden) sind fadenförmige Würmer.

Die Länge der adulten (ausgewachsenen) Würmer variiert je nach Spezies zwischen 1 Millimeter und 1 Meter. Nematoden sind getrennt geschlechtlich. Männliche Würmer sind meist etwas kleiner als weibliche Würmer.

Die Entwicklung kann je nach Wurmart direkt, obligat über Zwischenwirte oder fakultativ über paratenische Wirte erfolgen (s. Entwicklungszyklus).

Zu den Darmrundwürmern gehören als häufigste Vertreter die:

Spulwürmer (Ascaridida):

Spulwürmer sehen aus wie ein Stück Spaghetti, sind bis zu 18cm lang und leben im Dünndarm von Hund und Katze. 

  • Bei Hunden: Toxocara canis, Toxascaris leonina
  • Bei Katzen: Toxocara cati, Toxascaris leonina

Toxascaris leonina

Toxocara cati

Hakenwürmer (Ancylostomatidae):

Hakenwürmer besitzen ein abgebogenes Vorderende mit einer Mundkapsel und sind Blutsauger.
Länge: 1-2cm

  • Bei Hunden: Uncinaria stenocephala (in Deutschland), Ancylostoma caninum (in tropischen und subtropischen Gebieten)
  • Bei Katzen: Ancylostoma tubaeforme, Uncinaria stenocephala

Ancylostoma caninum

Ancylostoma tubaeforme

Peitschenwürmer (Trichuris):

Peitschenwürmer (Trichuris vulpis) kommen nur bei Hunden vor.

An ihrem Wurmkörper kann das lange, dünne Vorderteil, die „Peitschenschnur“, von dem dickeren Hinterteil, dem „Peitschenstiel“ unterschieden werden. Mit dem Vorderteil bohrt sich der Wurm in die Darmschleimhaut und ernährt sich von Blut und Gewebesäften. Er ist ein Dickdarmbewohner. Länge: 4-7cm

Trichuris vulpis

Entwicklungszyklus

Die wichtigsten Rundwürmer von Hund und Katze haben einen direkten Entwicklungszyklus, d.h., dass sie keinen Zwischenwirt benötigen. Die Anzahl der abgegebenen Eier kann sehr groß sein. Ein weiblicher Spulwurm kann pro Tag bis zu 200 000 Eier produzieren!

Mit dem Fleischfresserkot gelangen die Eier in die Umwelt.
Dort schlüpfen die Larven, die nach mehrmaliger Häutung infektionsfähig werden. Bei einigen Arten entwickeln sich die Larven im Ei, so dass die Tiere sich mit der Aufnahme von Eiern aus der Umwelt (zum Beispiel durch Herumschnuppern) infizieren können.
Nach der Infektion des Wirtes wird nach weiteren Häutungen das Adultstadium im Tier erreicht. Der Wurm ist ausgewachsen, geschlechtsreif, verpaart sich und beginnt erneut mit der Produktion von Eiern.

Larven wandern während ihrer Reifung häufig durch unterschiedliche Körpergewebe und Organe des Wirtes und schädigen diese dabei (s. Entwicklungszyklen unten).

Hypobiose

Ein besonderes Phänomen bei Spul- und Hakenwürmern ist die Hypobiose – ein Ruhezustand des letzten Larvenstadiums meistens in der Muskulatur der Endwirte.

Diese Ruhelarven spielen eine große Rolle bei der Übertragung von Wurminfektionen vom Muttertier auf die Welpen. Infolge hormoneller Umstellung während der Trächtigkeit kommt es zur Reaktivierung dieser ruhenden Gewebelarven.

Spulwurmlarven wandern um den 40. Trächtigkeitstag bei der Hündin über die Plazenta in die Feten (intrauterine Infektion), wo sie vor allem in der Leber, aber auch im Gehirn, den Nieren, in der Muskulatur und in der Lunge zu finden sind.

Erst nach der Geburt gelangen diese Larven zunächst über den Blutweg und das Herz in den Blutkreislauf der Lunge. Hier wandern sie vom Blut über die Bronchien in die Luftröhre. Sie werden hochgehustet, abgeschluckt und erreichen dann ihr Ziel: den Dünndarm.

Bereits in einem Alter von 3 Wochen scheiden Hundewelpen mit ihrem Kot Spulwurmeier aus!
Spul- und Hakenwurmlarven wandern außerdem in die Milchdrüse und werden über die Muttermilch auf die saugenden Welpen übertragen (galaktogene Infektion).

Bei Katzen wurde bisher nur eine Übertragung von Spulwurmlarven mit der Muttermilch nachgewiesen.
Da immer nur ein Teil der Ruhelarven mobilisiert wird, können selbst ohne erneute Infektion mehrere Würfe durch ein Muttertier infiziert werden.

Entwicklungszyklus von Toxocara cati

Entwicklungszyklus Spulwürmer:

1. In ca. 2 Wochen entwickelt sich die infektiöse Larve im Ei


2. Der Mensch infiziert sich durch versehentliches Verschlucken von infektiösen Eiern


3. Infektiöse Eier gelangen beim Herumschnuppern an die Nase und werden abgeleckt.


4. Nach dem Schlüpfen durchdringen ein Teil der Larven die Darmwand, gelangen auf dem Blutweg in die Muskulatur und verkapseln sich zu Ruhestadien (Hypobiose)


5. Im letzten Drittel der Trächtigkeit werden die Ruhelarven aktiviert und gelangen via Blut über die Plazenta in die Gebärmutter. Es kommt zur intrauterinen Infektion der Welpen.


6. Aktivierte Ruhelarven wandern auch in das Gesäuge und werden mit der Muttermilch an die Welpen abgegeben (galaktogene Infektion)


7. Ein Teil der Larven entwickelt sich im Dünndarm zu adulten Würmern.


8. Mit dem Kot werden die Eier ausgeschieden.


9. Nach der Geburt erreichen die Larven über das Blut den Lungenkreislauf. Sie dringen in die Bronchien ein
und wandern zur Luftröhre.


10. Sie werden hochgehustet und abgeschluckt. Im Dünndarm entwickelt sich der adulte Wurm


11. Bereits 3 Wochen nach der Geburt scheiden Hundewelpen Spulwurmeier aus.


12. In ca. 2 Wochen entwickelt sich die infektiöse Larve im Ei (siehe 1.).

 

Bei Welpen durchbohren die geschlüpften Larven die Darmwand und gelangen über den Blutkreislauf in die Lunge.

Toxascaris entwickelt sich ohne Körperwanderung der Larven direkt im Darm.

Entwicklungszyklus Hakenwürmer:

1. Die meisten Larven entwickeln sich nach oraler Aufnahme direkt in der Magenwand und gelangen von dort in den Darm. Einige wenige Larven können auch über die Trachealwanderung in den Darm einwandern.


2. Hakenwürmer heften sich an der Darmschleimhaut fest und saugen Blut.


3. Eier gelangen mit den Fäzes ins Freie.


4. Das erste Larvenstadium (L1) entwickelt sich im Ei.


5. Das dritte Larvenstadium ist infektiös.


6. Ein direkter Entwicklungszyklus des Wurms in der Magen-Darmwand des Wirtes findet statt, wenn ein Stapelwirt gefressen wird, der die L3 enthält.


7. Der Mensch infiziert sich durch direkten Hautkontakt mit kontaminiertem Erdboden.


8. Eine perkutane Infektion entsteht durch aktives Eindringen der Larven durch die intakte gesunde Haut.


9. Einige Larven gelangen mit der L3 mit dem Blutstrom in Muskeln und Fettgewebe, in denen sie in einem inaktiven Zustand verbleiben. Die mögliche Reaktivierung dieser Dauerlarven ist nur ungenügend dokumentiert. Eine laktogene Übertragung ist bisher bei Katzen nicht nachgewiesen worden.


10. Die Larven gelangen mit dem Blutstrom in die Lungen und von dort über die Trachea in den Dünndarm. Hier entwickeln sie sich zum adulten Wurm.


11. Hakenwürmer heften sich an der Darmschleimhaut fest und saugen Blut.

Entwicklungszyklus Peitschenwürmer:

Im Vergleich zu Spul- und Hakenwürmern eher einfallslos: der Peitschenwurm des Hundes (Trichuris vulpis)

 

Die Entwicklung der infektiösen Larve im Ei in der Außenwelt ist stark temperaturabhängig und kann 8 Tage bis mehrere Monate (!) dauern.

Nach dem Abschlucken der infektiösen Eier entwickeln sich die Larven im Darm des Hundes weiter bis zum Adultstadium und besiedeln den Dickdarm. Im Gegensatz zu Spul- und Hakenwürmern findet bei Peitschenwürmern keine Körperwanderung der Larvenstadien statt.
Eine Besonderheit sind die sehr widerstandsfähigen und langlebigen Eier, die nur gegen Austrocknung sehr empfindlich sind. Unter günstigen Bedingungen können sie jahrelang überleben!
Peitschenwürmer treten eher bei erwachsenen Hunden als bei Junghunden auf. Auch bei Füchsen kommen sie häufig vor. 

Extraintestinale Rundwürmer

Nematoden ausserhalb des Darms

Zusätzlich zu den altbekannten Band-, Spul-, Haken- und Peitschenwürmern im Darm müssen neuerdings bei der Diagnose von Erkrankungen auch folgende Würmer in Betracht gezogen werden:

  • Lungenwürmer kommen bei Hunden in Deutschland häufiger vor und sind regional weiter verbreitet als bislang angenommen.
  • Importhunde aus dem Süden Europas und Hunde nach einer Urlaubsreise werden zunehmend mit einer Herzwurminfektion in deutschen Kleintierpraxen vorgestellt.
  • Erste Fälle von in der Haut lebenden Würmern (Dirofilaria repens) sind bei Hunden in Deutschland aufgetreten.

Fadenwürmer (Filarien)

Dirofilaria immitis

Filarien sind fadenförmige Würmer, die beim Blutmahl von Stechmücken (verschiedene Arten, zum Beispiel Culex, Anopheles und Aedes) übertragen werden.


Adulte Würmer werden auch als „Makrofilarien“ bezeichnet. Weibliche Makrofilarien sind „ovovivipar“, das heißt, sie produzieren keine Eier wie zum Beispiel Spulwürmer, sondern mit einer Eihülle umgebene Larven, die „Mikrofilarien“.

Diese Mikrofilarien gelangen je nach Befallsstärke zu Tausenden in den Blutkreislauf, wo sie mehrere Jahre überleben können.

Phlebotomus papatasi

Mit dem Blutmahl werden sie von Stechmücken (= Zwischenwirte) aufgenommen.

Hier findet die Weiterentwicklung zur infektiösen Larve statt. Die Dauer der Entwicklung ist dabei abhängig von der Umgebungstemperatur.
Beim nächsten Blutmahl der Mücke gelangt die Larve in den nächsten Endwirt.

 

 

In der Kleintierpraxis relevant sind Dirofilaria immitis, der Herzwurm undDirofilaria repens, eine vorzugsweise in der Haut lebende Fadenwurmart.

Dirofilaria immitis

Adulte Herzwürmer (Makrofilarien) leben in den großen Lungenarterien, der rechten Herzkammer und Herzvorkammer und bei einem starken Befall auch in der caudalen Körperhohlvene, Vena cava caudalis.


Herzwürmer werden 30 - 40cm lang und sind etwa 1mm dick.

Sie leben durchschnittlich 7 Jahre, Einzelexemplare erreichen aber mitunter auch ein Lebensalter von 13 – 15 Jahren!

Nach der Infektion durch den Stich einer blutsaugenden Mücke dauert es etwa 70 Tage bis die Herzwurmlarve die Lungenarterien erreicht und weitere 6 Monate bis sie geschlechtsreif wird und mit der Produktion von Mikrofilarien beginnt.

Hunde, Katzen und andere Carnivoren gelten als Endwirte.

Für die Entwicklung der Larven in der Mücke sind relativ hohe Umgebungstemperaturen erforderlich, die bisher in Deutschland nicht beständig erreicht werden. Daher besteht derzeit in Deutschland keine Gefahr für Hunde und Katzen sich mit Herzwürmern zu infizieren.

Viele Länder Süd- und Osteuropa`s gelten als Endemiegebiete.

Der weiterhin zunehmende Import von Hunden aus diesen Ländern sowie die zunehmende Zahl der Reise begleitenden Hunde lässt die Frequenz der Erkrankungsfälle auch in Deutschland ansteigen.

Dirofilaria immitis

Lebenszyklus Herzwurm

Herzwurmbefall (Zeichnung)

Mikrofilarien D. immitis

Dirofilaria repens

Dieser kommt ebenfalls vorzugsweise in Südeuropa vor. Allerdings gibt es in jüngster Zeit Hinweise, dass es auch zu Infektionen in Deutschland kommen kann. Erste Fallbeschreibungen liegen bereits vor.

Makrofilarien leben vornehmlich in den tiefen Hautschichten, können aber auch in anderen Organen auftreten.
Nach einer Infektion durch eine Stechmücke dauert es zwischen 25 und 34 Wochen bis Mikrofilarien im Blut auftreten (=Präpatenzzeit).

Hautfilariose (Mensch)

Lungenwürmer

Lungenwürmer bei Hunden, insbesondere Angiostrongylus vasorum und Crenosoma vulpis, wurden in der Vergangenheit immer wieder in bestimmten Regionen Deutschlands sporadisch gefunden.

Angiostrongylus vasorum

Angiostrongylus vasorum ist von besonderer Bedeutung, da er zu schweren klinischen Erscheinungen bis hin zu Todesfällen führen kann.

In Süddeutschland konnten bei Hunden mit Lungensymptomen eine unerwartet hohe Befallsrate mit Lungenwürmern nachgewiesen werden. Aktuelle Laborstudien sollen nun zeigen, wie weit sich dieser Parasit in Deutschland ausgebreitet hat. Weitere Länder, in denen der Lungenwurm des Hundes zu Hause ist, sind England, Frankreich, Ungarn, Dänemark und die Schweiz.

Außer bei Hunden kommt diese Rundwurmart auch bei Füchsen vor, die auch für das ansteigende Vorkommen verantwortlich gemacht werden.

Umgangssprachlich wird der Parasit häufig auch als „Französischer Herzwurm“ bezeichnet: Ähnlich wie Dirofilaria immitis lebt er in den Pulmonalarterien und im rechten Herzen. Das ist aber auch alles, was er mit dem Herzwurm gemeinsam hat!

Er erreicht nur eine Länge von 18-25mm, und seine Übertragung erfolgt über Schnecken (=Zwischenwirt).
Weibliche Lungenwürmer produzieren Eier, die sich in Kapillargefäßen der Lunge stauen. Die sich daraus entwickelnden Larven dringen in die Lungenalveolen ein, werden hochgehustet, abgeschluckt und mit dem Kot ausgeschieden.

Befallene Hunde scheiden zum Teil bis zu 280 000 Larven pro Gramm Kot aus!

Die Präpatenz beträgt 28 bis 108 Tage. Die Würmer erreichen durchschnittlich ein Alter von 5 Jahren.

Angiostrongylus vasorum

Lebenszyklus Angiostrongylus vasorum

Crenosoma vulpis

Crenosoma vulpis – auch „Fuchslungenwurm“ aufgrund des hauptsächlichen Endwirtes genannt - rückt ebenfalls immer mehr in den Fokus der deutschen Tierärzte.

Der Wurm befällt die Bronchiolen, Bronchien und Trachea von wilden und domestizierten Caniden. Die klinischen Symptome ähneln allergischen Respirationserkrankungen.

 

Zu einer erhöhten Befallzahl bei Hunden scheinen sowohl eine verbesserte Erkennung als auch eine gesteigerte Urbanisierung der Füchse zu führen.

Crenosoma vulpis

Lebenszyklus Crenosoma vulpis

Der Befall mit Lungenwürmern ist zwar schwer diagnostizierbar, aber dafür umso leichter behandelbar.

Im Magen:

Spirocerca-Arten (Hund)
Die Würmer leben aufgerollt in derben Knoten in der Schleimhaut der Speiseröhre, des Magens und der Aorta. Larvenhaltige Eier werden mit dem Kot ausgeschieden.
Infektionsweg: orale Aufnahme der Eier.

Ollulanus – Arten (Katze)
Adulte leben in der Magenschleimhaut.
Infektionsweg: orale Aufnahme von erbrochenem Mageninhalt

Weitere Rundwürmer

Die folgenden Wurmexemplare kommen eher selten vor und können nach ihrer Lokalisation eingeteilt werden:

In der Nase:

Linguatula serrata = Zungenwürmer (Hund)
Erwachsene Zungenwürmer leben in den Nasenhöhlen oder im Respirationstrakt. Die Eier gelangen mit dem Nasenschleim ins Freie und werden dort von Pflanzenfressern aufgenommen.
Infektionswege: nasal beim Aufschnüffeln freier Larven oder oral durch infizierte Eingeweide von Pflanzenfressern

In der Blase:

Capillaria-Arten (Hund, Katze)
Adulte leben eingebettet in der Schleimhaut der Blase, des Nierenbeckens und der Harnleiter.
Infektionsweg: orale Aufnahme von Eiern oder Zwischenwirten

Im Bindehautsack des Auges:

Augenwurm, Thelazia callipaeda (Hund, Katze, Mensch)
Endemiegebiete: Italien, Südschweiz, Frankreich
Infektionsweg: Übertragung durch Fruchtfliegen