Bandwürmer

Zestoden oder Bandwürmer verdanken ihren Namen der flachen, bandartigen Körperform. Die Würmer parasitieren im Dünndarm der Endwirte. Je nach Art können sie eine Länge von mehreren Metern erreichen (der Rinderfinnenbandwurm des Menschen zum Beispiel bis zu 10m!), und sie können mehrere Jahre alt werden.

Aufbau

1. Kopfteil (Skolex)

Der Skolex dient dem Wurm zur Verankerung in der Darmschleimhaut. Mit – je nach Bandwurmspezies – typischen Hakenkränzen oder Saugnäpfen haftet er sich an und verhindert so eine frühzeitige Elimination durch die Darmperistaltik oder den passierenden Nahrungsbrei.

Skolex Taenia taeniaeformis

Halsbereich

Im unsegmentierten Halsbereich werden ständig neue Glieder (Proglottiden) produziert. Hier ist die Wachstumsstelle des Bandwurms.

Proglottiden Taenia spp.

Gliederkette

 In ihrer Gesamtheit bilden die Proglottiden die Gliederkette oder Strobila.

Segment von Dipylidium caninum im Darm einer Katze

Die Nahrungsaufnahme erfolgt bei Bandwürmern über die Körperoberfläche (Integument).

Achtung!: Genau an dieser Stelle wirken die meisten Bandwurmpräparate (Praziquantel). Sie schädigen das Integument und verhindern damit eine weitere Ernährung. Der Bandwurm „verhungert“ einerseits. Gleichzeitig wird durch die Schädigung die Bandwurmoberfläche angreifbar für die Verdauungssäfte. Der Bandwurm wird andererseits „verdaut“.

Lebenszyklus

Nahezu alle Bandwurmarten sind Zwitter. Das bedeutet, jede Proglottide enthält ein vollständig ausgebildetes männliches und weibliches Geschlechtssystem.

Am Ende der Strobila befinden sich die „reifen“ Bandwurmglieder. „Reif“ bedeutet, sie enthalten Eier und zwar je nach Art 15. 000 bis 100. 000.

Diese reifen Glieder werden vom Bandwurm abgestoßen und sind zunächst beweglich. Sie können daher auch außerhalb des Kotabsatzes aus dem After wandern (Juckreiz!, „Schlittenfahren“!) Sie bleiben entweder zunächst im Fell der Tiere hängen oder fallen in die Umgebung.

Nach einiger Zeit trocknet die schützende Hülle ein und zerfällt. Somit werden die Eier freigesetzt.
Für die weitere Entwicklung ist jetzt die Aufnahme der Eier durch einen so genannten Zwischenwirt (Maus, Floh) erforderlich. Hier entsteht das „Finnenstadium“.

Diese „Finne“, die bereits die Anlage des Bandwurmkopfes (Skolex) enthält, wird mit dem Zwischenwirt vom Endwirt (Hund, Katze) aufgenommen. In dessen Darmtrakt wird der Bandwurmkopf ausgestülpt. Er haftet sich an der Darmschleimhaut fest, und der Wurm reift zum erwachsenen Bandwurm heran. Diese Reifungszeit, auch als Präpatenzzeit bezeichnet, beträgt im Durchschnitt bei den relevanten Bandwurmarten für Hunde und Katzen in Europa 4 Wochen.

Zusammenfassung (s. Zyklusbild):

  1. Die Endwirte sind Karnivoren (Fleischfresser). Sie beherbergen die ca. 45cm langen Bandwürmer im Dünndarm.
  2. Sie scheiden gurken- oder kürbiskernähnliche (daher der Name!) Proglottiden aus.
  3. Die getrockneten Bandwurmglieder enthalten Pakete mit jeweils bis zu 40 Eiern.
  4. Diese werden von Flohlarven aufgenommen, in denen sich das Finnenstadium entwickelt.
  5. Hunde und Katzen infizieren sich durch das Herunterschlucken von infizierten Flöhen.

Eipakete von Dipylidium caninum

Lebenszyklus von Dipylidium caninum

Gurkenkernbandwurm (Dipylidium caninum)

Der am häufigsten vorkommende Bandwurm bei Hund und Katze ist der durch Flöhe übertragene Kürbiskernbandwurm (Dipylidium caninum).

 

  • Länge des ausgewachsenen Parasiten: bis zu 50 cm
  • Größe des Eipakets: 120-200 µm
  • Größe des Eis: 25-40 x 30-45 µm
  • Larvale Form wird als Cysticerkoid bezeichnet.

Dipylidium caninum

Dickhalsiger Bandwurm (Taenia taeniaeformis)

Eine bei Katzen oft vertretene Bandwurmart ist Taenia taeniaeformis. Besonders gefährdet sind Katzen mit Freilauf, denn als Überträger fungieren Beutetiere wie Mäuse, Ratten oder andere Kleinnager. Die Finnenstadien sitzen bei diesen Zwischenwirten in der Leber. Derart befallene Kleinsäuger sind entsprechend „leberkrank“ und daher nicht mehr ganz so flink:

Also ganz besonders leichte Beute für die Katze!!!

  • Länge des ausgewachsenen Parasiten: bis zu 60 cm
  • Größe des Eis: 37 x 32 µm
  • Larvale Form wird bezeichnet als Cysticerkus (Strobilozerkus) fasciolaris

Lebenszyklus Taenia taeniaeformis

Ei Tania spp.

kleiner Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis)