Endoparasiten

Hund und Katze

Endoparasiten sind Spezialisten, wenn es darum geht, durch komplizierte Entwicklungszyklen ihr  Weiterleben zu garantieren oder sich den unterschiedlichsten Wirten anzupassen. Häufig gehört zu diesen „Wirten“ auch der Mensch!

Hunde und Katzen haben in unserer Gesellschaft vielfach den Status eines Familienmitgliedes erreicht. Sie haben Zugang zu allen Wohnräumen – bis hin zum Schlafzimmer. Insbesondere für viele Katzen und Zwerghunde ist sogar das Bett nicht tabu! Dieser enge Kontakt kann für den Menschen potentiell gefährlich werden: Wurmeier, die im Fell der Tiere kleben können, werden so schnell versehentlich verschluckt. Tierhalter sind oft unzureichend über diese Problematik informiert und vernachlässigen daher entsprechende Vorsorgemaßnahmen.

 

Wenn wir bisher in Deutschland von „Wurmbefall bei Hunden und Katzen“ gesprochen haben, so bezogen wir uns auf die im Darm lebenden Rund- und Bandwürmer.
Neue Studien zeigen: Hier ist ein Umdenken unbedingt erforderlich!

Zusätzlich zu den altbekannten Band-, Spul-, Haken- und Peitschenwürmern im Darm müssen neuerdings bei der Diagnose von Erkrankungen auch folgende Würmer in Betracht gezogen werden:

  • Lungenwürmer kommen bei Hunden in Deutschland häufiger vor und sind regional weiter verbreitet als bislang angenommen.
  • Importhunde aus dem Süden Europas und Hunde nach einer Urlaubsreise werden zunehmend mit einer Herzwurminfektion in deutschen Kleintierpraxen vorgestellt.
  • Erste Fälle von in der Haut lebenden Würmern (Dirofilaria repens) sind bei Hunden in Deutschland aufgetreten.

Alte, eingefahrene Wurmbekämpfungsstrategien müssen neu überdacht und der veränderten Situation angepasst werden.

Wurmarten und Infektionswege

Endoparasiten sind nicht nur an ihre Wirtstiere gebunden, sondern auch an klimatische Bedingungen. Das erklärt das ursprünglich unterschiedliche Vorkommen in den einzelnen Ländern Europas und natürlich auch weltweit.

Bei Hund und Katze entstammen parasitische Würmer (Helminthen) den folgenden Kategorien:

  • Stamm Plathelmintha (Plattwürmer)
                Überklasse Trematoda (Saugwürmer)
                Klasse Cestodea (Bandwürmer)
  • Stamm Nemathelmintha (Schlauchwürmer)
                Klasse Nematodea (Rundwürmer)

Infektionswege: Wie kommt der Wurm ins Tier?

Direkte orale Infektion

Durch Beschnuppern von Kot oder Wühlen in der Erde gelangen Wurmeier  oder Wurmlarven an die Nase und werden abgeleckt und abgeschluckt.

Merke: Wurmeier brauchen abhängig von der Umgebungstemperatur mehrere Tage in der Außenwelt um zu „sporulieren“ und damit infektiös zu werden. Nicht der frisch abgesetzte, sondern der mehrere Tage alte Kot ist gefährlich!

Direkte orale Infektion

Orale Infektion durch Zwischenwirt oder paratenischen Wirt

Als Zwischenwirt (ZW) bezeichnet man einen Organismus, der Jugendstadien eines Parasiten in sich aufnimmt und diese nach ihrer Vermehrung oder Weiterentwicklung an einen neuen Wirt (z.B. Hund oder Katze) überträgt.

Die Art der Zwischenwirte (Flöhe, Mäuse, Schnecken, Fische, u.a.) ist für die jeweilige Wurmart spezifisch.

 

Ein paratenischer Wirt (PW) ist dagegen ein Organismus, der einen Parasiten nur mechanisch überträgt, ohne dass sich dieser vermehrt oder wandelt.


Der Infektionsweg über Zwischenwirt spielt besonders bei Bandwürmern eine Rolle. Auch die Infektion mit Lungenwürmern(gehören zu den Rundwürmern) und mit Saugwürmernerfolgt durch den Verzehr von Zwischenwirten.

Orale Infektion über Zwischenwirt (Floh)

Perkutane Infektion

Hakenwurmlarven können aktiv durch die gesunde Haut von Hund und Katze eindringen.

Perkutane Infektion

Infektion durch Blutsauger

Während des Blutmahls können verschiedene Arten von Stechmücken infektiöse Filarienlarven (Dirofilaria immitis, Dirofilaria repens) übertragen.

Infektion durch Blutsauger

Intrauterine Infektion

Toxocara canis Larven werden bereits intrauterin mit dem Blut über die Plazenta auf den Fetus übertragen. (Dieser Infektionsweg ist nur für Spulwurmlarven beim Hund nachgewiesen.)

Intrauterine Infektion

Galaktogene Infektion

Infektiöse Larven wandern aus der Muskulatur in die Gesäugeleiste des Muttertieres. Die Jungtiere infizieren sich bei der Milchaufnahme. Hundewelpen können sich auf diese Weise mit Spul- und Hakenwurmlarven infizieren, Katzenwelpen nur mit Spulwurmlarven.

Ruhestadien von Wurmlarven in der Muskulatur werden bei einer Trächtigkeit nicht aufgebraucht. Bis zu drei aufeinander folgende Würfe eines Muttertieres können ohne Reinfektion (erneuter Befall mit Würmern) infiziert werden. Siehe hierzu später die Erklärung unter Hypobiose.

Galaktogene Infektion