Zecken

In Deutschland können Hunde, Katzen und auch der Mensch von drei verschiedenen Zeckenarten befallen werden. Manche sind überall, manche nur regional verbreitet. Zusätzlich zu ihrer offiziellen lateinischen Bezeichnung haben sie auch noch einen deutschen Namen:

  • Ixodes ricininus = Holzbock
  • Dermacentor reticulatus = Auwaldzecke
  • Rhipicephalus sanguineus = braune Hundezecke

Nähere Informationen zu den einzelnen Zeckenarten:

Ixodes ricinus

Der so genannte Holzbock, Ixodes ricinus, ist in ganz Deutschland verbreitet, im Gebirge bis auf eine Höhe von etwa 1000 Metern und bevorzugt Waldgebiete mit dichtem Unterholz. In Europa ist er zwischen dem 40. und 65. Breitengrad zu Hause. Holzböcke treten in verschiedenen Farbvarianten von rötlich-braun bis steingrau auf. Nüchterne Weibchen sind 3-4mm lang, nach dem Blutmahl 11mm. Holzböcke sind Überträger der Borreliose, der Anaplasmose und der FSME (Frühsommer–Meningo-Enzephalitis).

 

Gemeiner Holzbock (Weibchen links, Männchen rechts)

Ixodes ricinius (SEM)

Dermacentor reticulatus

Auwaldzecken, Dermacentor reticulatus, werden seit etwa 100 Jahren regelmäßig in Deutschland nachgewiesen, bis vor wenigen Jahren allerdings nur mosaikartig verbreitet in Feuchtgebieten entlang der Donau, des Rheins und der Elbe. In den letzten Jahren ist es zu einer explosionsartigen Vermehrung dieser Zeckenart gekommen und zu einer weiteren Verbreitung. Dies ist für die Kleintierpraxis von besonderer Bedeutung, da die Auwaldzecke Babesien übertragen kann, den Erreger der Hundebabesiose (umgangssprachlich auch als „Hundemalaria“ bezeichnet), eine Erkrankung, die man bis dato noch als „Reisekrankheit“ bezeichnet hat. Vorkommensgebiete, so genannte Endemiegebiete, für diese Zeckenart sind außerdem Frankreich, England, Spanien, Schweiz, Belgien und Osteuropa.
Dermacentorzecken sind etwas größer als Holzböcke (nüchtern 5mm, nach dem Blutmahl 15mm).

Auwaldzecke

Dermacentor reticulatus

Rhipicephalus sanguineus

Die braune Hundezecke, Rhipicephalus sanguineus, kommt südlich der Alpen vor und wird von da durch reisebegleitende Hunde als unliebsames „Reisemitbringsel“ oder von Importhunden aus Südeuropa nach Deutschland eingeschleppt. Unterschiedlich zu Auwaldzecken und Holzböcken, die sich ausschließlich im Freien entwickeln können, kann die braune Hundezecke gut in beheizten Räumen (besonders unter Fenster- und Türfüllungen, in Gardinen und in Möbeln), Zwingern und Stallungen heimisch werden, was eine Umgebungsbehandlung bei Befall mit dieser Zeckenart erforderlich macht. Da sie in Nordeuropa im Freien nicht überwintern kann, gibt es in Deutschland noch keine Naturherde. Ein weiterer Unterschied zu Auwaldzecken und Holzböcken, die ein breites Wirtsspektrum aufweisen, ist das wirtsspezifische Verhalten: die braune Hundezecke befällt nur Hunde, ganz selten mal den Menschen. Rhipicephalus sanguineus hat einen längsovalen rot- bis dunkelbraunen Körper mit gelbbraunen Beinen. Die braune Hundezecke ist potentieller Vektor für Ehrlichien, Hepatozoen und Babesia canis vogeli, einer weniger gefährlichen Babesienart des Hundes.

Rhipicephalus sanguineus

Braune Hundezecke

Rhipicephalus sanguineus

Entwicklungszyklus

Zeckenzyklus

Zecken entwickeln sich vom Ei über Larven- (6 Beine) und Nymphenstadium (8 Beine) zur geschlechtsreifen Adultzecke (8 Beine). Nur im Adultstadium lassen sich männliche und weibliche Zecken unterscheiden.

80% der beim Menschen gefundenen Zecken sind Nymphen, der Rest Adulte. Daher kommt es häufig vor, dass diese kleinen Zecken vom Menschen lange unentdeckt bleiben!

Die Begattung findet auf dem dritten Wirt statt. Nach Beendigung ihrer Blutmahlzeit, die je nach Ergiebigkeit der Blutquelle 5-8 Tage dauert, lässt sich das Zeckenweibchen vom Wirtstier abfallen, legt in den nächsten Wochen je nach Zeckenart 2000 bis 5000 Eier und stirbt.

Vorraussetzung für jede Häutung und damit Weiterentwicklung zum nächsten Stadium, sowie für die Produktion der Eier ist eine Blutmahlzeit. Die Häutungen finden ausnahmslos außerhalb der Wirte am Boden statt.

Blutmahlzeiten

Holzböcke, Auwaldzecken und braune Hundezecken brauchen für den gesamten Entwicklungszyklus 3 Blutmahlzeiten, die sie generell bei 3 verschiedenen Wirten auf-nehmen, daher die Bezeichnung „dreiwirtige Zecken“.

  • Die etwa 0,5mm großen Larven bevorzugen Kleinsäuger wie zum Beispiel Mäuse und gelegentlich Vögel als Wirte, können durchaus aber auch auf anderen Tieren gefunden werden.
  • Nymphenstadien (1mm groß) befallen etwas größere Säuger (Katzen, Igel, Kaninchen).
  • Die Adulten befallen Hunde, Füchse, Pferde und Rehwild. (Ausnahme: die braune Hundezecke befällt nur Hunde, selten den Menschen.)

Enticklungsdauer

Die Entwicklungsdauer bei den verschiedenen Zeckenarten hängt von mehreren Faktoren ab. Klimatische Faktoren, wie die Temperatur und insbesondere die Luftfeuchtigkeit nehmen entscheidenden Einfluss auf die Geschwindigkeit der Entwicklung. Auwaldzecken und Holzböcke fühlen sich bei einer Luftfeuchtigkeit von 85% wohl. Adulte Auwaldzecken sind kälteunempfind-licher als Holzböcke, daher sind sie im Frühjahr früher aktiv und können je nach Witterung bis Ende Herbst oder sogar Winteranfang gefunden werden. In trockenen Sommermonaten lässt ihre Aktivität, außer in schattigen Wäldern, nach, die Zecken ziehen sich in die Moosschicht zurück.
Während der Frostperiode verharren sie erstarrt in der Laubschicht des Waldbodens.

Braune Hundezecken sind an höhere Temperaturen und trockenere Gebiete adaptiert, daher sind bisher keine Naturherde dieser Zeckenart in Deutschland nachgewiesen.
Die Entwicklungsdauer beträgt beim Holzbock 1 bis 3 Jahre, bei der Auwaldzecke 1 bis 1,5 Jahre. Da Auwaldzecken nicht nur eine kürzere Generationenzeit als Holzböcke haben, sondern auch durchschnittlich mehr Eier produzieren (Auwaldzecke bis 5000 Eier, Holzböcke bis 3000 Eier) muss mit einer weiterhin raschen Vermehrung gerechnet werden.
Braune Hundezecken haben mit 3 bis 4 Monaten die kürzeste Entwicklungszeit.

Befall des Wirtes

Zecken sind je nach Art ganz blind, oder sie verfügen über reduzierte Augengruben mit Photorezeptoren, die Hell – Dunkel – Reize empfangen und auf Schatten reagieren können.

Wesentlich empfindlicher ist ein Sinnesorgan beiderseits im Bereich des ersten Gliedmaßenpaares, das „Haller´sche Organ“, ein multipotenter Chemorezeptor. Besonders Gerüche wie Kohlendioxid (in der Atemluft von Wirten), Ammoniak (Harngeruch von Wirten), Butter- und Milchsäure (Körpergeruch, Schweißgeruch von Wirten) werden durch dieses Sinnesorgan wahrgenommen und lösen Erregungen und Aktivitäten bei den Zecken aus. Auch Erschütterungsreize, Vibrationen und Körperwärme werden registriert.

Bei der braunen Hundezecke konnten Reaktionen auf Hundegebell nachgewiesen werden: die Zecken setzten sich in Richtung des Geräusches in Bewegung!

Das Verhalten der Zecken bei der Wirtssuche ist unterschiedlich:

Passive Jäger

Holzböcke gehören zu den heimtückischen „passiven“ Zecken mit der „Hinterhaltstrategie: In Lauerposition warten sie auf vorbeikommende Wirte. Dabei klammern sie sich mit den hinteren Gliedmaßen an Gräsern, Ästen oder Gestrüpp fest. Das vordere Gliedmaßenpaar wird wie zwei kleine Radarantennen nach vorne auf der Suche eines nahenden Wirtes abgespreizt. Holzböcke sind gute Kletterer. Je nach Entwicklungsstadium klettern sie bis in eine Höhe von 1,5 Meter hoch. Kommt ein geeigneter Wirt vorbei, krallen sie sich an seiner Körperoberfläche fest und lassen sich abstreifen. Ohne Blutaufnahme können Zecken in diesem Stadium bis zu 1,5 Jahre überleben.

Aktive Jäger

Ganz anders ist die Strategie von Auwaldzecken und braunen Hundezecken. Sie sind dieaktiven Jäger unter den Zecken. Sie registrieren die oben beschriebenen Reize schon auf eine Entfernung von mehreren Metern und laufen dann aktiv mit einer beachtlichen Geschwindigkeit von 1m pro Minute auf ihr (häufig schlafendes!) Opfer zu.

Zeckenbefall Nahaufnahme

Ixodes ricinus festgebissen

Auf dem Wirt kriechen die Zecken teilweise stundenlang umher, um eine geeignete Stelle für die Blutaufnahme zu finden. Dabei tasten sie die Körperoberfläche mit fußartigen Tastorganen, den so genannten „Pedipalpen“ ab. Bevorzugt suchen sie möglichst wenig behaarte, dünnhäutige, geschützte, etwas feuchte Stellen, wie Achselbereich und Leistengegend auf.

Saugakt

Man kann eigentlich sagen, dass der Saugakt aus drei Schritten besteht:

1. Schritt: Hat die Zecke ihr Ziel erreicht, beginnt sie damit, ihren mit Widerhaken versehenen Saugrüssel mit Hilfe so genannter „Cheliceren“ in die Haut des Wirtes einzuschneiden. Dieser Vorgang dauert mehrere Minuten, ist aber für den Wirt völlig schmerzfrei, da ihr Speichel lokal betäubende Substanzen enthält.

2. Schritt: Durch eine Kittsubstanz, dem „Zeckenzement“ wird der Saugrüssel zusätzlich in dem umgebenden Gewebe verankert. Diese regelrecht „eingedübelte“ Zecke lässt sich nicht einfach so abschütteln! ´

3. Schritt: Zecken saugen nicht permanent. Kurzfristig wird der Saugakt immer wieder unterbrochen durch eine Art „Rülpsen, wobei Speichel, Mageninhalt und gegebenenfalls Krankheiterreger (!) in den Wirt gelangen. Entzündungshemmende und blutgerinnungshemmende Substanzen im Zeckenspeichel ermöglichen der Zecke auch in den folgenden Tagen die ungestörte Blutaufnahme.

Zum besseren Verständnis sind hier vergrößerte Aufnahmen (SEM) des Kopfes von einer Zecke (Rhipicephalus sanguineus)

Rhipicephalus sanguineus - Kopf ventral

Rhipicephalus sanguineus - ventral

Rhipicephalus sanguineus - Saugrüssel mit geöffneten Cheliceren

Rhipicephalus sanguineus - Kopf frontal