Salmonellose beim Schwein

Schwein auf der Weide

Salmonellen sind weltweit verbreitet und gehören zu den Zoonoseerregern. In Deutschland zählt die Salmonellose zu einer der häufigsten durch Lebensmittel übertragene bakterielle Infektionskrankheit, wobei Schweine als primäre Quelle für eine Salmonelleninfektion beim Menschen gelten.

Erreger

Salmonellen sind benannt nach dem amerikanischen Bakteriologen Daniel Elmer Salmon, der im Jahre 1890 von Mikroorganismen berichtete, die er als Salmonella choleraesuis bezeichnete. Es handelt sich um bewegliche, Gram-negative Stäbchen, die aufgrund der Struktur ihrer Oberflächen-(O)- und Geißel-(H)-Antigene nach dem White-Kauffmann-Le Minor-Schema (früher Kauffmann-White-Schema) klassifiziert und anhand einer Antigenformel in Serovare differenziert werden. Derzeit sind etwa 2.500 Serovare bekannt, die eine Gattung mit den beiden Arten Salmonella enterica und Salmonella bongori bilden. Die Art S. enterica ist wiederum in 6 Subspezies unterteilt, von denen die Untergruppen der Subspezies I (S. enterica ssp. enterica) in etwa 1.500 mit Eigennamen versehene Serovare unterteilt sind, andere Untergruppen werden nur durch ihre Antigenformel bezeichnet.. Bei Mensch und Tier sind nur Serovare von Salmonella enterica ssp. enterica relevant.

Die optimalen Wachstumstemperaturen für Salmonellen liegen bei 10 – 47°C. Zum Teil zeigen Salmonellen auch schon bei 6 – 8°C Wachstum. Man unterscheidet wirtsadapierte Salmonellenarten, beim Schwein vor allem Salmonella choleraesuis, von solchen die mehrere Spezies infizieren können, wie Salmonella typhimurium. Wirtsadaptierte Serovare lösen schwerere, systemische Krankheitsverläufe aus, während eine Infektion mit nicht wirtsadaptierten Serovaren meist zu milderen Infektionen des Gastrointestinaltraktes ohne systemische Beteiligung führt.

Übertragung

Salmonellen sind als Zoonoseerreger sowohl für Menschen als auch für Schweine pathogen. Die Übertragung erfolgt oral entweder direkt durch den Verzehr von Salmonellen-kontaminierten Lebensmitteln oder indirekt mittels Schmierinfektion durch den Kontakt mit kontaminierten Lebensmitteln bzw. anderen kontaminierten Gegenständen. Weitere Infektionsquellen sind Futter, Nagetiere, Wildvögel, Wasser und auch der Mensch. Die Inkubationszeit beträgt zwischen 5 und 72 Stunden.

Als bedeutendste nicht adaptierte Serovar für Schweine gilt Salmonella typhimurium. Die Infektion mit Salmonella cholaraesuis als wirtsadaptierte Serovar betrifft am häufigsten 8 – 16 Wochen alte Ferkel und tritt bei Schweinen insgesamt nur gelegentlich auf. Problematisch für die Übertragung von Salmonellen auf den Menschen zählen die Fleischgewinnungsprozesse, da nachweislich mit fortschreitender Bearbeitung im Fleischgewinnungsprozess das Ausmaß der Kontakte zwischen Tierkörperoberfläche und den Oberflächen der verwendeten Geräte steigt. Salmonellen können so auf die Oberflächen der Geräte gelangen und übertragen werden.

Klinischer Verlauf

Zu unterscheiden ist eine Salmonelleninfektion von klinisch manifester Salmonellose. Nach der Infektion besiedeln die Salmonellen den Darm und heften sich an der Darmwand an, um danach in die Darmwand einzudringen und zu den Gekröse-Lymphknoten und anderen Organen vorzudringen.

Bei einer Infektion von Schweinen mit nicht wirtsadaptierten Salmonella typhimurium verläuft meist subklinisch. Erst höhere Erregerdosen führen zu Erkrankung und Dauerausscheidung. Zudem müssen andere Faktoren, wie Haltungs- und Fütterungsfehler sowie Belastungen wie zum Beispiel Unterernährung vorliegen, damit die Tiere nach einer Infektion auch erkranken. Dann kann es zum Auftreten einer schweren fieberhaften Allgemeinerkrankung mit chronischem, übel riechendem Durchfall und protrahierter Enterocolitis kommen. Zusätzlich kann Abmagerung bis hin zum Tod der Tiere durch Erschöpfung auftreten. Eine Septikämie ist möglich.

Bei einer Infektion mit wirtsadaptierten Salmonella choleraesuis kommt es zur akuten Erkrankung in Form einer Septikämie mit Milz- und Lymphknotenschwellung, hämorrhagischer Gastroenteritis mit Durchfall und generalisierten Blutungen. Zusätzlich treten zyanotische Hautveränderungen, Pneumonie, Encephalitis und Meningitis auf. Auch plötzliche Todesfälle kommen vor, wobei aber die Morbidität sehr hoch und die Mortalität sehr niedrig ist. Neben klinischen Verlaufsformen besteht nach einer Salmonelleninfektion die Möglichkeit einer Latenz und einer Dauerausscheidung. Ermöglicht werden diese Formen durch die Fähigkeit der Salmonellen sich in Lymphknoten und Organe zurück zu ziehen, dort sind sie für die Immunantwort schlecht erreichbar. Bei Schwächung des Tieres durch andere Erkrankungen kann dann erneut eine Salmonellenausscheidung einsetzen und anderen Tieren als Infektionsquelle dienen.

Blutiger Durchfall bei einer Salmonelleninfektion Quelle: Prof. Dr. Karl Heinritzi, LMU München

Wässriger Durchfall und stark gereizte Analgegend durch hochgradigen Durchfall Quelle: Prof. Dr. Karl Heinritzi, LMU München

Akute Salmonellose mit Zyanose der Ohrmuscheln Quelle: Prof. Dr. Karl Heinritzi, LMU München

Diagnose

Schlachttieruntersuchung

In der Regel wird eine Salmonellose beim Schwein im Rahmen der Schlachtkörperuntersuchung festgestellt. Eine dabei festgestellte Salmonellose gilt als Fleisch-Untauglichkeitskriterium. Auffällige Schlachtbefunde erfordern eine bakteriologische Untersuchung und eventuell die Anzüchtung der Salmonellen aus dem Schlachtkörper. Zur Anwendung kommen dann verschiedene Typisierungsverfahren, es werden phänotypische und genotypische Untersuchungsmethoden unterschieden. Bei der phänotypischen Untersuchung werden die von den Bakterien exprimierten Eigenschaften, zum Beispiel morphologische und biochemische, erfasst, bei der genotypischen Untersuchung hingegen werden die Eigenschaften der chromosomalen und extrachromosomalen DNA dargestellt. Nach geltendem Recht dürfen an Salmonellen erkrankte Schlachtschweine nicht geschlachtet werden. Als Kriterium für eine Erkrankung zählt die klinische Auffälligkeit. Krankschlachtungen sind nicht erlaubt.

Bestandsdiagnose

Die bakteriologische Untersuchung von Sektionsmaterial dient dazu, bei gehäuft auftretenden Erkrankungen/Verendungen in Betrieben eine mögliche Beteiligung von Salmonellen abzuklären. Für klinisch auffällige Schweinebestände ist die kulturelle Untersuchung von Darmlymphknoten eine sehr sichere, aber auch aufwendige Methode zur Analyse des Salmonellenstatus. Die Untersuchung von Kotproben bzw. Analtupferproben ist einfacher, birgt aber mehr Unsicherheiten, da die Erreger einerseits intermittierend ausgeschieden werden und andererseits nur in geringen Keimzahlen pro Gramm Kot vorkommen. Das negative Ergebnis einer einmaligen Kotuntersuchung rechtfertigt weder bezogen auf das Einzeltier noch auf den Bestand die Bewertung als salmonellenfrei. Mehrmalige Kotuntersuchungen sind daher unerlässlich.

Auch ELISA werden eingesetzt, ein Antikörpernachweis gegen Salmonellen lässt allerdings nur den Rückschluss zu, dass ein Kontakt zu Salmonellen stattgefunden hat. Nicht möglich ist eine Aussage darüber, ob das Tier zum Zeitpunkt der Untersuchung noch Träger der Bakterien ist, da die Antikörper auch nach dem Verschwinden der Salmonellen aus dem Organismus noch längere Zeit nachweisbar bleiben. Dennoch ist der Antikörpernachweis sinnvoll um den Salmonelleninfektionsdruck auf Bestandsebene abzuschätzen. Er bildet auch die Untersuchungsgrundlage des QS-Überwachungssystems

Prophylaxe

Der Salmonellenstatus von Schlachtschweinen wird im Rahmen freiwilliger Überwachungs- und Qualitätssysteme, wie beispielsweise dem QS-System erfasst.

Ursprünglich basierend auf der Zoonose-Richtlinie 92/117/EWG, die später ersetzt wurde durch die Richtlinie 2003/99/EG des Europäischen Parlamentes und des Rates, erfolgt jährlich eine bundesweite Erhebung von Zoonose-Daten durch das Nationale Referenzlabor für die Epidemiologie der Zoonose in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft.

Im Rahmen des europäischen Projektes „Salinpork“ wurden europaweit durch Universitäten und Untersuchungseinrichtungen Prävalenzdaten aus den unterschiedlichen Stufen der Schweinefleischproduktion erhoben und ausgewertet. An diesem Projekt waren Dänemark, Griechenland, Großbritannien, Holland, Schweden und Deutschland beteiligt.

Seit März 2007 gibt es eine Verordnung zur Verminderung der Salmonellenverbreitung durch Schlachtschweine (= Schweine-Salmonellen-Verordnung). Betroffen von der Verordnung sind zunächst Schlachtschweineproduzenten mit mehr als 100 Mastplätzen.

Weitere Prophylaxemaßnahmen sind in der Bekämpfung von Schadnagern und Fliegen und in der Impfung gesunder Ferkel ab der 4. Lebenswoche und Schweine mit einem Lebendimpfstoff. Immunität kann aber Latenz nicht verhindern. Auch eine Bestandsbehandlung mit Antibiotika ist möglich. Zusätzlich sollte Stress verhindert werden und ein strenges Rein-Raus-Verfahren durchgeführt werden.

Die Reinigung und Desinfektion von Messern und anderen Arbeitsgeräten bei der Schlachtung ist in der Fleischhygieneverordnung festgelegt.

Therapie

Erregerspezifische Therapie

Der Einsatz von Antibiotika zur Behandlung der Salmonellose ist sehr umstritten. Sinnvoll erscheint eine Antibiose nur bei schwerwiegendem, systemischem Verlauf. Bei lediglich gastrointestinalen Symptomen, ist eine Antibiose beinahe schon kontraindiziert, da sie die Zeit Erregerausscheidung verlängert und das Risiko der Dauerausscheidung erhöht. Ist eine Antibiose nötig sollte das Medikament sorgfältig ausgewählt werden, da Salmonelleninfektionen bereits eine gewisse Resistenzproblematik mit sich bringen, die sich zunehmend zu verschärfen scheint. Gute Wirksamkeit zeigen noch die Fluorchinolone.

Symptomatische Therapie

Nicht umstritten hingegen ist der hohe Stellenwert der symptomatischen Therapie. Durchfall ist immer mit hohen Flüssigkeitsverlusten und verlustbedingten Elektrolytimbalancen verbunden. Um die durchfallbedingten Flüssigkeitsverluste möglichst gering zu halten sollten darauf geachtet werden, dass die Ferkel nicht aufhören Milch zu trinken. Zusätzlich und vor allem auch für ältere Tiere bieten sich Rehydratationspräparate an, um den Elektrolythaushalt möglichst schnell wieder zu stabilisieren. In guten Rehydratationspräparaten sollte zusätzlich zu Elektrolyten Glucose als Energielieferant und Puffersubstanzen gegen die entstehende metabolische Azidose enthalten sein. Der Glucosegehalt darf jedoch nicht so hoch sein, dass es zur osmotischen Wirkung kommt. Zugesetzte Puffersubstanzen dürfen bei Ferkeln die Milchverdauung nicht beieinträchtigen, da Milch zur schnellen Genesung beiträgt. Empfehlenswerte Puffersubstanzen sind beispielsweise Citrat und Propionat. Die Rehydratationspräparate werden in Wasser eingemischt angeboten, so können sowohl Einzeltiere als auch Tiergruppen leicht behandelt werden.