Pleuropneumonie

Schweine im Stall

Die Pleuropneumonie gehört zu den bedeutendsten hochkontägiösen Infektionskrankheiten der Schweine, ausgelöst durch Actinobacillus pneumoniae aus der Klasse der Pasteurellaceae.

Erreger

Actinobacillus pleuropneumoniae ist ein Gram-negatives, unbewegliches, fakultativ anaerobes, kokkoides Stäbchenbakterium, das in der Lage ist eine Kapsel auszubilden und eine ß-Hämolyse zu bewirken. Das Bakterium wird in zwei Biovare und 12 Serovare eingeteilt, wobei eines der Biovare die virulente Form darstellt. Von den in Deutschland vorkommenden Serotypen sind die Serotypen 5, 6, 7, und 9 pathogen und die Serotypen 2 und 3 apathogen.

Actinobacillus pleuropneumoniae produziert Exotoxine, die eine Zerstörung von Lungenmakrophagen und Erythrozyten hervorrufen. Der Erreger ist streng wirtsspezifisch, weltweit verbreitet und hat eine nur geringe Tenazität. Die Morbidität wird mit 30 – 100 %, die Mortilität mit 20 – 50 % angegeben.

Infektion

Die Übertragung erfolgt aerogen oder per Tröpfcheninfektion von Tier zu Tier, es ist aber auch eine indirekte Übertragung durch Stiefel und Kleidung des Stallpersonals möglich. Die Inkubationszeit beträgt 1 – 5 Tage.

Die Erregereinschleppung in gesunde Herden erfolgt durch Zukauf asymptomatischer Keimträger. Überwiegend betroffen sind Schweine im Alter von 9 – 16 Wochen. Die Übertragung von der Sau auf die Ferkel erfolgt erst ab dem 11. Lebenstag. Solange die Ferkel durch kolostrale Antikörper geschützt sind, tritt keine klinische Erkrankung auf, danach kommt es i. d. R. zum subklinischen Verlauf.

Pathogenese und klinischer Verlauf

Nach der Phagozytose oder Anheftung an Makrophagen produziert das Bakterium sogenannte Apx-Toxine, die zytotoxisch wirken. Der klinische Verlauf der Infektion mit Actinobacillus pleuropneumoniae kann in Abhängigkeit vom Immunstatus der betroffenen Tiere, von Umweltbedingungen, Infektionsdosis und der Virulenz des Erregers perakut, akut oder chronisch verlaufen. Zuerst heften sich die Erreger an Tonsillen und Alveolarepithel an, zum Ausbruch der Krankheitssymptome kommt es dann durch die Bildung von Exotoxinen während der Erregervermehrung. Erste Symptome treten bereits 1 – 5 Tage post infectionem auf.

Die perakute Verlaufsform ist durch eine hochgradige Störung des Allgemeinbefindens mit hohem Fieber, Apathie und Anorexie gekennzeichnet. Die Tiere zeigen zudem eine schwere Dyspnoe, Maul- und Schnappatmung, sowie Zyanose der Akren. Zur Entlastung der Brustorgane und Erleichterung der Atmung nehmen die Tiere meist eine hundesitzige Stellung ein. Bei sehr schwer erkrankten Tieren kann zusätzlich ein blutig-schaumiger Nasenausfluss beobachtet werden. In der Regel sterben diese Tiere innerhalb von 24 Stunden, zum Teil kommt es aber auch zu plötzlichen Todesfällen ohne vorhergehende Krankheitserscheinungen.

Für die akute Verlaufsform sind Fieber, Inappetenz und hochgradige respiratorische Symptome mit Dyspnoe und Husten kennzeichnend. In schweren Fällen treten auch bei der akuten Form Zyanosen der Akren auf. Die gesamte Symptomatik ist zwar geringer ausgeprägt als bei der perakuten Verlaufsform, aber ohne Behandlung verenden die Tiere innerhalb von 1 – 2 Tagen oder die Krankheit geht in die chronische Form über. Überleben die Schweine die akute Infektion, werden sie zu Trägertieren, d. h. die Tiere bleiben latent infiziert, wobei sich die Erreger in den Tonsillen und der Nasenhöhle, sowie in den nekrotischen Lungenläsionen ansiedeln.

Bei chronisch verlaufenden Infektionen können nur vereinzelt Husten und Leistungseinbußen mit geringgradig erhöhter Körpertemperatur festgestellt werden. Oft sind die betroffenen Schweine auch klinisch unauffällig, aber es kann ein hoher Anteil an Kümmerern festgestellt werden. Betroffen sind in chronisch erkrankten Schweineherden vor allem Mastschweine. Chronisch infizierte Tiere und latent infizierte Tiere spielen die Hauptrolle bei der Verbreitung des Erregers in bisher erregerfreie Schweinebestände.

Verendete Schweine mit typischem blutigen Nasenausfluss Quelle: Prof. Dr. Karl Heinritzi, LMU München

Blutiger Nasenausfluss, Schaum vor dem Maul und Zyanose der Haut - klassische Symptome einer hochgradigen APP-Infektion Quelle: Prof. Dr. Karl Heinritzi, LMU München

Diagnose

Eine Verdachtsdiagnose kann aufgrund der klinischen Symptomatik gestellt werden. Zur Erhärtung der Diagnose kann der Erreger angezüchtet, oder sein Erbgut mittels PCR analysiert werden. Da es neben pathogenen wie oben angeführt auch apathogene Serotypen gibt, ist eine Serotypisierung der isolierten Erreger sinnvoll. Serologische Untersuchungen zum Nachweis von Antikörpern mittels ELISA ist jedoch erst 2 – 6 Wochen post infectionem möglich, da vorher keine Antikörper vorhanden sind. Ansonsten erlaubt die Sektion eine eindeutige Diagnosestellung.

Hochgradige Lungenveränderungen sind auf die Toxinbildung von Actinobacillus pleuropneumoniae zurückzuführen Quelle: Prof. Dr. Karl Heinritzi, LMU München

Veränderte Lunge nach einer APP-Infektion Quelle: Prof. Dr. Karl Heinritzi, LMU München

Erregerspezifische Therapie

Therapeutisch ist eine schnelle Antibiotkatherapie über mehrere Tage indiziert, da die Schweine sonst innerhalb weniger Stunden sterben können. Da erkrankte Tiere Apathie und Freßunlust zeigen, ist die Injektionstherapie die Behandlungsmethode der Wahl, wobei bis zur Diagnosesicherung ein Breitbandantibiotikum eingesetzt werden sollte.

Auch antipyretische und antiphlogistische Präparate können bei akuten Krankheitserscheinungen verwendet werden, um Entzündungsvorgänge zu blockieren.

Prophylaxe

Prophylaktisch sind Impfungen gegen Actinobacillus pleuropneumoniae möglich. Dazu stehen inaktivierte Serotyp-2-spezifische Vakzine und eine Serotyp-übergreifende Vakzine zur Verfügung. Zusätzlich können stallspezifische Vakzine hergestellt und eingesetzt werden. In der Regel führen Impfungen aber nur zu einer Reduzierung der Krankheitserscheinungen und nicht zur vollständigen Krankheitsverhinderung, da eine Erregerverdrängung nicht erreicht werden kann.

Empfehlenswert sind in Problembeständen auch die konsequente Durchführung des Rein-Raus-Verfahrens, sowie die gründliche Stalldesinfektion vor Neubelegung. Außerdem sollte der Ferkelzukauf aus unterschiedlichen Betrieben vermieden werden.