Der weitverbreitete Begriff MMA steht für Metritis, Mastitis, Agalactie. Da jedoch nicht immer alle Symptome gleichzeitig auftreten, ist das Synonym postpartales Dysgalactiesyndrom besser geeignet um diesen Erkrankungskomplex der Sauen zu beschreiben. MMA zählt zu den wichtigsten Erkrankungen der Sauen. Enorme wirtschaftliche Schäden entstehen vor allem durch Unterversorgung der Ferkel mit Milch und in der Folge kümmern und Gewichtseinbußen. Der MMA-Komplex stellt eine Faktorenkrankheiten dar, die durch verschiedene Krankheitserreger und Umwelteinflüsse hervorgerufen wird. Die typischen Symptome einer MMA können allein oder in Kombination miteinander auftreten, wobei sowohl Jungsauen, als auch Altsauen betroffen sind. Der Milchmangel stellt das wirtschaftlich bedeutenste Symptom dar.

Erreger

Der MMA-Komplex ist ein multifaktorielles Geschehen, wobei für das Auftreten der Mastitis und Metritis überwiegend coliforme Keime, also Escherichia coli und andere laktosespaltende Enterobakterien ursächlich sind. Aber auch Klebsiella pneumoniae, Staphylococcus aureus, Staphylococcus epidermidis und verschiedene alpha-hämolysierende Streptococcenstämme, sowie sehr selten auch Arcanobacterium pyogenes und Mycoplasmen können beteiligt sein.

Ätiologie

Beim MMA-Komplex spielen einerseits Schmerz durch Schwergeburten und andererseits Endotoxine von coliformen Erregern eine entscheidende Rolle. Suboptimale Fütterung und Geburtsschmerzen führen zu einer Reduktion der Darmtätigkeit mit Verstopfung. Es kommt zu Durchblutungsstörungen und schließlich zur Schädigung der Darmwand. Daraus resultiert eine starker Vermehrung von Endotoxin-produzierenden Erregern.

Häufig gleichzeitig auftretende Harnwegsinfektionen sowie ein erhöhter Eintrag von Bakterien in den Geburtsweg steigern die bakterielle Gesamtbelastung der Sau zusätzlich; schließlich kommt es zu einem Anstieg von Endotoxinen im Blutkreislauf und damit zur Toxämie. In der Fettmobilisation während der Puerperalzeit werden zusätzlich im Fettgewebe eingelagerte Endotoxine in den Blutkreislauf abgegeben.

Es kommt zur Auslösung der Arachidonsäure-Entzündungskaskade, an deren Ende im schlimmsten Fall ein lawinenartiger Anstieg von Entzündungsmediatoren steht. Die Folge ist neben Fieber und Endometritis häufig ein entzündlich verändertes schmerzhaftes Gesäuge mit Unterversorgung und Verlust von Ferkeln.

Klinischer Verlauf

Die MMA tritt meist ein bis drei Tage post partum auf. Bei der Mastitis gelangen Erreger in das Gesäuge und lösen Entzündungen in einzelnen oder mehreren Zitzenkomplexen aus. Bei der Metritis kommt es zur Beeinträchtigung der Wehentätigkeit und damit zu verlängerten Geburten, Schwergeburten und auch Totgeburten, wobei verlängerte Geburten wiederrum auch Auslöser für eine Endometritis puerperalis sind, da es durch den verzögerten Zervixschluss zur Keimeinwanderung kommen kann. Eine Harnwegsinfektion kann die Auslösung einer Metritis zusätzlich begünstigen. Erkennen lässt sich die Metritis an eitrigem Vulvaausfluß. Bei der Agalaktie liegt eine entzündliche Schädigung des milchbildenden Gewebes und eine Störung der Oxytocinwirkung vor, sodass in der Folge weniger bis gar keine Milch gebildet wird, was wiederrum zum Kümmern der Ferkel führt. Eine ungenügende Kolostrumaufnahme kann zudem angefangen bei einer erhöhten Infektionsanfälligkeit bis hin zum Tod der Ferkel führen.

Das nach außen hin sichtbare Krankheitsbild ist entsprechende der individuellen Verhältnisse im Einzelbestand und auch von Sau zu Sau unterschiedlich. Typische Symptome sind außer dem starken Rückgang der Milchsekretion eine erhöhte Körpertemperatur, eine erhöhte Herz- und Atemfrequenz, Fressunlust und Verstopfung. Zudem führt die Mastitis zu einer erhöhten Schmerzhaftigkeit betroffener Gesäugekomplexes, sodass sich die erkrankten Sauen meist in Brust-Bauchlage legen um die Ferkel am Saugvorgang zu hindern. Oft ist die Gesäugeleiste spürbar heiß.

Eitriger Ausfluss als klassisches Symptom einer Metritis Quelle: Prof. Dr. Karl Heinritzi, LMU München

Ein geschwollener Gesäugekomplex kann auf eine Mastitis hindeuten Quelle: Prof. Dr. Karl Heinritzi, LMU München

Hochgradig geschwollenes und gerötetes Gesäuge einer Sau mit Mastitis Quelle: Prof. Dr. Karl Heinritzi, LMU München

Veränderter Sekretcharakter und geringere Milchproduktion sind weitere Symptome im Rahmen einer MMA Quelle: Prof. Dr. Karl Heinritzi, LMU München

Diagnose

Die Diagnose ist bei Vorliegen einer Metritis anhand des eitigen Vulvaausflusses zu stellen. Ansonsten kann aufgrund der klinischen Symptome der Sau eine Verdachtsdiagnose gestellt werden, die sich durch die Verhaltensweise der Ferkel, die aufgrund der verringerten Milchproduktion eine deutliche Unruhe zeigen, erhärten lässt.

Prophylaxe

Grundsätzlich sind alle Maßnahmen zur Verbesserung der Hygiene sowie zur Vermeidung von Temperaturstress sinnvoll. Das Futterangebot sollte vor der Geburt reduziert werden und das Tränkeangebot erhöht sein.

Das Futter sollte bereits einige Zeit vorher einen mindestens 6%-igen Rohfasergehalt haben, eiweiß- und vitaminreich sein, um Obstipationen zu verhindern. Auch ist es wichtig bei den Tränken auf eine Wasserdurchflussmenge von 2 – 3 Litern pro Minute zu achten, dass die Sauen in der Lage sind eine ausreichende Wassermenge pro Tag in möglichst kurzer Zeit aufzunehmen, denn der Wasserbedarf einer laktierenden Sau ist mit etwa 40 Litern enorm.

Eine Verfettung der Sauen vor der Geburt sollte vermieden werden, da es sonst zu Wehenschwäche und damit Geburtsverlängerung kommen kann. Ebenso ist Stress zu vermeiden, die Stalltemperaturen sollten optimal auf 18°C eingestellt und Temperaturschwankungen reduziert werden.

Wurmkuren bewahren den Darm vor zusätzlicher Schädigung durch Endoparasiten. Die Bekämpfung von Ektoparasiten reduziert Stress und die Erregerbürde.

Therapie

Oxytocin und NSAIDs

Gilt die Diagnose MMA als gesichert, sollte eine Therapie so schnell wie möglich eingeleitet werden. Die erste Maßnahme ist die Applikation von Oxytozin zur Unterstützung der Geburt und zur Förderung des Milchabflusses.

Die frühzeitige Gabe eines hochpotenten nichtsteroidaler Antiphlogistikums (NSAID) unterdrückt den lawinenartigen Anstieg der Entzündungsmediatoren. Sie haben neben einem entzündungshemmenden und schmerzlindernden auch einen fiebersenkenden Effekt, sodass sich auch das Allgemeinbefinden der betroffenen Sauen schnell bessert. Saure NSAIDs wie Ketoprofen, Acetylsalicylsäure, Flunixin und Meloxicam verfügen im Allgemeinen über eine bessere lokale Wirkung als nicht saure NSAIDS wie Metamizol oder Paracetamol. Der Wirkstoff Ketoprofen ist neuerdings auch genau für dieses Anwendungsgebiet zugelassen.

Antibiose

Ebenfalls angewendet werden können Antibiotika, wobei hierbei darauf geachtet werden sollte, dass es sich aufgrund der in Frage kommenden Erregervielfalt und dem typischerweise Vorliegen von Mischinfektionen ein Breitbandantibiotikum indiziert ist. Ein Erregernachweis und eine Beurteilung der Resistenzlage sollten möglichst mitberücksichtigt werden. Außerdem darf nicht außer Acht gelassen werden, dass es durch den Einsatz von Antibiotika zum massenhaften Absterben der Erreger kommt, wodurch große Mengen an Endotoxin freigesetzt werden, die das Krankheitsbild verschlimmern können. Fluorchinolone, insbesondere Enrofloxacin haben hier gegenüber anderen Antibiotika den Vorteil einer nachweislich geringeren Endotoxinfreisetzung, da ihr bakterizider Mechanismus nicht an der Bakterienzellwand ansetzt. Dieser Effekt kann zusätzlich durch den Einsatz nichtsteroidaler Entzündungshemmer vermindert werden. Eine vielversprechende Kombination zu Behandlung stellt die Kombination von Enrofloxacin und Ketoprofen dar.