Kokzidiose

Ferkel

Die Kokzidiose des Schweines ist eine weltweit vorkommende Erkrankung, die im Saugferkelalter Durchfall auslöst und mit einer Prävalenz von bis zu 90% auftritt. Generell lassen sich beim Schwein Kokzidien in allen Altersstufen nachweisen, Krankheitserscheinungen treten jedoch nur beim Saugferkel auf. Da die Kokzidiose unabhängig von der Bestandsgröße, dem Bodentyp und der Jahreszeit auftritt, ist eine Einschätzung der Krankheitswahrscheinlichkeit schwierig und die wirtschaftlichen Folgen sind hoch.

Erreger

Beim Schwein kommt eine Vielzahl von Kokzidien vor, darunter etwa 13 Eimeria-Arten und Isospora suis. In der Regel haben die Eimeria-Arten beim Schwein nur selten eine pathogene Wirkung, während Isospora suis zu den wichtigsten Pathogenen im Saugferkelalter zählt.

Isopsora suis ist ein intrazellulärer Parasit mit weltweiter Verbreitung, der überall dort auftritt, wo Schweine gehalten werden. Von wesentlicher Bedeutung für das Infektionsgeschehen in einem Ferkelerzeugerbestand ist, dass die Oozysten von Isospora suis außerordentlich resistent gegenüber Umwelteinflüssen sind. Sie lassen sich selbst mit sehr aufwendigen Hygienemaßnahmen nicht vollständig eliminieren, da sie über Monate hinweg infektiös bleiben.

Entwicklungszyklus von Kokzidien

Kokzidien sind wirtsspezifisch. Der Vermehrungszyklus der Kokzidien besteht aus zwei ungeschlechtlichen und einer geschlechtlichen Phase, was zu einer explosionsartigen Vermehrung der Kokzidien beiträgt.

Im Infektionszyklus kann eine Außenweltphase und eine Wirtsphase unterschieden werden. Die Entwicklung erfolgt allerdings ohne dass ein Zwischenwirt nötig ist. Die Außenweltphase beginnt mit der ersten ungeschlechtlichen Vermehrung (= Merogonie), der sogenannten Sporulation, bei der in einer Oozyste acht Sporenkörperchen entstehen. Bei Temperaturen von 20 bis 30 °C und genügend hoher Luftfeuchtigkeit, wie sie in Abferkelboxen vorliegen, dauert dieser Vorgang nur 1 - 3 Tage. Daran anschließend folgt die Wirtsphase. Die Oozysten werden vom Ferkel oral aufgenommen und gelangen in den Dünndarm, wo die Oozystenhülle aufgelöst und die Sporenkörperchen freigesetzt werden. Jedes Sporenkörperchen dringt in eine Darmzelle ein und veranlasst diese zum Riesenwachstum. Innerhalb der entstehenden Riesenzellen erfolgt die zweite ungeschlechtliche Vermehrung, wobei es zu einer Vielfachteilung kommt, bei der Tausende von Teilungskörperchen entstehen.

Die nun riesigen Wirtszellen zerfallen und setzten so die Teilungskörperchen frei, die nun ihrerseits andere Darmzellen befallen. Es kommt zur zweiten Vielfachteilung und zur erneuten Freisetzung von Teilungskörperchen, die auch wieder in Darmzellen eindringen; sich aber nun geschlechtlich vermehren, sodass weibliche und männliche Formen entstehen. Die männlichen Teilungskörperchen teilen sich noch einmal, um dann die weiblichen Teilungskörperchen zu befruchten. Es reifen neue Oozysten mit einer widerstandsfähigen Hülle heran, die schließlich die Darmzellen verlassen. Bereits 10 - 15 Tage nach der Aufnahme sporulierter Oozysten werden mit dem Kot massenhaft neue infektiöse Kokzidienstadien in die Außenwelt ausgeschieden. Da aus einer Oozyste im Verlauf eines Zyklus Millionen neuer Oozysten entstehen, ist die Ausscheidungsmenge und so auch der Infektionsdruck enorm hoch.

Weil sowohl die geschlechtliche, als auch die zweite ungeschlechtliche Vermehrung intrazellulär ablaufen und zum Untergang der betreffenden Wirtszelle führen, werden große Teile der Darmschleimhaut zerstört.

Infektion

Saugferkel infizieren sich meist unmittelbar nach der Geburt durch orale Oozystenaufnahme aus der Umwelt, vom Boden der Abferkelbuchten. In betroffenen Betrieben kann sich in kürzester Zeit ein erheblicher Infektionsdruck aufbauen, da bereits die Aufnahme einer nur geringen Menge an Oozysten ausreicht, um eine klinische Isosporose auszulösen. Klinische Erscheinung treten dann im Allgemeinen nach einer Inkubationszeit von 3 – 8 Tagen auf. Die Erscheinungen fallen umso schwerwiegender aus, je jünger das Ferkel zum Infektionszeitpunkt ist.

Eine Infektion durch den Kot der Muttersau ist dabei von untergeordneter Bedeutung, zumal bei älteren Tiere meist überwiegend apathogene Eimeria-Arten und nur selten Isospora suis gefunden werden. Der hohe Infektionsdruck resultiert vielmehr durch verbleibende Oozysten vorangegangener Würfe durch deren Widerstandskraft gegen Reinigung und Desinfektion. Hat sich ein Ferkel im Wurf so infiziert scheidet es innerhalb kürzester Zeit eine enorme Menge an Oozysten aus, welche dann die Hauptinfektionsquelle für die Wurfgeschwister darstellen.

Krankheitsverlauf

Da es während des Entwicklungszyklus der Kokzidien zur Zerstörung ganzer Schleimhautabschnitte im Dünndarm kommt, entwickelt sich das Bild einer katarrhalischen bis nekrotisierenden Enteritis, wobei der Epithelzellverlust je nach Befallsintensität unterschiedlich stark ausgeprägt sein kann.

Hauptsymptom der Erkrankung ist ein nicht-hämorrhagischer Durchfall von gelblich-brauner Farbe und wässriger bis pastöser Konsistenz, der etwa 10 Tage anhält, eine verminderte Nährstoffresorption und somit eine verminderte Gewichtszunahme, Vitalitätsmangel, Exsikkose und Kümmern. Todesfälle können auftreten, sind aber selten, die Saugferkelkokzidiose zeichnet sich somit durch eine sehr hohe Morbidität bei nur geringer Letalität aus. Fieber zeigen die erkrankten Ferkel nicht.

Die Intensität der Symptomatik hängt stark vom Alter der Ferkel zum Infektionszeitpunkt ab. Je früher die Infektion erfolgt, desto schwerer fällt der Durchfall aus. Die Anzahl der erkrankten Tiere innerhalb eines Wurfes ist unterschiedlich.

Das geschädigte, multifokal errosiv bis nekrotisch veränderte Darmepithel stellt eine geeignete Eintrittspforte für Sekundärerreger dar, die den klinischen Verlauf erheblich verkomplizieren können und zu einer erhöhten Mortalität führen, Rotaviren und Clostridien spielen in diesen Fällen oft eine bedeutende Rolle.

Bei Ferkeln nach der 3. Lebenswoche regeneriert sich die Darmschleimhaut normalerweise sehr schnell, sodass diese Ferkel meist keine Krankheitssymptome mehr zeigen. Isospora suis kann sich aber auch in den Darmlymphknoten, der Leber und der Milz vermehren und erst später in die Darmschleimhaut eindringen. Hierbei lassen sich dann auch schwere Erkrankungen bei älteren Ferkeln beobachten.

Diagnose

Bei Verdacht einer Bestandsproblematik muss unbedingt der Nachweis erfolgen, dass Isopsora suis im Bestand vorhanden ist. Dazu müssen Kotproben entnommen und mittels parasitologischer Diagnostik auf Oozysten untersucht werden.

Oozysten von Isopspora suis werden regelmäßig auch bei klinisch gesunden Ferkeln gefunden, somit steht die Oozystenausscheidung nicht zwangsläufig im Zusammenhang mit Durchfall.

Für einen zuverlässigen Nachweis von Isospora suis im Bestand sollten in der 2. Lebenswoche von 3 – 5 Ferkeln, einschließlich klinisch gesund erscheinender Tiere, bei mindestens 10 Würfen rektal Kotproben entnommen und als Pool untersucht werden. Die Kotprobenauswertung erfolgt im Labor mittels Flotationsmethode und anschließender Mikroskopie. Oozysten von Isospora zeigen bei Bestrahlung mit UV-Licht eine deutliche, blaue Eigenfluoreszenz, was die Diagnostik erheblich erleichtert.

Bei negativem Befund sollte eine Wiederholung der Kotentnahme und eine erneute Untersuchung durchgeführt werden, da sich für ein erkranktes Tier ein einzelner negativer Oozystenbefund im Kot die Isosporose als Erkrankungsursache nicht ausschließen lässt, da die Oozystenausscheidung intermittierend, üblicherweise mit 3 Peaks erfolgt.

Für einen histologischen Kokzidiennachweis eignen sich frisch verendete Tiere, die vorher nicht behandelt wurden. Hierbei muss jedoch der Magen-Darm-Trakt innerhalb von wenigen Minuten fixiert werden, weil sich das Darmepithel mit den Parasiten sehr schnell zersetzt. Hier sind die typischen Schleimhautveränderungen an Abstrichen oder Biopsien festzustellen.

Prophylaxe

Auch wenn Hygienemaßnahmen allein zur Kontrolle der Saugferkelkokzidiose nicht ausreichen, sollte trotzdem die Stallhygiene in den Bekämpfungsplan mit aufgenommen werden, um den Infektionsdruck auf die Ferkel durch Oozysten in Abferkelboxen zu reduzieren. Wichtige Maßnahmen sind die Reinigung und Desinfektion der Abferkelbuchten vor Neubelegung, das waschen der Sauen vor dem Abferkeln, sowie möglichst trockene Einstreu und sauberes Trinkwasser.

Über den Nutzen von Desinfektionsmitteln im Ferkelbereich ist bislang wenig bekannt, aber kresolhaltige Präparate zeigen bei Eimeria tenella des Huhnes eine abtötende Wirkung (DVG-Liste!), sodass davon auszugehen ist, dass sie auch bei Isospora suis nicht vollkommen wirkungslos bleiben.

Impfstoffe gegen Isospora suis gibt es nicht.

Erregerspezifische Behandlung

Bei nachgewiesenem Kokzidienbefall mit Isospora suis hat sich therapeutisch der Wirkstoff Toltrazuril bewährt. Dabei genügt der Nachweis von Isospora suis im Bestand um sofort auch eine metaphylaktische Anwendung von Toltrazuril an klinisch noch gesunden Ferkeln zu beginnen, gerechtfertigt durch die hohe Morbidität. Die Metaphylaxe, optimal an Tag 3 – 5 hat sich als äußerst wirksam erwiesen um bei gesunden Ferkeln einen Krankheitsausbruch zu verhindern. Liegt bereits Durchfall vor hilft Toltrazuril trotzdem die Parasiten zu eliminieren. Die zu diesem Zeitpunkt bereits vorhandene Darmschädigung kann allerdings nach klinischer Heilung trotzdem zu Leistungseinbußen, Kümmern und in der Folge zu enormen wirtschaftlichen Verlusten führen. Weshalb der metaphylaktischen Behandlung in diesem Krankheitsgeschehen eine große Bedeutung zukommt. Toltrazuril bewies auch in verschiedenen Studien sowohl unter experimentellen als auch unter Feldkonditionen eine hervorragende Wirksamkeit gegen die Saugferkelkokzidiose, da Toltrazuril alle intrazellulären Entwicklungsstadien abtötet ohne dabei die Ausbildung der natürlichen Immunität zu beeinflussen. Insgesamt ist dieser Wirkstoff somit den früher verwendeten Sulfonamiden deutlich überlegen.

Auch wenn bisweilen einige Isospora-Oozysten im Kot von Sauen gefunden wurden, zählen die Sauen epidemiologisch nicht als bedeutende Infektionsquelle, sodass eine Behandlung der Sauen mit Antikokzidia nicht sinnvoll erscheint.

Unterstützende Maßnahmen

Wichtig bei der Behandlung der Ferkel mit Durchfall ist zusätzlich der Ausgleich der Flüssigkeits- und Elektrolytverluste. Da das Durchfallgeschehen bei dieser infektion mehrere Tage anhalten kann ist oft eine massive Dehydratation der Ferkel die Folge. Es sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass die Ferkel nicht aufhören zu saugen, da die Milch alle wichtigen Nährstoffe liefert. Unterstützend können Elektrolyttränken verabreicht werden, diese sollten neben einer guten Elektrolytmischung auch eine Energiequelle enthalten. Als Energiequelle eignet sich beispielsweise Traubenzucker, wichtig ist auch, dass dieser nicht in zu hoher Konzentration enthalten ist, da sonst die osmotische Wirkung den Durchfall verstärkt. Die Puffersubstanzen sollten die Milchverdauung nicht beeinträchtigen, geeignet für das Ferkel sind etwa Natriumcitrat und Natriumpropionat. Durch rechtzeitige und ausreichende Rehydratationsmaßnahmen lassen sich auch die wirtschaftlichen Folgeschäden reduzieren.