Schweineinfluenza

Schwein auf der Weide

Die Schweineinfluenza, auch Schweinegrippe genannt, ist eine akut verlaufende, durch Influenza-A-Viren verursachte, weltweit verbreitete Infektionskrankheit. Influenza-A-Viren sind runde oder ovale behüllte RNA-Viren der Klasse Orthomyxoviridae. Insgesamt lassen sich vier Subtypen des Virus unterscheiden, die von Bedeutung sind: H1N1, H1N2, H3N2 und H3N1, das H steht für Hämagglutinin und N für Neuraminidase, die wichtigen antigenen Oberflächenstrukturen des Virus. Sie bilden auch die Grundlage für die Unterscheidung in Subtypen.

Den Subtypen gemeinsam ist eine große Muationsbereitschaft und die Möglichkeit der Neugruppierung und des Austausches der segmentierten RNA-Abschnitte, während sie sich bezüglich ihrer Antigenität durch ihre verschiedenen Oberflächenstrukturen stark unterscheiden. Neben pathogenen porcinen Influenzaviren konnten in den letzten Jahrzehnten jedoch auch eine Vielzahl an humanen und aviären Virussubtypen aus Schweinen isoliert werden, die beim Schwein nicht zu einem Krankheitsausbruch führen.

Antigenshift und Antigendrift

Das Erbgut der Viren kann durch Antigenshift oder Antigendrift verändert werden. Unter Antigendrift versteht man die langsame Veränderung der RNA durch Punktmutationen innerhalb eines RNA-Segments, es entstehen so Subtypvarianten. Antigenschift dagegen bezeichnet den kompletten Austausch eines RNA Segmentes zwischen unterschiedlichen Subtypen bei einer zufälligen Mischinfektion im gleichen Wirt. Durch eine solche sprunghafte Veränderung des Erbgutes entsteht eine sogenannte Reassortante. Durch Reassortment der Segmente des RNA-Genoms von porcinen, aviären und humanen Influenzaviren kann es bei Ausbrüchen von Schweineinfluenza, wie bei allen Influenzaformen, im Sinne eines Antigenshifts zur Entstehung neuer antigenetischer Varianten kommen, die für das Tier oder den Menschen neue pathogene Eigenschaften besitzen. Influenza A tritt entsprechend häufig endemisch auf.

Infektionsdynamik

Die Übertragung von Influenza-A-Viren erfolgt durch Tröpfcheninfektion über die Schleimhäute des Atemtraktes. Als Erregerreservoir gelten latent infizierte Schweine, aber auch Wasservögel und Lungenwurmlarven (Metastrongylus) in Regenwürmern. Direkt nach der Infektion kann das infizierte Tier weitere Tiere des Bestandes infizieren, schon bevor die klinischen Erscheinungen deutlich werden. Die Infektion breitet sich auf diesem Weg sehr schnell innerhalb des Bestandes aus, hat aber bei einer hohen Morbidität nur eine geringe Mortalität. Die Inkubationszeit beträgt 1 - 4 Tage.

Betroffene Schweinebucht - die Erkrankung breitet sich schnell im ganzen Bestand aus Quelle: Prof. Dr. Karl Heinritzi, LMU München

Risikogruppen und klinische Symptome

Betroffen sind vor allem Mastschweine im Alter von 3 – 4 Monaten. Saugferkel sind kaum betroffen und zeigen wenn überhaupt, nur einen milden Krankheitsverlauf. Nach der Infektion breitet sich das Virus innerhalb weniger Tage über das gesamte Atmungssystem aus. Die Tiere zeigen eine akute Bronchopneumonie mit hohem Fieber, Dyspnoe, schmerzhaftem Husten, Atemnot, Anorexie, Apathie und Gewichtsverlust. Bei einer Infektion von Muttersauen kommt es häufig zum Abort. Es können auch Mehrfachinfektionen mit verschiedenen Influenzastämmen bei einem Schwein auftreten. Die Symptome klingen nach 3 bis 5 Tagen wieder ab, allerdings können die Influenzaviren noch bis zu 5 Wochen nach klinischer Heilung der Erkrankung ausgeschieden werden. Auch sind Komplikationen durch bakterielle Sekundärinfektionen, die das klinische Bild bestimmen können nicht selten. Als bakterielle Erreger kommen hier insbesondere Pasteurella, Mycoplasma und Bordertella in Frage.

Diagnose

Die Diagnose kann anhand der klinischen Symptomatik als Verdachtsdiagnose gestellt und durch einen direkten Erregernachweis mittels PCR oder durch Virusanzüchtung im Hühnerei erhärtet werden. Geeignetes Probenmaterial sind beispielsweise Nasentupfer. Aufgrund des raschen Krankheitsverlaufes ist eine serologische Untersuchung auf Antikörper während der Krankheitsphase nicht sinnvoll, da diese eine gewisse Zeit brauchen um gebildet zu werden. Der Nachweis kann aber im Nachhinein aus epidemiologischen Gesichtspunkten sinnvoll sein. Auch die Anzucht im Hühnerei ist nicht ganz einfach und für die sofortige Diagnosesicherung ungeeignet. Ein schneller und zuverlässiger Nachweis ist der immunhistochemische Test mittels ELISA. Für den Nachweis einer Bestandsinfektion sind Proben einiger Einzeltiere ausreichend.

Lungenveränderungen in der Sektion oder am Schlachthof als weiteres diagnostisches Mittel Quelle: Prof. Dr. Karl Heinritzi, LMU München

Therapie

Therapeutisch können NSAID zur Fiebersenkung, Schleimlöser, Kortikosteroide und Antibiotika zur Behandlung der Sekundärinfektionen eingesetzt werden.

Prophylaxe

Impfmanagement

Zusätzlich können Impfungen durchgeführt werden. Es ist ein Kombinationsimpfstoff verfügbar, der mehrere inaktivierte Subtypen der Influenzaviren enthält. Da Ferkel bis zur 5. Lebenswoche durch kolostrale Antikörper geschützt sind und der Antikörperspiegel erst etwa ab der 8. Lebenswoche deutlich abfällt, muss die Impfung bei Ferkeln nach der 10. Lebenswoche durchgeführt werden um eine Interferenz mit den maternalen Antikörpern zu vermeiden.. Geboostert wird vier Wochen nach der ersten Impfung. Auch Muttersauen können geimpft werden, um die Antikörperkonzentration im Kolostrum zu erhöhen. Diese Impfung sollte etwa vier Wochen vor dem Abferkeln erfolgen.

Haltungsmanagement

Prophylaktisch ist es ratsam die Stalltemperatur in der kalten Jahreszeit zu erhöhen, da zu dieser Zeit am häufigsten mit Schweineinfluenza zu rechnen ist. Zusätzlich sollte auf eine angemessene Stalllüftung und saubere, trockene Einstreu geachtet werden und die Belegungsdichte nicht zu hoch sein.

Zoonotisches Potential

Seit etwa 1930 ist bekannt, dass Menschen sich mit Schweineinfluenzaviren infizieren können. Es nutzen sowohl humane als auch aviäre Influenza-Viren das Schwein als Wirt, sodass das Schwein somit ein Reservoir für neue Influenza-Viren darstellt. Da die Viren-RNA segmentiert ist, kann relativ leicht ein Austausch von ganzen Segmenten erfolgen, sodass Viren mit neu zusammengesetzter RNA und völlig neuen Eigenschaften entstehen. Aus diesem Phänomen resultiert das „Neue Grippe“-Virus vom Typ A/H1N1, das Teile der Erbinformationen von Influenzaviren des Typs A Subtyp H1N1 von Mensch, Schwein und Geflügel enthält, sodass der Begriff „Schweinegrippe“ für die beim Menschen kursierende Grippe irreführend war und durch den Begriff „Neue Grippe“ ersetzt wurde. Die Übertragung beim Menschen erfolgt durch infizierte Menschen mittels Tröpfcheninfektion. Schweinefleisch stellt kein Risiko für den Menschen dar!