Enzootische Bronchopneumonie der Schweine

Ferkel

Die Enzootische Bronchopneumonie gehört zu den ansteckenden bakteriellen Pneumonien bei Mast- und Absatzferkeln, ausgelöst durch Mycoplasma hyopneumoniae. Der Erreger gehört zur Gattung Mycomplasma der Familie Mycoplasmataceae und der Klasse Mollicutes. Es handelt sich dabei um die kleinsten auf zellfreiem Medium wachsenden Mikroorganismen ohne Zellwand. Mycoplasmen zeigen eine hohe Wirtsspezifität, sind resistent gegenüber Phagozytose und vermehren sich auf Schleimhäuten. Ihre Tenazität außerhalb des Wirtes ist gering.

Erregerspektrum

Eine alleinige Infektion mit Mycoplasma hyopneumoniae verläuft klinisch relativ unauffällig, durch Mischinfektionen mit weiteren bakteriellen Atemwegserregern, wie Pasteurella multocida, Hämophilus parasuis, Actinobacillus pleuropneumoniae oder Bordetella bronchoseptica können jedoch klinisch schwerwiegende Bronchopneumonien entstehen. Charakteristisch ist eine Entzündung der Spitzenlappen der Lungen.

Infektionsverlauf im Bestand und Infektionsweg

Die Enzootische Bronchopneumonie ist keine Einzeltiererkrankung, i. d. R. ist ein großer Teil des gesamten Schweinebestandes betroffen, wobei die Anzahl der erkrankten Tiere hierbei von verschiedenen Faktoren, wie z. B. Konzentration der Krankheitserreger in der Umwelt, Hygienezustand der Ställe, Immunstatus der Tiere, Stallklima und Jahreszeit abhängt.

Die Übertragung erfolgt von Tier zu Tier, d. h. durch direkten Kontakt mit infizierten Schweinen, beispielsweise von der Sau auf das Ferkel, aber auch aerogene Übertragung ist möglich. Als Aerosol kann der Erreger bei entsprechenden Umweltbedingungen über eine Strecke von mehreren Kilometern verbreitet werden, sodass eine Häufung der Fälle zwischen November und März zu beobachten ist.

Erkranken können bereits Saugferkel ab einem Lebensalter von 2 Wochen, i. d. R. sind jedoch Schweine im Alter von 3 bis 6 Monaten betroffen.

Bedeutung für den Bestand

Die Enzootische Bronchopneumonie ist eine chronische Erkrankung mit hoher Morbidität aber geringer Mortalität. Die Inkubationszeit ist variabel und liegt zwischen 11 Tagen und 6 Wochen. Die Mykoplasmen heften sich an die Zilien der Atemwege an, was zum Verkleben der Zilien und zu erhöhter Schleimproduktion führt. Etwa 10 bis 16 Tage nach der Infektion zeigen die Tiere trockenen Husten, leichtes Fieber und reduzierte Futteraufnahme, was zu geringen Lebendmassezunahmen und damit zu wirtschaftlichen Verlusten führt.

Diagnose

Die Diagnose stützt sich zuerst auf das klinische Symptom des trockenen Hustens. Eine kulturelle Erregeranzucht ist langwierig und schwierig, im negativen Fall zudem nicht sehr aussagefähig. Ein Erregernachweis kann direkt mittels PCR und indirekt als serologischer Antikörpernachweis erfolgen. Der ELISA-Test ist allerdings erst 6 Wochen nach der Infektion sinnvoll, da erst zu dieser Zeit Antikörper gebildet werden.

Bekämpfung

Haltungsmanagement

Die Bekämpfung muss in erster Linie in einer Optimierung der Haltungsbedingungen, sowie in der Verhinderung der Erregereinschleppung in freie Bestände bestehen. Hierbei sollte darauf geachtet werden, dass Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Luftqualität im Stall angemessen sind, die Ställe vor Neubelegung desinfiziert werden und das Rein-Raus-Verfahren eingehalten wird.

Erregerspezifische Therapie

Erkrankte Tiere können mit Antibiotika behandelt werden, wobei aufgrund der häufig auftretenden Mischinfektionen vor der Behandlung ein Antibiogramm angefertigt werden sollte. Die Antibiose führt i. d. R. zur klinischen Besserung, eine Erregereliminierung wird jedoch nicht mit allen Produkten erreicht. Zudem ist der richtige Zeitpunkt der Behandlung oft schlecht abzuschätzen. Eine zu frühe oder zu späte Behandlung bleibt wirkungslos, sodass auf jeden Fall über einen längeren Zeitraum behandelt werden sollte.

Impfprophylaxe

Auch Ferkelimpfungen können durchgeführt werden. Eine Impfung von Ferkeln vor Eintreten einer Infektion kann eine wirkungsvolle Strategie sein, um eine Infektion mit Mycoplasma hyopneumoniae zu vermeiden. Zur Verfügung stehen unterschiedliche Impfstoffe, die im „One-Shot-“ oder „Two-Shot-Verfahren“ eingesetzt werden. Bei Betrieben mit hohem Infektionsdruck oder bei langen Mastperioden sollte die Two-Shot-Methode bevorzugt werden.