Dysenterie der Schweine

Ferkel

Die Dysenterie der Schweine zählt in Schweinemastbeständen weltweit zu den häufigsten Infektionskrankheiten. Hervorgerufen wird die Dysenterie durch Brachyspira hyodysenteriae als Haupterreger, wobei es sich immer um eine synergetische Infektion zwischen Brachispira hyodysentriae und anderen anaeroben Erregern, wie Fusobacterium necrophorum und Clostridium perfringens oder anaeroben Erregern wie E. coli und Campylobacter jejuni handelt.

Erregerspektrum

Brachispiren sind Gram-negative anaerobe Bakterien mit geringer Tenazität. Die Erregereinschleppung in den Bestand erfolgt vor allem durch den Zukauf infizierter Schweine. Auch eine indirekte Übertragung der Brachyspiren durch Hygienemängel über Stallpersonal ist möglich und auch die Gülle betroffener Betriebe ist als wichtiges Erregerreservoir nicht zu vernachlässigen.

Infektion

Die Erregeraufnahme erfolgt oral. Die Erregervermehrung findet in der Dickdarmschleimhaut statt, die daraufhin vermehrt Schleim produziert. Betroffen sind vor allem Tiere in Aufzucht und Mast mit einem Gewicht zwischen 15 und 70 kg. Die Inkubationszeit beträgt etwa 10 – 14 Tage.

In Zuchtbetrieben stellen vor allem Muttersauen die größte Ansteckungsquelle für die Ferkel dar. Die Weitergabe der kolostralen Antikörper infizierter Sauen an die Ferkel ist gering, sodass die Ferkel keine ausreichende Immunabwehr aufweisen.

Klinische Symptome

Nach der Infektion zeigen die Tiere Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit und Durchfall. Bei schweren Verläufen treten zudem gräulich-breiiger bis schleimig-blutiger Durchfall und eingefallene Flanken auf. Zusätzlich scheiden infizierte Tiere bereits 2 Tage nach der Infektion Erreger aus.

Die Morbidität liegt bei 90 %, die Mortalität bei 10 – 60 %, wobei die Tiere infolge starker Schwächung und Dehydratation etwa 5 Tage nach Einsetzen der klinischen Symptome sterben.

Schleimig-dünnbreiiger Kot bei Dysenterie Quelle: Prof. Dr. Karl Heinritzi, LMU München

Stark eingezogene Flanken sind typisch bei starkem Durchfall Quelle: Prof. Dr. Karl Heinritzi, LMU München

Diagnose

Aufgrund der klinischen Symptomatik kann eine Verdachtsdiagnose gestellt werden, die durch einen labordiagnostischen Erregernachweis erhärtet werden kann. Da latent infizierte Tiere eine schwankende Erregerausscheidung zeigen, sollte bei Bestandsproblemen eine wiederholte Kotuntersuchung durchgeführt werden.

Vorbeugungsmaßnahmen

Die Dysenterie der Schweine wird besonders häufig im ersten und vierten Jahresquartal beobachtet, sodass davon auszugehen ist, dass Stallklimaprobleme eine bedeutende Rolle bei der Infektion einnehmen, da Schweine bei kühlen Temperaturen eine erhöhte Anfälligkeit für Durchfall und eine reduzierte Immunreaktion aufweisen. Somit können angepasste stallklimatische Bedingungen als wirkungsvolle Prophylaxemaßnahmen angesehen werden. Aber auch Hygienemaßnahmen spielen eine entscheidende Rolle, da die Erreger mit dem Kot ausgeschieden werden und infizierter Kot von anderen Schweinen gerne gefressen wird. Insofern ist es bedeutend, den Durchfallkot schnell und regelmäßig zu beseitigen und jeweils Zwischendesinfektionen durchzuführen.

Erregerspezifische Therapie

Therapeutisch können Antibiotika eingesetzt werden, wobei die Durchführung eines Resistenztests empfehlenswert ist. Außerdem sind die arzneimittelrechtlichen Bestimmungen zu befolgen.

Ein Impfstoff gegen die Dysenterie der Schweine steht derzeit nicht zur Verfügung.