Rindergrippe = Crowding Disease =
Enzootische Bronchopneumonie

Rinderauge

Die Enzootische Bronchopneumonie der Rinder, auch Kälbergrippe oder Rindergrippe genannt, zählt zu den Faktorenkrankheiten, d. h. ätiologisch sind belebte und unbelebte Faktoren zu berücksichtigen. Zu den belebten Faktoren zählen Viren und Bakterien. Es können mehr als 20 Virusarten mit der Enzootischen Bronchopneumonie assoziiert werden, wovon jedoch nur wenige zu einer klinisch manifesten Krankheit führen. Eine bedeutendere Rolle nehmen die Bakterien ein, insbesondere Mannheimia haemolytica und Pasteurella multocida, da diese Leukotoxin freisetzen, welches die Leukozyten irreversibel schädigt. Zu den unbelebten Faktoren zählen Überbelegung der Ställe, unzureichende Stallbelüftung und schlechtes Stallklima durch Temperaturschwankungen und starke Luftbewegungen.

Formen der Enzoootischen Bronchopneumonie

Die Enzootische Bronchopneumonie der Rinder, auch Kälbergrippe oder Rindergrippe genannt, zählt zu den Faktorenkrankheiten, d. h. ätiologisch sind belebte und unbelebte Faktoren zu berücksichtigen. Zu den belebten Faktoren zählen Viren und Bakterien. Es können mehr als 20 Virusarten mit der Enzootischen Bronchopneumonie assoziiert werden, wovon jedoch nur wenige zu einer klinisch manifesten Krankheit führen. Eine bedeutendere Rolle nehmen die Bakterien ein, insbesondere Mannheimia haemolytica und Pasteurella multocida, da diese Leukotoxin freisetzen, welches die Leukozyten irreversibel schädigt. Zu den unbelebten Faktoren zählen Überbelegung der Ställe, unzureichende Stallbelüftung und schlechtes Stallklima durch Temperaturschwankungen und starke Luftbewegungen.

Risikogruppen

Bei beiden Formen erkranken vorwiegend Kälber im Alter von 2 Wochen bis 4 Monaten. Am häufigsten betroffen sind Kälber in der fünften und sechsten Lebenswoche. Die erhöhte Anfälligkeit dieser Altersgruppe kann zum einen aus einer ungenügenden Kolostrum- bzw. Antikörperversorgung resultieren, zum anderen hängt sie auch mit der speziellen Anatomie der Rinderlunge und der bei Geburt ungenügenden Lungenreifung zusammen. Die Lungenreifung, mit der auch eine Verbesserung der Immunabwehr der Lunge einhergeht, beginnt erst 4 Wochen post partum und ist erst nach ca. 12 Monaten abgeschlossen.

Erregerspektrum

Primärerreger

Ausgelöst wird die Enzootische Bronchopneumonie durch verschiedene pathogene Primärerrger, darunter das Bovine Respiratorische Synzytial Virus (BRSV), das Parainfluenza-3-Virus, sowie Mannheimia haemolytica Serovar A1 und A6 und Pasteurella multocida. Alle diese Erreger können ein eigenständiges Krankheitsgeschehen auslösen.

Virale Erreger

BRSV

Das BRSV hat jedoch im Zusammenhang mit der Enzootischen Bronchopneumonie die größte Bedeutung. Es handelt sich um ein RNA-Virus bzw. um ein Pneumovirus, das zur Familie der Paramyxoviridae gehört und weltweit vorkommt. Epidemiologischen Untersuchungen zufolge besitzen in Deutschland 70 % der Rinder Antikörper gegen BRSV. Das Virus besitzt eine große Affinität zu den Schleimhautzellen des Respirationstraktes. Die Übertragung erfolgt durch Tröpfcheninfektion. Die Inkubationszeit beträgt 2 – 5 Tage.
Klinischer Verlauf
Zuerst gelangt das Virus in den oberen Respirationstrakt, wo es sich im Zytoplasma der Flimmerepithelzellen vermehrt und so die Fähigkeit des Organismus zur mukoziliären Clearance reduziert. Außerdem beeinträchtigt BRSV ebenso wie das Parainfluenza-3-Virus die Phagozytosetätigkeit der Alveolarmakrophagen. Schließlich kommt es zur Besiedlung des unteren Respirationstraktes und zur interstitiellen Pneumonie. Klinisch werden zwei Stadien unterschieden: Das erste Stadium verläuft mild und dauert 1 – 5 Tage. Die Tiere zeigen Nasenausfluss, Speicheln und Fieber. Das sich anschließende zweite Stadium dauert 5 – 7 Tage und verläuft schwerwiegender. Die Tiere zeigen Dyspnoe, Maulatmung, Speicheln, Kehlgangsödem, petechiale Blutungen auf den Schleimhäuten, sowie Anorexie, Obstipation und Emphyseme an Schulter und Hals. Infektionsverlauf

Die Erregerausscheidung hält noch ca. 3 Wochen nach überstandener Infektion an. Es bildet sich keine stabile Immunität aus, d. h. die gebildeten Antikörper schützen nicht zuverlässig vor einer erneuten Infektion mit dem Virus. In der Regel ist der gesamte Bestand betroffen. Infiziert sich ein Tier 2 – 3 Monate nach Erstinfektion erneut, kommt es i.d.R zu einer subklinischen Verlaufsform.

Parainfluenza-3-Virus

Parainfluenza-3-Viren gehören wie die BRSV zu den Paramyxoviridae. Sie sind auch bei gesunden Tieren im oberen Atmungstrakt anzutreffen. Durch Stress oder schlechte Haltungs- oder Umweltbedingungen kann eine Enzootische Bronchopneumonie ausgelöst werden. Befallen werden dabei hauptsächlich die Flimmerepithelzellen der Trachea, sowie Bronchien und Bronchiolen. Es kommt zu einer milden Form der interstitiellen Bronchopneumonie mit erhöhter Atemfrequenz, leichtem Fieber, Nasenausfluss und Husten.

Bakterielle Erreger

Mannheimia haemolytica

Bei Beteiligung von Mannheimia haemolytica sorgen vor allem die Serotypen A1 und A6 für einen Krankheitsausbruch. Zuerst vermehren sich die Erreger im oberen Respirationstrakt und besiedeln schließlich die unteren Atemwege bis hin zu den Alveolen. Es kommt zur fibronekrotisierenden Pneumonie, die je nach Schweregrad auch einen letalen Verlauf nehmen kann.

Pasteurella multocida

Eine Enzootische Bronchopneumonie ausgelöst durch Pasteurella multocida kann akut, subakut oder chronisch verlaufen. Die Virulenz von Pasteurella multocida beruht hauptsächlich auf der Präsenz einer Kapsel, die das Bakterium vor der Phagozytose im Rahmen der unspezifischen Abwehr schützt. Pasteurella multocida befindet sich ebenso wie Mannheimia haemolytica auch bei gesunden Tieren auf den Schleimhäuten der oberen Atemwege, weshalb der Nasen-Rachen-Raum als Eintrittspforte gilt. Erst eine durch verschiedene Faktoren begünstigte Zunahme der Besiedlung des Nasen-Rachen-Raumes ermöglicht ein Vordringen in die unteren Atemwege mit nachfolgender Erkrankung. Bei der Sekundärinfektion mit Pasteurella multocida steht eine fibrinöse Bronchopneumonie im Vordergrund, die i. d. R. weniger stark ausgeprägt ist als die durch Mannheimia haemolytica verursachte Bronchopneumonie.

Behandlungsempfehlung

Wesentlich für den Therapieerfolg ist ein schneller Behandlungsbeginn. Verschleppte Infektionen führen oft zu schwerwiegenden chronischen Lungenschäden, die unweigerlich ein späteres Kümmern der Tiere zur Folge haben.

Therapeutisch eingesetzt werden können Antibiotika und Bronchosekretolytika, sowie nichtsteroidale Antiphlogistika.

Die Anwendung von Paraimmunitätsinducern ist umstritten. Auch wenn die am Krankheitsgeschehen beteiligten Viren durch den Einsatz von Antibiotika nicht erfasst werden, tritt bei sofortigem Beginn der Therapie bei 85 – 90 % aller betroffenen Tiere innerhalb von 24 Stunden eine nachhaltige Besserung ein. Empfehlenswert ist in jedem Fall vor Behandlungsbeginn die Erstellung eines Antibiogramms und eines Resistenztests. Bei Einsatz von schleimlösenden Bronchospasmolytika sollte auf die Zulassung an lebensmittelliefernden Tieren geachtet werden. Ansonsten können auch Sekretolytika eingesetzt werden.

Nichtsteroidale Antiphlogistika führen zur Fiebersenkung und Glucocorticoide fördern die zelluläre Erregerabwehr.

Prophylaxe

Wirtschaftliche Bedeutung

Aufgrund der hohen wirtschaftlichen Verluste, die sich durch die Enzootische Bronchopneumonie ergeben, kommen den vorbeugenden Maßnahmen eine besondere Bedeutung zu. Prophylaktische Maßnahmen bestehen dabei zum einen in der Optimierung der Haltungsbedingungen und einer Verbesserung des Managements und zum anderen spielen Schutzimpfungen eine große Rolle, auch wenn Impfprogramme nicht immer zufriedenstellend verlaufen. Eine Optimierung des Managements und die Ausschaltung negativer Umwelteinflüsse sind deshalb in jedem Fall zusätzlich erforderlich.

Impfmaßnahmen

Schutzimpfungen sind Teil eines Herdenmanagementprogramms. Der Einsatz von Impfstoffen soll die Ausbildung spezifischer und unspezifischer Abwehrreaktionen gegen bestimmte Antigene stimulieren. Eine aktive Immunisierung der Tiere soll gezielt eine langanhaltende und stabile Immunität hervorrufen. Die Booster-Impfung sorgt für einen erneuten Antigenkontakt, sodass die Immunantwort entsprechend verstärkt wird. Darüber hinaus bewirkt eine Schutzimpfung in Abhängigkeit von dem verwendeten Adjuvans und der Verabreichungsform auch die Stärkung der unspezifischen Abwehr.

Kombinationsvakzinen

In Deutschland sind mittlerweile Kombinationsvakzine zugelassen, die einen Totimpfstoff enthalten, der die Bildung von Antikörpern gegen BRSV, Parainfluenza-3-Virus und Mannheimia haemolytica Serotyp A1 und A6 induziert. Die humorale Immunantwort für BRSV und Parainfluenza-3-Virus ist am besten etwa 2 Wochen nach Abschluss der Grundimmunisierung ausgebildet, sodass eine Impfung nach Möglichkeit mindesten 2 Wochen vor vorhersehbaren Risikoperioden, Stresssituationen oder Transporten durchgeführt werden sollten.

Der Kombinationsimpfstoff ist für Kälber ab der 2 Lebenswoche zugelassen, sodass durch frühzeitige Impfung die Keimmanifestation verhindert werden kann. Die Kälber sollten zweimal im Abstand von ca. 4 Wochen geimpft und die Impfung mindestens zwei Wochen vor Risikoperioden wiederholt werden. Die Grundimmunisierung sollte aber in jedem Fall zu Beginn der Mast abgeschlossen sein, ansonsten sollte sie unter Quarantänebedingungen erfolgen. Aus Bestandsschutzgründen sollten alle impffähigen Tiere des Bestandes geimpft werden, da bei Nichtimpfung einzelner Tiere Impflücken entstehen, die eine Erregerausbreitung begünstigen und somit zum verstärkten Auftreten von klinischen Erkrankungen führen können.

Mutterschutzimpfungen

Bei Beständen in denen gehäuft Enzootische Bronchopneumonien auftreten, sollte zusätzlich eine Muttertierimpfung 8 bzw. 4 Wochen ante partum durchgeführt werden. Dadurch wird das Kolostrum vermehrt mit Antikörpern gegen BRSV, Parainfluenza-3-Virus und Mannheimia haemolytica angereichert, sodass ein wirksamer passiver Schutz der Kälber erzielt wird, bis diese das impffähige Alter erreicht haben.

Management

Als wichtigste Präventionsmaßnahe ist jedoch die Optimierung der Haltungsbedingungen anzusehen. Dazu gehört unter anderem die Analyse und anschließende Verbesserung der Luftqualität. Staubgehalt, Schadstoffkonzentration, Keimgehalt und Luftfeuchtigkeit müssen so gering wie möglich gehalten werden. Zugluft und große Luftgeschwindigkeiten sind zu vermeiden und nach Möglichkeit sollten die Stallbedingungen den klimatischen Außenbedingungen entsprechen. Auch sollten die Tiere nach Altersgruppen getrennt werden und die Ställe im Rein-Raus-Verfahren mit gründlicher Zwischenreinigung und Zwischendesinfektion belegt werden. Auch ist darauf zu achten, dass Futter und Wasser ausschließlich in einwandfreier Qualität angeboten werden. Zugekaufte Tiere sollten vorerst separat aufgestallt und vor Eingliederung gründlich untersucht werden.