Kokzidiose

Kälber im Stall

Unter Kokzidiose wird eine durch Einzeller der Gattung Eimeria verursachte Erkrankung verstanden. Es sind zahlreiche Eimeria-Arten bekannt, von denen beim Rind die meisten wenig oder nicht pathogen sind. Die Spezies Eimeria bovis, Eimeria zuernii und Eimeria alabemensis dagegen sind pathogen für das Rind, ihren Wirt. Eimeria bovis und Eimeria zuernii sind in der Stallhaltung bei jungen Kälbern im zweiten und dritten Lebensmonat von Bedeutung, während Eimeria alabemensis Kälber nach dem ersten Weideaustrieb betrifft

Entwicklungszyklus der Kokzidien

Kokzidien sind wirtsspezifisch. Der Vermehrungszyklus der Kokzidien besteht aus zwei ungeschlechtlichen und einer geschlechtlichen Phase, was zu einer explosionsartigen Vermehrung der Kokzidien bei günstigen Umweltbedingungen beiträgt.

Im Infektionszyklus kann eine Außenweltphase und eine Wirtsphase unterschieden werden. Die Außenweltphase beginnt mit der ersten ungeschlechtlichen Vermehrung, der sogenannten Sporulation, bei der in einer Oozyste acht Sporenkörperchen entstehen. Bei Temperaturen von 20 bis 30 °C und genügend hoher Luftfeuchtigkeit dauert dieser Vorgang nur 1 - 3 Tage. Daran anschließend folgt die Wirtsphase. Die Oozysten werden vom Rind oral aufgenommen und gelangen in den Darm, wo die Oozystenhülle aufgelöst und die Sporenkörperchen freigestzt werden. Jedes Sporenkörperchen dringt in eine Darmzelle ein und veranlasst diese zum Riesenwachstum. Innerhalb der entstehenden Riesenzellen erfolgt die zweite ungeschlechtliche Vermehrung, wobei es zu einer Vielfachteilung kommt, bei der Tausende von Teilungskörperchen entstehen.

Die nun riesigen Wirtszellen zerfallen und setzten so die Teilungskörperchen frei, die nun ihrerseits andere Darmzellen befallen. Es kommt zur zweiten Vielfachteilung und zur erneuten Freisetzung von Teilungskörperchen, die auch wieder in Darmzellen eindringen; sich aber nun geschlechtlich vermehren, sodass weibliche und männliche Formen entstehen. Die männlichen Teilungskörperchen teilen sich noch einmal, um dann die weiblichen Teilungskörperchen zu befruchten. Es reifen neue Oozysten mit einer widerstandsfähigen Hülle heran, die schließlich die Darmzellen verlassen. Bereits 10 - 15 Tage nach der Aufnahme sporulierter Oozysten werden mit dem Kot massenhaft neue infektiöse Kokzidienstadien in die Außenwelt ausgeschieden. Da aus einer Oozyste im Verlauf eines Zyklus Millionen neuer Oozysten entstehen, ist der Infektionsdruck enorm hoch.

Infektion

Die Übertragung von Tier zu Tier erfolgt durch orale Aufnahme der Oozysten mit kontaminiertem Futter. Kokzidienoozysten sind ubiquitär und fast in jedem Rinderbestand vorhanden, sodass i. d. R. alle Rinder irgendwann in ihrem Leben von der Infektion betroffen sind.

Klinischer Verlauf

Zum Krankheitsausbruch kommt es immer dann, wenn immunschwache Tiere in eine stark kontaminierte Umwelt gelangen, da hier der Infektionsdruck sehr hoch ist. Aber auch mangelnde Hygiene, Überbelegung, Stress durch Umstallung oder Futterwechsel, sowie schlechte Klimabedingungen begünstigen einen Krankheitsausbruch.

Ein aktiver Krankheitsverlauf führt zu blutigem Durchfall, starkem Tenesmus, der bis zum Rektumprolaps führen kann, Anämie, Appetitlosigkeit und Dehydratation. Vereinzelt wurde auch von zentralnervösen Symptomen, wie Muskeltremor, Hyperästhesie, tonisch-klonische Krämpfe und Nystagmus berichtet, in deren Folge dann 90 % der Tiere verstarben , wobei der direkte Zusammenhang mit einer Kokzidieninfektion nicht eindeutig bewiesen ist.

Subklinischer Verlauf

In den meisten Fällen verläuft die Krankheit subklinisch, trotzdem lassen sich bei infizierten Kälbern Entwicklungsdefizite und Leistungsschwäche beobachten. Zudem scheiden diese unauffällig infizierten Tiere ständig neue infektiöse Eimerien aus und stellen so ein Risiko für gesunde Kälber dar. Die ökonomischen Verluste durch die subklinische Kokzidiose sind entsprechend nicht zu verachten.

Diagnose

Die Diagnose lässt sich über eine Kotuntersuchung in Zusammenhang mit entsprechenden klinischen Symptomen stellen. Die Oozysten im Kot können im Labor mit der McMaster-Methode lichtmikroskopisch nachgewiesen und die beteiligten Eimeria-Spezies differenziert werden. Auf Grund der intermittierenden Ausscheidung können mehrere Untersuchungen zum Nachweis der Oozysten nötig sein und ein negatives Untersuchungsergebnis schließt eine Kokzidiose demnach nicht aus.

Therapie

Symptomatische Therapie

Bei der Therapie von Durchfallerkrankungen stehen die typischen Symptome und Folgen im Mittelpunkt. Die zu behandelnden Folgen des Durchfalls sind Exsikkose, Hypoglykämie und Azidose, die unabhängig voneinander verschieden stark ausgeprägt sein können.

Therapeutisch essentiell ist zu Beginn der Therapie den Wasserhaushalt durch Flüssigkeitszufuhr und die Elektrolytverluste durch Elektrolyttränken auszugleichen. Gute Rehydratationspräparate sollten zusätzlich Glucose als Energielieferant enthalten und Puffersubstanzen um der metabolischen Azidose entgegen zu wirken. Der Glucosegehalt darf jedoch nicht so hoch sein, dass es zur osmotischen Wirkung kommt. Zugesetzte Puffersubstanzen dürfen die Milchverdauung nicht beieinträchtigen, da in mehreren Studien gezeigt werden konnte, dass das Absetzen der Milchtränke bei Durchfallkälbern obsolet ist. Empfehlenswerte Puffersubstanzen sind Acetat und Propionat, da sie im Gegensatz zu Citrat und Bicarbonat die Labgerinnung nicht negativ beeinflussen.

Bei leichten bis mittelschweren Durchfallgeschehen ist eine orale Rehydratation in Milch oder Milchaustauscher eingemischt oder abwechselnd mit meist ausreichend, vorausgesetzt die Kälber trinken noch. Verweigern sie die Flüssigkeitsaufnahme bereits ist es erforderlich die Verluste durch eine Infusion auszugleichen, oft setzt dann auch die Trinkbereitschaft schnell wieder ein.

Erregerspezifische Therapie

Für die erregerspezifische Behandlung stehen Kokzidiostatika zur Verfügung. Während man früher die Kokzidiose noch mit Sulfonamiden unter Kontrolle zu bringen versuchte, steht heute der Wirkstoff Toltrazuril zur Verfügung. Bewährt hat sich dieser Wirkstoff vor allem, weil er im Gegensatz zu den Sulfonamiden alle intrazellulären Entwicklungsstadien abtötet und somit in jeder Erkrankungsphase wirksam ist. Die Ausbildung einer Immuntität gegen die Einzeller, die dem Kalb Schutz vor einer erneuten Infektion bietet wird durch Toltrazuril nicht behindert sondern sogar gefördert. Dadurch sind Sulfonamide im Vergleich zu Toltrazuril als überholt anzusehen.

Prophylaxe

Haltungshygiene

Wichtig, da effektiv sind auch Hygiene-Prophylaxemaßnahmen. Diese bestehen im Wesentlichen in der Beachtung von Hygienegrundsätzen, die eine Übertragung von infektiösen Oozysten und ihre Akkumulation in der Umgebung der Tiere verhindern sollen. Dementsprechend sollte regelmäßig Kot aus dem Aufenthaltsbereich der Tiere entfernt werden. Außerdem sollten die Stallungen regelmäßig gereinigt und desinfiziert werden, wobei darauf zu achten ist, dass die Mittel gegen Kokzidien wirksam sind, wie z. B. Interkokask, ansonsten kann die DVG-Liste zu Rate gezogen werden. Auch ist darauf zu achten, dass Tränken und Futtertröge nicht mit Kot verunreinigt sind und dass sich in den Stallungen keine Feuchtigkeit ansammeln und halten kann, um keine günstigen Bedingungen für Oozysten zu schaffen.

Weidemanagement

Besteht der Verdacht auf eine Weidekokzidiose sollten die Kälber nicht auf Weiden ausgetrieben werden, auf denen im Vorjahr infizierte Tiere standen. Auch sehr feuchte Weiden sollten gemieden werden. Das Trocknen von Gras zu Heu bietet keine Garantie für eine Parasitenabtötung, da die Oozysten von Eimeria alabemensis im Heu mindestens 8 Monate infektiös bleiben können.

Erregerspezifische Maßnahmen

Da auch selbstlimitierende Durchfallerkrankungen häufig zum Kümmern der Tiere führen, sind die wirtschaftlichen Verluste die durch die Kokzidiose entstehen können nicht unerheblich. Eine metaphylaktische Behandlung mit effektiven Wirkstoffen ist möglich und deshalb auch sinnvoll. Toltrazuril hat sich in diesem Rahmen als sehr wirksam herausgestellt. Der Wirksoff sollte etwa eine Woche vor erwartetem Auftreten klinischer Symptome verabreicht werden. So kann einer subklinischen oder sogar klinischen Kokzidiose erfolgreich vorgebeugt werden und eine Schädigung der Darmwand, gefolgt von Kümmern und schlechteren Leistungen kann verhindert werden. Aus wirtschaftlicher Sicht ist die Metaphylaxe äußerst empfehlenswert, da die Behandlungskosten durch die besseren Leistungen der Tiere und geringere Behandlungskosten sich in jedem Fall rechnen.