Ketose

Rind

Eine Ketose ist eine Stoffwechselstörung, die überwiegend bei Hochleistungskühen um den Zeitpunkt der Kalbung und in den ersten 6 – 8 Wochen der Laktation auftritt. Insgesamt stellt die Ketose eine der bedeutendsten Stoffwechselerkrankungen bei Milchkühen dar, die nach jeder Erkrankung einer Hochleistungskuh als sekundäre Ketose auftreten kann. Studien zufolge erkranken bis zu 3% aller frischlaktierenden Kühe an der klinisch manifesten Form und mehr als 30% an der subklinischen Form. Egal auf welche Ursache die Ketose zurückzuführen ist, sie resultiert immer aus einer negativen Energiebilanz.

Physiologie der Ketonkörperbildung

Ketonkörper als Energielieferant

Die Bildung von Ketonkörpern (= Acetoacetat, ß-Hydoxybutyrat, Aceton) ist prinzipiell ein physiologischer Vorgang: Bei negativer Energiebilanz durch Glucosemangel kann die Leber durch Bildung von Ketonkörpern aus freien Fettsäuren andere Organe mit Energie versorgen.

Allerdings ist gerade bei der Milchkuh eine ausreichende Glucoseversorgung unerlässlich, da Glucose obligat für die Lactosebildung ist und auch für Milchfett und Milcheiweißbildung genutzt wird. Genau genommen muss die Ketose deshalb speziell als Glucosemangel und nicht nur als Energiemangel betrachtet werden.

Lokalisation der Ketonkörperbildung

Die physiologische Ketogenese erfolgt beim Rind im Pansen, in der Milchdrüse und in der Leber. Die ruminale Ketogenese erfolgt in der Pansenmukosa aus Butyrat und deckt bei nichtlaktierenden Kühen 7 – 12 % des Energiebedarfs. Eine mammäre Ketogenese erfolgt nur bei Vorliegen einer Stoffwechselentgleisung. Dabei wird ß-Hydroxybuttersäure in Acetoacetat umgewandelt. Die hepatische Ketogenese erfolgt in gleichem Umfang wie die ruminale, es wird jedoch ausschließlich ß-Hydroxybuttersäure gebildet.

Ketoseformen

Primäre Ketosen

Generell ist zwischen einer primären und einer sekundären Ketose zu unterscheiden. Ursächlich für eine primäre Ketose ist i. d. R. ein falsches Fütterungsmanagement. So bildet sich in Silagen mit hohem Feuchtigkeitsgehalt statt Milchsäure Buttersäure, die wiederum eine direkte Vorstufe von Ketonkörpern darstellt. In der Folge kommt es zur ruminalen Ketogenese. Diese Form der Ketonämie ist relativ unproblematisch, da sie weder mit einer Hypoglycämie noch mit einer Funktionsstörung der Leber verbunden ist. Jedoch werden minderwertige Silagen von Kühen nur schlecht akzeptiert, sodass weniger Futter und damit auch weniger Energie aufgenommen wird. Damit stellen sie zumindest einen prädisponierenden Faktor für die Entstehung einer subklinischen, aber auch einer klinischen Ketose dar.

Sekundäre Ketosen

Eine sekundäre Ketose entsteht, wenn trotz ausreichend hochwertigem Futter eine unzureichende Futteraufnahme aufgrund einer anderen Grunderkrankung besteht. Häufige Ursachen, die zu Appetitminderung oder Inappetenz führen sind Gebärparese, Mastitis, Klauen- und Gliedmaßenerkrankungen, Labmagenverlagerung, Fremdkörpererkrankung und Verdauungsstörungen. Solche Grunderkrankungen stören typischerweise den sensiblen Energiestoffwechsel einer Milchkuh und können dadurch eine Ketose bedingen. Therapeutisch sollte deshalb vor allem auch ein Augenmerk auf die positive Beeinflussung des Energiestoffwechsels der Kühen mit sekundären Ketosen gelegt werden.

Spontane Ketosen

Möglich ist auch das Auftreten einer spontanen Ketose, deren Entstehungsmechanismus noch nicht völlig geklärt ist. Diskutiert wird eine individuelle Disposition hinsichtlich der Hormonproduktion oder Ansprechbarkeit auf Hormone, insbesondere Insulin.

Klinisches Bild

Die typischen Symptome der Ketose sind selektiver Appetitverlust und Milchleistungsabfall zu Beginn der Erkrankung. Die Kühe verweigern zuerst die Kraftfutteraufnahme und nehmen schließlich auch kein Rauhfutter mehr auf. Dadurch kommt es zu Störungen der Vormagenmotorik. Der Kot wird fester und dunkler. Die Atemfrequenz ist erhöht. Atemluft, Harn und Milch enthalten Ketonkörper, wobei die Atemluft mehr oder weniger stark nach Aceton riecht. Im weiteren Verlauf zeigen die Tiere einen raschen und starken Gewichtsverlust. Zusätzlich können zentralnervöse Symptome wie Blindheit, anhaltendes, „geistesabwesendes“ Belecken der Umgebung, Speicheln und Nachhandparese beobachtet werden.

Komplikationen

Als Folgeerscheinung kann nach einer schwerwiegenden Ketose eine Leberverfettung auftreten. Bei hochgradiger Leberverfettung kann die Leber ihrer Entgiftungsfunktion nicht mehr nachkommen, sodass es zum Anstieg von toxischen Verbindungen wie NH3 kommt. Daraus resultiert eine ZNS-Schädigung, die sich in Form von Festliegen, Anorexie und partiellem bis totalem Bewußtseinsverlust, als Ausdruck eines Leberkomas, äußert.

Diagnose

Die Diagnose kann aufgrund der klinischen Symptome, der massiven Ketonurie und des erhöhten Ketonkörperspiegels im Blut schnell gestellt werden. Der Nachweis von Ketonkörpern in Harn und Milch kann semiquantitativ mit Hilfe von Teststicks erfolgen.

Therapie

Therapeutisch ist eine Glucoseinfusion, üblicherweise 200g Glucose als 20 – 40 %-ige Lösung indiziert. Alternativ kann auch eine Dauerinfusion von 1000g Glucose in 10 Liter, kombiniert mit Insulin angelegt werden.

Auch die Injektion von Glucocorticoiden ist wirksam. Diese bewirken eine Steigerung der Gluconeogenese, eine Verminderung der Glucoseutilisation und reduzieren die Milchleistung und damit den Energiebedarf. Ebenso können glucoplastische Substanzen wie Propylenglykol und Natrium-Propionat gegeben werden.

Der Energiestoffwechsel kann durch fördernde Vitamine und Mineralien unterstützt und stabilisiert werden. Sekundäre Ketosen treten vermehrt als Folge anderer Grunderkrankungen, beispielsweise einer Labmagenverlagerungen auf. In Studien konnte gezeigt werden, dass sich eine Applikation von Butafosfan und Cyanocobalamin sehr positiv auf die opstoperative Regeneration dieser Kühe auswirkt. Besonders hervorzuheben ist, dass dadurch Leber- und Muskelenzyme positiv beeinflusst und so diese Organsysteme vor Schäden geschützt werden.

Vorteilhaft ist auch Bewegung, da sie die Verstoffwechselung von Ketonkörpern fördert.

Prophylaxe

Prophylaktisch kann ein optimiertes Fütterungsmanagement helfen, um eine optimale Gestaltung der Fütterung zu gewährleisten. Ein strenges Überwachen der Energiebilanz der Kühe um den Geburtszeitpunkt hilft Energiedefizite frühzeitig zu erkennen und zu therapieren.