E. coli

Kälber im Stall

Escherichia coli (E. coli) ist ein Gram-negatives, säurebildendes Bakterium in Stäbchenform. Es gehört zur Familie der Enterobacteriaceae, d. h. es ist Teil der Darmflora und fakultativ anaerob.

Außerhalb des Darms kann E. coli schwerwiegende Infektionen hervorrufen. Die verschiedenen E. coli Stämme unterscheiden sich vor allem hinsichtlich ihrer Pathogenität.. Insbesondere enterohämorrhagische E. coli Keime (= EHEC) sind hochinfektiös und mittlerweile weltweit verbreitet. Untersuchungen zu Folge gelten in Deutschland etwa 50% der Rinderbestände als mit EHEC infiziert, wobei vor allem Milchbetriebe betroffen sind.

Durch E. coli verursachte Infektionen treten vorwiegend bei Kälbern, weniger häufig bei Jungrindern und selten bei erwachsenen Kühen auf. Auslöser eines Krankheitsausbruches können Imbalancen der Darmflora, Schäden in der Darmbarriere oder hochpathogene Erregerstämme sein.

Bei Kälbern lassen sich zwei Formen der E. coli Infektion unterscheiden: Die Colibazillose und die Coliseptikämie.

Das wichtigste in Kürze zur Colibazillose

Ätiologie und Erregerspektrum

Die Colibazillose, tritt vor allem bei Saugkälbern in der 1. und 2. Lebenswoche auf und zählt zu den häufigsten und verlustreichsten Bestandsproblemen. Verantwortlich sind E. coli Stämme, die sich im Duodenum und Jejunum ansiedeln und durch Bildung eines hitzestabilen Enterotoxins zur Diarrhö führen. Nicht selten tritt eine Mischinfektion mit Rota- und Coronaviren auf. Die Erregeraufnahme erfolgt in der Regel oral. Die Inkubationszeit beträgt ca. 24 bis 48 Stunden.

Symptome und klinischer Verlauf

Der Durchfall ist wässrig, gelblich-grau und zum Teil blutig durchsetzt. Meist sind die Verläufe schwer und es kommt zu Folgesymptomen wie Dehydratation, Trinkschwäche, Festliegen, kühlen Akren und Hinfälligkeit. Differentialdiagnostisch sind eine Salmonellose und ein diätetisch bedingter Durchfall nach Umstellung auf Milchaustauscher auszuschließen.

Das „A und O“ der Therapie

Therapeutisch sind Flüssigkeits- und Elektrolytverluste auszugleichen, der Nährstoffbedarf zu decken und das erkrankte Tier warm und sauber zu halten. Zur Bekämpfung der Colibakterien werden Antibiotika eingesetzt.

Sinnvolle Prophylaxe

Prophylaktisch wichtig ist die schnelle und ausreichende Versorgung mit Kolostrum, da die kolostralen Antikörper die systemische Abwehr steigern und gleichzeitig gegen lokale Darminfektionen schützen. Die Kolostralantikörper wirken sofort. Einen eigenen aktiven Immunschutz können Kälber ansonsten erst nach Monaten ausbilden.

In Durchfallproblembetrieben empfiehlt sich prophylaktisch eine Muttertierschutzimpfung, um eine stabile Herdenimmunität aufzubauen. Die Impfstoffe bewirken beim Muttertier eine Steigerung der Immunität gegen die Durchfallerreger und stärken nachfolgend über das Kolostrum die Abwehrlage der Kälber.

Das wichtigste in Kürze zur Coliseptikämie

Ätiologie

Die Coliseptikämie ist eine eher seltene systemische Infektion beim Kalb und tritt in den ersten Lebenstagen bei gleichzeitig bestehender Abwehrschwäche auf. Die Infektion erfolgt primär nasopharyngeal und nur selten enteral oder omphalogen. Aufgrund der mangelnden Immunabwehr breiten sich die Erreger über den gesamten Körper aus.

Symptome und klinischer Verlauf

Durch die freigesetzten Toxine kommt es bei der akuten Coliseptikämie zur Bildung von Petechien und Ekchymosen auf den serösen Häuten und bei chronischem Verlauf zur Ausbildung einer serofibrinösen, manchmal auch eitrigen Polyarthritis. Das Allgemeinbefinden ist gestört, die Kälber zeigen Festliegen und zum Teil zentralvenöse Störungen.

Behandlung und Prophylaxe

Wie bei der Colibazillose ist auch als Prophylaxe gegen die Coliseptikämie eine frühzeitige Kolostrumaufnahme essentiell. Gegen die Colibakterien sind ebenfalls Antibiotika einzusetzen und prophylaktisch eine Muttertierschutzimpfung zu empfehlen, die je Erregerstamm mit einem konventionellen Impfstoff oder einer stallspezifischen Vakzine erfolgen kann.