CVBD - Canine Vector-Borne Diseases

Hund und Katze

Canine Vector-borne Diseases heißt durch Ektoparasiten übertragene Krankheiten beim Hund. Dabei fungieren die Ektoparasiten als Vektoren. Zu den Ektoparasiten zählen blutaufnehmende Parasiten wie Zecken und Mücken. Die Erkrankkungen können nach Vektor eingeteilt werden:

Durch Zecken übertragene Erkrankungen:

  • Anaplasmose
  • Babesiose
  • Borreliose
  • Ehrlichiose
  • Hepatozoonose

Durch Mücken übertragene Erkrankungen

  • Leishmaniose
  • Filariose

Der Verhinderung der Erregerübertragung fällt die entscheidende Rolle zu. Damit ist die Bekämpfung der Vektoren das geeignete Mittel zur Prävention von CVBD-Erkrankungen. Mit der neuesten Generation an Ektoparasitiziden stehen inzwischen anwendungsfreundliche und wirksame Spot-on-Präparate zur Verfügung. Einen wirksamen Schutz gegen Infektionserkrankungen, die durch Zecken übertragen werden, kann es nur dann geben, wenn bereits die Anheftung der Parasiten durch ein repellierendes Präparat am Wirt verhindert wird.

FBVD - Feline Vector-Borne Disease - Gibt es diese Erkrankungen auch bei Katzen?
Klinische Erkrankungen bei Katzen durch Borrelien, Anaplasmen, Ehrlichien, Hepatozooen, Leishmanien und Filarien werden in deutschen Kleintierpraxen nur äußerst selten diagnostiziert. Siehe hierzu das eigene Kapitel.

Anaplasmose

Anaplasmose kommt in Nord- und Zentraleuropa vor.
Studien haben gezeigt, dass innerhalb Deutschlands mit regionalen Schwankungen durchschnittlich 20% der Hunde Antikörper gegen Anaplasmen haben.
Das heißt: Anaplasmose ist keine „Reisekrankheit“ sondern eine „einheimische“ Erkrankung!

Erreger

Der Erreger ist Anaplasma phagozytophilum, ein Bakterium, welches vorzugsweise in weiße Blutkörperchen (vor allem neutrophile, selten auch eosinophile Granulozyten)eindringt und sich dort in Vakuolen, eingebettet im Zytoplasma der Blutzellen vermehrt. Diese typischen Einschlusskörperchen werden als „Morulae“ bezeichnet.

Überträger/Vektor

In Europa wird die Anaplasmose durch den Gemeinen Holzbock, Ixodes ricinus, übertragen.
Eine Übertragung kann auch durch infiziertes Blut bei einer Transfusion erfolgen.

Inkubationszeit

4-20 Tage

Klinik

Die meisten Infektionen bei Hunden verlaufen subklinisch. Das heißt, die Hunde entwickeln Antikörper als Reaktion auf die Infektion, aber es kommt nicht zum Ausbruch der Erkrankung.
Ansonsten werden sowohl akute als auch chronische und sowohl milde als auch hochgradige Verlaufsformen beschrieben.
Das Krankheitsbild ist sehr unspezifisch. Die Symptomatik umfasst: Fieber, Appetitlosigkeit, Lethargie, Leber- und Milzschwellung, ZNS- Symptome als Folge von Blutungen im Bereich der Hirnhaut, Lahmheiten und Gelenkentzündungen.
Klinische Symptome treten bevorzugt bei Hunden auf, die gleichzeitig mit Borrelien infiziert sind. (Gleiche Überträgerzecke/ Vektor!!!)

Diagnose

Bei einer akuten Infektion können die Krankheitserreger direkt im Blut nachgewiesen werden:

  1. Im Giemsa gefärbten Blutausstrich können in Granulozyten (meist neutrophile Granulozyten, seltener eosinophile Granulozyten) Morulae, rundliche körnige Gebilde, nachgewiesen werden. Dies sind die Bakterien, die sich in der Blutzelle in einer Vakuole vermehren.
  2. Empfindlicher ist der Nachweis der Erreger im EDTA- Blut im Labor mit Hilfe der PCR – Untersuchung.

Ab etwa 1 Woche nach der Infektion ist auch der Nachweis von Antikörpern im Blut möglich (indirekter Erregernachweis).
Ein einmaliger positiver Befund darf aber nicht direkt als Erkrankung gewertet werden, da – wie oben bereits erwähnt – subklinische Verlaufsformen bei Hunden häufig sind. Regional unterschiedlich haben bis zu 20% aller klinisch gesunden Hunden Antikörper gegen Anaplasmen! In Verdachtsfällen sollte eine 2. Blutprobe einige Tage später erneut untersucht werden. Ein Anstieg des Antikörpertiters um das Vierfache weist auf ein akutes Krankheitsgeschehen hin.

Ein weiterer für eine Erkrankung typischer Laborbefund ist die Thrombozytopenie (Mangel an Blutplättchen).

Therapie

Eine Antibiose mit Doxycyclin über die Dauer von 28 Tagen wird empfohlen. Geeignet ist auch Enrofloxacin. Bei Junghunden und trächtigen Hündinnen sollte auf Chloramphenicol ausgewichen werden.

Prophylaxe

Es gibt keine speziellen Schutzmaßnahmen vor einer Anaplasmose.
Daher ist die Vermeidung einer Infektion im Vorfeld durch einen entsprechenden Zeckenschutz besonders wichtig. Wichtig ist, einem Zeckenmittel mit repellierender Wirkung den Vorzug zu geben, um Zeckenstiche zu verhindern.

Zoonotische Gefahr

Anaplasma phagozytophilum kann über Zecken auch auf Menschen übertragen werden und kann die „Humane granulozytäre Ehrlichiose“ auslösen. Der Verlauf beim Menschen ähnelt einer Grippeerkrankung mit Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen.

Babesiose

Bei der Babesiose handelt es sich um eine gefährliche, durch Zecken übertragene Protozoenerkrankung, die zu einer hämolytischen Anämie führt.

Erreger

Babesien sind einzellige Parasiten, Protozoen, die nach der Infektion die roten Blutkörperchen ihrer Wirte befallen, sich in diesen vermehren und sie zerstören.
Man unterscheidet große und kleine Babesien. Babesia canis canis gehört zu den großen Babesien und verursacht meist akute, lebensbedrohliche Erkrankungen bei Hunden. Weitere Babesienarten, die bei Hunden in Europa klinische Symptome hervorrufen können sind Babesia canis vogeli, Babesia gibsoni und Theileria annae (Vorkommen besonders in Spanien).

Überträger/Vektor

Babesia canis canis wird von der Auwaldzecke, Dermacentor reticulatus, übertragen, einer Zeckenart, die sich in den letzten Jahren vermehrt in Deutschland ausbreitet.
Babesia canis vogeli und Babesia gibsoni sind an die im gesamten Mittelmeergebiet verbreitete Braune Hundezecke, Rhipicephalus sanguineus (siehe auch unter „Ehrlichiose“), adaptiert und Theileria annae wird von der Igelzecke übertragen.

Infizierte Zecken tragen Vorstufen von Babesien, sogenannte „Sporozoiten“, in ihren Speicheldrüsen. Durch die Blutaufnahme während des Saugaktes reifen sie innerhalb von 48 bis 72 Stunden heran und werden dann mit dem Speichel auf den Hund übertragen.

Eine intrauterine Übertragung von Babesien von einer Hündin auf ihre Welpen ist möglich, ebenfalls die Übertragung durch infizierte Blutkonserven.

Vorkommen

Babesiose war früher eine typische „Reisekrankheit“. Verbreitungsgebiete waren – und sind es auch heute noch – Südeuropa und ganz besonders Frankreich und Ungarn. In den letzten Jahren treten gehäuft (ca. 300 – 400 Fälle pro Jahr) Infektionen mit Babesia canis canis auch in Deutschland (besonders im Saarland und Oberrheingebiet) auf, was auf die Ausbreitung der Überträgerzecke, der Auwaldzecke, Dermacentor reticulatus, zurückzuführen ist. Auch in Österreich und der Schweiz ist es zu Erkrankungen durch Babesien gekommen.

Inkubationszeit

1 bis 3 Wochen

Klinik

Perakute (plötzliche Todesfälle ohne vorausgehende Krankheitssymptome), akute, chronische und subklinische Verlaufsformen kommen vor. Bei Infektionen mit Babesia canis canis ist ein akuter Verlauf mit hohem Fieber (bis 42°C), Kreislaufstörungen und Atemnot häufig.
Da die Parasiten die roten Blutkörperchen zerstören, kommt es zur lebensbedrohlichen Anämie. Blutfarbstoff und weitere Abbauprodukte der Erythrozyten werden über die Niere ausgeschieden: Der Urin ist daher rotbraun gefärbt bis „colafarben“!

Bei akuten Formen entwickelt sich häufig eine Niereninsuffizienz.

Überleben erkrankte Hunde das akute Stadium, entwickelt sich eine Gelbsucht (Ikterus).
Auch zentralnervöse Erscheinungen wie epileptiforme Krämpfe und Lähmungen können auftreten.
Unbehandelt führt die Erkrankung meist innerhalb weniger Tage zum Tod.
Schnelle Diagnose und sofortige Therapie sind daher gerade bei dieser Erkrankung lebensrettend! Chronische Verlaufsformen und Infektionen mit weniger pathogenen Babesienarten äußern sich in wiederkehrenden Fieberschüben, milder Anämie, Schwäche, wechselndem Appetit, Leistungsschwäche, Abmagerung und Leber- und Milzschwellung über Monate.

Diagnose

Die schnellste Diagnose bei einem akut erkrankten Hund kann mit Hilfe eines gefärbten Blutausstriches direkt in der Praxis erfolgen. Idealerweise entnimmt man für diese Untersuchung Kapillarblut vom Ohrrand oder aus dem Pfotenballen. Mit einiger Übung kann man bei diesem Vorgehen große und kleine Babesien unterscheiden.
Sicherer, aber entsprechend aufwändiger, ist der direkte Nachweis der Blutparasiten mit der PCR Untersuchung im Labor.

Der indirekte Erreger-Nachweis durch Antikörper im Blutserum ist ungeeignet, denn diese werden erst etwa 10 – 14 Tage nach erfolgter Infektion gebildet. Das heißt, bei akuten Infektionen liegen oft noch gar keine Antikörper vor! Nur bei chronischen Verlaufsformen ist diese Untersuchung sinnvoll.

Bei Routineuntersuchungen werden die verschiedenen Babesienarten im Labor nicht spezifiziert.

Im Blutbild zeigt sich typischerweise eine Anämie (Mangel an roten Blutkörperchen) und eine Thrombozytopenie (Mangel an Blutplättchen).
Je nach Krankheitsverlauf sind auch Leber- und Nierenwerte verändert.

Therapie

Mittel der Wahl zur Therapie der Babesiose sind Carbesia und Imizol. Beide Präparate sind in Deutschland nicht als Tierarzneimittel verfügbar und müssen über die Auslandsapotheke bezogen werden. Je nach Krankheitsbild sind weitere unterstützende Maßnahmen wie Bluttransfusionen oder die Verabreichung von fiebersenkenden Präparaten angezeigt. Bei frühzeitiger Therapie können die meisten Hunde geheilt werden. In der Regel zeigt sich schon 24 Stunden nach der eingeleiteten Behandlung eine Besserung der klinischen Symptomatik.

Infektionen mit kleinen Babesien sprechen auf diese Therapie allerdings nicht an.

Prophylaxe

Über Frankreich kann ein Impfstoff gegen Babesiose (Nobivac piro) nach Deutschland eingeführt werden und an besonders gefährdete Hunde verabreicht werden. Allerdings verhindert eine Impfung nicht die Infektion. Hunde können trotz Impfung an Babesiose erkranken, generell jedoch dann nur milde Symptome entwickeln.

Achtung!: Bei geimpften Hunden entwickeln sich Antikörper im Blut, die nicht von einer natürlichen Infektion unterschieden werden können!

Carbesia und Imizol können verabreicht werden und schützen den Hund anschließend 2- 4 Wochen vor einer Babesiose.

Wichtig ist die Verhinderung der Übertragung der Babesien durch die Auwaldzecke durch entsprechende Ektoparasitika!

Zoonotische Gefahr

Menschen sind in der Regel resistent gegen Babesien. Vereinzelt treten Erkrankungen bei immungeschwächten Menschen auf.

Borreliose

Ursprünglich in Lyme (Connecticut, USA) 1982 erstmalig isoliert wird die Erkrankung auch oft als Lyme-Borreliose bezeichnet. Die Borreliose ist überall dort verbreitet, wo auch der Gemeine Holzbock vorkommt, also in Europa zwischen dem 40. und 65. Breitengrad.

Erreger

Borrelien gehören zur Gruppe der Spirochäten, den Schraubenbakterien.
Im Gegensatz zu Nordamerika, wo es nur eine Borrelienart (Borrelia burgdorferi sensu stricto) gibt, konnten in Europa bisher 12 Subspezies (zusammengefasst auch als „Borrelia burgdorferi sensu lato“ bezeichnet) identifiziert werden. Für drei dieser Borrelienspezies, nämlich Borrelia burgdorferi sensu stricto, Borrelia afzelii und Borrelia garinii ist die Pathogenität für den Menschen nachgewiesen, das heißt, sie gelten beim Menschen als Erreger der „Lyme Borreliose“.
Beim Hund dagegen ist (bisher) nur Borrelia burgdorferi sensu stricto als Borrelioseerreger nachgewiesen.
B. afzelii und B. garinii kommen am häufigsten vor: Sie machen ca. 50% aller Borrelien in Europa aus. Der Anteil von B. burgdorferi sensu stricto beträgt mit regionalen Schwankungen zwischen 7% und 18%. Mischinfektionen mit verschiedenen Borrelienspezies treten ebenfalls auf.

Borrelien vermehren sich nur langsam. Ihr Generationszyklus beträgt zwischen 12 und 24 Stunden (Ergebnis einer Laboruntersuchung). Zum Vergleich: Der Teilungszyklus von Streptokokken und Staphylokokken beträgt nur 30 Minuten!
Borrelien brauchen den Blutkreislauf nicht zwingend für ihre Ausbreitung im Organismus. Offensichtlich halten sie sich nur kurze Zeit im Blut auf. Sie nutzen ihre spiralförmige Struktur, um sich aktiv durch das Gewebe zu schrauben.
Durch ihren relativ langsamen Stoffwechsel und den bevorzugten Aufenthalt in wenig durchbluteten Geweben (Muskelfaszien, Gelenk- und Organkapseln) sind sie für Antibiotika schlecht angreifbar. Im Vergleich zu anderen bakteriellen Erkrankungen sind längere Behandlungen mit Antibiotika notwendig.

Es gibt weitere Eigenarten dieser Bakterien, die ihnen das Überleben sichern:

  • Sie ändern ständig ihre Oberflächenproteine (Antigene), so dass das körpereigene Immunsystem mit der Bildung entsprechender Antikörper ständig hinterher hinkt.
  • Durch die Bindung an spezielle Körperzellen können sie sich sogar „maskieren“ und bleiben in diesem Zustand vom Immunsystem weitgehend unerkannt.
  • Sie können ihre Form ändern und gleichzeitig ihren Stoffwechsel vollständig einstellen. Aus den beweglichen „Schrauben“ werden unbewegliche, kugelförmige Zysten- oder Ruhestadien, so genannte Sphäroblasten, die gegenüber einer Antibiotikatherapie völlig resistent sind und damit echte Überlebensstadien der Bakterien darstellen.

Die Folge davon sind die gefürchteten persistierenden Infektionen.

Borrelien werden in vielen verschiedenen Tierarten gefunden. Diese Wirtsvielfalt garantiert dem Erreger den Arterhalt und die Verbreitung (auch über weite Strecken durch Vögel!).
Sie können nicht wie viele andere Bakterien frei in der Umwelt überleben. Sie sind adaptiert an viele verschiedene Wirbeltiere zwischen denen sie von blutsaugenden Zecken als Vektoren übertragen werden.

Überträger/Vektor

Borrelien werden außer in Zecken auch in Fliegen, Mücken, Milben, Bremsen, Wespen, Läusen und Flöhen gefunden. Die Übertragung durch diese Arthropoden kann zwar nicht ganz ausgeschlossen werden, die Gefahr wird aber als sehr gering eingestuft.

In Europa wird die Borreliose durch den „Gemeinen Holzbock“, Ixodes ricinus, übertragen. Je nach Region beträgt die Durchseuchungsrate der Zecken mit Borrelien bis zu 40%!
Eine direkte Übertragung von Wirbeltier zu Wirbeltier gilt als unwahrscheinlich, auch gibt es bisher keine Hinweise auf die Möglichkeit einer intrauterinen Übertragung.
Die Gefahr der Übertragung mit infizierten Blutkonserven ist nur gering, da sich die Erreger bei Menschen und Hunden eher selten im Blutkreislauf aufhalten.

Inkubationszeit

Klinische Symptome treten etwa 2 bis 5 Monate nach einer Infektion auf.

Klinik

Hunde sind gegenüber Borrelien recht widerstandsfähig: 95% von allen infizierten Hunden bleiben gesund, nur bei 5% entwickeln sich Krankheitssymptome. In einigen Berichten geht man sogar von nur 1% Erkrankungsfällen nach Infektionen bei Hunden aus!

Typisch sind Entzündungen eines oder mehrerer Gelenke (Mono- oder Polyarthritiden) mit entsprechenden Schmerzzuständen und Lahmheiten. Die Lahmheiten können milde und vorübergehend sein und sich nur auf eine Gliedmaße beschränken oder aber auch lang anhaltend, immer wieder kehrend und bis zur völligen Bewegungsunfähigkeit führen. Muskelschmerzen, Fieber, Lymphknotenschwellungen und Störungen des Allgemeinbefindens können ebenfalls auftreten.

Vermutet wird, dass Hunderassen wie Labrador Retriever, Golden Retriever und Berner Sennenhunde als chronische Verlaufsform eine Nierenerkrankung entwickeln, die in einem völligen Versagen der Nierenfunktion enden kann.

Erkrankungen von Haut, Herzmuskel und Nervensystem infolge einer Borreliose wurden in der Vergangenheit zwar häufiger angenommen, konnten in Studien bisher aber nicht bewiesen werden.

Da Holzböcke nicht nur Borrelien sondern auch Anaplasmen übertragen, kommen auch Mischinfektionen beider Erreger beim Hund vor.
Verschiedene Studien weisen darauf hin, dass Hunde, die sowohl mit Borrelien als auch mit Anaplasmen infiziert sind, wesentlich häufiger Krankheitssymptome mit Lahmheiten entwickeln.

Diagnose

Als Folge der hohen Durchseuchungsrate der Zeckenpopulation mit Borrelien und des recht häufigen Zeckenbefalls bei Hunden, kommt es durchaus oft zu einer Übertragung der Erreger von der blutsaugenden Zecke auf den Hund. Diese „Infektion“ führt zwar, wie oben bereits erwähnt, selten zu einer Erkrankung, ruft aber generell eine entsprechende Reaktion des Immunsystems mit Bildung von Antikörpern hervor.
Untersuchungen zeigen, dass regional unterschiedlich bei 5 bis 20% aller (gesunden!) Hunde Antikörper gegen Borrelien im Blut gefunden werden, als Hinweis für eine stattgefundene Infektion.
Da aber „Infektion“ bzw. das Vorhandensein spezifischer Antikörper (positiver Antikörpertiter) nicht gleich „Erkrankung“ bedeutet, gestaltet sich die Diagnose „Borreliose“ generell schwierig. Laborbefunde müssen gerade bei der Borreliose sehr kritisch beurteilt werden. Daher sollte der Borrelioseverdacht zuerst anhand eines stattgefundenen Zeckenbefalls und einer entsprechenden Krankheitssymptomatik gestellt werden und dieser Verdacht in zweiter Linie durch entsprechende Laboruntersuchungen untermauert werden.

Bei Laboruntersuchungen unterscheidet man den direkten und den indirekten Nachweis eines Erregers.

Beweisend für das Vorliegen einer durch Borrelien hervorgerufenen Erkrankung wäre der direkte Nachweis der Bakterien im erkrankten Gewebe:

  1. Durch die Entnahme einer Gewebeprobe und die anschließende Anzucht und Vermehrung von Borrelien in speziellen Nährmedien im Labor. Da sich Borrelien aber so langsam vermehren, würde die Anzüchtung in einer Kultur mehrere Wochen (ca.6 – 8 Wochen) in Anspruch nehmen. Daher ist dieses Verfahren für den Praxisalltag ungeeignet.
  2. Durch den Direktnachweis von Borrelien in Körpergeweben oder Körperflüssigkeiten mit Hilfe der PCR – Technik, Polymerase – Kettenreaktion (englisch: Polymerase Chain Reaction, PCR), einer Nachweismethode aus der modernen Molekularbiologie. Dieser Test zeichnet sich durch eine hohe Empfindlichkeit aus. Bereits geringste Erregermengen können damit nachgewiesen werden. Die Probe wird dabei auf das Vorhandensein erregerspezifischer Erbsubstanz, Gensequenzen (DNA, Desoxyribonukleinsäure) untersucht. Die Methode wird bei Hautbioptaten, Liquorproben und Gelenkpunktaten eingesetzt. Die PCR Untersuchung ist relativ aufwendig und teuer.

Routinemäßig werden bei Borrelioseverdacht die günstigeren indirekten Nachweismethoden durchgeführt, die nicht den Erreger direkt, sondern die Reaktion des Immunsystems auf den Erreger, das heißt die Antikörper im Blut nachweisen. Ein positiver Test bestätigt zwar eine stattgefundene Borrelieninfektion, beweist damit jedoch nicht, dass eventuell vorhandene Krankheitserscheinungen mit dieser Infektion im Zusammenhang stehen (s.o.).

Für diese Nachweisverfahren gibt es bereits praxistaugliche Testkits, so dass der Tierarzt die Untersuchung auf Borrelienantikörper im Blut schon in der Praxis durchführen kann.

Fazit:
Ein positiver Antikörpertiter allein ist nur wenig aussagekräftig! Das Vorhandensein von Antikörpern bedeutet nicht zwingend, dass der Hund an Borreliose erkrankt ist!
Das Laborergebnis muss kritisch beurteilt und immer im Zusammenhang mit einem vorausgegangenem Zeckenbefall und entsprechender Krankheitssymptomatik gesehen werden.

Therapie

Amoxicillin, Ampicillin, Penicillin, Tetrazykline, Doxicyclin, Cephalosporin und verschiedene Makrolide werden in der Therapie eingesetzt.
Erkrankte Hunde sollten, auch wenn sich klinisch schnell –meistens bereits innerhalb von 1-2 Tagen - eine Verbesserung der Symptome zeigt, über eine Zeitdauer von 4 bis 6 Wochen behandelt werden.

Problematisch ist das Vorgehen bei Hunden, deren Blutuntersuchung eindeutig auf eine stattgefundene Infektion hinweist (positiver Antikörpertiter), die aber keinerlei Krankheitssymptome zeigen. Hier muss der Tierarzt wiederum von Fall zu Fall entscheiden, inwieweit auch für diese Hunde eine antibiotische Therapie angezeigt ist.

Prophylaxe

Im Gegensatz zur Humanmedizin, gibt es in der Tiermedizin die Möglichkeit, Hunde durch eine Impfung vor einer Borreliose zu schützen.
Diese Impfung wird seit einiger Zeit unter den Immunologen und praktizierenden Tierärzten kontrovers diskutiert. Es gibt Fakten, die für eine Impfung sprechen, und es gibt Fakten, die dagegen sprechen. So sieht sich der Tierarzt mit der Aufgabe konfrontiert, für jeden Hund individuell Vor- und Nachteile einer Impfung abzuwägen.

Fakten, die gegen eine Impfung sprechen:

  • Nur etwa 1-5 % der infizierten Hunde erkranken.
  • Meist ist der Verlauf gutartig und die Erkrankung gut therapierbar.
  • Bisher gab es einen Impfstoff, der nur die Bildung von Antikörpern gegen Borrelia burgdorferi sensu stricto induzierte. Inwieweit er auch vor den anderen in Europa wesentlich häufiger vertretenen Borrelienspezies schützt, ist bisher unbekannt. Allerdings ist bisher auch nur für den im Impfstoff enthaltenen Bakterienstamm die Pathogenität für Hunde nachgewiesen.
  • Ein im November 2009 neu auf den Markt gekommener Impfstoff wirkt nun speziell gegen die Borrelienspezies Borrelia garinii und Borrelia afzelii. Diese Borrelienspezies sind zwar in Deutschland wesentlich häufiger vertreten als Borrelia burgdorferi sensu stricto, aber ihre Pathogenität für Hunde ist bisher nicht eindeutig geklärt. Ob dieser neue Impfstoff durch Kreuzimmunität auch gegen Borrelia burgdorferi sensu stricto wirkt, ist bisher ungeklärt.

Fakten, die für eine Impfung sprechen:

  • Der ältere bisher in Deutschland zugelassene Impfstoff ist gut verträglich und schützt bei korrekter Immunisierung zuverlässig vor einer Infektion mit Borrelia burgdorferi sensu stricto. (Über den neu auf den Markt gekommenen Impfstoff können diesbezüglich noch keine Aussagen gemacht werden.)
  • Der Verlauf einer Erkrankung ist nicht ausnahmslos gutartig. Immer wieder kommt es auch zu schweren, häufig wiederkehrenden Erkrankungen, die für spezielle Rassen (siehe oben) sogar in einem tödlichen Nierenversagen enden können.
  • Aufgrund der sehr speziellen „Überlebenstricks“ der Bakterien, wird vielfach bezweifelt, dass, selbst wenn es zu einer klinischen Heilung kommt, die Bakterien vollständig durch eine Antibiotikatherapie eliminiert werden können.

Vor einer Impfung sollte durch eine Untersuchung des Blutserums abgeklärt werden, ob der Hund möglicherweise schon mit Borrelien infiziert worden ist und entsprechend Antikörper gebildet hat. Werden dabei spezifische Antikörper einer Infektion nachgewiesen, müssen Vor- und Nachteile der Impfung für den Patienten genau abgewogen werden.
Impft man diese Hunde, besteht die Gefahr, dass es dadurch zu einer gesundheitsgefährdenden Bildung von Immunkomplexen kommen kann. Demgegenüber schützt eine stattgefundene Infektion den Hund nicht vor einer Neuinfektion. In Zeckengebieten lebende Hunde können jedes Jahr mehrfach infiziert werden. Die Impfung eines bereits infizierten Hundes eliminiert natürlich nicht die möglicherweise bereits im Tier persistierenden Erreger, schützt aber vor einer Neuinfektion.
Gerade in diesen Fällen muss der Tierarzt das ganz individuelle Infektions- und Erkrankungsrisiko abwägen.

Zeckenkontrolle und zuverlässiger Zeckenschutz ist für Mensch und Tier die beste Vorsorgemaßnahme vor einer Borreliose.

Zoonotische Gefahr

Borreliose ist in Europa die häufigste von Zecken übertragene Infektion. Da für die Erkrankung keine allgemeine Meldepflicht besteht, gibt es keine genauen Angaben zu den Erkrankungszahlen. Schätzungen gehen von 30.000 bis 40.000 Neuerkrankungen pro Jahr bei Menschen allein in Deutschland aus.
Borreliose zeigt beim Menschen eine vielfältige, komplexe klinische Symptomatik, die auf die unterschiedlichen Borrelienspezies zurückgeführt wird.
So wird eine Infektion mit Borrelia burgdorferi sensu stricto mit ringförmigen Hautläsionen, Entzündungen von Gelenken und Hirnhautentzündungen in Verbindung gebracht. Borrelia garinii verursacht neurologische Symptome und Borrelia afzelii chronische Gelenkentzündungen und chronische Hautentzündungen.

Ehrlichiose

Die Erkrankung ist im gesamten Mittelmeerraum verbreitet.