Allgemeines zu Nierenerkrankungen

Hund Katze

Einerseits haben Nierenerkrankungen weit reichende, schnell lebensbedrohliche Folgen, andererseits können aber auch andere Grunderkrankungen, zum Beispiel Leishmaniose oder eine schwere Herzinsuffizienz, zu einem Nierenversagen führen.

Nierenerkrankungen im Anfangsstadium bleiben häufig unerkannt und damit Chancen ungenutzt, durch frühzeitige Maßnahmen (zum Beispiel Umstellung auf Diätnahrung) ein Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen.

Chronische Niereninsuffizienz ist eine Erkrankung, die bei älteren Hunden und Katzen sehr häufig vorkommt. Diese Patienten müssen, je nach Stadium der Erkrankung, mehrmals jährlich durch Kontrolluntersuchungen wie Harnuntersuchung, Blutuntersuchung und Blutdruckkontrolle überwacht werden. Ein konsequentes "Monitoring" kann Verschlechterungen der Erkrankung schnell aufzeigen und eine entsprechend rasche Therapieanpassung ermöglichen.

ANI Akute Niereninsuffizienz

Akute Niereninsuffizienz (ANI)

Mit "akuter Niereninsuffizienz" bezeichnet man den plötzlichen, teilweisen oder totalen Ausfall der Nierenfunktion.

Vorkommen und Ursachen:

Im Vergleich zur chronischen Niereninsuffizienz ist der akute Verlust der Nierenfunktion wesentlich seltener. Je nach Lokalisation der Ursache spricht man von einer:

Prärenalen ANI

wenn Erkrankungen, die der Niere "vorgeschaltet" sind, für das Nierenversagen verantwortlich sind.
Beispiele: verminderte Durchblutung der Nieren durch Kreislaufschock oder im Verlauf einer Narkose.

Renalen ANI

wenn das Nierengewebe geschädigt wird durch

  • körpereigene Toxine, die zum Beispiel im Zusammenhang mit Darmverschluss, Bauchfellentzündung oder Pyometra entstehen.
  • Äußere (Gift-) Stoffe, die vom Tier aufgenommen werden, wie zum Beispiel Ethylenglykol (süß schmeckendes Frostschutzmittel), Thallium (Rattengift), Rosinen, Antibiotika, Schmerzmittel.
  • Infektionen, zum Beispiel mit Leptospiren.
  • Verletzung der Niere durch Trauma, zum Beispiel Autounfall
Postrenalen ANI

wenn die Krankheitssymptome durch eine Harnabflussstörung verursacht werden, z.B. durch Harnröhrensteine oder Abriss eines Harnleiters infolge eines Unfalls.

Klinische Symptome

Je nach Ursache können die Symptome variieren und der Verlauf akut oder perakut sein.

Häufige Symptome sind:
  • Fieber, Schwäche, Depression, Appetitlosigkeit, Austrocknung (Dehydratation)
  • Erbrechen, Durchfall, Magen-Darmblutungen, Mundgeruch,
  • Gerinnungsstörungen, Blutungsneigung, blutiger Kot, blutiger Urin.

Je nach Ursache und Verlauf, Absetzen großer Mengen unkonzentrierten Urins oder bis zum völligen Sistieren des Urinabsatzes.

  • Im Endstadium: Koma, Tod

Diagnose

Trotz des Notfallcharakters der Erkrankung ist die eingehende Aufnahme des Vorberichtes ("hat Rosinen gefressen", zum Beispiel) sehr wichtig und kann Hinweise auf eine mögliche Ursache geben. Bei der Blutuntersuchung werden häufig erhöhte Harnstoff-, Kreatinin-, Kalium- und Phosphatwerte festgestellt.

Bei der Untersuchung des Harnsedimentes findet man besonders bei der renalen Form Harnzylinder, Zellen und Kristalle.

Therapie

Schnelles Handeln ist erforderlich, um die verbliebene Nierenfunktion zu unterstützen. Die erste und wichtigste Maßnahme ist Ersatz von Flüssigkeit durch Infusion und der Ausgleich von Elektrolyten. Bei Patienten, die wenig oder gar keinen Urin absetzen, muss mit Einsatz von Diuretika versucht werden, den Harnabsatz wieder in Gang zu bringen.

Innerhalb von 24 - 36 Stunden sollte sich der Zustand des Patienten verbessert haben und eine Steigerung der Harnausscheidung erzielt worden sein.

Ist dies nicht der Fall, muss die Dialyse in Betracht gezogen werden. In der Veterinärmedizin kommt meist die "Peritonealdialyse" (Bauchfelldialyse) zum Einsatz. Herzu wird eine hochosmotische Dialyselösung über einen Katheter in den Bauchraum verbracht und dort belassen. Durch den Konzentrationsunterschied zwischen der Lösung und dem Blut werden Wasser und Giftstoffe (Harnstoff, Kreatinin, Phosphat) aus dem Blut über das Bauchfell in die Dialyseflüssigkeit gezogen Als Dialyselösungen werden meist Ringerlaktatlösungen mit Dextrosezusatz verwendet. Die Flüssigkeit wird regelmäßig, mehrmals täglich ausgetauscht. Da die Infektionsgefahr bei dieser Behandlung sehr groß ist, können Katheter daher nur 1 bis 2 Tage belassen werden.

Im weiteren Verlauf werden Antiemetika zur Behandlung von Erbrechen und Substanzen, die die Magenschleimhaut schützen, eingesetzt. Die Ernährung erfolgt mit entsprechender Diätnahrung. Nehmen die Tiere anfangs nicht selbständig Nahrung auf, müssen sie eventuell über eine Ernährungssonde versorgt werden.Tiere mit ANI neigen zu Harnwegsinfektionen, die eine antibiotische Behandlung erfordern.

Prognose

Die Prognose ist umso besser, je schneller die Erkrankung erkannt und eine entsprechende Therapie eingeleitet wird. Die meisten Patienten sind "Intensivpatienten", deren Laborwerte im akuten Stadium ständig, also mehrmals täglich, kontrolliert werden müssen. Ohne Intensivversorgung ist die Prognose mäßig bis schlecht.

Nach Überstehen der akuten Phase kann es Wochen und Monate dauern, bis sich die Blutwerte völlig normalisieren. Das therapeutische Vorgehen entspricht in dieser Zeit dem bei Vorliegen einer CNI (chronische Niereninsuffizienz).

Eine vollständige Heilung ist möglich.

Bei einigen Patienten entwickelt sich nach Überstehen der akuten Erkrankung eine chronische Niereninsuffizienz, mit der das Tier bei entsprechender Behandlung über Jahre leben kann.

CNI Chronische Niereninsuffizienz

Eine eingeschränkte Nierenfunktion und dadurch Anstieg von Harnstoff und Kreatinin im Blut von mehr als 2 Wochen wird als chronische Niereninsuffizienz bezeichnet.

Ursachen und Vorkommen:

CNI ist eine Erkrankung, von der viele ältere Hunde und Katzen betroffen sind. Dies gilt besonders für Katzen. Über 10% aller Katzen über 10 Jahre und sogar 30 % aller Katzen ab einem Alter von 15 Jahren weisen eine eingeschränkte Nierenfunktion auf. CNI gilt als die häufigste Todesursache bei Katzen. Bei Hunden tritt die Erkrankung gehäuft bei Pudeln, Berner Sennenhunden und Yorkshire Terriern auf.

Wesentlich seltener wird CNI bei jungen Tieren diagnostiziert. Hier spielen meist angeborene, fortschreitende Nierenerkrankungen, zum Beispiel die PKD, Polycystic Kidney Disease, bei Katzen (besonders Perserkatzen), eine ursächliche Rolle. Bei Vorliegen einer PKD wird das gesunde Nierengewebe nach und nach durch Zysten verdrängt.

Sehr typisch für CNI ist der schleichende Verlauf. Erst wenn bereits 65 - 70% der Nephrone zerstört sind, kommt es zu klinischen Symptomen. Bis zu diesem Punkt werden die Aufgaben der zugrunde gegangenen Nephrone durch Mehrarbeit der funktionsfähigen ausgeglichen. Die Niere kann also sehr gut kompensieren. Allerdings führt die Überbelastung wie in einem Teufelskreis zu einem immer schneller fortschreitenden Untergang weiterer Nephrone.

Die Anfangsstadien einer Niereninsuffizienz bleiben daher bei vielen Tieren als latente Erkrankung über Monate bis Jahre unerkannt.Dieser weit zurückliegende Beginn der Erkrankung ist auch der Grund, weshalb viele auslösende Ursachen nicht mehr ermittelt werden können.Häufig findet man bei einer Nierenbiopsie lediglich den Ersatz von funktionstüchtigem Nierengewebe durch narbiges Bindegewebe.

Weitere Ursachen einer CNI sind: Schrumpfnieren, Zystennieren, Tumore (zum Beispiel im Zusammenhang mit der Leukose bei Katzen), Folgeerkrankung einer akuten Niereninsuffizienz (ANI).

Klinische Symptome:

Bei Vorliegen einer CNI geht in vielen Fällen die Fähigkeit der Blutdruckregulation verloren: Der Blutdruck steigt. Als direkte Folge davon kommt es zur Verschlimmerung der Niereninsuffizienz, denn der erhöhte Blutdruck schädigt direkt funktionsfähige Nephrone. Durch den erhöhten Druck wird vermehrt Eiweiß im Glomerulum durch die Kapillarwände gepresst, und es kommt zur Ausscheidung von Protein über den Urin (Proteinurie).

  • Erhöhter Blutdruck und Proteinurie sind immer als Verdachtssymptome einer Nierenerkrankung zu werten! Bluthochdruck kann weiterhin zur Schädigung des Herzmuskels führen und zu Blutungen in der Netzhaut und Netzhautablösung mit nachfolgender Erblindung. Dies kann recht häufig bei Katzen beobachtet werden.
  • Eine geschädigte Niere verliert je nach Grad der Zerstörung immer mehr die Fähigkeit, Urin zu konzentrieren. Das heißt, sie braucht immer mehr Wasser, um die erforderlichen Schadstoffe aus dem Körper zu schleusen: Der Patient scheidet große Mengen "dünnen" Urin aus: Polyurie. Um dies zu kompensieren, muss das Tier entsprechend mehr Trinkwasser aufnehmen: Polydipsie.

Polyurie und Polydipsie sollten immer als Hinweis auf das Vorliegen einer Nierenerkrankung gesehen werden.

  • Kann der Wasserverlust über den Harn nicht ausreichend durch die Trinkwassermenge kompensiert werden, trocknet der Patient immer mehr aus. Man spricht von der "Dehydratation".
  • Wird der Regulationsmechanismus Polyurie / Polydipsie überschritten, reichern sich die ausscheidungspflichtigen Stoffe im Blut an: erhöhte Konzentrationen von Harnstoff und Kreatinin sind im Blut nachweisbar. Hohe Harnstoffwerte im Blut verursachen Magen-Darmgeschwüre und geschwürige Veränderungen der Mundschleimhaut und Zunge, die äußerst schmerzhaft sind und zur Nahrungsverweigerung führen. Typisch ist ein starker Mundgeruch.
  • Im Zusammenhang mit einer verminderten Filtration wird auch Phosphat nicht mehr genügend ausgeschieden, der Phosphatspiegel im Blut steigt. "Hyperphosphatämie" ist eine häufige Diagnose bei Patienten mit CNI und hat weit reichende Folgen für den Calcium-/Phosphathaushalt des Körpers.
  • Calcitriol kann nicht mehr in genügendem Maße gebildet werden, daher nimmt die Aufnahme von Calcium aus dem Verdauungstrakt ab: Der Calciumspiegel im Blut sinkt: "Hypocalcämie". Hypokalzämie und Hyperphosphatämie führen im weiteren Krankheitsverlauf zum "Hyperparathyroidismus", einer Überfunktion der Nebenschilddrüsen.
  • Die Parathyroidea ist die Nebenschilddrüse. Sie kontrolliert durch die Freisetzung des so genannten "Parathormons" den Phosphat- und Calciumhaushalt des Körpers. Das Parathormon stimuliert:
    • die Phosphatausscheidung im Urin
    • die Freisetzung von Calcium aus dem Skelett
    • die Produktion von Calcitriol durch die Nieren.
    Bei CNI funktioniert dieser Regelkreis nicht mehr, weil Phosphat nicht genügend ausgeschieden werden und die Niere nicht genügend Calcitriol produzieren kann.
  • Die klinischen Folgen: Calcium wird vermehrt aus den Knochen freigesetzt, es kommt zur Entkalkung von Knochen (Osteoporose), zum "Gummikiefer" (selten) und zur Lockerung von Zähnen durch Resorptionsvorgänge in den Zahnalveolen.

Durch die Mobilisation von Calcium aus dem Knochen, steigt entsprechend der Calciumspiegel im Blut an: "Hypercalcämie". Hohe Calciumwerte im Blut führen auf Dauer zu einer Verkalkung von Weichteilgeweben. Dies gilt auch für die Niere, wodurch eine Verschlimmerung der Erkrankung eintritt.

  • Durch die Ausscheidung von Wasserstoffionen und die je nach Bedarf erfolgende Ausscheidung oder Rückresorption von Basen (Bicarbonat), die Säuren entsprechend "abpuffern" können, hält die gesunde Niere den Säurespiegel (pH-Wert) des Blutes konstant. Ist dieser Regulationsmechanismus bei einer CNI gestört, kommt es zu einer "Übersäuerung" des Blutes, der "Azidose": der pH- Wert des Blutes sinkt unter den Normalbereich. Eine Azidose tritt besonders häufig bei erkrankten Katzen auf. 60-80 % der Katzen mit CNI zeigen eine Azidose. Eine Azidose äußert sich klinisch in Appetitlosigkeit, Erbrechen, Muskelschwäche und Gewichtsverlust.
  • Kalium ist ein Elektrolyt, das allgemein für die Zellfunktion wichtig ist. Es beeinflusst den Muskelstoffwechsel und insbesondere die Tätigkeit des Herzmuskels. Bei Vorliegen einer CNI wird es generell über die Maßen ausgeschieden, es kommt zur so genannten "Hypokaliämie". Besonders bei Katzen macht sich dieser Verlust als Muskelschwäche in hochgradigen Fällen mit typischer gebeugter Kopf- Brust-Haltung bemerkbar. Auch das Gegenteil, ein zu hoher Kaliumspiegel, "Hyperkaliämie" mit Zuckungen und Krämpfen kann bei CNI auftreten!
  • Natrium ist ein Elektrolyt, das wichtig ist für den Zellstoffwechsel, die Weiterleitung von Nervenimpulsen und die Regulation des Flüssigkeitsspiegels im Blut. Eine Erhöhung bei CNI "Hypernatriämie" kann den Bluthochdruck verschlimmern.
  • Im Zusammenhang mit einer CNI verringert sich die Produktion von Erythropoietin. Die Stimulation des Knochenmarks zur Bildung roter Blutkörperchen nimmt ab. Es kommt zur Blutarmut, Anämie.
  • Weitere Krankheitserscheinungen, die bei CNI- Patienten häufig festgestellt werden können: Schlechte Fellqualität, Schuppen, stumpfes Haarkleid, blasse, verwaschene Schleimhäute.

Diagnose:

Im fortgeschrittenen Krankheitsstadium kann die Diagnose meist schon anhand der klinischen Symptome gestellt werden. Untermauert wird die Diagnose durch das Blutbild. Harnstoff und Kreatinin sind die beiden wichtigsten Parameter für die Nierenfunktion.

  • Harnstoff ist ein Stoffwechselprodukt, das bei der Verdauung von Eiweiß im Futter entsteht. Kann Harnstoff infolge einer Nierenschädigung nicht mehr ausreichend über den Urin ausgeschieden werden, steigt der Spiegel im Blut an.
  • Kreatinin ist ebenfalls ein harnpflichtiges Stoffwechselprodukt, das beim Muskelstoffwechsel entsteht. Da es nicht von der Nahrungszusammensetzung beeinflusst wird, gilt es als genauerer Parameter für die Nierenfunktion.

Beide Werte können auch durch andere Faktoren und Erkrankungen erhöht sein, zum Beispiel bei schweren Formen von Diabetes mellitus, bei schwerer Dehydrataion, bei proteinreicher Ernährung (Harnstoff) oder bei Zerstörung von Muskelzellen (Kreatinin).

Man unterscheidet daher:

  • "Azotämie": Anstieg von Harnstoff und Kreatinin im Blut ungeachtet der Ursache.
  • "Urämie": Anstieg von Harnstoff und Kreatinin im Blut durch Nierenversagen mit den entsprechenden klinischen Symptomen.
Blutwerte bei CNI
  • Der Phosphatwert im Blut ist erhöht.
  • Calciumwerte können sowohl erhöht als auch erniedrigt sein. Hypo- und Hyperkalzämie können vorliegen (siehe auch unter Klinische Symptome).
  • Parathormon (PTH ) ist erhöht.
  • Ob eine Azidose vorliegt, kann mit Hilfe der Bestimmung des Kohlendioxidgehaltes des Blutes erfolgen.
  • Die Werte der Elektrolyte können schwanken. Häufiger findet man verminderte Kalium- und erhöhte Natriumwerte.
  • Durch den Mangel an Erythropoietin findet man im Blutbild generell einen Mangel an Erythrozyten und einen erniedrigten Hämatokritwert.
  • Da das Knochenmark nicht mehr oder nur eingeschränkt durch Erythropoietin zur Produktion von roten Blutkörperchen stimuliert wird, sind auch die Vorstufen der Erythrozyten, die Retikulozyten im Blut vermindert. Man bezeichnet diesen Zustand als "nicht-regenerative Anämie".

Bei allen Blutwerten muss berücksichtigt werden, dass sie "falsch" erhöht sind, wenn das Tier ausgetrocknet ist (Hämokonzentration: konzentriertes, flüssigkeitsarmes Blut). Nach entsprechender Infusionstherapie sollte daher eine erneute Untersuchung erfolgen!

Bei der Urinuntersuchung findet man häufig einen "dünnen" Urin (erniedrigtes spezifisches Harngewicht), weil die Konzentrationsfähigkeit der Niere verloren gegangen ist, sowie eine vermehrte Ausscheidung von Protein, "Proteinurie".

Frühdiagnostik

Da sowohl klinische Symptome als auch Veränderungen der Laborparameter erst auftreten, wenn schon große Teile der Nieren zerstört sind, wurden Untersuchungsmethoden entwickelt, die bereits Anfangsstadien einer Nierenschädigung erkennen lassen:

  • Bestimmung der Glomerulären Filtrationsrate
    Eine Testsubstanz (Kreatinin oder Inulin) wird dem Körper durch Injektion zugeführt und deren Ausscheidung mit Hilfe (je nach Testsubstanz) einer oder mehrerer zeitlich genau bestimmter Blutproben festgehalten.
  • Urin-Elektrophorese (SDS-Page)
    Mit diesem Verfahren kann eine Aussage gemacht werden über die Art und Größe von Proteinmolekülen, die über den Urin ausgeschieden werden.
  • Protein- / Kreatinin - Verhältnis im Urin
    Mit diesem Test können bereits sehr geringe Proteinmengen im Urin festgestellt werden. Im Vergleich zur Untersuchung mit Harnteststreifen ist diese Bestimmung wesentlich empfindlicher.Durch die Angabe im Verhältnis zum Kreatiningehalt werden bei diesem Test gleichzeitig Ungenauigkeiten, die in Abhängigkeit vom Harnvolumen oder der Harnkonzentration entstehen können, berücksichtigt. Bei positivem Test muss abgeklärt werden, ob die vorliegende Proteinurie durch eine Nierenschädigung verursacht wird, oder ob andere Faktoren wie Fieber, erhöhter Blutdruck oder Stress eventuell verantwortlich sind.

Therapie:

Die Behandlung der chronischen Niereninsuffizienz richtet sich in erster Linie nach dem Zustand und den Bedürfnissen des erkrankten Tieres. Viele Medikamente werden in Abhängigkeit von den Laborparametern verabreicht und durch engmaschige Kontrolluntersuchungen regelmäßig auf ihre Wirksamkeit überprüft. Je früher die Behandlung einer CNI erfolgt, umso besser sind die Aussichten, das Fortschreiten der Erkrankung zu bremsen.

Routinemäßige Checks der Hunde und Katzen ab einem Alter von etwa 6 Jahren mit Berücksichtigung der Nierenwerte können Nierenerkrankungen noch vor der Manifestation klinischer Symptome aufdecken und entsprechende Maßnahmen ermöglichen.

Nierendiät

Spezielle Nierendiäten berücksichtigen durch ihren reduzierten Proteingehalt die Problematik der Harnstoffentstehung beim Eiweißabbau und die daraus resultierende Anreicherung im Blut bei eingeschränkter Nierenfunktion. Weniger Protein bedeutet weniger Arbeit für die Nieren.

Ebenfalls reduziert ist der Phosphatgehalt dieser Futtermittel, um eine Phosphatanreicherung im Blut zu vermeiden, bzw. eine bestehende Hyperphosphatämie zu korrigieren.

Die verringerte Proteinmenge in diesen Futtermitteln

  • Der Bedarf an Protein insbesondere bei der Ernährung der Katze ist relativ hoch.
  • Nierenkranke Tiere bauen generell körperlich ab und sind daher auf eine hochverdauliche Nahrung mit einem Mindestgehalt an Proteinen angewiesen.
  • Proteinarme Diäten werden von den Tieren meist nicht sehr gut akzeptiert.
  • Sind die Tiere in einem fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung und daher bereits appetitlos, bereitet die Verabreichung einer solchen Diät häufig große Probleme. teln ist nicht ganz unproblematisch:

Verweigerung der Nahrung kann bei Tieren, besonders bei Katzen, mit Niereninsuffizienz schnell lebensbedrohlich werden. Wird Nahrung nicht selbständig aufgenommen, kann man versuchen, sie zu pürieren (oder spezielle Sondennahrung verwenden) und das Tier mit Hilfe einer Spritze zu füttern. Als letzte Möglichkeit bleibt die vorübergehende Ernährung über eine Speiseröhrensonde oder Magensonde.

Tipps zur besseren Akzeptanz einer Nierendiät:

Die Futterumstellung sollte möglichst nicht während eines Klinikaufenthaltes sondern zu Hause erfolgen, damit das Tier das Futter nicht direkt mit einer unangenehmen Erfahrung in Verbindung bringt. Aus dem gleichen Grund auch keine Tabletten unter das Futter mischen.

  • Das Anwärmen des Futters erhöht die Akzeptanz. Angewärmtes Futter riecht intensiver und wirkt dadurch appetitstimulierend.
  • Häufig mehrere kleine Mahlzeiten verabreichen. 
  • Eventuell anfangs aus der Hand füttern.
  • Den Geschmack durch Hinzufügen kleiner Mengen Fleisch- oder Fischfonds oder Hühnerbrühe verbessern.
Phosphatbinder

Kann die Kontrolle des Phosphorspiegels im Blut nicht allein durch die Verabreichung der Diätnahrung erzielt werden, sollten zusätzlich so genannte Phosphatbinder verabreicht werden. Die Phosphatrestriktion ist wichtig, um das Fortschreiten der Niereninsuffizienz zu verlangsamen. Die Kontrolle des Phosphatspiegels gehört zu den wichtigsten Maßnahmen bei CNI - Patienten!

Neuste Erkenntnisse

  • Statt wie früher die Proteinurie wird heute die Störung der Phosphatausscheidung und die Phosphatanreicherung im Stoffwechsel als ein Hauptfaktor für das weitere Fortschreiten der Nierenschäden betrachtet .
  • Den erhöhten Phosphatwerten sollte Aufmerksamkeit geschenkt werden, da diese direkt im Zusammenhang mit dem Fortschreiten der Erkrankung sowie der Morbidität und der Mortalität der Katzen mit CNI stehen.
  • Aufgrund von besagten Kompensationsmechanismen der Niere ist eine Erhöhung der Phosphatwerte erst spät im Verlauf der CNI im Blut messbar. Mit einer Phosphatanreicherung im Organismus muss jedoch bereits in frühen Stadien der Nierenerkrankung gerechnet werden.
  • Die Restriktion der Phosphataufnahme sowie die regelmäßige Überwachung von Phosphat im Plasma ist heute wichtiger Bestandteil eines effektiven Managements der CNI.

In der Tiermedizin wird als neuster Phosphatbinder das als Nahrungsergänzungsmittel in der Veterinärmedizin zugelassene Renalzin® angewendet.

Renalzin® ist eine anwenderfreundliche orale Suspension und enthält einen sogenannten Phosphatbinder, der die Phosphataufnahme aus dem Futter verhindert.
Dieser Phosphatbinder heißt Lantharenol® (Lanthankarbonat-Octahydrat) und stammt aus der neusten humanmedizinischen Forschung zur Niereninsuffizienz beim Menschen. 

Für eine einfache Anwendung wurde Renalzin® als orale Suspension entwickelt. Es kann leicht sowohl mit Feucht- als auch mit Trockenfutter vermischt werden.

Weiterhin enthält Renalzin® als Toxinbinder Kaolin und den natürlichen Radikalfänger Vitamin E.

Phosphatbinder müssen immer im Abstand zu anderen Präparaten (Antibiotika, ACE- Hemmer, Eisenpräparate) verabreicht werden, weil sie deren Aufnahme in den Körper beeinträchtigen und so einen Wirkungsverlust verursachen können. Phosphatbinder müssen immer über das Futter verabreicht werden, damit sie den im Futter enthaltenen Phosphor binden können!

Bedeutung der Flüssigkeitszufuhr

Besonders wichtig bei Tieren mit CNI ist die ausreichende Aufnahme von Flüssigkeit Die Unfähigkeit der Niere, den Urin zu konzentrieren verursacht Polyurie, also Absatz großer Mengen unverdünnten Urins. Wird dieser Flüssigkeitsverlust nicht durch die Trinkwasseraufnahme ausgeglichen, kommt es zur Dehydrierung, ein Zustand, der schnell lebensbedrohlich wird. In fortgeschrittenen Fällen muss der Ausgleich durch eine intravenöse Flüssigkeitszufuhr erfolgen.

Wichtig ist es, die Tierbesitzer darauf hinzuweisen, dass die Tiere viel Flüssigkeit aufnehmen müssen, dass möglicherweise eher Feucht- als Trockenfutter verabreicht wird und diesem eventuell noch zusätzlich Wasser zugefügt wird. Frisches Trinkwasser sollte für die Patienten immer verfügbar sein. Bei geschwächten Tieren ist es sinnvoll, mehrere Näpfe aufzustellen und den Geschmack durch Hinzufügen von Hühnerbrühe attraktiver zu machen. Auch das Aufstellen von Trinkwasserbrunnen kann die Aufnahmemenge erhöhen, weil viele Tiere fließendes Wasser bevorzugen.

Gerade bei Katzen kann die Aufnahme von genügend Flüssigkeit problematisch sein. Hier gelingt es vielen Tierbesitzern nach entsprechender Anleitung in der Praxis, diese als subcutane Infusion zu geben.

Blutdruckregulierung

Erhöhter Blutdruck kann durch die Verabreichung von blutdrucksenkenden Calciumkanalblockern (z.B. Amlodipin) oder ACE- Hemmern (zum Beispiel Benazepril, Fortecor, Vasotop) kontrolliert werden. Der klassische Einsatz für ACE - Hemmer ist die Herzinsuffizienz. Sie wirken blutdrucksenkend, vermindern die Proteinurie und verzögern somit das Fortschreiten der CNI. Bei der Anwendung von ACE - Hemmern kann es zum Anstieg von Kreatinin im Blut kommen. Dies muss durch regelmäßige Blutkontrollen überprüft werden.

Azidosebehandlung

Eine mäßige Stoffwechselübersäuerung des Organismus (Azidose) normalisiert sich meist durch die Verabreichung einer Nierendiät. Haben sich die Werte nach 2-4 Wochen nicht normalisiert, empfiehlt sich die Gabe von Natriumbikarbonat (Backnatron) als "Puffer". Das Pulver kann über das Trinkwasser verabreicht werden. Bis zur Erreichung stabiler Blutwerte sind Blutuntersuchungen in Abständen von 2-4 Wochen erforderlich.

Weitere Maßnahmen
  • Ein herabgesetzter Blutkaliumspiegel wird ebenfalls in den meisten Fällen durch die Verabreichung einer speziellen Nierendiät normalisiert, denn die meisten Diäten sind entsprechend mit Kalium angereichert. Ansonsten kann Kaliumglukonat über das Futter verabreicht werden.
  • Erythropoietin zur Behandlung einer vorliegenden Anämie ist in der Humanmedizin erhältlich. Es wird eher in Ausnahmefällen bei Tieren eingesetzt, da es sehr teuer ist und bei 30% der behandelten Tiere zu Unverträglichkeitsreaktionen führt.
  • Bluttransfusionen können bei stark geschwächten Patienten zu einer Verbesserung des Allgemeinbefindens führen. · Bei anhaltendem Vomitus können bis zur Stabilisierung des Patienten Antiemetika eingesetzt werden.
  • Um den Verlust wasserlöslicher Vitamine über die Niere auszugleichen, empfiehlt sich die regelmäßige Verabreichung von Vitamin B und E. Vitamin B wirkt häufig auch appetitstimulierend. Vitamin E hat die Wirkung eines "Zellschutzvitamins".
  • Untersuchungen bei Hunden haben gezeigt, dass die Verabreichung ungesättigter Fettsäuren (Fischöl, Distelöl) die glomeruläre Filtrationsrate verbessern kann.
  • Viel Liebe und Zuwendung ist für ein krankes Tier immer wichtig!

Prognose:

Patienten mit CNI sind Dauerpatienten, die eine intensive Betreuung erfordern. Regelmäßige Kontrollen der Blutparameter und entsprechende Anpassung der Ernährung bzw. der Medikamente sind wichtig und ermöglichen den Patienten trotz der Erkrankung für Monate oder sogar Jahre beschwerdefreies Leben.

Tierbesitzer, die erfahren, dass ihr Tier an einer unheilbaren Nierenerkrankung leidet, sind häufig geschockt und brauchen moralische Unterstützung, Beratung und intensive Anleitung, wie sie ihrem Tier am besten helfen können.

Zu forcieren ist die Aufklärung der Tierbesitzer über Früherkennungsuntersuchungen, denn je früher eine Behandlungs- oder (diätetische) Vorsorgemaßnahme eingeleitet werden kann, umso besser ist die Prognose. Im Gegensatz zu Lebergewebe kann Nierengewebe nicht regenerieren. Geschädigte oder zugrunde gegangene Nephrone heilen nicht und können nicht ersetzt werden.