Erkrankungen

Bakterielle Harnwegsinfektionen

Bakterielle Infektionen der Harnwege sind bei Hunden häufiger anzutreffen als bei Katzen, dabei sind Hündinnen davon stärker betroffen als Rüden.
In der Regel wird gut auf eine antibiotische Therapie angesprochen.

Harnwegsinfektionen sollten unabhängig vom Vorliegen von Symptomen therapiert werden, weil es sonst zu schwerwiegenden Komplikationen kommen kann. Dazu zählen u.a. Pyelonephritis, Prostatitis, Harnsteine, Septikämie. Obwohl Entzündungen der unteren Harnwege bei Katzen (LUTI, Lower Urinary Tract Inflammation) häufig auftreten, sind weniger als 2 % der Entzündungen durch primäre Infektionen verursacht.

Bestehen keine strukturellen oder funktionellen Defizite der Infektionabwehr des Tieres, so verlaufen die Infektionen des Harntraktes in der Regel komplikationslos. Durch entsprechende antibiotische Therapie sind die Erreger eliminierbar.

Ätiologie

Bei Hunden sind E. coli, Staphylokokken, Streptokokken, Enterokokken, Enterobacter, Proteus, Klebsiellen und Pseudomonas die wichtigsten Erreger von Infektionen des Harnapparates. Manchmal werden  bei Hunden bei Harnwegsinfektionen auch Mykoplasmen nachgewiesen.

An den meisten bakteriellen Infektionen ist nur eine Bakterienspezies beteiligt, bei 20 bis 30 % der Harnwegsinfektionen liegen jedoch Mischinfektionen (mehr als 2 isolierte Erreger) vor.

Die meisten Entzündungen des Urogenitaltraktes werden bei Hunden durch Bakterien der intestinalen und kutanen Flora ausgelöst, die über die Urethra in die Harnblase aufsteigen. Anaerobier werden bei Infektionen des Harntraktes eher selten angetroffen.

Virulenz und Anzahl der eindringenden Bakterien sind zwei entscheidende Faktoren für die Manifestation einer Harnwegsinfektion. 

Klinik

Häufige Symptome sind

  • Pollakisurie,
  • Strangurie oder
  • Dysurie,
  • mikroskopische oder makroskopische Hämaturie.

Klinische Symptome einer durch Mykoplasmen hervorgerufenen Zystitis können Hämaturie, Pollakisurie/Strangurie, Inkontinenz, Polydipsie/Polyurie und Fieber sein. Da Mykoplasmen im Urin gesunder Hunde nachgewiesen wurden, ist es nicht sicher, ob Mykoplasmen primäre Auslöser einer Harnwegsinfektion sind.

Diagnose

Harnwegsinfektionen können nur durch eine gründliche Harnanalyse und/oder Kultur einer steril gewonnenen Harnprobe, wobei die Zystozentese die beste Methode ist, nachgewiesen werden. Nach der Gewinnung der Probe sollte diese innerhalb von 15 Minten untersucht oder alternativ im Kühlschrank aufbewahrt werden.

Häufige Urinbefunde sind Bakteriurie, Hämaturie, Pyurie, vermehrte Anzahl von Übergangsepithelzellen im Urinsediment. Zusätzlich können eine erhöhte Protein-Urinkonzentration und ein alkalischer pH-Wert festgestellt werden. Proteine, Ketone, Bilirubin und das spezifische Gewicht werden ebenfalls bestimmt.
Das Sediment der Harnprobe wird auf Kristalle, Zellen und Bakterien (Gram-Färbung) untersucht.

Zur Identifizierung pathogener Keime, vor allem wenn der Patient immunsupprimiert ist (z.B. Cushing Syndrom), sollte immer eine Kultur angelegt werden. Kommerzielle Leukozytenesterase-Teststreifen sind nicht zuverlässig; dies gilt auch für Teststreifen mit einem Nitratfeld zum Nachweis von nitratreduzierenden Bakterien. Dieser Nachweis funktioniert nicht bei Hund und Katze (s. Seiten "Niere", Unterkapitel Harnuntersuchung).

Therapie

Bakterielle Harnwegsinfektionen werden meist durch eine Bakterienspezies verursacht. Idealerweise sollte zur Wahl des Antibiotikums eine Kultur angelegt und ein Resistenztest durchgeführt werden. Wenn kein Bakteriennachweis erfolgt ist, so kann ein geeignetes Antibiotikum aufgrund der resultierenden Gram-Färbung gewählt werden (Amoxicillin, Amoxicillin-Clavulansäure bei Gram-positiven Erregern und Enrofloxacin oder Trimethoprim-Sulfonamid bei Gram-negativen Erregern).

Bei unkomplizierten Harnwegsinfektionen muß in der Regel 14 Tage, bei komplizierten Harnwegsinfektionen 4 bis 6 Wochen lang therapiert werden.
Ob das richtige Antibiotikum verwendet wurde, kann nach 3-5 Tagen durch weitere bakteriologische Urinuntersuchungen kontrolliert werden. Der Urin sollte dann steril sein, wobei das Urinsediment zu diesem Zeitpunkt noch pathologische Veränderungen aufweisen kann.

Empfehlenswerte Therapieschritte

Folgende Therapieschritte sind empfehlenswert

  1. Diagnosestellung unter Berücksichtigung von Vorbericht, Harnsediment, bakteriologischer Untersuchung mit Resistenztest
  2. Auswahl des Antibiotikums
  3. 3-5 Tage nach Therapiebeginn bakteriologische Untersuchung des Urins wiederholen, um Wirksamkeit des Antibiotikums zu überprüfen
  4. Untersuchung des Urinsedimentes 3-5 Tage vor dem Absetzen der Antibiotikatherapie
  5. Bei wiederkehrenden Infektionen sollen prädisponierende Faktoren abgeklärt werden: vollständiges Blutbild und Serumprofil, Röntgenkontrast- und Ultraschalluntersuchung.
  6. Bei häufigen Reinfektionen kann eine prophylaktische, niedrig dosierte Antibiotikatherapie nötig sein.

Mögliche Gründe für ausbleibenden Therapieerfolg

Mögliche Gründe für ausbleibenden Therapieerfolg sind

  • die Verwendung nicht wirksamer Antibiotika,
  • nicht ausreichende Behandlungszeit,
  • mangelnde Therapietreue des Besitzers,
  • eingeschränkte enterale Wirkstoffresorption,
  • Entwicklung von Resistenzen,
  • iatrogene Reinfektion nach Katheterisieren.  

Röntgen- und Ultraschalluntersuchungen sollten durchgeführt werden, um bei ausbleibendem Therapieerfolg anatomische Veränderungen, Schleimhautschädigungen und Urolithen festzustellen.

Bei Rüden können zur Feststellung einer bakteriellen Prostatitis Sperma und Prostataspülprobe zytologisch und bakteriologisch untersucht werden. Eine sonografische Untersuchung der Prostata ist zudem anzuraten. Es sollte auch an ein ansonsten asymptomatischer Hyperadrenokortizismus gedacht werden,wenn Leukopenie besteht und Erythrozyten im Sediment nachweisbar sind.

Weitere Erkrankungen?

Es ist wichtig, neben der Infektion der Harnwege auch weitere Erkrankungen zu identifizieren, wie z.B. Defekte/Schwächen des Immunsystems, Diabetes mellitus, chronisches Nierenversagen, Urolithiasis, Pyodermie, Inkontinenz.

Patienten mit Verdacht auf Pyelonephritis sollten mindestens 4-8 Wochen behandelt werden. Obwohl die antibiotische Therapie die Grundlage der Therapie bei Erkrankungen der Hanwege ist, ist der Immunstatus des Tieres ein wichtiger prognostischer Faktor.

Prognose

Bei unkomplizierten Infektionen ist die Prognose sehr gut.

Für ein Tier mit komplizierter Harnwegsinfektion ist die Prognose immer vorsichtig zu stellen. Werden prädisponierende Faktoren nicht erkannt und behandelt, so ist mit Rezidiven und Reinfektionen zu rechnen. Hier kann mit einer niedrig dosierten Langzeittherapie mit Antibiotika begonnen werden, wobei die Entwicklung von Resistenzen zu beachten ist.
Eine Ansäuerung des Urins ist zu empfehlen, da im sauren Milieu das Wachstum vieler Bakterien eingeschränkt wird. Bei starker Ansäuerung des Urins steigt allerdings das Risiko von Urat-, Oxalat-, Cystin- und Silicaturolithen, insbesondere beim Rüden, da diese beim sauren pH-Wert gering löslich sind.

Unterschied zwischen Rezidiv und Reinfektion

Rezidive werden von derselben Bakterienspezies wie die Primärinfektion verursacht und treten nach dem Absetzen der Therapie innerhalb weniger Wochen auf. Sie resultieren aus der Verwendung eines unangemessenen Antibiotikums oder der falschen Dosierung. Rezidivierende Harnwegsinfektionen sind zumeist mit einer höheren Antibiotikaresistenz assoziiert als die ursprüngliche Infektion.
Beim Rüden werden Rezidive durch chronische Prostatainfektionen begünstigt. Antibiotika, die bei Prostatainfektionen wirksam sind, müssen u.a. fettlöslich sein; Fluorchinolone zählen beispielsweise dazu.

Harnwegsinfektionen können auch durch Reinfektionen mit anderen Bakterienspezies ausgelöst werden. Das Auftreten von Reinfektionen durch weniger invasive Bakterien (Pseudomonas aeruginosa, Klebsiella pneumoniae, Enterobacter cloacae) ist ein Anzeichen auf eine Schwächung der wirtseigenen Abwehrsysteme

FLUTI Katze

Entzündungen des unteren Harntraktes bei Katzen

Entzündungen des unteren Harntraktes bei Katzen (Feline Lower Urinary Tract Infections, FLUTI) ist durch Symptome wie Pollakisurie, Hämaturie, Strangurie/Dysurie, unerwünschter Urinabsatz, partielle oder vollständige Urethraobstruktion gekennzeichnet und wurde früher als FUS (Felines Urologisches Syndrom) bezeichnet.

FLUTI kann mit oder ohne Struvitkristallurie vorliegen. Katzen mit Struvitkristallen (Magnesiumammoniumphosphat, Tripelphosphat) zeigen makroskopisch Urolithiasis, Kristallurie ohne Obstruktion oder Urethraobstruktion mit struvithaltigem Schleimpfropfen.
Bei Katzen ohne Beteiligung von Struvit ist im Allgemeinen nur eine Entzündung der unteren Harnwege nachweisbar, wobei nur 2 % junger Katzen beider Gruppen von einer primären bakteriellen Infektion betroffen sind.

Ätiologie

Liegt eine bakterielle Infektion vor, so werden meist ureasebildende Staphylococcus spp. nachgewiesen.
Vor allem Stress spielt eine wichtige Rolle beim Auftreten der klinischen Symptome einer Harnwegsinfektion (Umzug, Reisen, Ausstellungen, kaltes Wetter, neue Tiere oder Babies im Haushalt).

Kater sind öfter von dem Verschluss der Urethra betroffen – viele Obstruktionen werden durch Schleim- oder Struvitpfropfen im Penisbereich der Harnröhre verursacht. Struvitassozierte Entzündungen der unteren Harnwege führen zu einer Schwächung der lokalen Immunantwort und ermöglichen es so den Bakterien, in die Blase oder Harnröhre einzuwandern und diese zu besiedeln. Der wichtigste prädisponierende Faktor für die Entwicklung einer bakteriellen Zystitis in Verbindung mit einer struvitinduzierten Entzündung ist die Katheterisierung der Harnröhre – insbesondere bei Verwendung von Verweilkathetern.

Struvit

Eine hohe Konzentration an kristallbildenden Salzen, hoher pH-Wert und lange Verweildauer in der Blase begünstigen die Entstehung von Struvitsteinen, die das Urothel verletzen können. Nutritive Faktoren, vor allem ein hoher Magnesiumgehalt und Adipositas haben Einfluß auf die Bildung von Struvitsteinen. Struvitsteine werden vor allem bei jungen Katzen zwischen 1 und 2 Jahren festgestellt. Struviturolithen entstehen – im Gegensatz zum Hund – in sterilem Urin.

Bilder können Sie unter dem Kapitel "Niere", Unterkapitel "Harnuntersuchung, Mikroskopie Kristalle" finden.

Calcimoxalat-Kristalle und Urat-Kristalle

Calcimoxalat-Kristalle und Urat-Kristalle können darüber hinaus eine FLUTI auslösen. Calciumoxalate werden immer mehr gefunden – dies hängt mit der Verbreitung von ansäuernden Diäten zusammen. Geringere Urinmengen und Häufigkeit des Harnabsatzes bedingen eine struvit- oder nichtstruvitassoziierte FLUTI.

Bilder hierzu können Sie im Kapitel "Niere", Unterkapitel "Harnunterschung, Mikroskopie: Kristalle" finden.

Klinik

Die klinischen Symptome variieren je nach Krankheitsbild (Zystitis/Urethritis oder Obstruktion der Urethra).

  • Bei Katzen ohne Obstruktion können Hämaturie, Pollaskurie, Dysurie/Strangurie, Schmerzäußerung, Lecken am Genitale, Urinieren an unerwünschten Orten wie Spülbecken oder Badewanne auftreten.
  • Bei Katern mit Harnröhrenobstruktion sind die Symptome von der Dauer des Verschlusses abhängig. Wird die Obstruktion nicht innerhalb von 36 bis 48 Stunden behoben, so treten die Symptome einer postrenalen Azotämie auf: Anorexie, Vomitus, Dehydratation, Störung des Allgemeinbefindens, Schwäche, Stupor, Hypothermie, Azidose oder plötzliche Todesfälle.
    Eine Obstruktion verursacht immer Schmerzen im kaudalen Abdomen. Die Blase ist geschwollen und überdehnt und schlecht oder gar nicht auszudrücken. Es ist bei der Manipulation dieser Blase Vorsicht geboten, weil Rupturgefahr besteht. Bei Katern kann der Penis verstopft sein und aus dem Präputium hervorstehen.

Diagnose

Die Diagnose erfolgt anhand des Vorberichtes und der klinischen Untersuchung. Röntgenaufnahmen (Leeraufnahme und Doppelkontrast-Zystographie), Ultraschalluntersuchungen und bakterielle Urinuntersuchungen sowie die Zystoskopie sind bedeutsame diagnostische Teilschritte.

Therapie

Katzen ohne Obstruktion der Harnwege

Die Therapie richtet sich nach den Symptomen. Es muß jedoch bedacht werden, dass 95 % der jungen Katzen eine FLUTI mit sterilem Urin aufweisen.

Bei Struviturolithen und alkalischem pH-Wert: magnesiumreduzierte und angesäuerte Diät initial für 2 Monate, die einen pH-Wert < 6,4 einstellt. In der Regel ist keine lebenslange struvitverhindernde Diät erforderlich!

Bei Pyrurie und Bakteriurie: bakteriologische Urinuntersuchung, Resistenztest und gezielte Auswahl des Antibiotikums.

Frisches Wasser ad libitum und frisch gereinigte Toilette sind ein Muß!

Eine Antibiose (Resistenztest) sollte während der gesamten Phase der steinauflösenden Diät verabreicht werden. Sind keine Urolithen mehr nachweisbar, so empfiehlt es sich, die Diät noch weitere 30 Tage zu verfüttern.
Wird durch diese Diäten der gewünschte pH-Wert zwischen 6.2 und 6.4 nicht erzielt, so können zusätzlich harnsäuernde Substanzen wie Ammoniumchlorid oder alternativ Methionin verabreicht werden

Katzen mit Obstruktion der Harnwege

Wie dringend eine Obstruktion der Harnwege beseitigt werden muss, hängt von der körperlichen Verfassung der Katze ab. Tiere, die aufmerksam sind und ohne Verdacht auf eine postrenale Azotämie können für eine Katheterisierung sediert werden.
Ist hingegen das Allgemeinbefinden schlecht, so sollte unverzüglich die Kalium-, Harnstoff- und Kreatininkonzentration im Serum bestimmt oder ein EKG angefertigt werden, um das Ausmaß der Hyperkaliämie richtig einschätzen zu können. Ist eine Infusionsbehandlung angezeigt, dann eignen sich dazu Infusionen mit 0,9 %-iger Kochsalzlösung.

Behebung der Obstruktion: Bei manchen Katzen ist es möglich, den Verschluss der Harnröhre durch eine Massage des Penis und vorsichtiges Ausdrücken der Blase zu beheben. Mit gut gleitfähig gemachten Blasenkathetern kann versucht werden, Harnröhrenpfropfen mit steriler isotonischer Kochsalzlösung in die Blase zurückzuspülen. Unter Umständen muss vorher eine Verringerung des intravesikulären Drucks durchgeführt werden, z.B. durch eine Zystozentese. Bei Katzen mit einer Azotämie ist eine Infusionstherapie indiziert.

Eine perianale Urethrostomie ist als Notfallmassnahme bei einer Urethtraobstruktion nur in seltenen Fällen notwendig.

Das Fütterungsmanagement bei Katzen nach einer struvitinduzierten Obstruktion der Harnwege ist ähnlich dem bei Katzen mit Struvitkristallen ohne Obstruktion – es sollten magensiumarme, ansäuernde Diäten verwendet werden. Der pH-Wert sollte 4-8 Stunden nach der Mahlzeit 6,4 oder weniger betragen.

Wichtig ist die Langzeitüberwachung dieser Tiere durch die Tierbesitzer – ein exzessives Scharren in der Katzentoilette sollte bei Katern, die einmal eine Urethraobstruktion hatten, ein Alarmzeichen sein. Nach Katheterisieren (5-7 Tage danach) sollte eine Harnanalyse und bakteriologische Urinuntersuchung durchgeführt werden. Infektionen des Harntraktes sind häufige Folge des Katheterisierens.

Prognose

Kater mit rezidivierenden Harnröhrenobstruktionen haben eine vorsichtige Prognose, bei rezidivierender FLUTI ohne Obstruktion ist die Prognose günstig bis gut.

Prostataerkrankungen

Die Prostata kann von einer Reihe von Krankheiten betroffen sein, wobei am häufigsten die benigne Hyperplasie, akute und chronische bakterielle Prostatitis /Prostataabszess und Neoplasien, zumeist Adenokarzinome, sind.

Ätiologie ud Einteilung

  • Benigne Prostathyperplasie: Bei unkastrierten Rüden unterliegt die Prostata mit zunehmendem Alter einer physiologischen Hyperplasie. Dadurch wird eine Prädisposition für eine bakterielle Prostatitis geschaffen.
  • Akute bakterielle Prostatitis ist oft schmerzhaft und geht mit urethralem Ausfluss und einer Prostatavergrößerung einher.
  • Chronische bakterielle Prostatitis: Diese ist in der Regel nicht schmerzhaft und geht selten mit systemischen Krankheitssymptomen einher. Sie ist oft durch rezidivierende Harnwegsinfektionen gekennzeichnet.
  • Intra- und paraprostatische Zysten enthalten Prostatasekret. Aufsteigende Infektionen können zu rezidivierenden Harnweginfektionen führen, oder es entwickelt sich eine schwere lebensbedrohliche Prostatits/Prostataabszess.
  • Prostatadenokarzinom ist die häufigste Neoplasie beim Hund. Sie wachsen lokal invasiv und metastasieren in die sublumbalen Lymphknoten. Sie treten bei kastrierten und unkastrierten Rüden gleichermaßen auf.

Klinik

Es ist ein Tenesmus zu beobachten, der aufgrund eines Passagehindernisses im Kolon durch die Prostatavergrößerung bedingt ist.

Zudem besteht ein blutiger oder purulenter Ausfluß aus der Urethra. Fieber und Apathie können auftreten.

Bei der rektalen Untersuchung bzw. Palpation des kaudalen Abdomens ist Schmerzhaftigkeit feststellbar.

Bei chronischer Prostatitis oder benigner Hyperplasie kann der Hund klinisch unauffällig sein.

Diagnose

Anhand der Anamnese – rezidivierende Harnwegsinfektionen mit Strangurie, Hämaturie, Dysurie – und der Ergebnisse der rektalen Untersuchung kann eine vergrößerte oder schmerzhafte Prostata festgestellt werden. Bei kastrierten Rüden mit einer normal großen bis vergrößerten Prostata in physiologischer Lage ist eine Prostataneoplasie eine wichtige Differentialdiagnose.

Röntgenaufnahmen können Informationen über die Größe der Prostata oder eine mögliche Kalzifizierung infolge einer neoplastischen Veränderung liefern. Auf sublumbale Lymphadenopathien oder Metastasen in den Lendenwirbeln muß geachtet werden.

Die Sonographie ist die bessere diagnostische Methode zur Untersuchung der Prostata. Sie liefert weitere Informationen zur Homogenität der Prostata (Zysten, Abszesse, hypoechogene Bereiche).

Zytologie und Kultur des Prostatasekrets

Die beste Methode ist die (invasive) Aspiration unter Ultraschallkontrolle. Ein Nachteil ist, dass bei Aspiration eines Abszesses Bakterien in die Peritonealhöhle gestreut werden können und dadurch zu Peritonitis und lebensbedrohlicher Septikämie führen können.

Die Gewinnung von Sekret nach Prostatamassage ist immer durch Harn verunreinigt und bei akuter Prostatitis aufgrund der Schmerzen nicht durchführbar.

Therapie

Prostatahyperplasie

Verursacht diese keine Symptome, so ist auch keine Behandlung erforderlich. Bei Beschwerden ist die Kastration die beste Lösung. Nach der Kastration bildet sich die Prostata innerhalb von 3 Monaten nach und nach zurück.

Prostataneoplasien

Es gibt keine wirksame Therapie bis dato (Prostataektomie, chemotherapeutische, hormonelle und Strahlentherapie) und die Prognose ist sehr schlecht.

Akute Prostatitis

Die auslösenden Bakterien sind die gleichen, die eine bakterielle Harnwegsinfektion verursachen. Es wird ein Antibiotikum nach Antibiogramm ausgewählt, das eine hohe Wirkstoffkonzentration im Prostatasekret und Gewebe erzielt.

Beiakuter Prostatitis erhält der Hund länger als 3 Wochen das entsprechende Antibiotikum. Vor Ende der Therapie und 3-5 Tage danach, wird eine bakterielle Kultur angelegt.

Chronische Prostatitis

Bei chronischer Prostatitis wird während der antibiotischen Behandlung alle 2-3 Wochen eine Kultur angelegt, bis das Ergebnis zweimal hintereinander negativ ist. Dies kann einige Monate Zeit in Anspruch nehmen. Danach wird der Patient nach 30-60 Tagen erneut untersucht. Ggf. werden permanent niedrig dosierte Antibiotika verabreicht, um sekundäre Harnwegsinfektionen zu verhindern.
Es kann schwer sein, eine chronische bakterielle Prostatitis zu eliminieren. Die Kastration ist bei der Behandlung der chronischen bakteriellen Prostatitis hilfreich.