Unterbindung der Reproduktion

Ovariohysterektomie und Kastration sind die verbreitesten aber endgültigen Methoden zur Populationskontrolle bei Hunden und Katzen. Für eine vorübergehende Kontrolle bieten sich dagegen verschiedene Wirkstoffe an.

Zur Unterbrechung und Verschiebung der Läufigkeit bei Hündinnen oder der langfristige Verhinderung der Rolligkeit bei der Katze können Progestagene (sog. Progestine) verabreicht werden. Bei den Progestinen handelt es sich um synthetische progesteronähnliche Substanzen, welche die Freisetzung oder Synthese von Gonadotropinen blockieren und somit den Östrus verhindern. Progestine sind sehr zuverlässig bei der Unterdrückung des Östrus, wenn die Behandlung im Anöstrus begonnen wird und weniger sicher, wenn sie im frühen Proöstrus verabreicht werden.

Zu den wichtigsten synthetischen Progestagenen gehören Medroxyprogesteronacetat (MPA), Megestrolacetat und Proligeston.

Rüde, Kater

Beim Rüden

Wird nur eine temporäre Unterdrückung der Fortpflanzung beim Rüden gewünscht, so hat die Verabreichung des GnRH (Gonadotropin-Releasing-Hormon)-Agonisten Deslorelin in Form eines subkutanen Implantes mit langsamer Freisetzungsrate mittlerweile Praxisreife erreicht.
Bei Rüden führt dies zu einem niedrigeren Testosteronspiegel im Blut, woraufhin kein Sperma mehr produziert wird und die Libido nachlässt. Das Implantat kann bei gesunden, geschlechtsreifen Rüden eingesetzt werden, die nicht kastriert sind.
Die Wirkung setzt nach ungefähr sechs Wochen ein und hält sechs Monate lang an. Danach kann dem Hund, sofern erforderlich, ein neues Implantat eingesetzt werden.

Beim Kater

Beim Kater gibt es die Möglichkeit einer "chemischen Kastration": Medroxyprogesteronacetat, MPA ist ein Derivat von Progesteron, welches im Gegensatz zu diesem auch bei oraler Gabe wirkt. MPA hat nur progesteronähnliche, jedoch keinerlei androgene oder oestrogene Wirkung. MPA unterbindet mittels einem "Feedback"-Mechanismus die Ausscheidung gonadotroper Hormone aus der Hypophyse.

Protokoll (oral)

  • 1. Woche: 5 mg pro Katze 1 × täglich
  • 2. Woche: 5 mg pro Katze jeden 2. Tag
  • 3. Woche: 5 mg pro Katze jeden 3. Tage
  • ab der 4. Woche: 5 mg pro Katze 1 × wöchentlich; ist nach 14 Tagen kein therapeutischer Erfolg erkennbar, wird die Therapie abgebrochen (Dreier 1996)

Intramuskulär oder subkutan verabreicht, ist MPA bei der Katze (Kater/Kätzin) darüber hinaus zur Therapie der psychogenen Alopezie, von Hautproblemen und Verhaltensstörungen geeignet.

Hündin

Megestrolacetat

Wird zur Verschiebung der Läufigkeit Megestrolacetat im Anöstrus eingesetzt, so beträgt die empfohlene Dosis 0,5 mg/kg KGW an 32 aufeinanderfolgenden Tagen bei der Hündin.

Wird im frühen Proöstrus verabreicht, mit dem Ziel, dieses Zyklusstadium zu unterbrechen, beträgt die täglich empfohlene Dosis bei der Hündin 2,2 mg/kg KGW über acht Tage. Die Hündin sollte jedoch isoliert werden, bis der blutige Ausfluss beendet ist. Es sollten nicht mehr als 2 aufeinanderfolgende Zyklen unterdrückt werden.

Medroxyprogesteronacetat

MPA ist ein Derivat von Progesteron, welches im Gegensatz zu diesem auch bei oraler Gabe wirkt. Die Unterdrückung der Ovulation ist etwa 20 - 30 mal stärker als bei Progesteron. MPA hat nur progesteronähnliche, jedoch keinerlei androgene oder oestrogene Wirkung. MPA unterbindet mittels einem "Feedback"-Mechanismus die Ausscheidung gonadotroper Hormone aus der Hypophyse und verhindert somit die Heranreifung der Follikel und Corpora lutea im Ovar.

Brunstverschiebung kurzfristig (oral)

  • 5-10 mg/Tier/Tag bis zum gewünschten Eintrittsdatum der Läufigkeit. Hündinnen ab 15 kg Körpergewicht erhalten die höhere Dosierung.

Brunstunterbrechung (oral)

  • Beim Auftreten der ersten Läufigkeitszeichen, jedoch bis spätestens am 3. Tag der Proöstrusblutung kann die Läufigkeit durch die tägliche Verabreichung von MAP unterbrochen werden: 10-20 mg/Tier/Tag über 4 Tage, gefolgt  von 5-10 mg/Tier/Tag über 12 Tage. Hündinnen ab 15 kg erhalten die höhere Dosierung.

Proligeston

Proligeston stellt durch die geringere Suppression der Nebennierenrinde und dem geringerem diabetogenem Potential eine Alternative zu anderen injizierbaren Gestagenen dar. Es wird bei der Hündin zur Brunst- und Läufigkeitsverhinderung verabreicht, die sich im Anöstrus befindet, d.h. frühestens 3 Monate nach und spätestens 1 Monat vor der nächsten Läufigkeit. Durch die alle 3 bis 6 Monate wiederholte Verabreichung wird eine langzeitige Verhinderung der Läufigkeit erzielt, doch besteht ein erhöhtes Risiko hinsichtlich der Auslösung unerwünschter Nebenwirkungen. Proligeston hat sich darüber hinaus als sehr wirksam bei der Behandlung der Pseudogravidität erwiesen. Gewöhnlich zeigen die Hündinnen bereits nach 3 Tagen wieder ihr normales Verhalten. Bevor der Hündin Gestagene verabreicht werden, sollte die Trächtigkeit ausgeschlossen werden.

Brunstverhinderung (subkutan)

  • 10 - 30 mg/kg als Depot, Wiederholungen nach 3 und 4 Monaten, nachher in einem Intervall von 5 Monaten injizieren (Feldmann 1996; Concannon 1995; Van Os 1982)

Pseudogravidität (subkutan)

  • 33 mg/kg als einmalige Dosis, meist zeigen die Hündinnen bereits nach 3 Tagen wieder ihr normales Verhalten (Allen 1996b)

Katze

Megestrolacetat

Wird zur Verschiebung der Rolligkeit Megestrolacetat im Anöstrus eingesetzt, so beträgt die empfohlene Dosis 2,5 mg/Woche für bis zu 18 Monate bei der Kätzin.

Kommt die Kätzin in den Östrus, wird eine Dosierung von 5 mg täglich über 3 Tage, gefolgt von 2,5 bis 5 mg/Woche über 10 Wochen empfohlen. Es sollten nicht mehr als 2 aufeinanderfolgende Zyklen unterdrückt werden.

Medroxyprogesteronacetat

MPA ist ein Derivat von Progesteron, welches im Gegensatz zu diesem auch bei oraler Gabe wirkt. Die Unterdrückung der Ovulation ist etwa 20 - 30 mal stärker als bei Progesteron. MPA hat nur progesteronähnliche, jedoch keinerlei androgene oder oestrogene Wirkung. MPA unterbindet mittels einem "Feedback"-Mechanismus die Ausscheidung gonadotroper Hormone aus der Hypophyse und verhindert somit die Heranreifung der Follikel und Corpora lutea im Ovar.

Brunstunterdrückung (oral)

  • 5 mg 1 × täglich für 5 Tage; die Oestrussymptome verschwinden innerhalb von 24 h (Plumb 1995)

Brunstverhinderung (oral)

  • 2,5 – 5 mg pro Tier 1 × wöchentlich als langfristige Brunstkontrolle (Plumb 1995)
  • 5 mg pro Tier 1 × wöchentlich (Jöchle 1993)

Intramuskulär oder subkutan verabreicht, ist MPA bei der Katze (Kater/Kätzin) darüber hinaus zur Therapie der psychogenen Alopezie, von Hautproblemen und Verhaltensstörungen geeignet.

Proligeston

Bei Katzen kann Proligeston dann angewandt werden, wenn beispielsweise der Östrus post partum oder während der Laktation unterbrochen werden soll oder auch, um Verhaltensstörungen wie Harnabspritzen (Markieren) und Aggressivität zu therapieren.

Brunstverhinderung (subkutan)

  • 100 mg pro Tier alle 5 Monate, am besten in der Leistengegend applizieren (Gruffydd-Jones 1996)
  • 20 mg/kg im Anoestrus, die 2. Injektion 3 Monate später, die 3. Injektion 4 Monate später und die weiteren Injektionen in einem Intervall von 5 Monaten (Kroker 1997)
  • 10 - 30 mg/kg (Jöchle 1993)

Brunstunterdrückung (subkutan)

  • 10 - 30 mg/kg (Jöchle 1993)

Cave: Aufgrund geringer therapeutischer Breite bei parenteraler Anwendung besteht die Gefahr von Endometritis, glandulär-zystischer Hypertrophie des Endometriums und Pyometra; oral verabreichbare Gestagene (Medroxyprogesteron oder Megestrol) sind vorzuziehen (Jöchle 1993).