Schwarzkopfkrankheit der Puten

Die Schwarzkopfkrankheit der Puten, auch Histomoniasis, Blackhead disease, infektiöse Enterohepatitis oder Typhlohepatitis genannt, galt lange Zeit als typische Putenerkrankung, ist aber in den letzten Jahren durch die vermehrte Freilandhaltung auch bei Hühnern zu beobachten. Als weitere empfängliche Vogelarten gelten Perlhuhn, Fasan, Pfau und Wachtel, während das Wassergeflügel als nicht empfänglich gilt. Zunehmende Bedeutung erlangt die Histomoniasis sowohl bei Puten als auch bei Hühnern in Freilandhaltung durch das EU-weite Verbot von Prophylaktika und Therapeutika, mit deren Hilfe die Krankheit zuvor gezielt bekämpft werden konnte.

Erreger

Auslöser der Histomoniasis ist der einzellige, begeißelte, pleomorphe Parasit Histomonas meleagridis. Er gehört der Ordnung Trichomonadidae und dem Stamm Parabasala an. Seine Tenazität in der Außenwelt ist sehr gering. In Eiern entsprechender Transportwirten dagegen können die Histomonaden über 2 Jahre überleben. Die durch den Parasiten ausgelöste, oft enzootisch verlaufende Erkrankung kann, durch hohe Aufzuchtverluste beim Wirtschaftsgeflügel, insbesondere bei Jungputen, für enorme wirtschaftliche Verluste verantwortlich sein.

Epidemiologie und Pathogenese

Die Erkrankung betrifft hauptsächlich Jungputen. Hühner erkranken selten, sie sind nach Infektion in den meisten Fällen nur latente Träger des Erregers und stellen als wichtigste Reservoirwirte eine mögliche Infektionsquelle dar. Lediglich Hühnerküken, oft prädisponiert durch gleichzeitige Infektion mit Eimeria tenella, zeigen schwere Erkrankungen.

Eine Übertragung des Erregers von Tier zu Tier ist möglich. Die orale Aufnahme freier Histomonaden führt jedoch nicht zur Infektion, da diese die Magenpassage nicht überleben. Eine direkte Übertragung ist nur dann möglich, wenn sich die Tiere auf infiziertem Kot niederlassen, sodass der Erreger über die Kloake eindringen kann. Größte Bedeutung bei der Infektion hat die indirekte Übertragung durch den Blinddarmwurm Heterakis gallinarum, der als Vektor für Histomonas meleagridis fungiert. Infizierte Eier und Larven des Wurms, die meist oral aufgenommen werden, führen bei Puten und Hühnern zur Erkrankung. Aber auch Regenwürmer kommen als Transportwirte für Heterakis gallinarum in Frage und spielen vor allem bei Freilandhaltung eine bedeutende Rolle, da sie für eine dauerhafte Weidekontamination sorgen. In den Eiern der Würmer liegen die pleomorphen Parasiten als sphäroide Dauerstadien von, die freigesetzt werden sobald die Nematodenlave schlüpft.

Nach Aufnahme des Parasiten kommt es zur Besiedelung der Blinddärme, wobei der Erreger nach Eindringen in die Blinddarmschleimhaut eine Konformationsänderung, von der Invasions- zur Gewebeform durchmacht. Der Trophozoit lagert sich an die Darmwand des Caecums an, greift Zellen der Mucosa und Submucosa an und ruft so massive Gewebeschädigungen hervor. In den Darmzellen lebt und ernährt sich Histomonas meleagridis als intrazellulärer Endoparasit. Der im Darm angesiedelte Erreger entfaltet vor allem nach Schwächung der körpereigenen Abwehr durch andere Stressoren wie Impfungen, Mangelernährung oder Transporte eine enorm hohe Pathogenität. In den Blinddärmen entwickelt sich eine diphteroide bis hämorrhagische Entzündung. Die Gewebeform gelangt schließlich durch hämatogene Streuung über den Pfortaderkreislauf in die Leber und löst dort bei Puten Nekrosen aus.

Die Inkubationszeit beträgt 7 bis 11 Tage und ist unabhängig von der Infektionsart. Die Letalität liegt zwischen 100% bei Küken bis zu 3 Monaten und 25% bei adulten Tieren.

Klinisches Erscheinungsbild

Insbesondere Puten zeigen schwere Krankheitsverläufe. Nach der Infektion zeigen Puten eine auffällige Schläfrigkeit, Anorexie, Kachexie und Schwäche. Ihr Gefieder ist durch fehlende Pflege gesträubt, ihre Kopfanhänge blass und die Tiere haben Atembeschwerden. Es zeigt sich ein nur bei Puten auftretender schwefelgelber Kot, während es bei Hühnern meist nur zu einem schleimigen Durchfall kommt. Bei Hühnern verläuft die Erkrankung milder und äußert sich vor allem in einer verminderten Legeleistung, aber auch plötzliche Todesfälle treten auf. Hühner können den Parasiten auch beherbergen ohne zu erkranken und stellen dann ein Erregerreservoir dar. Junge Puten sterben oft nach wenigen Tagen, während die Krankheit bei älteren Tieren eher chronisch verläuft. Die durch Kreislaufprobleme verursachte Schwarzverfärbung der Kopfhaut, die der Krankheit ihren Namen gegeben hat, ist Ausdruck einer massiven Zyanose, tritt aber nicht immer auf.

Diagnose

Die Diagnose wird in der Sektion gestellt, nachdem sämtliche Differentialdiagnosen, insbesondere die Blinddarmkokzidiose ausgeschlossen wurden. Die Diagnosestellung erfolgt dann anhand der typischen Veränderungen in Blinddarm und Leber: Die typischen gelben, rosettenähnlichen Nekroseherde der Leber gelten als pathognomonisch. Am Blinddarm ist eine diphteroide bis hämorrhagische Entzündung festzustellen. Hühner zeigen keine Leberveränderungen, sodass die Diagnosestellung bei Hühnern erschwert ist. In der Sektion gelingt oft auch ein direkter Erregernachweis durch einen Mucosa-Abstrich.

Eine Erregerisolierung bei lebenden Tieren ist schwer, da der Parasit in der Außenwelt rasch abstirbt und dann nicht mehr nachzuweisen ist. Es eignen sich als Probenmaterial nur körperwarme Nativpräparate oder Schleimhautabstriche. Der Nachweis von Oozysten im Kot wird dann mittels Kotflotation versucht.

Ein in Forschung befindlicher Ansatzpunkt ist der Nachweis mittels molekularer Methoden, insbesondere der PCR. Evaluierung und Optimierung dauern jedoch noch an.

Als indirekter Erregernachweis steht bis heute nur ein Agargelpräzipitationstest (AGPT) zur Verfügung, der jedoch wenig sensitiv ist.

Möglich ist auch ein Antikörpernachweis, da es nach der Infektion mit Histomonas meleagridis zur Immunantwort des Wirtes kommt, allerdings werden Antikörper verzögert gebildet, sodass die Tiere oft nicht lange genug überleben, um Antikörper nachweisen zu können.

Prophylaxe

In den letzten Jahren wurden mit Erfolg Nitroimidazole eingesetzt, die selbst in geringen Dosen äußerst wirksam gegen Histomonaden waren. Sämtliche Präparate wurden jedoch mittlerweile durch EU-Richtlinien verboten, sodass es derzeit keine Möglichkeit mehr gibt, erkrankte Tiere zu therapieren. Auch Impfstoffe stehen nicht zur Verfügung. Da erkrankte Tiere durch die Nicht-Behandlung einem erheblichen Leidensdruck ausgesetzt sind, ist hier auch der Tierschutz zu beachten!

Aus diesem Grund stehen zurzeit prophylaktische Bekämpfungsmaßnahmen gegen den Blinddarmwurm im Vordergrund. Dadurch soll eine mögliche Übertragung von Histomonas durch die Würmer verhindert werden. Eine regelmäßige und konsequente Endoparasitenbekämpfung ist deshalb sehr wichtig. Für diese Indikation sind verschiedene Wirkstoffe und Präparate geeignet, unter anderem eignet sich Levamisol, ein Wirkstoff der für Hühner und Puten in oralen Formulierungen verfügbar ist.

Aber auch eine Optimierung der Stallhygiene durch Rein-Raus-Belegung und gründliche Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen, helfen den Infektionsdruck zu verringern. Die getrennte Haltung von Hühnern und Puten, sowie die getrennte Aufstallung von Tieren unterschiedlichen Alters ist empfehlenswert.

Aufgrund des besonderen Übertragungsweges können Ausläufe, die einmal mit infizierten Tieren besiedelt waren nur schwer saniert werden. Hinzu kommt die sehr hohe Infektiösität der Histomonaden in den Heterakiseiern, was bedeutet, dass die Infektionsgefahr bei der Nutzung von Ausläufen jahrelang bestehen bleibt. Einen Prophylaxeansatz bietet die Bekämpfung von Regenwürmern.