Salmonellen

Geflügel

Die Bezeichnung Samonellen geht auf Forschungen von Salmon und Smith von 1885 zurück. Die Gattung Salmonella beinhaltet zwei Spezies und eine große Anzahl an Serovaren. Mit Augenmerk auf ihre klinische und wirtschaftliche Bedeutung kann man wirtsadaptierte Salmonellenserovare von solchen ohne Anpassung an spezielle Wirtsspezies unterscheiden. Während die wirtsadaptierten Serovare mit schwerwiegender Erkrankung der Zielspezies verbunden sind, führen nicht wirtsadaptierten Serovare über kontaminierte Lebensmittel zu Erkrankungen des Menschen und können große wirtschaftliche Schäden anrichten. Neben Schweinefleisch stellen Eier die wichtigste Quelle für Salmonelleninfektionen durch Lebensmittel dar.

Erreger

Bei der Gattung Salmonella handelt es sich um Gram-negative Stäbchen, die zu den Enterobacteriaceae gehören. An Hühnervögel angepasste Erreger sind Salmonella pullorum und Salmonella gallinarum, die verschiedene Typen eines Serovars darstellen. S. gallinarum ist der Erreger des Hühnertyphus bei adulten Vögeln, während S. pullorum eine akute Septikämie bei Küken auslöset, die auch die Bezeichnung „weiße Kükenruhr“ trägt.

Wirtschaftlich von wesentlich größerer Bedeutung sind jedoch Infektionen des Wirtschaftsgeflügels mit den polyphagen Serovaren S. enteritidis und S. typhimurium, die auch für die Salmonelleninfektion des Menschen verantwortlich sein können.

Salmonellen haben eine relativ hohe Tenazität, so überleben sie auf glatten Flächen oder im Staub des Brüters einige 100 Tage, in Einstreu dagegen sogar mehrere Monate. Durch Sonnenlicht, Hitze und durch handelsübliche Desinfektionsmittel können sie aber inaktiviert werden.

Infektionswege

S. pullorum und S. gallinarum können sowohl vertikal über das Brutei, als auch horizontal auf aerogenem oder oralen Weg verbreitet werden. Neben der vertikalen Übertragung von latent infizierten Eltern auf die Eier kommt auch der aerogenen Infektion in der Brutanlage eine große Bedeutung im Infektionsgeschehen zu.

Die Erregereinschleppung in einen freien Bestand erfolgt durch Zustallung infizierter Tiere, kann jedoch auch durch verschiedene Vektoren, wie Fliegen, Zecken und Schädlinge erfolgen.

Im Gegensatz dazu ist für die Übertragung von nicht wirtsadaptierten Serovaren die orale Infektion von größter Bedeutung. Durch eine hohe Überlebensfähigkeit der Salmonellen in der Umwelt und durch ihr ubiquitäres Vorkommen sind verschiedenste Infektionsquellen möglich und durch die breitgefächerte Möglichkeit der Zwischenschaltung belebter und unbelebter Vektoren sind die Infektionswege oft nicht rückverfolgbar.

Die Erregereinschleppung erfolgt auch im Fall nicht adaptierter Salmonellen durch Zukauf infizierter Tiere, durch Schadnager, Wildvögel oder Insekten. Auch infizierte Personen können als Vektoren fungieren.

Innerhalb des Bestandes breitet sich de Erreger dann auf horizontalem und vertikalem Weg aus. Die Infektion kann mit monatelanger Erregerpersistenz und Erregerausscheidung verbunden sein, woraus oft eine schnelle Ausbreitung im gesamten Bestand resultiert. Auch für diese Serovare ist eine direkte, transovarielle vertikale Übertragung auf das Brutei nachgewiesen.

Pathogenese und Klinik

Geflügeladaptierte Salmonellenserovare

S. pullorum und S. gallinarum führen zu verminderten Schlupfraten, verminderter Legeleistung und erhöhter Kükensterblichkeit. Die bereits im Brüter infizierten Tiere erkranken 2-5 Tage nach dem Schlupf. Die deutlichsten Symptome zeigen sehr junge Tiere und Vögel, deren Immunsystem anderweitig vorgeschädigt ist. S. pullorum löst vor allem bei Küken perakute Verlaufsformen sowie verlustreiche septikämische Erkrankungen mit schwerer Allgemeinstörung, Durchfall, Atemnot, Augen- und Gelenksentzündungen sowie zentralnervösen Störungen aus. Die Uratausscheidung betroffener Vögel ist oft erhöht, der Kot somit kalkweiß gefärbt, wodurch sich der Begriff „weiße Kükenruhr“ eingebürgert hat. Ältere Küken zeigen verhältnismäßig stärkeres Wachstum der Schwungfedern und erscheinen unförmig. Bei Jung- und Althennen treten dagegen nur sehr selten klinische Symptome auf, wobei sie in diesen Fällen dann einen chronischen Verlauf zeigen. Wichtig ist jedoch zu wissen, dass auch klinisch unverdächtige Tiere als Dauerausscheider beträchtlich zur Ausbreitung der Infektion beitragen können.

Dagegen führt eine Infektion mit S. gallinarum auch bei adultem Geflügel zur perakuten septikämischen Verlaufsform mit hoher Mortalität. Weißgefiederte Hybridlinien zeigen sich durch genetisch determinierte Unterschiede hinsichtlich dieser Erkrankung deutlich weniger anfällig als braungefiederte Hybridlinien. Plötzliche Todsfälle, vermehrt unter braunen Hennen können daher hinweisend sein. Die verendeten Tiere zeigen häufig Leber- und Milzschwellung sowie Nekroseherde in den verschiedensten inneren Organen.

Nicht wirtsadaptierte Salmonellenserovare

Bei den nicht wirtsspezifischen Serovaren wird der Verlauf einer Infektion einerseits durch Virulenz und Erregermenge, andererseits durch Alter und Immunstatus der Tiere bestimmt. Zusätzliche Belastungsfaktoren begünstigen die Krankheitsentstehung und verkomplizieren den Krankheitsverlauf. Man unterscheidet eine intestinale Erregeransiedlung von einer extraintestinalen Organbesiedelung der Salmonellen, häufig betroffene Organe sind Leber und Milz. Bei sehr jungen Küken führt die Infektion sehr schnell zur intestinalen Kolonisation der Erreger und nachfolgend zur Ausbreitung in innere Organe. In dieser Altersgruppe treten deswegen nicht selten Todesfälle auf. Weitere Symptome sind erhöhtes Wärmebedürfnis und stark beeinträchtigtes Allgemeinbefinden der Küken.

Dagegen kommt es bei älteren Tieren, mit ausgeprägter Darmflora meist nur zur passageren Infektion oder Absiedelung in den Blinddärmen. Selten breiten sich die Erreger bei immunschwachen Tieren, hoher Virulenz oder extremer Erregermenge auch in andere Organe aus. Bei adulten Tieren gibt es meist nur unspezifische Hinweise auf eine Infektion. Dazu gehören verminderte Legeleistung, Mattigkeit, Somnolenz, Arthritis, leichter Durchfall und Abmagerung der Tiere. Todesfälle sind extrem selten.

Nach Absiedlung in den Blinddärmen kommt es zu intermittierenden Erregerausscheidung. Persistent infizierte Tiere, mit sogenanntem Carrier-Status sorgen für rasche Weiterverbreitung der Salmonellen im Bestand.

Diagnose

Bakteriologisch ist der Salmonellennachweis durch Anzüchtung auf geeigneten Nährmedien möglich. Ein serologischer Nachweis ist ebenfalls möglich. Dieser ist schneller, günstiger und insbesondere für die Herdendiagnostik sinnvoll. Optimalerweise sollten Serologie und Anzucht in Nährmedien kombiniert werden.

Im Falle von S. gallnarum und S.pullorum sind auch Frischblutagglutinationen zum Antikörpernachweis möglich, da gegen diese Serovare nicht geimpft werde darf. Gegen S. typhimurium und S. enteritidis ist ein bestimmtes Impfmanagement gesetzlich vorgeschrieben, deshalb kann der Antikörperachweis bei Infektionen mit diesen Serovaren nicht zu Rate gezogen werden. Es besteht ferner die Möglichkeit von Kreuzreaktionen, weshalb ein Antikörpernachweis auch im Falle der adaptierten Serovare möglichst nur in Kombination mit gleichzeitiger Anzüchtung interpretiert werden sollte.

Geeignetes Probenmaterial für die Anzucht von Salmonellen ist Kot, Blut bei septikämischen Erkrankungsformen, sowie Organmaterial im Falle von Organabsiedelungen.

Therapie

Im Falle einer akuten Infektion mit Salmonellen, muss der Einsatz von Antiinfektiva durchaus in Betracht gezogen werden, auch wenn der Einsatz von Antibiotika zur Behandlung von Salmonelleninfektionen sehr umstritten ist. Das Risiko der Entstehung von Dauerausscheidern kann durch lediglich gezielte Anwendung hochwirksamer Präparate über einen ausreichend langen Zeitraum und in adäquater Dosisierung minimiert werden

Als besonders effektiv haben sich Gyrasehemmer erwiesen, auch wenn selbst diese keine Erregerfreiheit der behandelten Tiere garantieren können, können sie die Morbidität und Mortalität erheblich senken. Eine orale Formulierung mit dem Wirkstoff Enrofloxacin, ein Gyrasehemmer aus der Wirkstoffklasse der Fluorchinolone, ist in oraler Form für diese Indikation zugelassen.

Prophylaxe

Prophylaktisch sind mit S. pullorum und S. gallinarium infizierte Tiere möglichst auszumerzen, besonders subklinische Dauerausscheider dürfen dabei nicht übersehen werden. Eine Impfung wäre prinzipiell denkbar, ist jedoch im Falle von S. pullorum und S. gallinarium verboten, da sie die serologische Diagnostik wertlos machen würde. Durch diese Bekämpfungsstrategie ist diese Form der Salmonellose beim deutschen Wirtschaftsgeflügel weitestgehend unter Kontrolle. In kleinen Extensivbetrieben taucht die Infektion dagegen noch häufiger auf. Da Wildvögelbestände jedoch ein dauerhaftes Reservoir für diese Erregern bilden, muss trotzdem auch weiterhin mit dem sporadischen Auftreten in Wirtschaftsgeflügelbeständen gerechnet werden. Die serologische Überwachung der Bestände und die möglichst konsequente Abschirmung freier Bestände ist daher äußerst wichtig.

Für die nicht adaptierten Serovare S. enteritidis und S. typhimurium gelten zwar im Allgemeinen die gleichen Prophylaxemaßnahmen - auf Grund ihrer großen Relevanz in der Lebensmittelindustrie sind die entsprechenden Maßnahmen jedoch in der Hühner-Salmonellen-Verordnung rechtlich verankert.

Rechtlicher Hintergrund

Die Hühner-Salmonellen-Verordnung von 2009 regelt die notwendigen Maßnahmen verbindlich. Im Einzelnen sind in der Verordnung für die jeweiligen Betriebsarten die Impfpolitik, Umfang und Art der Proben, sowie die Untersuchungsmethode und die Interpretation der Ergebnisse verankert. Ziel ist durch Eigenkontrolle und Meldung bei Auffälligkeiten die Salmonellenprävalenz zu minimieren.

Bedeutung der Infektion als Zoonose

S. enteritidis und S. typhimurium sind verantwortlich für die Salmonellenenteritis des Menschen. Es handelt sich bei dieser Erkrankung in den meisten Fällen um eine Lebensmittelinfektion, ausgehend von (rohem) Schweinefleisch oder (rohen) Eiern. Nur sehr selten ist direkter Tierkontakt ausschlaggebend. Die Inkubationszeit beträgt in der Regel nur wenige Stunden, dann kommt es zu Fieber, wässrigem Durchfall und Bauchschmerzen. In den meisten Fällen verläuft die Erkrankung harmlos und eine Behandlung mit Antibiotika ist nicht nötig, denn bei intaktem Immunsystem ist eine Antibiose abzulehnen, da sie das Risiko für die Entstehung von Dauerausscheidern erhöht.

Im Falle von Säuglingen oder Immunschwachen kann es jedoch auch zur septikämischen Allgemeinerkrankung mit schwererem Verlauf kommen. In solchen Fällen ist eine Antibiose oft das Mittel der Wahl. Werden Antibiotika verabreicht, gilt wie beim Tier der Grundsatz bestmöglichst wirksame Präparate über einen ausreichenden Zeitraum und in genügend hoher Dosierung zu verabreichen um das Risiko der Entstehung von Dauerausscheidern zu minimieren.

Prophylaktisch sollte darauf geachtet werden tierische Lebensmittel gekühlt zu lagern und vor Verzehr ausreichend zu erhitzen. Es besteht Meldepflicht für die Erkrankung beim Menschen.