Rotlauf

Mit „Rotlauf“ wird dem Namen nach eine Erkrankung bezeichnet, die mit geröteten Hauterscheinungen im Sinne eines Erysipeloids einhergeht. Ausgelöst wird Rotlauf durch das Bakterium Erysipelothrix rhusiopathiae, wobei der Hauptwirt des Erregers das Schwein ist. Rotlaufinfektionen treten aber auch bei Puten, Enten, Legehennen und anderen Vogelarten auf und zählen zu den Zoonosen.

Erreger

Erysipelothrix rhusiopathiae gehört zur Familie Erysipelotrichaceae und zur Gattung Erysipelothrix. Es ist ein überwiegend Gram-positives, allerdings teilweise auch Gram-labiles, nicht sporenbildendes Stäbchenbakterium, das unbeweglich ist und aerob sowie fakultativ anaerob wächst. Es existieren verschiedene Serovare, von größter Bedeutung sind Serovar 1 und 2, die im Gegensatz zu den übrigen Serovaren neben Wundinfektionen und Erysipeloiden auch schwerere Symptome bis hin zu Septikämien verursachen können. Serovar 1 ist unterteilt ist in die Typen 1a und 1b, Serovar 2 in die Typen 2a und 2b. Im Zusammenhang mit der Infektion wird die humorale und zelluläre Immunität stimuliert. Es ist eine Kreuzimmunität zwischen den Serotypen vorhanden.

Die Tenazität von Erysipelothrix rhusiopathiae ist sehr hoch; der Keim überlebt in Lebensmitteln tierischer Herkunft, auch wenn diese gepökelt, gesalzen oder geräuchert wurden. In Tiermehlen überlebt er Jahre und in kontaminierter Umwelt mehrere Monate. Erysipelothrix rhusiopathiae ist zwar kein ubiquitärer Keim, jedoch durchaus in der Haltungsumwelt von Nutztieren vorhanden. Er kann auch bei gesunden Tieren des öfteren auf den Tonsillen nachgewiesen werden.

Übertragung

Die Erregerübertragung erfolgt in erster Linie durch den Kontakt mit infizierten Tieren und ist auch vom Schwein auf das Geflügel möglich. Eine bedeutende Übertragungquelle stellt aber auch kontaminierte Einstreu dar. Die Infektion erfolgt oral über das Picken, die Luft sowie Hautverletzungen. Virulente Stämme sind primär invasiv, ihnen dienen die Schleimhäute als Eintrittspforte, während weniger virulente Stämme vor allem zu Wundinfektionen führen.

Klinisches Erscheinungsbild

Rotlauf kann in betroffenen Betrieben zu einem wiederkehrenden Problem werden. Diese Faktorenkrankheit kommt beim Wirtschaftsgeflügel, insbesondere in der heißen Jahreszeit bei abrupten Temperaturwechseln wie etwa bei Gewittern vor.

Insgesamt können drei Verlaufsformen beobachtet werden: Perakuter, akuter und chronischer Verlauf.

Bei der perakuten Verlaufsform kommt es zur Septikämie mit unspezifischen Symptomen wie Fieber. Die Tiere sterben in der Regel innerhalb von wenigen Stunden, allerdings ist diese Verlaufsform beim Geflügel äußerst selten.

Bei Puten ist der Verlauf meist akut, aber ebenfalls septikämisch, wobei die Erkrankung meist plötzlich und mit einzelnen Todesfällen auftritt. Die Futteraufnahme sinkt, der Kot ist gelblich bis grünweiß verfärbt, die nackte Kopfhaut rot leuchtend bis violett verfärbt und bei Hähnen lassen sich Somnolenz, sowie zyanotische und geschwollene Stirn- und Nackenwülste beobachten.

Bei Hühnern, Enten, Fasanen, Wachteln und gelegentlich auch bei Puten treten chronische Verlaufsformen auf mit allgemeiner Schwäche und Diarrhoe. Auch hier sind Todesfälle möglich.

Diagnose, Prophylaxe und Therapie

Eine Verdachtsdiagnose wird aufgrund der klinischen Symptomatik gestellt, ein mikroskopischer Direktnachweis und die Erregeranzucht aus Probenmaterial sind schwierig. Bei der Rotlauf-Bekämpfung sind die Erregerreservoire einzubeziehen. Eine aktive Impfung ist möglich, Impfstoffe sind sowohl für Hühner als auch für Puten erhältlich. Eine passive Immunisierung ist durch den Einsatz von „Rotlauf-Serum“ möglich, dieses wird aus Pferdeserum gewonnen, da Pferde als relativ resistent gegen den Erreger gelten.

Als Zoonose betrifft die Infektion vor allem bestimmte Berufsgruppen, wie Tierärzte, Schlachthofpersonal, Fleischer und Köche. Hier ist ein hoher Hygienestandard prophylaktisch wichtig. In der Regel verläuft die Erkrankung beim Menschen harmlos mit Entwicklung eines lokalen Erysipeloids. Es sollte jedoch unbedingt ein Arzt zu Rate gezogen werden um schwerere Verlaufsformen zu vermeiden.

Medikamentös kann mit Antibiotika behandelt werden. Hier ergibt sich der Vorteil, dass der Erreger kaum Resistenzen zeigt. Geeignet sind Penicilline und auch Fluorchinolone. Geeignete Präparate sind auch in oralen Formulierungen verfügbar, dadurch wird die Behandlung ganzer Tiergruppen erleichtert.