Pasteurellen

Pasteurellen

Die aviäre Pasteurellose, auch Geflügelcholera oder „Läppchenkrankheit“ genannt ist eine hochkontagiöse Allgemeinerkrankung der Vögel, die zu den verlustreichsten Infektionskrankheiten beim Wirtschaftsgeflügel zählt. Betroffen sind alle Geflügelarten und auch viele Wildvögel aller Altersklassen, insbesondere dann wenn zusätzlich andere Stressfaktoren vorliegen. Am empfänglichsten sind Puten, am wenigsten empfänglich Tauben. Die Letalität ist mit bis zu 95% extrem hoch.

Erreger

Ausgelöst wird die Geflügelcholera durch Pasteurella multocida, einem gramnegativen, fakultativ anaeroben, unbewegliches Stäbchen aus der Familie der Pasteurellaceae. Nach den in der Kapsel vorkommenden Proteinen werden verschiedene Subtypen von Pasteurella multocida unterschieden. Bei Puten dominiert der Kapseltyp F mit den O-Antigenen 1, 3, 4, 5 und 7, während bei den anderen Vogelarten der Kapseltyp A mit den O-Antigenen 1, 3 und 4 dominiert. Pasteurella multocida ist wirtsspezifisch, kann jedoch auch von anderen Spezies beherbergt werden, ohne dass diese erkranken.

Übertragung

Betroffen sind alle Altersklassen. Die Erregerübertragung erfolgt über direkten oder indirekten Kontakt mittels belebter oder unbelebter Vektoren. Der Erreger kann beispielsweise durch andere Tierarten, wie Nagetiere eingeschleppt werden, denn Pasteurellen kommen häufig in der Maulschleimhautflora von Fleischfressern und Nagern vor. Innerhalb der Herde breitet sich der Erreger dann vor allem durch den direkten Kontakt der Tiere untereinander, sowie über kontaminiertes Futter, Wasser und Kot aus. Schleimhäute und Hautwunden dienen den Pasteurellen hierbei als Eintrittspforte. Latent infizierte Tiere stellen ein Erregerreservoir dar.

Klinisches Erscheinungsbild

Die Inkubationszeit beträgt wenige Stunden bis 9 Tage.

Insgesamt lassen sich drei Verlaufsformen der Erkrankung unterscheiden, die perakute, die akute und die chronische Verlaufsform.

Bei der perakuten Verlaufsform kommt es zu plötzlichen Todesfällen, ohne dass vorher Krankheitssymptome aufgetreten sind. Als Ursache dafür gilt ein hochgradiger Endotoxinschock, da auch pathologisch-anatomisch in der Sektion kaum Organveränderungen nachzuweisen sind.

Bei der akuten Verlaufsform zeigen die Tiere deutlichere Symptome wie Mattigkeit, verringerte Futteraufnahme, Dyspnoe, Diarrhoe, Zyanose der Kopfanhänge, Unterhautödeme und blutigen Nasenausfluss. Auch plötzliche Todesfälle treten auf, jedoch erst nach vorherigen Krankheitssymptomen. Die Morbidität beträgt bis zu 50%.

Bei der chronischen Verlaufsform kommt es zum deutlichen Leistungsrückgang, zu Ataxie, Schnupfen, Gelenkentzündungen, Torticollis, Lähmungen und zu Entzündungen der Kopfanhänge wie Kamm und Kehllappen, weshalb die Krankheit auch als „Läppchenkrankheit“ bezeichnet wird. Durchfall tritt nur gelegentlich auf. Die Letalität ist bei der chronischen Verlaufsform gering.

Diagnose, Prophylaxe und Therapie

Eine Verdachtsdiagnose kann aufgrund des klinischen Erscheinungsbildes gestellt und meist erst durch die Sektion eines verendeten Tieres bestätigt werden. Typische Sektionsbefunde sind petechiale Blutungen im Bereich der Trachea und des Herzens, sowie Hepatitiden, Leberödeme und Enteritiden.

Eine Behandlung erkrankter Tiere bleibt oft erfolglos, sodass in erster Linie prophylaktisch vorgegangen werden sollte. Hierbei stehen die Verbesserung der Haltungsbedingungen und die strenge Kontrolle importierten Geflügels im Vordergrund. Metaphylaktisch kann eine Antiobiotikatherapie gefährdeter Kontakttiere durchgeführt werden, ansonsten wird die sofortige Keulung des Bestandes empfohlen, mit anschließender gründlicher Reinigung und Desinfektion der Ställe und Geräte. Als Desinfektionsmittel kann zum Beispiel Chlorkalk verwendet werden (DVG-Liste!). Wird doch eine Therapie angestrebt eignen sich Sulfadimethoxinlösung oder Fluorchinolone. Aus der Gruppe der Fluorchinolone steht Baytril zur Verfügung. Baytril hat gegenüber den Sulfadimethoxinlösungen den großen Vorteil, dass es nicht i. v. sondern oral verabreicht werden kann, dadurch ist eine einfache und günstigere Behandlung mehrerer Tiere möglich.