Fallbericht zum Thema Vektorenkrankheiten des Hundes: Leishmaniose bei einem Bobtailrüden

Abb. 1: Stuc, an Leishmaniose erkrankter Bobtailrüde
aus Spanien (Aufnahme Klinik für kleine Haustiere,
Freie Universität Berlin)

Anamnese

Stuc ist ein ca. 8 Jahre alter Bobtailrüde aus Berlin. In Spanien geboren,kam er 2006 über eine Tierschutzorganisation nach Deutschland. Im Januar und Februar 2011 stellten die Besitzer fest, dass Stuc bei der Nasenatmung röchelte. Der Besuch beim Haustierarzt ergab den Verdacht auf einen Nasenpolypen, unter Kortisongabe verschwand das Röcheln. Im April 2011 wurde Stuc in der Klinik für kleine Haustiere der Freien Universität Berlin vorstellig, da Stuc zunehmend Röchelund Atemnotanfälle bekam. Der Hund wurde zur endoskopischen Untersuchung wegen Verdacht auf einen Nasentumor überwiesen.

Klinische Untersuchung

Stuc war während der allgemeinen Untersuchung ruhig und aufmerksam. Die Atem- und Pulsfrequenz sowie die Rektaltemperatur lagen im Normalbereich. Die sichtbaren Schleimhäute waren feucht und blassrosa, Stucs Abdomen war weich und nicht schmerzhaft. Alle tastbaren Lymphknoten waren vergrößert. Außerdem röchelte Stuc bei der Atmung.

Labordiagnostik

Das Blutbild ergab eine leichte Blutarmut, zudem waren die Blutplättchen, die für die Blutgerinnung mitverantwortlich sind, erniedrigt. Die Blutchemie ergab einen erhöhten Anteil an Gesamteiweiß und Globulinen im Blut, wie es bei chronischen Entzündungen oder Infektionskrankheiten der Fall sein kann.

Bei der bildgebenden Diagnostik (Röntgen-, Ultraschalluntersuchung) wurde eine vergrößerte Milz festgestellt. Da der Hund aus Griechenland kam und aufgrund der veränderten Labor- und Ultraschallbefunde wurde zunächst eine molekularbiologische und serologische Untersuchung auf verschiedene Infektionserreger eingeleitet. Die serologische Untersuchung mittels IFAT (Immunfluoreszenz-Antikörper- Test) ergab einen sehr hohen Gehaltan Antikörpern gegen Leishmanien im Blut. Die Diagnose Leishmaniose wurde durch die zytologische Untersuchung eines Punktats eines Kniefaltenlymphknotens gesichert.

Es ließen sich zahlreiche Leishmanien innerhalb und außerhalb von Makrophagen finden.

Diagnose

Stuc leidet an Leishmaniose, einer durch die Sandmücke übertragenen Krankheit. Infiziert hat sich Stuc vermutlich in seinen ersten Lebensjahren in Spanien durch einen Mückenstich. Die Zeit, die von einer Infektion bis zum Ausbruch dieser Krankheit vergeht, kann bis zu sieben Jahren betragen.

Die Leishmaniose kann zu den verschiedensten Symptomen führen wie vergrößerte Lymphknoten, Milzvergrößerung, Gewichtsverlust, Schwäche, Durchfall, Erbrechen, Husten, Niesen, Nasenbluten, Entzündungen der Lidbindehäute oder Hautveränderungen. Das Röcheln bei Stuc kann durch eine Entzündung und Schwellung der Nasen- und Rachenschleimhäute hervorgerufen worden sein. Äußerlich waren bei ihm nur die vergrößerten Lymphknoten auffällig.

Typische Veränderungen der Laborwerte sind eine Verringerung der roten und weissen Blutkörperchen und der Blutplättchen sowie eine erhöhte Globulinkonzentration im Blut. Erhöhte Nieren- und Leberwerte kommen vor. Bei Stuc lag eine Hyperglobulinämie, eine leichte Blutarmut sowie eine erniedrigte Anzahl an Blutplättchen vor.

Therapie

Stuc bekam zunächst Allopurinol verschrieben. Allopurinol ist ein Medikament, das in der Humanmedizin auch zur Behandlung der Gicht eingesetzt wird. Da sich nach 4 Wochen die klinischen und Laborveränderungen zwar gebessert aber nicht normalisiert hatten, erhielt Stuc zusätzlich Miltefosin. Miltefosin hemmt die Biosynthese der Zellmembran von Leishmanien und kann dadurch den Zelltod der Parasiten auslösen. Mögliche Nebenwirkungen, die bei Stuc aber nicht auftraten, sind Erbrechen und Durchfall.

Medikamente wie Allopurinol und Miltefosin werden gegeben, um den Stoffwechsel der Parasiten und damit auch ihre Vermehrung zu hemmen. Nur selten gelingt jedoch die völlige Elimination der Leishmanien aus dem Organismus. Wiederkehrende Krankheitsschübe kommen deshalb häufig vor. Somit ist eine lebenslange Therapie meist unumgänglich.

Krankheitsverlauf

Stuc wurde in den folgenden Monaten anfangs täglich, später wöchentlich und danach nur noch alle 4 Wochen zur Kontrolle in der Klinik vorgestellt.

Da sich die Laborwerte nicht normalisierten, wurde eine 4-Wochen-Kur mit Miltefosin durchgeführt. Bei seinem letzten Termin im Dezember 2011 ging es Stuc gut.

Trotzdem muss er etwa alle 3 Monate in der Klinik kontrolliert werden, da erneute Krankheitsschübe auftreten können und entsprechend behandelt werden müssen.

Fazit

Die Leishmaniose ist vor allem in Mittelmeerländern endemisch, da hier Sandmücken leben. Diese sind Überträger der Leishmaniose und bevorzugen warme Temperaturen. In Deutschland sind nur sehr wenige Fälle von erkrankten Tieren ohne vorherigen Auslandsaufenthalt beschrieben. Leishmanien sind Protozoen, die sich in den weißen Blutkörperchen des Hundes vermehren.

Abb. 3: Sandmücke (Phlebotomus papatasi), Überträger
der Leishmaniose (Aufnahme Institut für Parasitologie
und Tropenveterinärmedizin, Freie Universität Berlin)

Sie rufen eine starke Immunreaktion mit Antikörperbildung und Proliferation von für die Immunabwehr wichtigen Organen, wie der Milz, hervor. Durch den vermehrten Tourismus und den Import von Hunden aus Mittelmeerländern kommen mittlerweile auch in Deutschland gehäuft Fälle von Leishmaniose vor. Hunde, die aus Endemiegebieten nach Deutschland kommen, sollten frühestens 6-8 Wochen nach Import auf Antikörper gegen Leishmaniose-Erreger untersucht werden. Desweiteren sollte auf alle anderen relevanten Erreger wie Babesien, Ehrlichien und Dirofilarien getestet werden.

Um Hunde bei Reisen in südliche Länder zu schützen ist darauf zu achten, insektenabwehrende Spot On-Präparate oder Halsbänder zu nutzen sowie während der Hauptaktivitätszeit der Sandmücke, nämlich Sonnenauf- und untergang, den Hund möglichst nicht ins Freie zu lassen. Denn ist der Hund einmal an Leishmaniose erkrankt, ist er meist sein Leben lang auf Medikamente angewiesen.

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Literatur

European Scientific Counsel Companion Animal Parasites (ESCCAP): http://www.esccap.de/home/

Hirsch, M. and Pantchev, N. (2008). " Vorkommenshäufigkeit der Reisekrankheiten Leishmaniose, Ehrlichiose, Babesiose und Dirofilariose bei in Deutschland lebenden Hunden." Kleintierpraxis, 53 (3): 154-165.

Kellermeier, C., Burger, M., Werner, H., Schein, E. und Kohn, B. (2007). "Autochthone Leishmaniose bei zwei Hunden aus Brandenburg." Kleintierpraxis, 52 (10): 646-653.

Verfasser:

Schreiber, C. 1,2 Krücken, J. 2, von Samson-Himmelstjerna, G. 2 Kohn, B. 1

1Klinik und Poliklinik für Kleine Haustiere, Fachbereich Veterinärmedizin, Freie Universität Berlin

2Institut für Parasitologie und Tropenveterinärmedizin, Fachbereich Veterinärmedizin, Freie Universität Berlin