Untersuchungsergebnis abhängig von Probengewinnung

Das Untersuchungsergebnis ist abhängig von der sorgsam gewonnenen und vorbereiteten Urinprobe!

In der Tiermedizin gestaltet sich die Gewinnung einer Harnprobe meist deutlich schwieriger als die Gewinnung einer Blutprobe. Je nach verwendeter Methode besteht einerseits erhöhte Verschmutzungsgefahr des Urins, andererseits erhöhte Gefahr, das Tier bei der Urinentnahme zu verletzen.

1. Auffangen von Spontanharn

Diese Methode ist für den Patienten komplikationslos und kann auch vom Tierbesitzer durchgeführt werden. Besonders einfach ist diese Methode generell bei Rüden, erheblich schwieriger bereits bei Hündinnen und Katzen.

Urinproben, die auf diese Weise gewonnen werden, sind häufig verunreinigt mit Zellen, Bakterien oder sogar Schmutz und Haaren, die aus dem äußeren Genitaltrakt oder der Umgebung der Harnröhrenöffnung stammen. Diese Proben eignen sich demnach nicht zur bakteriologischen Untersuchung. Sie sind in der Regel ausreichend für die chemische Untersuchung (zum Beispiel: Bestimmung des Glucosegehaltes)

Da generell der Anfangsstrahl am stärksten kontaminiert ist, sollte möglichst der Mittelstrahlurin aufgefangen werden.

2. Auffangen des Urins nach manueller Kompression der Blase

Bis auf eine recht geringe Gefahr, die Blase durch zu großen Druck zu verletzen, ist auch diese Methode für den Patienten ungefährlich. Sie wird in der Praxis häufig bei Katzen angewendet, die in den meisten Fällen nach einigen Minuten (mäßiger!) Dauerkompression der einigermaßen gefüllten Blase, Urin absetzen.

Die Kontaminationsgefahr der Probe ist ähnlich hoch wie beim Auffangen von Spontanharn.

3. Katheterharn

Generell unproblematisch ist die Gewinnung von Katheterharn beim Rüden. Aufwendiger, meist jedoch noch ohne vorherige Sedierung möglich, ist dieses Vorgehen bei der Hündin. Kater und Kätzin müssen in den allermeisten Fällen sediert werden.

Der Grad der Verunreinigung ist geringer, jedoch besteht die Gefahr der bakteriellen Infektion durch die Katheterisierung.

Das Verwenden steriler Katheter und möglichst aseptisches Arbeiten ist wichtig.

4. Zystozenteseharn

Diese Probengewinnung – auch Blasenpunktion genannt - eignet sich am besten, wenn der Urin bakteriologisch untersucht werden soll.

Bei dieser Methode wird die von außen manuell fixierte Blase durch die Bauchdecke hindurch punktiert und Urin mit der aufgesetzten Spritze aspiriert. Zur Absicherung kann man gleichzeitig eine Ultraschallkontrolle durchführen.

Viele Patienten, insbesondere Hündinnen und Katzen, tolerieren dieses Vorgehen eher als das Schieben eines Katheters.

  • Sammelgefäße

Urinbecher müssen sauber, trocken und gut verschließbar sein. Marmeladegläser oder Kosmetiktöpfe, in denen immer wieder durch Besitzer aufgefangener Urin zur Untersuchung gebracht wird, sind absolut ungeeignet, da selbst minimale Rückstände von Inhalten oder Reinigern die Probe verändern können.

Sterile Sammelgefäße sind bei bakteriologischen Untersuchungen erforderlich.

Es sollten möglichst mindestens 5-10ml Urin zur Verfügung stehen.

Um Verwechslungen zu vermeiden, müssen Probengefäße immer deutlich gekennzeichnet sein.

  • Lagerung von Proben

Lagerung von Urinproben ist immer problematisch:

  • Vorhandene Kristalle können sich auflösen.
  • Durch die Lagerung können sich aber auch Kristalle bilden (!).
  • Bei ungekühlter Lagerung kann es zur Vermehrung von Bakterien kommen.

Ist die Untersuchung einer Probe nicht innerhalb von ½ Stunde möglich, sollte sie im Kühlschrank aufbewahrt werden. Vor der Untersuchung muss sie dann wieder auf Zimmertemperatur gebracht und vorsichtig durchmischt werden.

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