Kristalle

Sediment im Mikroskop: Kristalle

Prinzipiell gilt: Zur Kristallbildung im Urin kommt es, wenn er mit kristallbildenden Mineralien übersättigt ist.

Kristalle in geringen Mengen sind normale Bestandteile des Urinsediments bei gesunden Hunden und Katzen, das heißt, das Vorhandensein von Kristallen im Urin lässt nicht direkt auf das Vorhandensein entsprechender Blasensteine schließen.

Aber: Es weist möglicherweise auf ein potentielles Risiko der Entstehung hin.

Bei Hunden und Katzen, die vorberichtlich an Blasensteinen erkrankt sind, kann man mit Hilfe der Kristalle Rückschlüsse auf die Zusammensetzung der Blasensteine ziehen.

Aber: Nicht alle Tiere, die Blasensteine haben, haben auch Kristalle im Urin.

Kristallart und Zusammensetzung des Blasensteins müssen nicht zwingend übereinstimmen!

Verlässlich ist nur die Analyse der Steine selbst.

Eine besondere Rolle spielt die Untersuchung auf Kristalle therapiebegleitend, wenn Steine durch entsprechende Diäten aufgelöst werden sollen oder bei vorbeugenden Maßnahmen im Anschluss an eine operative Entfernung von Blasensteinen.

Kristalle können auch durch die Lagerung von Urinproben entstehen.

Die alleinige Feststellung von Urinkristallen rechtfertigt keine Therapie.

Faktoren, die die Bildung von Kristallen beeinflussen:

1. Im Organismus

  • der pH-Wert des Urins
  • die Ernährung
  • die Trinkwasseraufnahme
  • (angeborene) Stoffwechselerkrankungen
  • Medikamente (zum Beispiel Sulfonamide)

2. bei der Lagerung der Probe

  • Umgebungstemperatur
  • Dauer der Lagerung
  • Vorgehen bei der Probenaufbereitung, zum Beispiel Zentrifugation

Es gibt verschiedene Arten von Kristallen, wobei auch mehrere verschiedene in einer Urinprobe auftreten können, zum Beispiel:

Struvitkristalle, „Tripelphosphate“:

Vorkommen:
Bei Hunden und Katzen mit Blasensteinen. Struvitsteine sind die bei Hunden und Katzen am häufigsten auftretenden Blasensteine

Bei Hunden und Katzen mit Harnwegsinfektionen.

Sie können auch bei gesunden Hunden und Katzen auftreten.

Aussehen:
Farblose, sargdeckelähnliche Kristalle mit 3-6 Seiten und schrägen Enden

pH-Wert:
neutral bis alkalisch

Struvitkristalle lösen sich in saurem Urin auf.

Kalziumoxalatkristalle:

Vorkommen:
Bei Hunden und Katzen mit Blasensteinen, die vorwiegend aus Kalziumoxalat bestehen.

Bei Hunden mit Ethylenglykolvergiftung. (Ethylenglykol wird als Frostschutzmittel verwendet und aufgrund seines süßen Geschmacks immer wieder von Hunden aufgenommen)

Sie können auch bei gesunden Hunden und Katzen auftreten.

Aussehen:
Kleine, klare, farblose Oktaeder, „Briefumschläge“ (Kalziumoxalat-dihydrat)

Manchmal auch hantel- oder ringförmig oder sechsseitig (Kalziumoxalat-monohydrat)

pH-Wert:
sauer, neutral bis leicht alkalisch

Uratkristalle, Harnsäurekristalle:

Vorkommen:
Sie treten auf bei Hunden mit Pfortaderanomalien, bei Dalmatinern und Englischen Bulldoggen und bei Hunden und Katzen mit Uratsteinen.

Sie sind selten bei gesunden Hunden und Katzen.

Aussehen:
Ammoniumurat: Kugelförmige braune oder gelbbraune Körperchen teils mit langen Vorsprüngen („Stechapfelform“)

Typisch sind auch diamantförmige oder rhombische Plättchen, die konzentrische Ringe enthalten können.

Natriumurat: farblose bis gelbliche Nadeln.

Sie können einzeln oder als Aggregate zusammengesetzt auftreten.

pH-Wert:
leicht sauer, neutral oder alkalisch

Zystinkristalle:

Vorkommen:
Bei Hunden mit genetisch bedingter vermehrter Ausscheidung der Aminosäure Zystin. Häufig bilden sich bei diesen Hunden auch Zystinsteine in der Harnblase. Eine Prädisposition ist bei Dackel, Englische Bulldogge, Neufundländer, Staffordshire Bullterrier, Welsh Corgi und Basset vorhanden.

Aussehen:
Farblos, sechseckig, häufig in Schichten übereinander gelagert.

pH-Wert:
sauer


Xanthinkristalle:

Vorkommen:
Bei Hunden nach Verabreichung von Allopurinol (Langzeittherapie bei Leishmaniose!)

Können bei gesunden Katzen vorkommen.

Aussehen:
Gelbbraune Kügelchen; von einigen Uratkristallen kaum zu unterscheiden.

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