Der erste Eindruck: Menge, Farbe, Transparenz, Geruch

Der erste Eindruck: Menge, Farbe, Transparenz, Geruch

1. Menge

Ein gesunder Hund produziert pro Tag 20-40ml Urin pro Kilogramm Körpergewicht. Eine exakte Messung der Tagesgesamtmenge gelingt nur bei strikter Käfighaltung und ist nur bei ganz speziellen Krankheitsbildern erforderlich.

  • Polyurie: Produktion und Ablassen großer Mengen von Urin

Polyurie ist häufig die Folge der Polydipsie, das heißt, der erhöhten Aufnahme von Wasser.

Je nach Futter und Bewegung ist die Trinkwassermenge unterschiedlich, sollte beim Hund aber nicht mehr als 90ml/kg Körpergewicht und Tag und bei der Katze nicht mehr als 45ml/kg Körpergewicht und Tag betragen.

Polydipsie / Polyurie kommen vor bei Diabetes, Morbus Cushing, Nierenversagen, Lebererkrankungen, Pyometra.

Die Verabreichung von Medikamenten wie zum Beispiel von Corticosteroiden kann ebenfalls Polydipsie / Polyurie verursachen.

Die Verabreichung von entwässernden Medikamenten, Diuretika, oder die Infusion großer Flüssigkeitsmengen führt zur Polyurie generell ohne Polydipsie.

  • Oligurie: Produktion und Absetzen zu geringer Mengen von Urin

Geringe Mengen von hochkonzentriertem Urin werden zum Beispiel bei Trinkwassermangel oder bei Schockzuständen produziert.

Akutes Nierenversagen kann ebenfalls eine Oligurie verursachen.

Eine Sonderform der Oligurie liegt vor, wenn die Tagesmenge des produzierten Urins normal ist, dieser aber immer nur in kleinen Mengen abgesetzt wird. Ursachen dafür können schmerzhafte Blasenentzündungen oder Verengungen der harnableitenden Wege durch Polypen, Tumore oder Blasensteine, Harnröhrensteine oder –gries sein. Man spricht dann auch von „Dysurie“.

Ein Harnröhrenverschluss oder auch eine Blasenruptur führt schließlich zum völligen Sistieren des Harnabsatzes der „Anurie“.

2. Farbe

Je nach Konzentration ist die Farbe des Urins hellgelb bis bräunlich-gelb. Wird Urin längere Zeit bei Zimmertemperatur aufbewahrt, wird er dunkler.

Verschiedene Futtermittel und Medikamente können zu Farbveränderungen führen.

Zu besonders deutlichen Farbveränderungen kommt es, wenn Erythrozyten, Hämoglobin oder Bilirubin (zum Beispiel bei der Babesiose des Hundes!) mit dem Urin ausgeschieden werden. In diesen Fällen variiert die Urinfarbe von rot bis schwarzbraun („colafarben“).

3. Transparenz

Frisch abgesetzter Urin sollte völlig transparent und ohne sichtbare Schwebeteilchen, Flocken oder Ausfällungen sein.

Bei gesunden Katzen können Fetttröpfchen, Lipide, zu Trübungen führen.

Im Urin, der länger gelagert wird oder im Kühlschrank aufbewahrt wird, können Kristalle ausfallen und zu Trübungen führen.

Bei aufgefangenem Spontanharn sind Verschmutzungen möglich.

Bei bakteriellen Infektionen kann es zu Trübungen kommen.

4. Geruch

Urin hat bekanntermaßen einen typischen Eigengeruch, der von Tierart zu Tierart (Pflanzenfresser: Fleischfresser) variiert und insbesondere bei unkastrierten Katern extrem ist.

Bakterielle Infektionen des Harntraktes, Verabreichung von Medikamenten oder die Ausscheidung von Ketonkörpern (Ketonurie) beim Diabetiker können zu Veränderungen des Geruchs führen.

AWB-2142148100