Gefäßsystem der Nieren

Gefäßsystem der Nieren

Die Ernährung der Niere erfolgt über das funktionelle Blutgefäßsystem.

Es strömen etwa 20% des Herzminutenvolumens durch die Nieren. Dies stellt eine ganz erhebliche Menge dar, die es der Niere erlaubt rasch auf Änderungen im extrazellulären Milieu zu antworten und dadurch schnell regulierend einzugreifen.

Innerhalb der Niere ist die Blutverteilung jedoch höchst unterschiedlich: während die Nierenrinde von rund 75 % der genannten Blutmenge durchströmt wird, sind es im rindennahen Bereich des Marks nur mehr rund 20 %. Lediglich 5 % erreichen die tiefen Anteile des Nierenmarks, obwohl diese etwa 25 % der Nierenmasse ausmachen.

Das bedeutet, dass die Nierenrinde vorwiegend aeroben Stoffwechsel betreibt, das Nierenmark hingegen überwiegend anaeroben. Aus diesem Grund reagieren bei einer Störung der Sauerstoffversorgung die Zellen im Nierenmark deutlich empfindlicher.

Die Nierenarterien entspringen aus der Aorta abdominalis und verlaufen auf kürzestem Weg zum Nierenhilus. Unmittelbar vor dem Eintritt verzweigt sich die Nierenarterie in mehrere Äste, die Arteriae interlobares (Abb. 6/Ai). Diese liegen in den Ausbuchtungen des Nierenbeckens (Abb. 5/Nbb).

Sie verlaufen in die Tiefe der Niere und gehen an der Grenze zwischen Nierenmark und -rinde in mehrere bogenförmige Arterien über, die Arteriae arcuatae (Abb. 6/Aa).

Diese geben ihrerseits die Arteriae interlobulares ab (Abb. 6/Ail), die strahlenförmig in der Nierenrinde nach außen verlaufen und zahlreiche Vasa afferentia (Abb. 6/aff) abgeben, die zu den Nierenkörperchen ziehen und dort die Glomerula bilden.

Die Vasa efferentia (Abb. 6/eff) der marknahen Glomerula beteiligen sich an der Versorgung des Nierenmarks (Abb. 6/Mg), die weiter außen gelegenen Arteriolen geben ihr Blut in das Kapillarnetz der Nierenrinde (Abb. 6/Rg) ab, das den Tubulus-Apparat versorgt.

Ein entscheidender Punkt der Blutgefäßversorgung des Glomerulums ist der Umstand, dass sowohl das zuführende (afferente) als auch das abführende (efferente) Gefäß arterieller Natur ist. Das bedeutet, dass über die Kontraktion der glatten Muskulatur in der Gefäßwand der Filtrationsdruck im Glomerulum reguliert werden kann. Dies ist notwendig, weil der Arbeitsdruck im Glomerulum innerhalb vergleichsweise enger Grenzen gehalten werden muss. Wenn beispielsweise der Blutdruck im großen Kreislauf und damit auch in den Nierenarterien zu sehr ansteigt (bis zu 200 mm Hg beim Menschen), können die afferenten Gefäße den Zufluss des Blutes zum Glomerulum drosseln und so dessen Beschädigung verhindern. Im umgekehrten Fall – bei Abfall des Blutdruckes – können die efferenten Gefäße den Druck im Glomerulum erhöhen, indem sie sich kontrahieren und dadurch das Blut „zurückstauen“. Bei einem Abfall unter einen kritischen Blutdruckwert funktioniert diese so genannte Autoregulation nicht mehr (unter 70 mm Hg bei der Katze).

Der venöse Abfluss erfolgt über die Venulen, die zu Venae interlobulares (in der Nierenrinde; Abb. 6/Vil), Venae arcuatae (an der Grenze zwischen Nierenrinde und –mark; Abb. 6/Va) und schließlich zu Venae interlobares (Abb. 5/Nbb; Abb. 6/Vi) zusammenfließen. Der weitere Abfluss erfolgt über die Vena renalis, die am Nierenhilus aus der Niere austritt und in die Vena cava caudalis mündet. Am Nierenhilus münden die oberflächlichen venösen Kapselgefäße (Venae capsulares; Abb. 2/b, Kv) ebenfalls in die Vena renalis.

Die einzelnen venösen Abschnitte stehen über zahlreiche Verbindung miteinander in Kontakt, während die Arterien Endarterien darstellen (Abb. 6). Das bedeutet, dass Blutgerinsel im arteriellen Blutfluss mit den immer kleineren Durchmessern der Gefäße stecken bleiben und deswegen in der Niere Infarkte gehäuft vorkommen.

AWB-2142148100