akute Niereninsuffizienz (ANI)

Akute Niereninsuffizienz

Definition

Mit "akuter Niereninsuffizienz" bezeichnet man den plötzlichen, teilweisen oder totalen Ausfall der Nierenfunktion.

Vorkommen, Ursachen

Im Vergleich zur chronischen Niereninsuffizienz ist der akute Verlust der Nierenfunktion wesentlich seltener.

Je nach Lokalisation der Ursache spricht man von einer:

  • prärenalen ANI

-wenn Erkrankungen, die der Niere "vorgeschaltet" sind, für das Nierenversagen verantwortlich sind.

Beispiele: verminderte Durchblutung der Nieren durch Kreislaufschock oder im Verlauf einer Narkose.

  • renalen ANI

-wenn das Nierengewebe geschädigt wird durch

  • körpereigene Giftstoffe, die zum Beispiel im Zusammenhang mit Darmverschluss, Bauchfellentzündung oder Pyometra entstehen.
  • Äußere (Gift-) Stoffe, die vom Tier aufgenommen werden, wie zum Beispiel Äthylenglykol (süß schmeckendes Frostschutzmittel), Thallium (Rattengift), Rosinen, Antibiotika, Schmerzmittel.
  • Infektionen, zum Beispiel mit Leptospiren.
  • Verletzung der Niere durch ein Trauma, zum Beispiel Autounfall
  • postrenalen ANI

-wenn die Krankheitssymptome durch eine Harnabflussstörung verursacht werden.

Beispiele: durch Harnröhrensteine oder Abriss eines Harnleiters infolge eines Unfalls.

Klinische Symptome

Je nach Ursache können die Symptome variieren und der Verlauf akut oder sogar perakut (außergewöhnlich schnell auftretend) sein.

Häufige Symptome sind:

  • Allgemein: Fieber, Schwäche, Depression, Appetitlosigkeit, Austrocknung (Dehydratation)
  • Verdauungsapparat: Erbrechen, Durchfall, Magen - Darmblutungen, Mundgeruch
  • Blut: Gerinnungsstörungen, Blutungsneigung, blutiger Kot, blutiger Urin.
  • Je nach Ursache und Verlauf, Absetzen großer Mengen unkonzentrierten Urins oder aber das völlige Sistieren des Urinabsatzes!
  • Im Endstadium: Koma, Tod

Diagnostische Möglichkeiten

Trotz des Notfallcharakters der Erkrankung ist die eingehende Aufnahme des Vorberichtes (z.B. "hat Rosinen gefressen") sehr wichtig und kann Hinweise auf eine mögliche Ursache geben.

Bei der Blutuntersuchung werden häufig erhöhte Harnstoff-, Kreatinin-, Kalium- und Phosphorwerte festgestellt.

Bei der Untersuchung des Harnsedimentes findet man besonders bei der renalen Form Harnzylinder, Zellen und Kristalle.

Therapeutische Möglichkeiten

Schnelles Handeln ist erforderlich, um die verbliebene Nierenfunktion zu stützen!

  • Die erste und wichtigste Maßnahme ist Ersatz von Flüssigkeit durch Infusion und der Ausgleich von Elektrolyten.

Bei Patienten, die wenig oder gar keinen Urin absetzen, muss mit Einsatz von Diuretika versucht werden, den Harnabsatz wieder in Gang zu bringen.

Innerhalb von 24 - 36 Stunden sollte sich der Zustand des Patienten verbessert haben und eine Steigerung der Harnausscheidung erzielt worden sein.

  • Ist dies nicht der Fall, muss die Dialyse in Betracht gezogen werden.

Bei der Dialyse werden harnpflichtige Stoffe aus dem Blutkreislauf entfernt.

In der Humanmedizin geschieht dies mit Hilfe der "Hämodialyse":
Das Blut wird aus dem Körper durch eine künstliche Niere geleitet, dort gefiltert und dem Körper wieder zugeführt.

Dies wird bei Tieren nur in Ausnahmefällen durchgeführt, da die Anschaffung solcher Geräte sehr teuer ist.

In der Veterinärmedizin kommt meist die "Peritonealdialyse" (Bauchfelldialyse) zum Einsatz.
Eine hochosmotische Dialyselösung wird über einen Katheter in den Bauchraum verbracht und dort belassen. Durch den Konzentrationsunterschied zwischen der Lösung und dem Blut werden Wasser und Giftstoffe (Harnstoff, Kreatinin, Phosphor) aus dem Blut über das Bauchfell in die Dialyseflüssigkeit gezogen Als Dialyselösungen werden meist Ringerlaktatlösungen mit Dextrosezusatz verwendet.
Die Flüssigkeit wird regelmäßig, mehrmals täglich ausgetauscht.
Die Infektionsgefahr bei dieser Behandlung ist sehr groß. Katheter können daher nur 1 bis 2 Tage belassen werden.

  • Im weiteren Verlauf werden Antiemetika zur Behandlung von Erbrechen und Substanzen, die die Magenschleimhaut schützen, eingesetzt.
  • Die Ernährung erfolgt mit entsprechender Diätnahrung. Nehmen die Tiere anfangs nicht selbständig Nahrung auf, müssen sie eventuell über eine Ernährungssonde versorgt werden.

Tiere mit ANI neigen zu Harnwegsinfektionen, die eine antibiotische Behandlung erfordern.

Prognose, weiterer Verlauf

Die Prognose ist umso besser, je schneller die Erkrankung erkannt und eine entsprechende Therapie eingeleitet wird.

Die meisten Patienten sind "Intensivpatienten", deren Laborwerte im akuten Stadium ständig, also mehrmals täglich, kontrolliert werden müssen.

Ohne Intensivversorgung ist die Prognose mäßig bis schlecht.

Nach Überstehen der akuten Phase kann es Wochen und Monate dauern, bis sich die Blutwerte völlig normalisieren. Das therapeutische Vorgehen entspricht in dieser Zeit dem bei Vorliegen einer CNI (chronische Niereninsuffizienz).

Eine vollständige Heilung ist möglich.

Bei einigen Patienten entwickelt sich nach Überstehen der akuten Erkrankung eine chronische Niereninsuffizienz, mit der das Tier bei entsprechender Behandlung über Jahre leben kann.

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