Angeborene Zahn- und Gebissfehler

Angeborene Zahn- und Gebissfehler

Bei der normalen Kieferstellung („Orthognathie“) steht der vorderste Punkt des Oberkiefers leicht vor dem vordersten Punkt des Unterkiefers.

Durch züchterische Maßnahmen kam es zur Entstehung besonders kurzköpfiger (brachycephaler) Hunderassen, sowie auch von Hunden mit besonders langgestreckten (dolichocephalen) Schädeln.

Dies hatte natürlich auch Folgen für die Gebissentwicklung. So sind Möpse, Boxer und Pekinesen beispielsweise häufig „Vorbeißer“, deren Unterkiefer länger ist, als der Oberkiefer (Progenie, Mesialbiss). Man bezeichnet dieses Gebiss auch als „Hechtgebiss“ (Brachygnathia superior).

Auch kurzköpfige Perserkatzen sind häufig Vorbeißer.

Dem gegenüber haben Hunde mit langen spitzen Schnauzen (Collies, Dackel, Whippets z.B.) häufig ein „Karpfengebiss“ (Brachygnathia inferior). Sie sind „Hinterbeißer“, deren Oberkiefer länger ist, als der Unterkiefer (Retrogenie, Prognathie, Distalbiss).

Mit Ausnahme solcher spezieller Rassestandards sind Kieferfehlstellungen unerwünscht. Sie sind vererbbar und führen bei Rassehunden zum Zuchtausschluss.

Mandibula angusta“ , Unterkiefer-Steilstand,, Kaninusengstand Die Spitzen der unteren Fangzähne beissen in den Gaumen ein

Im Zusammenhang mit einem verkürzten Unterkiefer kann es zum sogenannten „Steilstand“ der Unterkieferfangzähne kommen: sie wachsen beim Zahnwechsel nicht außen am Oberkiefer vorbei, sondern bohren sich in die Schleimhaut des Gegenkiefers. (Wird auch als Kaninusengstand oder Kaninuslingualstand bezeichnet).

Die Folgen sind Schleimhautentzündungen und schmerzbedingte Fressbeschwerden.

Je nach Ausmaß der Fehlstellung und Zeitpunkt des Erkennens müssen in diesen Fällen kieferorthopädische Maßnahmen wie Aufbissschienen, Zahnkürzungen oder schlimmstenfalls die Extraktion des falsch stehenden Zahnes durchgeführt werden.

Eine milde Form der Gebissfehlstellung ist das Zangen- oder Kopfgebiss: Hier stehen im Gegensatz zum erwünschten Scherengebiss die Schneidezähne beider Kiefer aufeinander. Dies ist durchaus von züchterischer Bedeutung, führt zwar nicht zu Kaustörungen, aber zur vorschnellen Abnutzung der Schneidekanten.

Angeborene Abweichungen von der „normalen“ Anzahl der Zähne im Gebiss sind ebenfalls eher ein züchterisches als ein gesundheitliches Problem.

Man spricht von der Polydontie, wenn mehr Zähne als normal angelegt sind (meist Incisivi oder Prämolare), und von Hypodontie, wenn Zähne fehlen (häufig erste Prämolare). Das Fehlen zahlreicher Zähne, z.B. beim Nackthund, wird als Oligodontie bezeichnet.

Fehlen Zähne, so kann mit Hilfe von Röntgenaufnahmen abgeklärt werden, ob diese von Geburt an nicht angelegt sind, oder aber infolge einer Entwicklungsstörung nicht durch das Zahnfleisch durchgebrochen sind.

Da die Maßgaben hinsichtlich Kieferstellung und geforderter Zahnzahl bei den einzelnen Rassen sehr unterschiedlich sind und zum Ausschluss von Zucht und Ausstellungsteilnahme führen können, ist es wichtig, diese bei Ankaufs- und Verkaufsuntersuchungen zu beachten.

Milchzahnpersistenz

Milchzähne, die beim Zahnwechsel nicht ausfallen, nennt man „persistierende Milchzähne“. Auch dabei handelt es sich um eine Entwicklungsstörung.

Milchzahnpersistenz ist bei Katzen selten. Ein gehäuftes Auftreten liegt bei allen Zwerghunderassen vor.

Da der Milchzahn den nachwachsenden Zahn behindern und zu einer bleibenden Fehlstellung führen kann, ist es wichtig, den Milchzahn frühzeitig zu extrahieren.

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