Therapie

Therapie

Das unaufhaltsame Fortschreiten der Veränderungen macht deutlich, wie wichtig es ist, eine professionelle Zahnreinigung möglichst vor dem Entstehen irreparabler Schäden durchzuführen.

Hier gilt es natürlich auch, den Tierbesitzer von der Notwendigkeit der Therapiemaßnahmen zu überzeugen und ihn dafür zu sensibilisieren, die Maulhöhle seines Tieres regelmäßig zu inspizieren (soweit als möglich!).

Zahnbeläge und Zahnfleischentzündung sind als Erkrankungen zu werten. Es handelt sich dabei keinesfalls um ein rein ästhetisches Problem!

Für eine korrekte Durchführung aller zahnmedizinischen Untersuchungen und Therapien ist eine Sedation oder Allgemeinnarkose unumgänglich. Insbesondere bei älteren Patienten ist daher zur Minimierung des Narkoserisikos im Vorfeld ein Gesundheitscheck inklusive Blutbild ratsam.

Zur Vermeidung der Aspiration (Spülflüssigkeit, Blut, Bakterien) sollten die narkotisierten Tiere intubiert werden.

Nach der gründlichen, meist mit Ultraschall-Zahnsteinentfernungsgeräten durchgeführten Entfernung von Plaque und Zahnstein (sogenanntes „Scaling“), glättet die im Anschluss durchgeführte Politur die Zahnoberfläche und verzögert damit die Neuanlagerung von Belägen.

Beläge in Zahnfleischtaschen (Konkremente) müssen besonders berücksichtigt werden. Ihre Entfernung kann mühsam sein, da sie besonders hart und eng mit der Wurzeloberfläche verklebt sind. Da die Spitze der Ultraschall-Zahnsteinentfernungsgeräte (ZEG) meist zu dick ist zum Eindringen in die Zahnfleischtaschen, muss hier häufig mit Handscalern gearbeitet werden. Die Zahnfleischtaschen spült man mit Hilfe einer Tränennasenkanal-Kanüle mit einer desinfizierenden Lösung (zum Beispiel Chlorhexidinhaltige Zubereitungen).

In fortgeschrittenen Stadien, zum Beispiel bei sehr tiefen Zahnfleischtaschen und / oder Entzündungen des Zahnfleisches, bei denen schon ein leichter Druck mit dem Finger zu Blutungen führt, müssen operative Behandlungsmaßnahmen wie die Gingivaplastik oder Flap-Techniken (Verschiebeplastiken, bei denen Ersatzzahnfleisch aus chirurgisch mobilisierter Maulschleimhaut modelliert wird) durchgeführt werden. Liegen bereits große Teile der Zahnwurzel frei, und ist der betroffene Zahn schon nicht mehr fest verankert und wackelt schon, so bleibt nur noch dessen Extraktion.

Bei starken entzündlichen Veränderungen im Maul ist es sinnvoll, bereits einige Tage vor der Zahnsanierung Antibiotika zu verabreichen. Da es insbesondere durch Manipulationen in der Maulhöhle zum Verbreiten der Bakterien über die Blutbahn kommen kann, ist in den meisten Fällen auch eine anschließende antibiotische Versorgung angezeigt.

Die präoperative Antibiotikatherapie ist auch eine wichtige Vorsichtsmaßnahme für den behandelnden Tierarzt und die/den assistierende(n) Fachangestellte(n)!

Da sich beim Zahnsteinentfernen mittels Ultraschall immer ein bakteriell kontaminierter Spraynebel entwickelt, sollte man immer mit Mundschutz, evtl. auch mit Schutzbrille und Kopfhaube arbeiten.

AWB-2142148100