Präventive Maßnahmen

Präventive Maßnahmen

Borreliosen, Babesiosen, Anaplasmosen, Ehrlichiosen, Leishmaniosen und Filariosen werden von Jahr zu Jahr häufiger in deutschen Kleintierpraxen diagnostiziert.
Dies liegt zum Teil

  • an dem weiter wachsenden Trend, das geliebte Haustier auch in den Urlaub mitzunehmen,
  • sowie natürlich auch an den weiterentwickelten diagnostischen Möglichkeiten.
  • Darüber hinaus spielt aber auch die Verbreitung von Erregern als auch deren Vektoren über die ursprünglichen Verbreitungsgebiete hinaus in unsere heimischen Regionen hinein eine Rolle.

Ein weiterer Risikofaktor ist der mangelnde Schutz der Hunde vor den Überträgerparasiten. Dies gilt besonders, wenn eine Urlaubsreise nach Südeuropa geplant ist. Präventive Maßnahmen können das Risiko einer CVBD für Hunde erheblich minimieren.
Solche Vorsorgemaßnahmen sind nicht nur wichtig, um den Hunden einen oft qualvollen Leidensweg zu ersparen, sondern - gerade im Hinblick auf die Zoonosen Leishmaniose und die Filariosen - um die menschliche Gesundheit zu schützen.

Hier ist eine entsprechende Beratung und Aufklärung der Tierbesitzer besonders wichtig. Im Rahmen der Gesundheitsvorsorge, wie zum Beispiel bei der Impfuntersuchung, kann das Gespräch auch auf mögliche, anstehende Auslandsaufenthalte gebracht werden.

Zecken und viele Mückenarten ernähren sich von Säugetierblut. Da sie im Gegensatz zu Flöhen nicht stationär auf ihren Wirtstieren leben, wechseln sie den Wirt bei jeder Blutmahlzeit. Dieses Verhalten macht sie zu idealen Überträgern und Verbreitern von Krankheitserregern. Die Keime wiederum haben sich an die anatomischen und physiologischen Besonderheiten ihrer „Vektoren“ angepasst und können sich in ihnen entsprechend weiterentwickeln.

Mit Ausnahme der Hepatozoonose, die durch das Zerbeißen und Abschlucken infizierter Brauner Hundezecken übertragen wird, werden alle anderen, oben aufgeführten Krankheitserreger beim Saugakt der Zecken bzw. Mücken mit dem Speichel in die Stichwunde gebracht.
Mücken übertragen ihre Keime sofort.

Bei den Zecken gibt es je nach Keimart unterschiedliche Übertragungszeiten:
- Borrelien: 17 – 48 Stunden
- Anaplasmen, Ehrlichien: ca. 24 Stunden
- Babesien: 48 – 72 Stunden

Diese Übertragungszeiten gelten nur, wenn die Zecken bei ihrem Blutmahl nicht unterbrochen werden. Werden sie gestört und nehmen ihr Blutmahl erneut auf, können diese Übertragungszeiten erheblich verkürzt sein.

Fazit:
Das regelmäßige Absammeln der Zecken bietet nur bedingten Schutz. Häufig werden Zecken erst nach Tagen im dichten Fell der Hunde entdeckt, so dass sie genügend Zeit hatten, ihre gefährliche Erregerlast zu übertragen.
Ein Schutz vor einer Erregerübertragung ist nur dann gewährleistet, wenn ein entsprechendes Ektoparasitikum die Zecke in weniger als dieser Übertragungszeiten abtötet.
Der sicherste Schutz ist, wenn es gelingt, Zecken und Mücken bereits vor ihrem Blutmahl abzuwehren, zu „repellieren“.

In der Humanmedizin versteht man unter den so genannten „Repellentien“, Wirkstoffe wie zum Beispiel Autan®, deren Geruch Zecken und Mücken bereits abschreckt. Das heißt, hier kommt es erst gar nicht zum Kontakt Zecke bzw. Mücke und Mensch.

In der Tiermedizin hindern Wirkstoffe aus der Gruppe der Pyrethroide zwar nicht Zecken und Mücken auf dem Hund zu landen. Allerdings bewirken sie, dass die Blutsauger umgehend ihre Wirte wieder verlassen, da Pyrethroide zu starken Nervenreizungen an ihren Gliedmaßen führen. Sie bewegen sich wie auf einer heißen Herdplatte und wollen so schnell wie möglich runter vom Fell, deswegen der Begriff „Hot Feet Effekt“.
Ein kurzer Fellkontakt ist jedoch ausreichend, dass der Parasit nicht nur vor dem Blutmahl seinen Wirt wieder verlässt, sondern auch innerhalb der nächsten 2 – 4 Stunden abstirbt.

Siehe auch „Ektoparasitika im Vergleich“, Fernkolleg Ektoparasiten!

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