Leishmaniose

Leishmaniose

Leishmania infantum
(Quelle: Prof. Mehlhorn)

Erreger

Leishmania infantum ist der Krankheitserreger der Leishmaniose bei Hunden in Europa. Es handelt sich um einen einzelligen Parasiten (Protozoon), der sich vorwiegend in Körperzellen, die dem Immunsystem des Körpers (Lymphknoten, Knochenmark, Leber, Milz) angehören, einnistet.

Phlebotomus papatasi (Quelle: Bayer)

Überträger

Die Übertragung erfolgt durch den Stich von weiblichen Sand- oder Schmetterlingsmücken, Phlebotomen.
Männliche Sandmücken leben ausschließlich von Pflanzensäften, weibliche Mücken brauchen proteinreiches Blut zur Produktion ihrer Eier. Während ihres gesamten Lebens saugt das Mückenweibchen mehrmals Blut und kann daher mit dem Blut Leishmanien von infizierten Hunden aufnehmen und diese beim nächsten Saugakt wieder weitergeben. Die mit dem Blut aufgenommenen Leishmanien vermehren sich zwischen zwei Blutmahlzeiten im Mückendarm.

Sandmücken sind nur etwa 2mm groß und daher sehr windempfindlich.
Aus diesem Grund sind sie nicht in Strandnähe, sondern eher geschützt zwischen Häusern zu finden. Sie sind nur nachts aktiv, und im Gegensatz zu den meisten anderen Mücken ist ihr Flug absolut lautlos. Ihre jahreszeitliche Aktivität ist temperaturabhängig und beginnt im Frühjahr, wenn die Temperatur nachts nicht mehr unter 20°C fällt. Sinkt die Temperatur im Herbst nachts unter 15°C stellen sie ihren Flug ein.

Im Mittelmeergebiet sind etwa 1% aller Sandmücken mit Leishmanien infiziert. Bei Hunden, die sich in den Abendstunden im Freien aufhalten, muss man bei günstigem Wetter damit rechnen, dass diese pro Stunde etwa 100mal gestochen werden können. Das heißt „statistisch“ gesehen, werden sie pro Stunde ein Mal infiziert!

Eine Übertragung durch infizierte Blutkonserven ist ebenfalls möglich.
Eine infizierte Mutterhündin kann die Parasiten über die Plazenta auf ihre ungeborenen Welpen übertragen (intrauterine Infektion).

Vorkommen

Die Erkrankung ist weit verbreitet in den Mittelmeerländern. Vereinzelt wird auch von Erkrankungen berichtet bei Hunden, die Deutschland nie verlassen hatten.

Limitierender Faktor für die Verbreitung ist das Vorkommen der Phlebotomusmücken. Sie sind an wärmere Klimate adaptiert. Für ein Überleben benötigen sie eine Jahresdurchschnittstemperatur von mindestens 10°C (10°C Jahresisotherme). In einigen Gebieten Deutschlands werden diese Mittelwerte regelmäßig erreicht. Daher verwundert es nicht, dass in diesen Gebieten, wie zum Beispiel im Rheingraben und in Regionen in Baden Württemberg, die Überträgermücken bereits gefunden wurden.

Außer Leishmania infantum gibt es weitere verschiedene Leishmanien-Arten, die mit Ausnahme von Australien auf allen Kontinenten verbreitet sind. Dabei gibt es Arten, die für schwere menschliche Erkrankungen verantwortlich sind, wie Kala Azar („schwarzes Fieber“) oder die sogenannte Orientbeule. Über 90% dieser Erkrankungen treten in Indien, den Tropen, Subtropen und in Südamerika auf.

Inkubationszeit

Der Ausbruch der Erkrankung ist eng mit dem Immunstatus des infizierten Hundes gekoppelt. So sind klinische Erscheinungen bei geschwächter Abwehr oder bestehenden Stresssituationen (Reise, Umgebungsveränderungen bei Importhunden!) häufiger.

Die Zeitspanne zwischen Infektion und Krankheitsausbruch ist ansonsten gerade bei der Leishmaniose äußerst variabel: einige Wochen bis zu 7 Jahren! Das heißt, der Urlaub im Süden kann lange schon vergessen sein, wenn der Hund die ersten Krankheitssymptome zeigt!

Klinisches Bild

Nicht jeder mit Leishmanien infizierte Hund erkrankt. Die individuelle Reaktion des Immunsystems eines Hundes spielt eine maßgebliche Rolle, ob und wann es zum Krankheitsausbruch kommt.

Typisch ist ein chronisch, schleichender Krankheitsverlauf mit unterschiedlichsten, häufig zunächst weniger dramatischen Symptomen.

Gewichtsverlust, Teilnahmslosigkeit, Appetitlosigkeit, Erbrechen und Durchfall zusammen mit Hautveränderungen (Haarverlust, stumpfes, struppiges Fell, Schuppenbildung, kleine blutende Ohrrandgeschwüre, vermehrte Verhornung der Pfotenballen, vermehrtes Krallenwachstum) treten meist im Anfangsstadium der Erkrankung auf.

Lymphknotenschwellungen, Leber- und Milzschwellungen, Augenerkrankungen und Nasenbluten werden häufig festgestellt.

Im Endstadium kommt es schließlich zum Nierenversagen.

Diagnose

Ein wichtiger Hinweis ist ein vorausgegangener Auslandsaufenthalt!
Der Erregernachweis im Labor kann direkt und indirekt erfolgen:

  • Direkter Erregernachweis:
    1. Punktion eines Lymphknotens oder Knochenmarkspunktion und Nachweis der Parasiten mit Hilfe der PCR – Untersuchung. Auch in Hautbiopsien kann diese Untersuchung durchgeführt werden.
    Bei geschwürigen Veränderungen kann mit Hilfe so genannter Cytobrushes (sehen aus wie kleine Flaschenbürsten) äußerlich von der Wunde Gewebe entnommen werden und dieses ebenfalls mit der PCR – Methode im Labor untersucht werden.
    2. In Gewebeproben können Leishmanien auch direkt mikroskopisch im gefärbten Ausstrich nachgewiesen werden.
  • Indirekter Erregernachweis:
    Nachweis von Antikörpern gegen die Parasiten im Blutserum.

Achtung!: Wenn sich die Hunde noch in der Inkubationsphase befinden, das heißt, sie sind infiziert, aber die Erkrankung ist noch nicht ausgebrochen, kann es sein, dass keine Antikörper nachweisbar sind. Der Test wäre dann „falsch negativ“! Bei klinisch erkrankten Hunden sind in den meisten Fällen Antikörper nachweisbar.

Vor kurzem wurde auch ein Schnelltest für die Praxis zugelassen.

Eine typische und daher auch diagnostisch verwertbare Blutbildveränderung bei einer klinisch manifesten Leishmaniose ist das erhöhte Gesamteiweiß, wobei ganz speziell eine Erhöhung der Gammaglobuline zu verzeichnen ist, während der Albuminanteil häufig, insbesondere wenn es bereits zu Schädigungen der Niere gekommen ist, erniedrigt ist.

Therapie

Die Therapie der Leishmaniose ist nach wie vor langwierig. Häufig ist eine vollständige Heilung der Erkrankung nicht möglich. Die therapeutischen Ansätze konzentrieren sich daher neben der Erregerelimination vor allem auf eine Stärkung der körpereigenen zellulären Abwehr.

In Deutschland gibt es bisher keine speziell zugelassenen Präparate. Zum Einsatz kommen Meglumin und Miltefosin (keine Zulassung in Deutschland, Bezug über internationale Apotheke). Kombiniert werden diese oft mit Allopurinol, einem Wirkstoff aus der Humanmedizin, der über Monate, Jahre oder auch lebenslang verabreicht wird.

Prophylaxe

Da die Gefahr für Hunde, sich in Deutschland mit Leishmanien zu infizieren, wenigstens bisher als absolut gering eingestuft wird, besteht die sicherste Schutzmaßnahme darin, den Hund nicht in ein Gefahrengebiet zu verbringen.

Da Sandmücken nachtaktiv sind, sollten Hunde in Südeuropa sich möglichst nur am Tag draußen aufhalten.
Auch die tägliche prophylaktische Gabe von Allopurinol während des Urlaubsaufenthaltes kann vor Leishmaniose schützen.

Besonders wichtig sind entsprechende Maßnahmen gegen die Überträgermücken. Studien zufolge kann die Abwehr von Sandmücken mit entsprechenden Ektoparasitika, Hunde mit einer Sicherheit von nahezu 95% vor einer Infektion mit Leishmanien schützen. Das entsprechende Medikament muss dafür allerdings repellierende Eigenschaften besitzen. In einer in einem italienischen Tierheim durchgeführten Studie konnte die Übertragung bei Anwendung eines Permethrinhaltigen Spot-on Präparates alle drei Wochen unter Feldbedingungen zu 100% verhindert werden.

Normale Moskitonetze sind aufgrund ihrer Maschenweite nur von geringem Nutzen, da die Phlebotomusmücken wegen ihrer geringen Größe leicht hindurch schlüpfen können. Benötigt wird ein Maschenweite von ≤ 0,6 mm.

Inzwischen ist auch in Deutschland ein Impfstoff auf dem Markt, der das Risiko an klinischer Leishmaniose zu erkranken, reduziert.

Hunde, die in Risikogebieten waren, sollten etwa 4 Wochen nach der Rückkehr serologisch untersucht werden und bei negativem Befund u.U. mehrmals nachuntersucht werden.

Zoonosegefahr

Leishmaniose ist eine Zoonose. Durch den Stich einer Phlebotomusmücke kann auch der Mensch mit Leishmanien infiziert werden. Besonders gefährdet sind Kleinkinder bis zu einem Alter von etwa 3 Jahren und Menschen mit geschwächter körpereigener Abwehr.
Eine direkte Übertragung durch einen infizierten Hund ist zwar bis heute noch nicht dokumentiert, die Möglichkeit kann aber nicht ganz ausgeschlossen werden.

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