Filariosen: Herzwurmerkrankung, Dirofilariose und Hautfilariose

Filariosen: Herzwurmerkrankung, Dirofilariose und Hautfilariose

Errger

Filarien gehören zu den Rundwürmern, den Nematoden.

Eine Rolle als Krankheitserreger bei Hunden spielen Dirofilaria immitis, der Herzwurm und Dirofilaria repens, der Erreger der Hautfilariose.

Wie alle Nematoden sind die Filarien getrenntgeschlechtlich. Die erwachsenen, geschlechtsreifen Würmer werden als Makrofilarien bezeichnet.

  • Makrofilarien von Dirofilaria immitis, parasitieren in den großen herznahen Blutgefäßen (Arteria pulmonalis), bei starkem Befall auch im rechten Herzen und in der caudalen Körperhohlvene (Vena cava caudalis).
  • Makrofilarien von Dirofilaria repens leben im Unterhautbindegewebe.

Herzwürmer werden bis zu 18 cm (männliche Würmer) bzw. 30 cm (weibliche Würmer) lang und etwa 1 mm dick.
Männliche Würmer von Dirofilaria repens erreichen eine Länge von etwa 5 cm, weibliche 12 cm.

Herzwürmer werden durchschnittlich 7,5 Jahre alt, im Extremfall vermutlich sogar bis zu 15 Jahre!

Lebenszyklus Dirofilaria immitis
(Quelle: Bayer)

Die weiblichen Makrofilarien gebären Larven, die sogenannten Mikrofilarien. Diese werden in den Blutkreislauf abgegeben, in dem sie bis zu 2,5 Jahre überleben können.

Beim Blutsaugen werden sie von Stechmücken aufgenommen, in denen sie sich zu infektiösen Larvenformen weiter entwickeln.
Bei der nächsten Blutmahlzeit wird die Larve von der Mücke auf den nächsten Wirt (Hund, oder auch andere Fleischfresser, wie Wolf, Fuchs, Frettchen, Katze) übertragen.

Beim Herzwurm dauert es etwa 6 Monate bis diese Larve sich im Herzen ansiedelt, geschlechtsreif wird und mit der Produktion von Mikrofilarien beginnt

Überträger

Als Überträger fungieren verschiedene, auch in Deutschland vorkommende Stechmückenarten wie zum Beispiel Culex, Anopheles und Aedes. Bisher sind etwa 70 verschiedene Arten von Stechmücken als potentielle Überträger von Filarien bekannt!

© Prof. Mehlhorn

Vorkommen

Herzwürmer kommen in tropischen und subtropischen Gebieten vor.
In Europa ist die Erkrankung im gesamten Mittelmeerraum verbreitet. Inzwischen wurden auch in Deutschland Herzwurminfizierte Stechmücken nachgewiesen.
In Deutschland sind bisher nur Hunde betroffen, die zeitweise in einem Endemiegebiet gelebt haben.
Infektionen kommen außer bei Hunden auch bei Katzen und Frettchen vor.

Die Hautfilariose ist in Südeuropa und Osteuropa verbreitet.
Über Fälle von Infektionen in Deutschland und auch Österreich wird ebenfalls und in steigender Häufigkeit berichtet. Hautwurm-infizierte Stechmücken konnten auch in Deutschland mehrfach nachgewiesen werden.

Inkubationszeit

Wochen bis Monate.

Klinisches Bild

Dirofilaria immitis (Makrofilarien)
(Quelle: Prof. Mehlhorn)

Herzwurmerkrankung

Das klinische Bild und die Schwere des Krankheitsverlaufs sind abhängig von der Anzahl der parasitierenden Würmer und der Dauer der Infektion. Infektionen mit ein oder zwei Parasiten bleiben oft unbemerkt. Die Parasiten stellen einerseits ein Strömungshindernis im Blutkreislauf dar, andererseits führen sie auch zu Entzündungsreaktionen an den Blutgefäßen.

Milde Verlaufsformen äußern sich in Leistungsschwäche und Husten bei Anstrengung. Bei schweren Verlaufsformen kommt es zu Gewichtsverlust bis zur völligen Auszehrung, absoluter Leistungsintoleranz, Atemnot, Bauchwassersucht (Aszites), Lungen- und Gliedmaßenödemen.
Häufig führt ein Blutrückstau in die Leber zu einer fortschreitenden Zerstörung von Leberzellen und schließlich zur Leberinsuffizienz.
Werden abgestorbene Würmer abgeschwemmt, kann es infolge einer Lungenembolie auch zu plötzlichen Todesfällen kommen.

Hautfilariose

Oft verläuft eine Infektion völlig symptomlos. Manchmal werden die Würmer zufällig bei einer Operation im Gewebe entdeckt.

Teilweise rufen sie auch einzelne Zubildungen in der Haut hervor, die mit Hauttumoren verwechselt werden können. Nach der chirurgischen Entfernung werden die Parasiten im Inneren des Gewebes entdeckt.

Bei starkem Befall kann es zu großflächigem Juckreiz und entzündlich veränderten Hautarealen kommen, sowie auch zu granulomähnlichen Veränderungen innerer Organe.

Diagnose

Ein wichtiger diagnostischer Hinweis sowohl für das Vorliegen einer Herzwurmerkrankung, als auch für eine Hautfilariose ist das klinische Bild im Zusammenhang mit einem vorausgegangenen Auslandsaufenthalt.

Mit der Hilfe diverser Untersuchungsmethoden können die im Blut zirkulierenden ersten Larvenstadien, die sogenannten Mikrofilarien, nachgewiesen werden:

1. Direkter Nachweis im Giemsa gefärbten oder auch nativen Blutausstrich: EDTA – Blut auf einem Objektträger ausstreichen, mit Giemsa färben und unter dem Mikroskop durchmustern. Oder Nativpräparat: ein Tropfen EDTA – Blut wird mit einem Tropfen Kochsalzlösung verdünnt und auf einen Objektträger aufgetragen. Die beweglichen Mikrofilarien sind mikroskopisch sichtbar.

Der direkte Nachweis von Mikrofilarien ohne vorherige Anreicherung gelingt nur bei massiven Infektionen!

2. Anreicherung mit der Filtermethode: EDTA – Blut wird mit einer Lösung vermischt, die die roten Blutkörperchen zerstört und anschließend durch eine spezielle Filtermembran gepresst. Die an der Membran zurückgehaltenen Mikrofilarien werden angefärbt und unter dem Mikroskop untersucht. Für die Durchführung dieser Methode gibt es spezielle Testkits im Handel.

3. Modifizierter Knott – Test: 1ml EDTA – Blut wird mit 5 ml 2%igem Formalin vorsichtig vermischt und 5 Minuten bei 1300 Umdrehungen zentrifugiert. Der Überstand wird abgekippt und das Sediment mit 0,1%iger Methylenblaulösung angefärbt. 1 Tropfen davon verbringt man auf einen Objektträger und untersucht das Präparat unter dem Mikroskop bei 4-10facher Vergrößerung.

© Prof. Mehlhorn

Mikrofilarien sind etwa 30x so groß wie rote Blutkörperchen und daher leicht zu erkennen.
Nachteil dieser Diagnoseverfahren ist, dass sie unspezifisch sind. Bei etwa 20% der infizierten Hunde können mit diesen Methoden keine Mikrofilarien gefunden werden. Außerdem werden Mikrofilarien nicht nur bei Herzwürmern und bei der Hautfilariose sondern auch bei anderen Infektionen mit völlig harmlosen Filarienarten gefunden. Daher sollte im Anschluss an eine positive Mikrofilarienuntersuchung eine Spezifizierung im Labor erfolgen.

Mikrofilarien unterliegen einem Tag-Nachtrhythmus.
Sie sind insbesondere in den frühen Morgenstunden und den späten Abendstunden aktiv. Dementsprechend sollte zu diesen Zeiten auch die Blutabnahme erfolgen.
Bei der Untersuchung ist zu beachten, dass Mikrofilarien erst etwa 6 Monate nach einer Infektion im peripheren Blut auftreten!

Speziell zur Herzwurmdiagnose gibt es praktische Praxistestkits (zum Beispiel: SNAP – Test)
Bei diesen Testverfahren wird in einer Blutprobe ein Antigen nachgewiesen, das nur im trächtigen Uterus eines weiblichen Herzwurms vorkommt.

Das Verfahren setzt das Vorhandensein geschlechtsreifer weiblicher Herzwürmer voraus. Es kann daher frühestens 6 Monate nach einer möglichen Infektion durchgeführt werden. Mindestens 3 weibliche trächtige Würmer müssen vorhanden sein für eine zuverlässige Erkennung durch dieses Testverfahren.

Herzultraschalluntersuchung und Röntgenuntersuchungen vervollständigen die Diagnose bei einer Herzwurminfektion.

Therapie

Die Therapie einer Herzwurminfektion ist nach wie vor problematisch.
Es müssen sowohl die erwachsenen Würmer im Herzen und in den großen Blutgefäßen als auch die Mikrofilarien im Blutkreislauf bekämpft werden.
Zur Therapie der erwachsenen Herzwürmer wird Melarsamin eingesetzt, ein Präparat, welches in Deutschland nicht verfügbar ist und über die Auslandsapotheke besorgt werden muss. Je nach Schwere der Infektion ist die Gefahr, dass es durch die Behandlung zu lebensbedrohlichen Embolien durch abgeschwemmte Wurmteile kommen kann, recht groß. Auch eine chirurgische Entfernung der Würmer mit speziellen Zangen kann erforderlich sein.
Zur Elimination der Mikrofilarien werden Präparate mit makrozyklischen Laktonen eingesetzt (Moxidectin, Milbemycin, Selamectin).

Bei klinisch symptomlosen Verlaufsformen einer Infektion mit Dirofilaria repens sollten zur Abtötung der Mikrofilarien im Kreislauf alle 4 Wochen Präparate mit makrozyklischen Laktonen verabreicht werden. Moxidectin hat hierfür eine Zulassung..
Lokale Wurmknoten einer Hautfilariose werden chirurgisch entfernt.
Eine massive Hautfilariose mit systemischen, juckenden Hautveränderungen wird wie eine Herzwurmerkrankung behandelt.

Prophylaxe

Da eine Infektion mit Herzwürmern in Deutschland bisher noch sehr unwahrscheinlich ist, gilt auch für diese Erkrankung: Der beste Schutz besteht darin, Hunde erst gar nicht in Risikogebiete zu verbringen.
Ansonsten sind in Deutschland gut wirksame Präparate zur Herzwurmprophylaxe zugelassen, die Makrozyklische Laktone (Moxidectin, Milbemycin, Selamectin) enthalten.. Sie sollten zu Beginn einer möglichen Infektionsgefahr verabreicht werden, danach alle 30 Tage während des Aufenthaltes und letztmalig 30 Tage nach Verlassen des Risikogebietes.

Zum Schutz vor einer Hautfilariose kann ein Moxidectin-haltiges Präparat eingesetzt werden. Die Anwendung erfolgt wie zur Herzwurmprophylaxe.

Zusätzlichen Schutz bieten Ektoparasitika mit Permethrin oder Deltamethrin,, die Mücken abwehren und damit bereits eine Übertragung der Parasiten verhindern.

Zoonosegefahr

Menschen können über Mückenstiche ebenfalls mit Herzwürmern und Hautfilarien infiziert werden.
Herzwürmer verursachen knotenartige Veränderungen der Lunge, die mit einer Tumorerkrankung verwechselt werden können. Sie führen selbst generell nicht zu einer gesundheitlichen Beeinträchtigung.

Hautfilarien wurden bei Menschen schon aus der Unterhaut und aus der Bindehaut des Auges isoliert. In Deutschland wurde in 2014 der erste Fall bei einem Menschen diagnostiziert. Bei einem Mann konnte aus der Unterhaut im Schläfenbereich ein weiblicher Wurm isoliert werden.

AWB-2142148100