Krankheiten - Durch Zecken übertragene Erkrankungen

Krankheiten - Durch Zecken übertragene Erkrankungen

Die Eigenschaft der Dreiwirtigkeit macht aus Zecken ideale Überträger von Krankheitserregern wie Protozoen (zum Beispiel Babesien), Bakterien (zum Beispiel Borrelien) und Viren (zum Beispiel FSME – Viren).

Kleinsäuger beherbergen zum Beispiel häufig Borrelien, ohne selbst daran zu erkranken. Dies bezeichnet man als „Reservoirwirte“. Die Zeckenlarve oder Zeckennymphe nimmt die Bakterien beim Saugakt auf und überträgt sie bei ihrer nächsten Mahlzeit auf den nächsten Wirt, einen Hund oder auch auf einen Menschen, der dann eventuell erkrankt.
Die Chance zur Übertragung von Krankheitserregern ist damit sehr groß.

Studien haben gezeigt, dass regional jede 3. Zecke mit Borrelien infiziert ist. Die Durchseuchungsraten mit Anaplasmen bei Holzböcken werden mit 4-8% angegeben. Einige Holzböcke tragen sogar beide Erreger in sich.
Die Infektionsraten von Ixodes mit FSME – Viren (vor allem in Süddeutschland auftretend) sowie auch die von Auwaldzecken mit Babesien sind noch sehr gering. Sie betragen unter 1%.

Zeckenbefall – beim Igel

- beim Hund

Lyme - Borreliose

Die Lyme – Borreliose (Zeckenborreliose) gehört in Deutschland zu den am häufigsten durch Zecken übertragenen Erkrankungen. Im Durchschnitt geht man davon aus, dass 1/3 aller Holzböcke mit Borrelien infiziert sind.

Borrelien gehören zu den Schraubenbakterien. Sie befinden sich im Mitteldarm der Zecken. Mit Beginn des Blutmahls wandern die Borrelien zur Speicheldrüse und werden dort beim „Rülpsvorgang“ (siehe Kapitel Saugakt) in das Wirtsgewebe verbracht. Eine Übertragung findet daher meist erst nach 1 bis 2 Tagen statt. Entfernt man eine festgesogene Zecke vorher, kann eine Erregerübertragung verhindert werden.
Menschen und Hunde erkranken nach einer Infektion am häufigsten, seltener Pferde, Wiederkäuer und Katzen.
Nicht jede Infektion, das heißt Übertragung von Borrelien beim Saugakt der Zecke auf den Hund, führt auch zu einer Erkrankung. Nur etwa 5% der infizierten Hunde zeigen klinische Veränderungen.
Die häufigsten Symptome beim Hund sind Lahmheiten auf einer oder mehrerer Gliedmaßen durch Entzündungen von Gelenken. Diese Lahmheiten können von kurzer Dauer sein und ohne Behandlung wieder verschwinden, wiederkehren oder auch chronisch werden. Fieber, Lymphknotenschwellungen, Appetitlosigkeit und Schmerzen der Muskulatur können auftreten. Bei bestimmten Hunderassen (Berner Sennenhund, Golden Retriever) nimmt man an, dass durch eine Borreliose auch schweres, tödlich verlaufendes Nierenversagen ausgelöst werden kann.

Anaplasmose

Anaplasmen sind Bakterien, die von Holzböcken oder der braunen Hundezecke übertragen werden und in die weißen Blutkörperchen oder Blutplättchen ihrer Wirte eindringen. Die Übertragungszeit nach Beginn des Saugaktes beträgt mindestens 24 Stunden. Auch hier kommt es nicht nach jeder Infektion auch zu einer Erkrankung.
Der Krankheitsverlauf kann sehr unterschiedlich sein: mild bis dramatisch und akut bis chronisch.
Häufige Symptome sind Fieber, Appetitlosigkeit, Abgeschlagenheit, Schwellung von Leber und/ oder Milz, Kopfschiefhaltung, epileptiforme Krämpfe, Muskelschmerzen, Gelenkschwellungen, Blutungen in der Haut oder Schleimhaut, Nasenbluten.

Blutungen in der Mundschleimhaut

Babesiose

Babesien sind einzellige Parasiten, Protozoen, die beim Saugakt der Auwaldzecke in den Blutkreislauf des Hundes gelangen (Übertragungszeit: 48 – 72 Stunden) und dort in die roten Blutkörperchen eindringen und diese zerstören.
Bei der akuten Verlaufsform – die unbehandelt tödlich endet – zeigen die Hunde hohes Fieber, Kreislaufprobleme, Anämie (Blutarmut), Ikterus (Gelbsucht) und colafarbenen Urin (Ausscheidung der Blutabbauprodukte!)

Anämie

FSME, Frühsommer-Meningo-Enzephalitis

Erreger dieser durch Ixodes ricinus übertragenen Erkrankung sind Viren. Vorzugsweise in Süddeutschland (Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland Pfalz) besteht Infektionsgefahr. Eine Ausbreitung der Erreger nach Norden wird beobachtet.
FSME-Viren befinden sich in den Speicheldrüsen der Zecken und werden daher direkt mit Beginn des Saugaktes übertragen. Hier schützt also eine frühzeitige Entfernung der Zecke nicht vor einer Infektion!
FSME-Viren besiedeln bevorzugt das Nervensystem und können Hirnhaut und Gehirnentzündungen sowie Entzündungen von Nerven verursachen. Typische Krankheitserscheinungen sind Kopfschmerzen, hohes Fieber, Krämpfe und Lähmungen. Bleibende Schäden und vereinzelt auch Todesfälle kommen vor.
Durchschnittlich erkranken etwa 300 Menschen im Jahr in Deutschland an FSME.
Erkrankungen bei Hunden kommen vor, sind aber eher selten.

Weitere Erkrankungen: Ehrlichiose, Rickettsiose und Hepatozoonose

Die Erkrankungen werden in Europa durch die braune Hundezecke übertragen und sind damit „Reisekrankheiten“ und auf den Süden Europas, die Heimat der braunen Hundezecke beschränkt.

- Ehrlichien sind Bakterien und eng verwandt mit Anaplasmen, daher zeigen sich auch in den Krankheitsverläufen durchaus Parallelen.
Milde Verlaufsformen sind typisch, aber auch lebensbedrohliche Erkrankungen treten auf.
Typische Symptome sind Fieber, Appetitlosigkeit, Abmagerung, Lymphknotenschwellungen, Haut- und Schleimhautblutungen, Nasenbluten, Blutungen im Auge mit Sehverlust.

- Rickettsien sind ebenfalls Bakterien und nahe verwandt mit Anaplasmen und Ehrlichien. Die Bakterien befallen meist die Endothelzellen der kleinen Gefäße. Neben der Übertragung durch Zecken gibt es auch Spezies, die von Flöhen, Milben und Läusen übertragen werden. In Amerika ist vor allem R. rickettsii von Bedeutung. Die Erkrankung wird als „Rocky Mountain Spotted Fever“ bezeichnet und tritt bei Menschen und Hunden auf. In Südeuropa sind Erkrankungsfälle durch R. conorii (Erreger des Mittelmeerfleckfiebers) bei Hunden beschrieben. Symptome sind Fieber, Appetitlosigkeit, Apathie, Steifheit, neurologische Symptome und Punktblutungen.

- Die Hepatozoonose wird im Gegensatz zu den anderen Erkrankungen nicht beim Saugakt übertragen. Hunde infizieren sich, wenn sie eine braune Hundezecke zerbeißen und abschlucken. Nach der Infektion kommt es eher selten zu Krankheitserscheinungen. Betroffen sind meist junge oder immungeschwächte Tiere oder Tiere mit bereits anderen Infektionskrankheiten wie Ehrlichiose, Toxoplasmose, Babesiose, Leishmaniose, Parvovirose oder Staupe.
Die Symptome sind meist untypisch: Abmagerung, Appetitlosigkeit, Fieber, Muskel- und Knochenschmerzen, ZNS- Symptome wie epileptiforme Krämpfe.

Hepatozoonose

AWB-2142148100