Befall des Wirtes - heimtückisch und aggressiv

Befall des Wirtes - heimtückisch und aggressiv

Hallersches Organ

Zecken sind je nach Art ganz blind, oder sie verfügen über reduzierte Augengruben mit Photorezeptoren, die Hell – Dunkel – Reize empfangen und auf Schatten reagieren können. Wesentlich empfindlicher ist ein Sinnesorgan beiderseits im Bereich des ersten Gliedmaßenpaares, das „Hallersche Organ“, ein multipotenter Chemorezeptor.
Besonders Gerüche wie Kohlendioxid (in der Atemluft von Wirten), Ammoniak (Harngeruch von Wirten), Butter- und Milchsäure (Körpergeruch, Schweißgeruch von Wirten) werden durch dieses Sinnesorgan wahrgenommen und lösen Erregungen und Aktivitäten bei den Zecken aus. Auch Erschütterungsreize, Vibrationen und Körperwärme werden registriert.

Bei der braunen Hundezecke konnten Reaktionen auf Hundegebell nachgewiesen werden: die Zecken setzten sich in Richtung des Geräusches in Bewegung!

Hallersches Organ

Ihr Verhalten bei der Wirtssuche ist unterschiedlich.

  • Holzböcke gehören zu den heimtückischen „passiven“ Zecken mit der „Hinterhaltstrategie“: In Lauerposition warten sie auf vorbeikommende Wirte. Dabei klammern sie sich mit den hinteren Gliedmaßen an Gräsern, Ästen oder Gestrüpp fest. Das vordere Gliedmaßenpaar wird wie zwei kleine Radarantennen nach vorne auf der Suche eines nahenden Wirtes abgespreizt. Holzböcke sind gute Kletterer. Je nach Entwicklungsstadium klettern sie bis in eine Höhe von 1,5 Meter hoch. Kommt ein geeigneter Wirt vorbei, krallen sie sich an seiner Körperoberfläche fest und lassen sich abstreifen. Ohne Blutaufnahme können Zecken in diesem Stadium bis zu 1,5 Jahre überleben.
  • Ganz anders ist die Strategie von Auwaldzecken und braunen Hundezecken. Sie sind die aktiven Jäger unter den Zecken. Sie registrieren die oben beschriebenen Reize schon auf eine Entfernung von mehreren Metern und laufen dann aktiv mit einer beachtlichen Geschwindigkeit von 1m pro Minute auf ihr (häufig schlafendes!) Opfer zu.

Auf dem Wirt kriechen die Zecken teilweise stundenlang umher, um eine geeignete Stelle für die Blutaufnahme zu finden. Dabei tasten sie die Körperoberfläche mit fußartigen Tastorganen, den so genannten „Pedipalpen“ ab. Bevorzugt suchen sie möglichst wenig behaarte, dünnhäutige, geschützte, etwas feuchte Stellen, wie Achselbereich und Leistengegend auf.

AWB-2142148100