1.) Räudemilben

Entwicklungszyklus

Milbenweibchen bohren Kanäle in die oberen Hautschichten und legen dort während ihrer Lebenszeit von ca. 2 Monaten täglich 1-3 Eier. Nach wenigen Tagen schlüpfen bereits die Larven, die sich über 3 Häutungen und 2 Nymphenstadien zu den männlichen und weiblichen adulten Milben entwickeln. Die gesamte Entwicklungsdauer beträgt 14 Tage bei den Milbenmännchen und 21 Tage bei den Weibchen. Nymphen und männliche erwachsene Milben leben auf der Hautoberfläche. Hier findet auch die Begattung der Weibchen statt.
Sarcoptesmilben sind stationäre Parasiten, das heißt alle Entwicklungsstadien leben parasitisch auf dem Wirtstier. In der Umgebung können sie im günstigsten Fall (sie lieben die feuchte, kalte Umgebung) 18 Tage überleben.

Die Schadwirkung von Sarcoptes canis

Hochgradiger, nicht-saisonaler Juckreiz– im Anfangsstadium der Erkrankung ohne erkennbare Hautveränderungen gilt als Leitsymptom dieser Räudeerkrankung. Viele Besitzer beobachten verstärkten Juckreiz nachts und in warmer Umgebung. Die Veränderungen beginnen meist am Kopf, besonders betroffen sind: Ohrrand, Augenbogen, Nasenrücken, Mundwinkel.
Die weitere Ausbreitung geht über Ellbogen, Achselbereich, Gliedmaßen und Unterbauch. Die Räude kann sich über den ganzen Körper – einschließlich der Rute – ausbreiten und geht dann auch mit Allgemeinsymptomen wie Abmagerung und Anschwellung der Lymphknoten einher.

Klinisches Bild Sarcoptesinfektion

Anfangs zeigen die betroffenen Hautareale Schuppen, Hautrötungen und Haarverlust, später Krusten, Schwielen und Faltenbildung der übermäßig verhornten Haut.

Der starke Juckreiz wird zum einen durch Fress- und Bewegungsaktivitäten der Parasiten selbst verursacht, zum anderen aber auch durch allergische Reaktionen auf Milbenspeichel und Milbenkot.

Diagnosestellung

Mikroskopisches Bild

Der Milbennachweis gestaltet sich oft schwierig

Zum Direktnachweis der Milben müssen meist mehrere (erfahrene Dermatologen empfehlen 12-15!) tiefe Hautgeschabsel untersucht werden. Versetzt man diese mit 10%iger Kalilauge, werden die Milben abgetötet, strecken ihre stummelförmigen Beine vom schildkrötenähnlichen Körper und sind dadurch leichter zu erkennen. Bereits das Auffinden einer Milbe oder auch nur der Nachweis von Milbenkot gilt als beweisend für das Vorliegen einer Sarkoptesräude!

Gelingt der Direktnachweis nicht, gibt es die Möglichkeit, Blutserum auf Antikörper (IgG) gegen Milbenantigen zu untersuchen. Zu beachten dabei ist, dass am Anfang der Infektion noch kein IgG gebildet wird. In dieser Zeit würde dementsprechend eine Blutuntersuchung falsch negativ ausfallen. Ein positives Ergebnis ist erst 2-4 Wochen nach der Ansteckung zu erwarten.

Nach erfolgreicher Bekämpfung der Milben bleiben die Antikörper noch längere Zeit im Blut nachweisbar. In dieser Zeit würde dann eine Blutuntersuchung falsch positiv ausfallen!

Mensch

Hautausschläge beim Menschen

Sarcoptesmilben sind hochansteckend! Die Übertragung erfolgt hauptsächlich durch Kontakt von Hund zu Hund. Die Ansteckungsgefahr aus der Umgebung ist nur in Zwingern und bei hochgradigem Befall der Tiere gegeben. In diesen Fällen muss auch eine Behandlung der Umgebung erfolgen.

Nicht nur Hunde, auch Rotfüchse und Marder (bei engem, regelmäßigem Kontakt mit erkrankten Tieren auch Katzen, Frettchen und Meerschweinchen) können infiziert sein. Hier besteht eine erhöhte Ansteckungsgefahr für jagdlich geführte Hunde und Hunde, die im Wald im Bereich von Fuchsbauten stöbern.

Sarcoptes scabiei var. canis ist ein Zoonoseerreger.

Die Milben können sich zwar nicht auf der menschlichen Haut vermehren, rufen aber teilweise stark juckende Hautausschläge hervor. Betroffen sind besonders die Hautstellen, die häufigen, engen Tierkontakt haben. 

(Die Hautausschläge beim Tierbesitzer sind im Zusammenhang mit der entsprechenden Symptomatik des Hundes ein guter Hinweis für das Vorliegen einer Sarkoptesräude!)

Notoedres cati

Bei Katzen ist Notoedres der Erreger der so genannten „Kopfräude“ (feline Scabies). Bei Hunden wird dieser Parasit hingegen selten nachgewiesen.

Die Veränderungen beginnen meistens an der Außenseite der Ohren und breiten sich dann rasch auf den ganzen Kopf und Nacken aus. Später werden auch die Pfoten und schließlich der ganze Körper befallen. Es werden Krusten, Schuppen und – bedingt durch Juckreiz – auch selbstinduzierte Traumata gefunden.

Die Kopfräude ist hoch kontagiös und wird über direkten Kontakt übertragen. In Südeuropa sind viele streunende Katzen damit infiziert. Notoedresmilben sind Zoonoseerreger und somit auch für den Menschen ansteckend.

Gegenmaßnahmen bei Räudemilben

Die Behandlung von Erkrankungen durch Räudemilben war in der Vergangenheit eine echte Herausforderung sowohl für Tierärzte als auch für Tierbesitzer und insbesondere für die betroffenen Tierpatienten mit häufigen unangenehmen Prozeduren wie Ohrspülungen, Scheren des Haarkleides, Ganzkörperwaschungen u.s.w. verbunden. Eine erfolgreiche Behandlung setzt ausreichenden Kontakt zwischen Milben und Wirkstoff voraus.
Eine Besitzer- und Tierfreundliche neue Behandlungsmöglichkeit bieten Spot on Präparate, die makrozyklische Laktone enthalten (z.B. Moxidectin, Selamectin). Diese Wirkstoffgruppe wird nach der Applikation auf der Haut von dieser aufgenommen und wirkt systemisch über die Blutbahn. Ein intensiver Kontakt zwischen Wirkstoff und Parasit ist dadurch gewährleistet.

Da bei Milben symptomlose Trägertiere vorkommen können, ist es wichtig, immer alle Tiere, die mit dem erkrankten Tier in Kontakt stehen, zu behandeln.
Bei besonders schweren, hartnäckigen Erkrankungen sollte auch eine Umgebungsbehandlung in Betracht gezogen werden. Milben in Schuppen und Hautkrusten in der Umgebung können mechanisch durch häufiges Staubsaugen entfernt werden. Es gibt keine speziell zur Behandlung von Milben in der Umgebung zugelassenen Präparate. Eingesetzt werden können die in der Flohbehandlung üblicherweise angewendeten Produkte.

Otodectes cynotis (Ohrmilbe)

Entwicklungszyklus

Otodectes cynotis

Die Entwicklung vom Ei über ein Larven- und zwei Nymphenstadien bis zum Adultstadium dauert durchschnittlich 3 Wochen.

Schadwirkung von Otodectes cynotis

Otodectes cynotisist nicht wirtsspezifisch und kommt vor allem bei Welpen und Jungtieren vor. Bei Katzen ist diese Milbenart weit verbreitet.
Befallene Tiere schütteln häufig den Kopf, kratzen sich, und es kommt zu ausgedehnten Entzündungen im äußeren Gehörgang (Otitis externa) mit typischem, krümeligem Kaffeesatz-ähnlichem Sekret. Durch Kratzen können nässende Ekzeme an Ohrrand, Ohrgrund und Wange („Hot spot)“entstehen. Bakterielle Folgeinfektionen können zu Komplikationen wie Durchbruch des Trommelfells, Mittelohrentzündung und Taubheit führen.

Besonders bei Katzen können die Milben auch außerhalb des Gehörganges, im Bereich des Kopfes, des Halses und sogar im Bereich der Kruppe und des Schwanzes nachgewiesen werden!

Otodectesräude (schematisch, vor und nach Behandlung):

Ältere Tiere zeigen nach einer Infektion häufig gar keine Symptome, man spricht von „Carriern“ oder „symptomlosen Trägern“, spielen aber als Überträger auf Kontakttiere eine erhebliche Rolle. Daher ist es besonders wichtig, in einem Haushalt immer alle Tiere zu behandeln.

Mensch

In seltenen Fällen können Ohrmilben auch beim Menschen juckende Hautveränderungen hervorrufen.

Diagnose

Der Nachweis ist einfach: Das klinische Bild gibt meist schon einen deutlichen Hinweis auf das Vorliegen einer Ohrräude. Otodectesmilben sind mit dem Vergrößerungsglas des Otoskopes sichtbar. Auch bei der mikroskopischen Untersuchung von Ohrsekret sind sie einfach nachweisbar. Ohrmilben an anderen Körperstellen außerhalb des Ohres können mit oberflächlichen Hautgeschabseln gefunden werden.

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