2.) Haarbalgmilben

Einleitung

Demodexmilbe

Demodexmilbengehören in geringer Anzahl zum normalen Keimgehalt der Haut vieler – wenn auch nicht aller – Säugetierarten. Auch bei Katzen, Hunden und Menschen sind sie regelmäßig anzutreffen. Der Nachweis von einer Milbe im Hautgeschabsel, ohne klinische Hautveränderungen rechtfertigt daher keine Therapie!
Demodexmilben besitzen einen zigarrenförmigen, lang gestreckten Körper mit 8 Stummelbeinen (6 im Larvenstadium!). Sie ernähren sich vom Talg und Teilen der Haarwurzel.

Beim Hund erfolgt die Übertragung von der säugenden Hündin innerhalb der ersten drei Lebenstage auf die Welpen. Sogar bei 16 Stunden alten Welpen wurden bereits Milben festgestellt. Durch Kaiserschnitt geborene und mutterlos aufgezogene Welpen weisen keine Milben auf. Eine Übertragung im Mutterleib scheint daher ausgeschlossen.

Entwicklungszyklus

Demodexmilben parasitieren tief in den Haarbälgen. Bei sehr starkem Befall sind sie auch in den Talgdrüsen im Bereich dünnhäutiger, nicht oder nur wenig behaarter Körperstellen zu finden. Die Entwicklung verläuft komplett innerhalb der Haarfollikel über ein Larven und zwei Nymphenstadien in etwa 3 Wochen zum Adultstadium.

Nicht selten werden Milben in Lymphknoten und anderen Organen gefunden. Dabei handelt es sich um tote Parasiten, die über Blut- und Lymphflüssigkeit dorthin transportiert wurden.

Schadwirkung von Demodexmilben

Bei der Demodikose spricht man von einer sogenannten „Faktorenkrankheit“ oder einer „multifaktoriellen Erkrankung“: Das bedeutet, dass Demodexmilben an sich, wie oben schon erwähnt, nicht schädlich sind. In Verbindung mit Faktoren, die zu einer Schwächung der körpereigenen Abwehrkräfte (Immunsystem) führen, kann es aber zu einer massiven Vermehrung der Milben kommen. Dabei können Befallsdichten mit bis zu 80 000 Milben pro Quadratzentimeter Haut auftreten. Diese Milbenmassen verursachen dann nicht nur Haar- und Hautschäden, sondern setzen ihrerseits wiederum Faktoren frei, die die Immunabwehr noch weiter einschränken.

Man unterscheidet 2 Erkrankungsformen :

1. Die lokalisierte Demodikose

Von der lokalisierten Form spricht man, wenn bis zu 5 kleine, umschriebene, nicht juckende, schuppige, haarlose Hautstellen auftreten. Betroffen sind meist der Kopf, besonders im Bereich der Lefzen und Augenlider, und die Vordergliedmaßen: Körperteile, die beim Säugen den intensivsten Kontakt mit dem Muttertier haben!
Diese Form tritt meist bei Junghunden auf und zeigt in 90% der Fälle einen gutartigen Verlauf mit spontaner Heilung.

Zwingend ist die Kontrolle des Krankheitsverlaufs durch regelmäßige, im Abstand von 2-4 Wochen durchgeführte Hautgeschabsel bis zur vollständigen Ausheilung.
Zur Unterstützung des Heilungsverlaufs sind alle Maßnahmen wichtig, die die körpereigene Abwehr stärken. Dazu gehören regelmäßige Entwurmungen, qualitativ hochwertiges Futter und die Vermeidung von Stressfaktoren jeglicher Art.
Sofern keine Spontanheilung eintritt, ist eine akarizide (milbenabtötende) Behandlung dringend erforderlich.

2. Die generalisierte Demodikose

Bei allen Formen, bei denen mehr als 5 Hautstellen oder größere Hautstellen oder mindestens zwei Pfoten (Pododemodikose) verändert sind, spricht man von der generalisierten Form. Je nach Dauer der Erkrankung kommt es häufig zu bakteriellen Folgeinfektionen, zur Verdickung und verstärkter Verhornung der Haut sowie zu vermehrter Einlagerung von Pigmenten.

Sie kann bei Hunden jeder Altersstufe auftreten und gilt als schwere Hauterkrankung

Gerade bei älteren Hunden wird die Erkrankung häufig durch andere, das Immunsystem schwächende Grunderkrankungen, wie Infektionen, Tumore oder Stoffwechselerkrankungen ausgelöst. Außerdem ist bekannt, dass bei Linien verschiedener Rassen eine erbliche Prädisposition besteht.

Diagnose

Der Nachweis einer Milbe ist für die Diagnose „Demodikose“ nicht ausreichend! Für die gesicherte Diagnose ist der Nachweis mehrer Milben, am besten auch Jugendstadien (6-beinige Larven!) mit der Hilfe von tiefen Hautgeschabseln erforderlich.
Auch im Wurzelbereich ausgezupfter Haare lassen sich in vielen Fällen Milben und Milbeneier nachweisen.

Bei Rassen mit besonders dicker Haut (Shar-Pei), bei fortgeschrittenen Erkrankungen mit starker Verhornung und bei Vorliegen der Pododemodikose müssen Hautbiopsien genommen werden.

Gegenmaßnahmen

Die Wirkstoffgruppe der makrozyklischen Laktone hat sich auch bei der Bekämpfung der Demodikose als wirksam erwiesen.
Bakterielle Sekundärerkrankungen müssen antibiotisch behandelt werden.
Da es sich bei der Demodikose jedoch um eine Erkrankung handelt, deren Ausbruch sowie auch deren Heilung stark abhängig ist vom Zustand des körpereigenen Abwehrsystems, sind Erforschung und Therapie von vorliegenden Grunderkrankungen sowie allgemeine Maßnahmen zur Förderung der Immunabwehr genauso wichtig, wie die akarizide Therapie.

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